Wer stoppt die Stadtverwaltung?

Container sind nur ein Transportmittel…

Meine Mutter hatte eine ziemlich einfache Leitlinie in ihrem Leben: „Was du nicht willst, dass man tu, das füg auch keinem anderen zu“. Ich glaube, dass in Northeim eigentlich kein Bürger in einem Container ‚wohnen‘ möchte – und das sollte für alle Menschen in der Stadt gelten. Wenn dann noch ‚Abgabe/Einlagerung der letzten Habseligkeiten‘ und ‚Tiere ins Tierheim‘ als Begleitmusik erklingt, muss man einmal fragen, wer diese Musik bestellt hat. On top als Dreingabe: ‚Einfriedung hinter einem Schutzzaun‘ – wer wird vor wem geschützt? Mit oder ohne Wachpersonal?

Nach dem ersten Plan, die Obdachlosen auf dem Gelände der Stadtgärtnerei auszulagern (wer in der Stadtverwaltung kommt auf solche Ideen?) nun die Variante am Eschenschlag: als ob das die Grundkonstellation besser machte – der Guantanamo-Flair breitet sich nun in der Baulücke am Gericht aus. Während am Friedhof qua Erdlage der Anwohner keine Proteste zu erwarten waren, sind es am neuen Standort nur wenige Aspiranten, die sich zwischen Boateng und den Obdachlosen entscheiden müssen…

Da werkelt die Verwaltung nun vor sich hin – und wo bleiben die Stellungnahmen unserer Bürgervertreter? Wer hat der Verwaltung überhaupt diesen Auftrag gegeben, wer hat die Budget-Mittel dafür freigegeben? Was sagen eigentlich die Vertreter unserer christlichen Kirchen dazu, die doch angeblich stark der Nächstenliebe verpflichtet sind? Alle auf Tauchstation. Sendepause. Das Thema ist nicht stimmentauglich.

Eventuell gäbe es da Nachhilfe von Landkreis, der tapfer sein Mantra von der ‚dezentralen Unterbringung‘ verteidigt hat, als es galt, hunderte von Flüchtlingen unterzubringen. Es hat geklappt. Warum geht das nicht auch für 15 Obdachlose – in Einzelwohnungen oder als ‚Wohngemeinschaften‘?

Und jetzt dazu die Eile. Gab es günstige Container-Schnäppchen aus Lager-Auflösungen? Die Missstände in der alten Behausung sind sicher seit ca. drei Jahren bekannt und haben bisher keinem Ratsmitglied oder Verwaltungsmitarbeiter schlaflose Nächte bereitet.

Das Schweigen der Kirchen mag ja auch einen anderen Grund haben – zu diesem Thema ist bereits alles gesagt: Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matthäus 25,40)

 

Tag der Warmduscher

Der Kreis-Schulausschuss bekennt sich zum Durchwursteln

Es ist ja Wahljahr und da fällt man keine ‚richtigen‘ Entscheidungen. Und Eltern und Lehrer sind ja lauter als Kinder, die zudem keine Wahlstimme haben. Also wird die Klientel bedient und mit ‚Keine Experimente‘-Abtauchen erstmal alles beim Alten gelassen: Nur keine Schulgebäude schließen, lieber in die alten Gemäuer nochmals investieren, auch wenn man weiß, dass in zwei Jahren endgültig die Lichter ausgehen – die Steuereinnahmen sprudeln ja mal wieder recht gut.

Also soll alles bleiben wie es ist: die Oberschulen in Gandersheim und Kalefeld weisen nach Einschätzung des Kultusministeriums bereits seit Jahren schon nicht mehr die erforderlichen Schülerzahlen auf, die für den Erhalt der Schulen notwendig sind (http://pvrat.de/ratsinfo/lknortheim/3072/MTMwXzAzLnBkZg==/12/n/33065.doc). Und anstatt nun endlich die Zusammenlegung zu beschließen, wird wieder die lange Bank aufgesucht: die Interessen der Schüler spielen keine Rolle. Denn die würden von einer Zusammenlegung tatsächlich profitieren, weil es dann möglich wäre, ein breiteres und differenzierteres Kursangebot für die Schüler zu machen.

