Warum gibt es keine Thomas-Mann-Oberschule in NOM?

Über mangelndes Personal in den Schulen wird auch hier im Kreis geklagt – das ist aber Sache des Kultusministeriums. Über Mangel an Schulgebäuden wird nicht geklagt, ganz im Gegenteil wird ‚liebevoll‘ jedes Schulgebäude gehegt und gepflegt – egal, ob gebraucht oder nicht: die unsägliche Diskussion über den Erhalt der Auetalschule in Kalefeld, die unter rapidem Schülermangel litt, war dafür ein unrühmliches Beispiel. Dass 10 KM weiter in Bad Gandersheim in der gleichen Schulform leere Klassenräume in ausreichender Menge vorhanden waren? Egal, auch leere Zimmer kann man heizen und instandhalten!

Erst als mangels neuer Anmeldungen der Eltern die Mindestanzahl von Schülern massiv unterschritten wurden, zog der Kreistag endlich die Reissleine, was dann auch nicht unerhebliche Instandhaltungsausgaben stoppte, die man für die sterbende Schule schon geplant hatte.

Und in Northeim das gleiche Schema: Bloß nichts ändern an Schulgebäuden! So leisten wir uns in der Stadt zwar nur ein Gymnasium für 1000 Schüler, aber wohl 2 Schulen und Schulstandorte für 620 Haupt- und Realschüler. Warum? Warum wird nicht im Schulzentrum Südstadt zusammengeführt?

700.000 Euro kostet der Unterhalt der Schule an der Arentsschildstraße, die man besser in ggf. nötige Erweiterungen in der Südstadt stecken könnte – das würde sich in wenigen Jahren amortisiert haben, zumal es auch denkbar wäre, dass Teile der Kästner-Schule einbezogen werden, die nur noch von ca. 100 Schülern besucht wird. Und der Kreiszuschuss von derzeit 3 Millionen Euro für eine neue Schulturnhalle stünde ebenfalls für Bauvorhaben im Schulzentrum zur Verfügung!

Ja, nun lasse auch ich mich von der Gebäudepolitik leiten… – was aber ein viel gewichtigerer Aspekt ist: durch das Zusammengehen von Oberschule und Thomas-Mann-Schule könnten in kürzester Zeit pädagogische Kapazitäten freigesetzt werden, die zu einer quantitativen und/oder qualitativen Verbesserung des Lernbetriebs oder der inklusiven Betreuung verwandt werden könnten. Dazu braucht man kein Abitur, Addieren und Dividieren reichen eigentlich für eine Rechnung, die scheinbar niemand ernsthaft in Betracht zieht: 4-6 Lehrer wären nach dem Zusammenschluss für die Verbesserung des Lehrbetriebs freigesetzt – plus die Stunden und Stellen, die durch die Verschlankung/Zusammenlegung der Schulbürokratie frei würden. Aber Qualität des Unterricht/der Betreuung ist ja kein Ziel der Kreis-Schulgebäude-Politik, schade eigentlich…

Sie mögen/Ihr mögt es nicht glauben? Hier mal meine kurze, überschlägige Rechnung:

Schule / Klasse5678910
Oberschule445960625475
Klassen233434
Sch./Klasse222020161819
TMS293541494044
Klassen223333
Sch./Klasse151814161414
Gesamt IST739410111194119
Klassen456767
Sch./Klasse181917161617
       
EINE Schule739410111194119
Klassen455556
Sch./Klasse181920221920
Diff Klassen001211

Mit einer geringfügigen Erhöhung der Schülerzahlen je Klasse (3-6) würden 5 Klassen nicht mehr benötigt. Bei 30 Wochenstunden je Klasse wären das 150 Stunden, die nicht erteilt werden müssten. Rechnen wir 25 Unterrichtsstunden je Lehrer, wären das 6 Lehrer, die zur Verbesserung der Schul-Qualität eingesetzt werden könnten. Plus ein Rektor und ein Konrektor -aber das könnte ja die zweite Hürde sein…

Quelle: Kreistagsinfosystem Landkreis Northeim

Drucksache Beschlussvorlage – 0949/19
https://www.landkreis-northeim.de/allris/wicket/resource/org.apache.wicket.Application/pdf:anl1018688!2

Schuhwallhalle – kein Plan, kein Ende, keine Ideen….

