Home, sweet home

Am Lohgraben kann’s auch ganz gemütlich sein….

Da stehen sie nun bereit, die zeitgemäßen High-Tec-Unterkünfte für unsere Obdachlosen – fein aufgereiht auf dem Betriebshof der Friedhofsgärtnerei. Verkehrstechnisch äußerst vorteilhaft mit fußläufiger Anbindung an Bundes- und Wasserstrasse, Bahn und Flugplatz – wenn es denn benötigt wird.

Leider ist mir nicht bekannt, ob das offensiv aufgestellte DIXI-Klo nur Kunst am Bau sein soll oder die Latrinen-Infrastruktur der Behelfsunterkunft ist. Sollte es tatsächlich für die Notdurft vorgesehen sein, würden mir für die Erfahrungsberichte der Nutzer schon prima Buch-Titel einfallen: ‚Zwei Jahre auf Du und Du mit DIXI‘, ‚Das Plumpsklo über’n Hof‘ oder ganz einfach ‚Harter Stuhlgang‘.

Nun kennen alle diese niedlichen Plastikboxen von Rockkonzerten im Freien oder Volksfesten – und die Mai-Sonne scheint auch ganz friedlich auf das kleine Container-Ensemble. Aber lassen wir es mal Februar werden, morgens um 7:00 Uhr und dann der Weg ins Freie zum vereisten Plastikhäuschen…da bekommt der dritte Titelvorschlag doch schon eine ganz andere Bedeutung…

Was ich leider noch nicht gehört habe: wann die Spitzen der Verwaltung,  evtl. begleitet von den Vertretern der Northeimer Lokal-Polletick und der christlichen Kirchen, ein Probewohnen am Lohgraben eingeplant haben, damit sie anschließend – basierend auf eigener Erfahrung – das Loblied der angemessenen Unterbringung der Obdachlosen vortragen können.

 

Bar jeder Vernunft

…heißen andernorts Gaststätten, in Northeim finden wir das im Rathaus…

„Wo ist Behle?“ – das kennen wir. Die aktuelle Variante in Northeim lautet nun „Wo ist der Bürgermeister?“. Nicht dass man ihn unbedingt immer an seiner Seite wissen möchte, ohnehin wünscht sich mancher im Rathaus, dass er in Gottweisswo wäre – ohne Rückfahrkarte.

Der Hilferuf kam in diesem Fall aus dem Bau-Ausschuss, der eigentllich immer ein Garant für Real-Satire ist; eventuell nicht für alle (speziell die Mitglieder), aber auf jeden Fall für unbeteiligte Dritte, solange sie nicht im Dörtalsweg wohnen.

Was war nun wirklich passiert? Die lokale Presse in Form der HNA hatte von dem Sturm im Wasserglas nichts berichtet, sodass hier exklusiv das Anzeigenblatt ‚Hallo‘ kolportieren durfte (18.3.17). Lassen wir einmal die handelnden Personen Revue passieren:

Da ist zuerst ein Bauamtsleiter, der sich scheinbar Sporen und Respekt verdienen möchte (er hat auch schon Visionen, war aber wohl noch nicht beim Arzt…), der dem Bürgermeister freundlich Absens gewährt, da es nur um wenige Punkte gehe, bei denen er selbst und persönlich der Ansprechpartner sei. Nobel.

Das mißhagte aber nun Schwarz-Rot-Grün, die gern einmal in das Bürgermeister-Gesicht geschaut hätten, auch wenn der Amtsleiter eine kompetente Person sei. Wenn das darin gipfelt, dass nur der Bürgermeister bestimmte (welche denn?) Fragen beantworten könne, fragt man sich doch, ob der Name des Bürgermeisters Tannhäuser, Gantenbein oder Louis XIV. sei. Oder ob man diese ‚wichtigen‘ Fragen nicht besser im Rat stellt.

