Der Rummelboxer – R.I.P.

Foto: Andreas Lippold / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Norbert Blüm, der sich selbst als ‚Rummelboxer der Politik‘ bezeichnet hat, hat sich auf den letzten Weg gemacht. Trotz Corona wurde es noch bemerkt, denn sein ‚Die Rente ist sicher‘ gehört zum Standard-Inventar der deutschen Nachkriegspolitik.

Im Nachruf der Tagesschau kam dann noch eine bemerkenswerte Äusserung hinzu: „Politik ist Kampf. Wer auf Harmoniesuche ist, der muss einen anderen Beruf sich suchen.“ (Tagesschau am 25.4.20), die mich neugieriger werden ließ.

Wir verlieren mit ihm einen der letzten bedeutenden Politiker des 20. Jahrhunderts, der nicht stromlinienförmig angepasst war, sondern immer den Streit, den Kampf und die Auseinandersetzung gesucht hat, um das Hier-und-Jetzt etwas besser zu machen – oder zumindest in die richtige Richtung zu ’schubsen‘, in der Wirtschaft und Humanität eine friedliche Koexistenz finden.

Der Spagat, den der ‚Herz-Jesu-Marxist‘ an vielen Stellen machen musste, ist auch oft bei den markanten Sprüchen zu finden, die das Dilemma des modernen Lebens illustrieren. Keine einheitliche Wertordnung, keine uniforme Gemeinschaft und keine einheitlichen Ziele kennt dieses Leben. Aus einer multi-perspektivischen Wirklichkeit heraus muss ein ein ‚leidbarer‘ und mehrheitsfähiger Weg für die Gruppen der Gesellschaft organisieren werden – ohne die Grund- und Menschenrechte und die Humanität (im Sinn einer weltlich interpretierten Christlichkeit) als Minimalkonsens zu verlassen.

Und dieser Tanz mit den Perspektiven – das zeichnet meiner Meinung nach auch seine besten ‚Sprüche‘ oder Zitate aus. Hier ein paar ausgewählte – alles zitiert nach gutezitat.de, abgerufen am 26.4.20.

„Wie wenig Aufklärung zeichnet eine Gesellschaft aus, die jeder stupiden Schreibtischarbeit mehr Sozialprestige zuteilt als einer genialen Konstruktionstätigkeit im Overall. Wo das Prestige anfängt, hört bekanntlich der Verstand auf.“

„Ich bin fest davon überzeugt, dass kalkulierbare Politik auf Prinzipien zurückgeführt werden muss, wenn sie nicht der Beliebigkeit zum Opfer fallen soll.“

„Selbst die Herrschaft edelster Menschen entpuppte sich meist nur als Privilegierung der eigenen Klientel.“

„Wer in die Politik geht, um beliebt zu sein, der hat den Beruf verfehlt.“

„Konsens erlangt man nicht mit dem Vorschlaghammer.“

„Die Braven bewegen nichts.“

„Der Vorteil der Opposition ist, daß sie Fragen stellen kann, die sie nicht beantworten muß.“

„Nicht alles, was sich sozial gebärdet, ist es auch.“

„Wenn der Zug auf dem falschen Gleis steht, erübrigt sich jede Diskussion über den Fahrplan.“