Vorbemerkung: Dieses Memo hatte ich am 16.10.2018 an den Northeimer Bürgermeister geschickt. Einiges ist nicht mehr ganz aktuell, aber im Kern ist die Analyse für mich weiterhin so äußerbar.

Getrieben von den derzeitigen Erfolgen des Handballclubs (3. Liga) wird eine Diskussion um den Zustand der heutigen Schuhwallhalle geführt, der bei vielen Beteiligten der Northeimer Lokalpolitik zu einem ‚Schrei‘ nach einem angemessenen Neubau für die Handballer geführt hat. Eine Sanierung der alten Halle wird zwar immer als Alternative angeführt, aber zumeist als völlig unrealistisch im selben Atemzug verworfen. Darüber, dass ein Neubau allemal ‚sexier‘ und meritenreicher daherkommt, müssen wir hier nicht diskutieren.

Und die öffentliche Diskussion nimmt diesen Zug natürlich gerne auf, sind doch die Beteiligten immer lieber Träger und Teil einer ‚progressiven‘ Lösung als einer Reparaturmaßnahme.

Was aber ist uns denn dieser Schritt zu der ‚Sportstadt Northeim‘ wirklich wert, was darf er wert sein? Pikanterweise wurde der von der Realität gänzlich ungedeckte Slogan ‚Sportstadt‘ vom Vorsitzenden des Handballvereins eingeführt – ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt. (HNA 2.9.2015)

Da die Northeimer Politik durchaus in kleinen Maßstäben zu denken gewillt ist, wurde natürlich die erste Idee die beste Idee: Gleich neben der alten Halle eine neue bauen, damit wird dann das Grundstück, das ‚Wohnen in Northeim‘ gehört, endlich genutzt und durch die Nähe zur Oberschule Northeim kann man der Kreiskasse durch die Planung als Schulsporthalle noch schnell 3 Millionen entlocken. Wohlgemerkt: Alles, was verbaut wird, sind Steuergelder, egal ob aus Rathaus, Kreishaus, Hannover oder Berlin…

Aber gehen wir einmal Schritt für Schritt vor – Ideen, Fakten und Fragen bunt gemischt, damit am Ende sich vielleicht wirklich eine rationale Entscheidung abzeichnen könnte…

Northeim – Daten und Fakten

  • Die Stadt Northeim hat derzeit Invest-Kredite in Höhe von ca. 24 Millionen Euro
  • Erste Planungen, die von der Sparkasse bezahlt wurden, haben einen Kostenrahmen von 12 Millionen Euro ermittelt, allerdings ohne alle Risiken zu berücksichtigen, v.a. das der Beschaffenheit des Geländes hinsichtlich des Grundfundaments der Halle.
  • Die Bausumme ist ohne Mehrwertsteuer, der Bauherr Stadt Northeim müsste zusätzlich 2,4 Millionen einplanen.
  • Die Baukosten haben sich in den letzten 18 Monaten rasant entwickelt, die ursprüngliche Schätzung müsste inflationär angepasst werden -> ggf. nochmals zusätzlich 20%, wenn in Hochkonjunktur gebaut wird.
  • Die üblichen Mehrkosten kämen on top – Beispiele aus allen Ecken der Republik lassen auch hier nichts anderes erwarten.
  • In Summe könnte man mit ca. 20 Millionen rechnen, was – ohne Zuschüsse – fast zu einer Verdopplung der Schulden führen würde. Außerdem würde diese Investition(?) absehbar niemals eine Rendite abwerfen.
  • Die Übertragung der Bautätigkeit z.B. an die Stadtwerke (um die Vorsteuer zu sparen) ist steuerlich zweifelhaft, da die Zulässigkeit der Konstruktion eines steuerlichen Querverbunds (daran denkt möglicherweise mancher in der Stadtverwaltung) m.E. eher unwahrscheinlich ist. Die Sporthalle als solche ist kein Wirtschaftsfaktor, der jemals Gewinn erzielen wird.
  • Der Blick nach Göttingen lohnt sich auch hier: dort werden die Sportanlagen einschließlich des Umsatzträgers ‚Badeparadies Eiswiese‘ von der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH und Co. KG betrieben, die im letzten Jahr 3,6 Millionen Euro Gewinn damit gemacht haben – das gibt es in Northeim nicht…
  • Die Halle wurde für 750 Zuschauer geplant; bei einem weiteren Aufstieg also sofort wieder zu klein dimensioniert.
  • Zudem: diese Planung ist eine private Schätzung initiiert durch die KSN, die Vorgaben dazu kommen – man wird es nicht glauben – natürlich vom Handballverein…
  • Und ein kleiner Blick zurück zur Sportstadt: Der Kunstrasenplatz (Bausumme 600.000 Euro) des Fußballvereins, des größten Vereins der Stadt, wurde übrigens mit 100.000 Euro gefördert. Dem einen so, dem anderen anders…