Über die Leidensgeschichten, die anschließend Mitglieder des Ausschusses zum Besten gaben, sieht der Chronist einfach hinweg – viel possierlicher ist da doch die Protokoll-Klamotte: Da wird ein Protokoll von der Verwaltung veröffentlich, das der Ausschuss-Vorsitzende freigegeben hat. Dann wird es wieder zurückgezogen, weil es vom Bauamtsleiter und vom Vertreter des Bürgermeisters noch nicht freigegeben wurde. Daraufhin mokiert sich der Vorsitzende, der scheinbar von diesem Prozedere nichts ahnt und der Bauamtsleiter entschuldigt ‚die Verwaltung‘, da sie von diesen Regularien scheinbar auch nichts ahnt oder es schon immer so war, aber es keinen gekümmert hat. Wer ahnt hier eigentlich was? Es passt aber zu diesem Amt, in dem gelegentlich einfach Parkplätze verschwinden.

Ja, zum Schluss kommen dann auch noch die Dörtalaner dran: Da gibt es eine Eingabe, die 3-4 Wochen vor der Sitzung einging und die es leider nicht mehr in die Tagesordnung schaffte, da der Weg über die Schreibtische von Bürgermeister, Amtsleiter und Abteilungsleiter zu lang war. Wenn dann auch noch eine Erkrankung des Abteilungsleiters vorgeschoben wird, der sicher nicht über die Tagesordnung und die Unterlagen allein entscheidet, wird es einfach nur peinlich. Aber wenn schon ganze Parkplätze verschwinden, warum soll dann nicht auch mal ein Briefchen (wahrscheinlich von bekannten Querulanten…) auf der Wartebank versauern…

Wie schon angedeutet: über diese Sitzungen kann man keine Satiren schreiben – das ist alles schon erledigt….

Und wer es nicht glauben mag: das Ratsinfosystem dokumentiert das bestens – einfach mal die Protokolle lesen, dann versteht man den Behle…äh den Bürgermeister bestens!

Ducken!

Hundescheisse und Obdachlose

Da kann und muss man Frank Jentzsch auf Faceboook nur zustimmen, wenn er einen Beitrag von Roy Kühne über das Nichträumen von Hundekot kommentiert, ob es nicht wichtiger wäre z.B. über die Pläne mit der Obdachlosenunterkunft statt über Hundekot zu sinnieren. Die geplante ‚Umsiedlung‘ stinkt meiner Meinung nach wesentlich mehr zum Himmel hinauf (siehe auch http://www.acwindhorst.de/wordpress/?p=161).

Aber es passt ins Bild: Die Pläne der Stadtverwaltung haben bei allen, mit denen ich gesprochen habe, mehr als Kopfschütteln hervorgerufen – um es höflich auszudrücken. Eine Frage muss noch gestellt werden: Ist das ein Plan, den die Verwaltung selbst erstellt und verfolgt hat ohne die Zustimmung des Stadtrats einzuholen oder hat ein kleines Kartell im Verwaltungsausschuss das inclusive der Mittelfreigabe (min. 20.000 €) beschlossen? Und nun – nach dem eindeutigen Echo der Leserbriefe – herrscht Gegenwind und keine der ‚etablierten‘ Parteien gibt einen Laut?

Es ist beschämend, dass hier nur die AfD und die Linke sich bisher geäußert haben, der Rest duckt sich und stellt sich tot. Die Farben Schwarz, Rot, Grün und Gelb werden in dieser Diskussion nicht aufgezogen – ist das das Bekenntnis der Mitverantwortung?

Ach ja: fast hätte ich unsere christlichen Kirchen vergessen; möglicherweise sind die Vertreter ja alle im Ski-Urlaub oder heben sich das Thema für die nächste Sonntagspredigt auf. Eventuell hat man sich in diesen Kreisen auch gedacht, dass zu dem Thema bereits vor 2000 Jahren alles von oberster Instanz gesagt worden sei und es keiner weiteren Bekräftigung bedürfe:

Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matthäus 25,40)