Nicht zu vergessen die Nebeneffekte: durch die größere Zahl der Schüler wird bei der Klassenteilung mehr Spielraum geschaffen, der für eine bessere Lehrerquote genutzt werden könnte: bei 60 Schülern je Jahrgang kann man sowohl 4 Klassen á 15 Schülern als auch 3 Klassen á 20 Schüler bilden. Nimmt man die 3-Klassen-Variante, steigt unmittelbar die Lehrer-Versorgung der Schule! Dazu ist das Gebäude in Gandersheim wahrscheinlich in besserem Zustand (dort gibt es keinen Instandsetzungs-Bedarf in Millionenhöhe). Wenn man dann noch sieht, dass das Gebäude in Kalefeld ca. 300.000 Euro Kosten je Jahr verursacht (u.a. hat es nach der HRS Kreiensen die höchsten Energiekosten je Schüler), kann es eigentlich keinen anderen Beschluss als die Zusammenlegung geben.

Nun könnte man noch die Fahrkosten anführen: nach Schätzung des Kreises würden ca. 60.000 Euro on top dazukommen (entspräche 100 neuen Fahrschülern, wenn man die Durchschnittskosten des Landkreises in Höhe von 600 Euro/Jahr/Schüler ansetzt) – kein Vergleich zu 300.000 Euro, oder? Einige Kalefelder Schüler müssten dann auch zu Fahrschülern werden – aber für die Mehrheit der ca. 220 Schüler in Kalefeld (wo nur 20% der Einwohner des Alten Amts wohnen) ist ‚Fahrschüler‘ bereits der aktuelle Status und für einige wird die Fahrstrecke ca. 10 Minuten länger. Aber klagen darüber auch diejenigen, die ihre Kinder zur Realschule nach Northeim oder dem Gymnasium nach Bad Gandersheim (oder Northeim) oder der KGS in Moringen schicken?

Und der Rest der Nicht-Entscheidungen fügt sich dem obigen Trauerspiel an: Oberschule in Northeim ohne die Thomas-Mann-Schule, die auch ein Wackelkandidat ist. Warum nicht die durchgängige Lösung? Weil man dann wieder in Richtung IGS käme, die in einer zweifelhaften Elternumfrage nicht die notwenige Zustimmung erhalten hatte.

Auch in Einbeck keine Entscheidung, stattdessen eine Gesamt-Deckelung von IGS und Lönsschule – natürlich verbunden mit zusätzlichen Baumaßnahmen, obwohl wenige Kilometer weiter die HRS in Greene Kapazitäten hat; und der droht genauso das Aus, da auch hier die Schülerzahlen deutlich unterhalb der Mindestgrenze liegen. Und zur Situation in Katlenburg-Lindau mit dem gleichen Problem: Kein Wort. Was anderes hätten wir auch nicht erwartet beim Warmduschen.

Früher gab es den Schlappenschammes…

…heute muss die Landrätin selbst den Kopf hinhalten

Die Schulentwicklung – alle Landratskandidaten hatte sich das aufs Panier geschrieben – aber ohne konkret zu werden, weil das bekanntlich nur die Wählerstimmen reduziert.

Nun wird es ernst – im Februar 2017 soll nun etwas entschieden werden: wenn da nicht die lange Bank wäre, auf der allerdings kaum noch freie Plätze zu finden sind. OS Kalefeld vs. OS Gandersheim, OS Kreiensen vs. RS Löns vs. IGS Einbeck: viele Handschuhe sind im Ring, wer mag sie aufheben?

Nun sind einige (auch krude) Vorschläge in der Diskussion und alle Betroffenen reagieren, wie wir es erwarten: Ändere anderswo, aber nicht bei uns!

Bevor wir mit ins Gewühl stürzen: Wozu ist Schule eigentlich in erster Linie da? Meine Antwort: Für die Schüler. Und zwar in einer Form, die ermöglicht, dass den Schülern ein differenziertes Angebot für ihre Ausbildung gemacht wird; ein Angebot, das ihren unterschiedlichen Stärken, Schwächen und Neigungen nicht zu 100% entspricht, aber ihnen im Rahmen des Möglichen entgegenkommt und sie mitnimmt. Begabung heißt Begaben – um einen alten Kalauer der Nachkriegspädagogik zu bemühen, der – zumindest für mich – immer noch gilt.

Und dann haben wir die Schulorganisation und die Erbhöfe mit Plan- und Haushaltsstellen. Mag auch alles wichtig sein für das Lehrpersonal -ist aber nur die dritte oder vierte Priorität.