Über den Zaun geschaut

  • In Göttingen gibt es übrigens eine Sparkassen-Arena mit ca. 3200 Zuschauerplätzen, die auch von der gegenüberliegenden Schule als Sporthalle mitgenutzt wird.
  • Diese Sporthalle mit der vierfachen Kapazität der geplanten Halle in Northeim hat übrigens 7,5 Millionen Euro gekostet – vor ca. 6-7 Jahren.
  • Auch der Northeimer Handballverein hat dort schon gespielt – die Resonanz war sehr gut: in beiden Fällen mehr als 2000 Zuschauer – da bekommt man einen Eindruck vom möglichen Publikum.
  • Schuhwallhölle hin oder her – das Potential ist viel größer als das, das die ‚popeligen‘ 750 Plätze in Northeim abdecken würden. Die Möglichkeiten, die Zuschauermengen der Großstadt Göttingen mit zu nutzen – das wäre der Weg in eine Handballzukunft mit Aufstiegschancen; und angesichts der Gelder, die für den Betrieb gebraucht werden, müssen diese Zuschauer her – und damit auch die Aufmerksamkeit der möglichen Sponsoren. 

An den Stadtrand geschaut

  • Und wenn man in Northeim etwas größer denken möchte, dann sollte man einmal dieses Planspiel beurteilen:
  • Die Oberschule Northeim ist im gleichen Alter wie die Sporthalle, also marode, aber instandgesetzt. Die Schülerzahlen der Oberschule werden nicht mehr steigen, der Zug zu höheren Abschlüssen wird weiter anhalten, ebenso wie der Rückgang der Geburtszahlen.
  • Warum wird die Oberschule nicht in das Schulzentrum am Südende der Stadt integriert?
  • Jenseits des Martinsgrabens ist gerade die Bebauung freigegeben – zumindest realistisch für die 30 Sahnebonbon-Bauplätze, mit denen sich verdienen lässt. Die Flächen für den Geschosswohnungsbau sind einfach da, aber ohne Interessenten. Und gleichzeitig werden auf der gegenüberliegenden Seite der Straße etliche der vorhandenen und leerstehenden 500 Wohnungen renoviert…Warum wird eine zentrale Sporthalle dann nicht dort geplant, die natürlich wiederum auch als Sporthalle für das Schulzentrum genutzt werden kann?
  • Die Erreichbarkeit dieser Sporthalle – auch aus Richtung Göttingen – wäre optimal, kein Verkehr würde in die Wohngebiete gezogen! Parkplätze rundherum? Überhaupt kein Problem!
  • Und zurückgeschaut auf das Areal an der Arentsschildstraße/Schuhwall: hier wären dann innenstadtnahe Baugrundstücke auszuweisen, die sich in die vorhandene Siedlungsstruktur einpassen – Verdichtung der Bebauung statt ständig neuem Landschaftsverbrauch.
  • Wenn dann eine neue Halle am Stadtrand entsteht und die Schuhwallhalle moderat renoviert wird, wäre tatsächlich eine Erweiterung des Sporthallenangebots für alle Breitensportvereine erreicht – das hat vor kurzem auch Malte Schober versucht, in die Diskussion zu bringen; soweit ich es gelesen/gehört habe, allerdings ohne Resonanz.

