Mühlenanger zum Zweiten….

„Wenn die das brauchen, dann kriegen sie es auch, ist doch `ne städtische Gesellschaft!“

Ja, wenn man es so sieht, dann gibt es ja überhaupt keine Zweifel: die eine Verwaltung gibt einfach, was die andere fordert. Was der Bürger davon hält – papperlapapp, da werden ein paar Pseudo-Argumente an den Haaren herbeigezogen – und ab damit! So sieht es aus beim Verhökern des Mühlenangers, des seit vielen Jahrhunderten zentralen Festplatz in unserer Stadt Northeim. Und der Rat? Na, der lässt die Verwaltung machen, was sie mag: „Wenn die das brauchen….“.

Natürlich gibt es eine Aufstellung von Argumenten, die diesen Verkauf begründen sollen; einen Verkauf, der einen in der Stadt einzigartigen Veranstaltungsplatz für ein paar daher geholte betriebswirtschaftliche (??) Argumente wesentlich beschneiden soll. Machen wir uns doch die Mühe, das einmal anzuschauen!

Was finden wir als Begründung: es fehle an Lager- und Büroflächen. Schauen wir zuerst auf die Büroflächen. Einige Büros sind im Keller untergebracht, für Azubis fehlten ebenfalls Plätze. Da würde ich zuerst einmal die Frage stellen, warum denn kein Anbau an das bestehende Gebäude vorgenommen wird? 100 qm Grundfläche mal 2 Etagen = 200 qm = mind. 15 Arbeitsplätze – und das bei insgesamt ca. 55 Mitarbeitern? Was hindert die SWN, den Vorgarten zu bebauen? Dass dabei dann auch ein barrierefreier Zugang zum ‚Kundenzentrum‘ dabei ist – das schadet nicht. Dafür benötige ich keine 6.000 qm – und über einen Zipfel Mühlenanger am Südost-Ende der Platzes brauchen wir nicht zu streiten.

Wenn dann an den Lager-Westtrakt auch noch eine Erweiterung kommt, wäre dem Zählerlager auch Genüge getan. Ich kann mir übrigens den immensen Platzbedarf des Zählerlagers nicht wirklich vorstellen: mein Stromzähler und mein Gaszähler haben die Abmessung 20×30 cm bei 5 oder 10 cm Tiefe, vom Wasserzähler brauche ich nicht zu sprechen. Die 19.000 Stromzähler müssen nach spätestens 16 Jahren getauscht werden, Gaszähler (8.000) alle 8 Jahre und Wasserzähler (7.000) alle 6 Jahre. Selbst wenn die Stromzähler nach 8 Jahren getauscht werden würden, hätten wir einen Bedarf von 200/Monat, bei den anderen Zählern 100/Monat. In meiner Vorstellung wären das 4-5 Paletten pro Monat, für die ich einen Platz benötige – das soll dann 6.000 qm erfordern?

Dann wären da noch die Bedrohungen im Kundenservice – diese Sau hat ja vor zwei Wochen die Kreisverwaltung durchs Dorf getrieben, da wird sofort mit aufgesattelt. Falls das ein Problem wäre, empfehle ich einen Besuch im Finanzamt, wo wirklich sensible Daten verhandelt werden: eine Tür und dahinter ein Glaskasten für den Bearbeiter – damit sind alle Probleme von Datenschutz und Sicherheit erfüllt. Zudem befindet sich der Kundenservice bereits am Münster im Bürgerbüro – da helfen auch keine 6.000 qm auf dem Mühlenanger, in keiner und keinster Weise.

Dann hätten wir noch die Anlieferung. Auch für eine Zuwegung am Nordost-Ende des Platzes sollte es kein Problem geben, die LKW könnten dort am nördlichen Ende des Platzes eine Zufahrt bekommen. Wenn dann allerdings Fahrzeuge und Waren auf dem Hof im Wege stehen (der wird nämlich nicht größer, weil er rundum bebaut ist), können die 6.000 qm außerhalb auch nicht helfen!

Wenn auf dem Platz ein Durcheinander ist, dann sollten die SWN erstmal die Organisation des Platzes überdenken, der mit dem Freilager für Rohre, das mitten auf dem Platz steht und alle Bewegungen beeinträchtigt, wohl das größte Problem hat. Auch das wird mit 6.000 qm außerhalb nicht beseitigt werden.

Nimmt man nun die Anforderungen, wie sie ausgesprochen wurden, dann benötigt man evtl. einen kleinen Zipfel am Südost-Ende (200 qm) und eine Zufahrt am Nordost-Ende (40x7m=280 qm), also ca. 500 qm. Auf den restlichen 5.500 qm sollen dann Dienstfahrzeuge stehen. 5.500 qm für Dienstfahrzeuge? Ein ganzer Fußballplatz? Das sind ca. 270 Stellplätze! Wer veräppelt jetzt eigentlich wen? Der gesamte Parkstreifen auf der Südseite des Mühlenangers sind ca. 120 Plätze! Und: bei 55 Mitarbeitern – über welche Menge an Dienstfahrzeugen sprechen wir denn überhaupt? Die könnten auch ganz bequem am neuen Anbau an das Hauptgebäude auf eine Parkfläche kommen, jenseits des Fußwegs am südlichen Ende des Angers.  

Soweit dieser Teil. Dann soll aber auch noch ‚mittelfristig‘ das Netzgebiet erweitert werden und es gäbe ja zusätzliche Anforderungen für die Betriebsführung in Bovenden und Nörten-Hardenberg. Wenn das so ist, dann wird dieses Netzgebiet aber nicht in der Stadt erweitert, sondern außerhalb, fernab der Kern- und Innenstadt. Gleiches gilt für Nörten und Bovenden: die Orte befinden sich nicht in der Northeimer Innenstadt und es wäre ein Unsinn sondergleichen, das gesamte Material für die externen Standorte in die Innenstadt zu karren und sie später wieder zu den eigentlichen Einsatzorten zu bringen. Und die Themen Lärm im Wohngebiet und Umweltverschmutzung durch unnötige Fahrten …. Naja, ist geschenkt.

Wenn das Netzgebiet erweitert wird, dann muss das Lager dort sein, wo das Netz ist – und das gilt genauso für Bovenden und Nörten. Wenn dort Ersatz- oder Reparaturbedarf ist, dann ist es suboptimal, erst eine Stunde nach Northeim zu fahren, um die Ersatzteile dort zu holen. Sollte man trotzdem auf ein Zentrallager setzen, dann muss das gut und schnell erreichbar an der Peripherie liegen, also vorzugsweise im neuen Gewerbegebiet an der Westumgehung, dem Gewerbegebiet Medenheim oder am Autohof. Und dort ließen sich auch ganz hervorragend Dienstfahrzeuge abstellen – nur als Tipp! Ein zweiter Tipp: das Rohrlager auf das externe Zentrallager umziehen – dann klappt auch das Rangieren und Räumen auf dem Hof an der Schützenstraße!

Um es noch einmal ganz klar zu formulieren: Wir als Stadt Northeim bzw. deren Bürger haben kein Interesse, Gewerbegebiete in der Innenstadt zu entwickeln – siehe die laufende Planung! Und für x-beliebige, betriebliche Allerweltsanforderungen, die wesentlich besser gelöst werden können, diesen einzigartigen Veranstaltungsort in der Stadt zu opfern, ist von Kurzsichtigkeit, Mangel an Voraussicht/Strategie und Aktionismus getrieben – Hände weg vom Mühlenanger!

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