Als Folge der Baby-Boomer-Jahre mussten immer mehr Schulen gebaut werden, um der Nachfrage gerecht zu werden, als Folge der Baby-Verweigerung muss nun die umgekehrte Richtung eingeschlagen werden. Da muss man auch nicht spekulieren: die potentiellen Zugänge der Schulen nach der Grundschule sind per heute für die nächsten 10 Jahre bekannt. Da gibt es keine Überraschungen mehr, wir befinden uns ganz einfach im Sinkflug.

Und im Bereich der Haupt- und Realschulen, die vernünftigerweise oft in eine Verwaltungseinheit ‚Oberschule‘ zusammengelegt worden sind, benötigen wir eine gewisse ‚Größe‘, um den Schülern differenzierte Angebote in jedem Jahrgang zu machen, die den Begabungen und Leistungen der ‚Inhaftierten‘ entspricht: Bei zwei Klassen je Jahrgang in einer Oberschule haben wir doch letzlich immer nur eine Real- und eine Hauptschul-Klasse in Camouflage. Bei einer anzustrebenden Dreizügigkeit bedeutet das, dass eine untere gute Schulgröße bei 450 Schülern liegen könnte.

Nun liegen Vorschläge auf dem Tisch seitens der Kreisverwaltung, ebenso die Stellungnahmen der betroffenen aufzulösenden/zusammenzulegenden Einheiten. Und eine Stellungnahme des Kultusministeriums, die sich für mich wie eine Serie von Ohrfeigen liest (http://pvrat.de/ratsinfo/lknortheim/3072/MTMwXzAzLnBkZg==/12/n/33065.doc). Nun mag der zuständige Bearbeiter evtl. nicht in allen Fällen recht haben, aber für mich erzeugen die Ausführungen keinen direkten Eindruck von umsichtigem Handeln in Kreisverwaltung und Kreistag.

Nur die Highlights hier in kurz:
a) Die Gesamtbewertung: angesichts der Verpflichtung, auf die Entwicklung der Schülerzahlen organisatorisch zu reagieren, seien die Ausführungen des Landkreises nur „teilweise zielführend“. Nett ausgedrückt.
b) Für die Beurteilung der Schülerzahlen seien nicht die Vorgaben des Klassenbildungserlassen heranzuziehen (wie es wohl die Kreisverwaltung gemacht hatte), sondern die Vorgaben der SchulordnungsVO, die klare Zahlen für Mindestzügigkeiten vorgeben – ohne Einrechung der Inklusionsfälle. Das nennt man Nachhilfe.
c) In $4 der SchulOrgVO seien Vorgaben für die Mindestgröße der Schule festgelegt: 2 Züge á 24 Schüler = 48; diese Vorgabe werde sowohl in Kalefeld als auch in Gandersheim seit Jahren nicht mehr erreicht, ohne dass Maßnahmen ergriffen wurden.
d) Die Bildung von Außenstellen (eine Variante des Landkreis-Plans) sei nicht in der Beurteilungs-Hoheit des Landkreises, sondern müsse von Schulleitung, Schulvorstand und Konferenzen entschieden werden – sofern die Rahmenbedingungen es überhaupt zuließen, was im Fall Kalefeld-Gandersheim höchstwahrscheinlich vom Kultusministerium nicht genehmigt werden würde. Fazit: Viel Lärm um Nichts, eine alternative Varianten, die von vornherein wie eine Totgeburt aussieht: sieht man das bei der Kreisverwaltung nicht oder ist das nur ein Ablenkungsmanöver?
e) Und als Zugabe gab’s dann noch was auf die Ohren:
– in der IGS Bodenfelde wäre seit Jahren Handlungsbedarf, da die Mindest-Schülerzahl nicht gehalten wird: „..untragbar seit längerer Zeit“.
– ebenfalls bestünde dringender Handlungsbedarf in Kreiensen
– dito kämen die gleichen Probleme auch in Dassel und Katlenburg
– in Northeim wäre es ebenso mit Realschule und G.-Hauptmann-Schule, wobei bei der Lösung auch die Th.-Mann-Hauptschule  (100 Schüler) mit einbezogen werden sollte.

Ende gut – alles gut? Ich seh das leider (noch??) nicht…

Achja und PS: die armen Schüler, die dann nicht mehr zu Fuß in die Schule gehen können: die gibt es bereits heute nicht mehr, die Realität ist die, dass ca. 50% aller Schüler heute schon Fahrschüler sind: auch in Kalefelde, einer Gemeinde, die nur 20% der Bewohner des Alten Amts beherbergt. Und einem Schüler aus Sebexen ist es wohl ziemlich egal, ob der Bus morgens nach Gandersheim oder nach Kalefeld fährt…