Verschwiegene Fakten

  • Sollte es zu einem Abriss der Schuhwallhalle kommen, fällt wohl auch der westliche Anbau der Sporthalle: dort befindet sich das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke, das vornehmlich das Hallenbad speist, aber auch Wärme/Strom an die Sporthalle abgibt.
  • Die Baukosten für ein neues Blockheizkraftwerk werden vorsichtshalber mal eben nicht erwähnt – zahlen ja auch die Stadtwerke – und damit wir als Stadtwerke-Kunden…
  • Die Lage einer neuen Sporthalle in einem Siedlungsgebiet führt auch zu der Verkehrswege-Frage: An- und Abfahrt zu der neuen Halle (mit hoffentlich vielen Veranstaltungen) führen durch kleine Anliegerstraßen: Liststraße, Arentsschildstraße und Baumschulenweg. Die sind dafür nicht ausgelegt und die Belastung der Anwohner ist dabei noch nicht einmal diskutiert.
  • Zwangsläufig muss ein Verkehrskonzept her, dass diese Frage zufriedenstellend löst: das kann eigentlich nur durch den direkten Zugang vom Friedrich-Ebert-Wall geschehen, der den Verkehr auf kurzen Wegen zu den Bundesstraßen führt; dazu müsste allerdings der Bahnübergang neben dem Hallenbad für den beidseitigen Verkehr vollkommen neu gebaut werden. Auch diese Kosten tauchen nirgendwo auf….

Hausaufgaben

  • Schon seit mindestens anderthalb Jahren ist die Stadtverwaltung aufgefordert einen Kostenvergleich Sanierung vs. Neubau vorzulegen. Soweit ich sehe: Fehlanzeige – oder radikaler ausgedrückt: Arbeitsverweigerung. Der Bürgermeister Simon Hartmann hat zwar in letzter Zeit diese Variante wieder in die Diskussion gebracht, aber von konkreten Ergebnissen habe ich noch nichts gehört.
  • Die energetische Sanierung der Schuhwallhalle ist ja ein beliebtes Mittel, um die ‚Marodität‘ herbeizureden; war im letzten Jahr aufgrund einer Anfrage der SPD-Fraktion noch ein durchschnittlicher Heizungsverbrauch von 50.000 Euro genannt, legte Herr Dodenhöft vor wenigen Wochen auf einmal 75.000 Euro vor – ich weiß nicht woher?
  • Wenn man den Verbrauch auf 25.000 Euro verringern könnte durch energetische Sanierung, dann wäre ein Invest von 1 Million ja schon nach 40 Jahren amortisiert…hier wäre besser etwas weniger als etwas mehr zu tun.
  • Vom Handballbund wird ja die Abmessung der Halle kritisiert: 40 cm zu wenig Auslaufraum hinter den Toren. Hieß es zuerst: keine Gnade vom DHB, so ist diese nun bis 2020 gewährt…; was ich mich frage: gibt es wirklich keine Möglichkeit, die Wand etwas zu versetzen, damit diese lächerlichen 40 oder 80 cm gewonnen werden? Und wegen 40 cm eine neue Halle bauen…lächerlicher geht’s nimmer… — und es gibt ja die Sparkassen-Arena in Göttingen…siehe oben!
  • Wenn alles nichts hilft, dann gibt es ja noch die Brandschutzschau – oder so ähnlich, damit hat man schon ganz andere Gebäude flachgelegt. Man hüte sich nur davor, den obersten Brandschützer durch die Häuser der Innenstadt zu schicken…auf der anderen Seite könnte das helfen, die 500 Wohnungen in der Südstadt zu füllen…

Das demokratische Procedere

  • Bislang war ich immer davon ausgegangen, dass ein Neubau-Projekt der Kommune von dieser vorbereitet wird in Form eines Anforderungs- bzw. Leistungskatalogs.
  • Bei großen Projekten gibt es dann einen Entwurfs- bzw. Architektenwettbewerb, wobei der beste oder kostengünstigste Entwurf von den politischen Gremien ausgewählt wird.
  • Die Diskussion darüber findet im öffentlichen Raum statt und kann von allen verfolgt, diskutiert und kritisiert werden. Soweit die Theorie
  • Im Fall des vorliegenden 12-Millionen-Entwurfs kann ich diese Vorgehensweise nicht erkennen: Da spricht am Rande einer Veranstaltung die Landrätin (die Zuschussgeberin immerhin) mit dem Sparkassen-Direktor über die Sporthalle. Der erklärt sich bereit, einmal ein Architektenbüro auf Kosten der Sparkasse darüber zu befragen. Den Anforderungskatalog (wohl inklusive des belächelten VIP-Bereichs) lässt der Sparkassendirektor mal eben vom Vereinschef des Handballclubs anreichen. Und präsentiert dann den Entwurf einer Lokalpolitik, die das völlig (positiv?) überrascht entgegennimmt und fortan als Stand und Grundlage der Diskussion verwendet.
  • Transparente Prozesse sehen für mich anders aus…
  • Ja, und zum guten Schluss, bevor es irgendetwas Belastbares gibt, kommt auch noch ein temporärer Fördertopf in Sicht – 100 Millionen für die Republik, und sofort glaubt jemand, dass man für die ungelegten Eier in Northeim daraus schnell die maximale Fördersumme von 2 Millionen abziehen kann, also Eilentscheid etc., ohne irgendetwas in der Hand zu haben – da freut man sich doch, wenn es wenigstens einen privaten Entwurf gibt. So setzt man sich selbst unter Druck und Zugzwang… für 2 Millionen von einer nicht genau zu bezifferten Bausumme ohne Folge- und Zusatzkosten…  

Angesichts des – meines Wissens – größten öffentlichen Bauprojekts der zumindest letzten 20 Jahre sollte hier statt der operativen Hektik der Jagd auf dubiose Fördergelder und des populistischen Ritts auf der kleinen Erfolgswelle der Handballer eine strategische und geordnete Planung Einzug halten. Wenn man also über den Tag hinaus denkt, dann wäre das o.a. Planspiel sicher diskussionswürdig:
– Die Stadt renoviert die Schuhwallhalle
– Die Handballer weichen ab 2020 in die Göttinger Sparkassenarena aus (oder früher)
– Die Oberschule Northeim wandert an den Wieter ins Schulzentrum des Kreises, die weniger gut erhaltenen Teile werden abgerissen, in den renovierten Teilen könnte man so etwas wie ein Gründerzentrum zu subventionierten Mietpreisen etablieren oder es anderen sozialen Zwecken zuführen (Begegnungszentrum, Alten-Tagespflege o.ä.).
– Die Stadt weist rund ums Hallenbad innenstadtnahe Grundstücke für sozialen Wohnungsbau und Reihenhausbesiedlung aus, ggf. mit zentraler Wärme- und Energieversorgung durch die Stadtwerke
– Der Landkreis baut südlich des Martinsgrabens eine zusätzliche Sporthalle, die zusammen mit der Sparkasse, dem Handballverein und interessierten Veranstaltern wie z.B. Tomas Sniadowski zu einer Event-Arena ausgebaut wird.

Win-Win-Win?

…Und ein Update:

Da wird doch jetzt (Mitte Oktober 2018) nochmal ein Gang draufgelegt, um die Sache mit dem Neubau ‚durchzupeitschen‘, ohne dass wirklich Überlegens- und Beratungszeit für das Kontroll- und Entscheidungsorgan Stadtrat gegeben ist.

Nachdem die Bauverwaltung seit fast zwei Jahren den Auftrag verweigert, eine Renovierungskonzeption für die alte Schuhwallhalle vorzulegen und zu bepreisen, kommt eine Schätzung in die Diskussion (nur kurz vor der Ausschusssitzung verteilt und wahrscheinlich von den meisten noch nicht einmal gelesen), die man nur als Farce eines Konzepts zur ‚Ertüchtigung‘ des Altbaus‘ bezeichnen kann. Statt eine Alternative vorzulegen, wird einfach eine Schätzung abgegeben, die genau die Features des Neubaus an den Altbau anlegt, also nichts anderes ist als eine Variante des Neubaus im Altbau unter Einbeziehung einiger Grundmauern. Dass das zu ähnlichen Preisen führt, wird niemanden verwundern.

Abgesehen davon, dass es ein Unding ist, eine derartige Schätzung überhaupt in Auftrag zu geben, die statt eigener Anforderungen der Stadt wieder nur den Wunschzettel des NHC/DHB als Grundlage  hat, kommt dann noch hinzu, dass damit just das Architekturbüro beauftragt wird, dass auch die Privatschätzung des Neubaus vorgenommen hat. Mancher hätte sicher gern eine Zweitmeinung gesehen…

Aber wie sollte das Büro auch ein Sanierungskonzept erstellen: Das Gutachten ist auf der Basis der Baupläne und einiger Fotos entstanden, niemand hat vor Ort das Gebäude besichtigt – ohne Kommentar…

10-15 Millionen im Schweinsgalopp ausgeben, weil damit 16 Stunden Handball-Spiele pro Jahr möglich bleiben? Dafür gibt es einen ganz einfachen Ausweg, der jede Zeit für die Entscheidung und Planung lässt – wie bereits 2x geschehen (mit mehr als 2000 Zuschauern): die Heimspiele werden in der Sparkassen-Arena in Göttingen ausgetragen – übrigens finden dort 3200 Zuschauer Platz, in einer Halle die vor wenigen Jahren für 7,5 Millionen Euro erbaut wurde. 

Ausverkauf….

Wann platzt den Northeimern eigentlich endlich mal der Kragen? Da wird heute bekannt, dass der Verkauf des Mühlenangers in nicht-öffentlicher Sitzung des Stadtrates beschlossen werden soll, nachdem man sich im ebenso nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss darauf geeinigt hätte.

Ich frage mich: ist das wirklich im Sinn der Northeimer Bevölkerung und eines attraktiven  Veranstaltungsangebots? Klar, der Platz ist frei und meinetwegen ‚öde‘, wenn nichts los ist, aber das ist der Sinn des Platzes, dass es ein Raumangebot ohne Vorstrukturierung gibt, auf der dann jede Großveranstaltung möglich ist, egal ob Zirkus, Flohmarkt, Tag der Retter, Parkraum bei Innenstadt-Events, Rummelplatz oder Monster-Truck-Show. Und das soll einfach verhökert werden? Oder nutzen wir für diese Zwecke dann demnächst die umgestaltete Freilichtbühne incl. Shuttle-Service?

Wenn dann Argumente kommen, dass Flohmärkte ja auch am Münster möglich wären…ja, was da nun zwei Mal stattfand, waren Witz-Flohmärkte, von den Beschickern des Mühlenangers hätten wahrscheinlich nicht einmal 20% dort Platz gefunden. Und wo sollen die Besucher parken in einer ohnehin am Samstag gut gefüllten Innenstadt? Und ein Zirkus am Münster? Unsinniger geht nicht mehr.

Auch der Scharnhorstplatz als Ausweichort ist lächerlich. Der Innenraum ist abgesenkt und mit Fahrzeugen nicht erreichbar, die Parkplätze rund um das Behördenzentrum sind zu wenige und außer an Wochenenden ständig besetzt: der nächste Parkraum wäre dann der Mühlenanger – aber den gäbe es dann ja nicht mehr…

Mit autistischer Konsequenz soll hier ein Projekt durchgezogen werden, das in sich völlig verkorkst ist – aber das stört keinen, man hatte ja einfach mal die Hand gehoben zu einem Plan, der den Namen nicht verdient, da die Konsequenzen des Beschlusses noch nicht einmal grob bedacht und durchkalkuliert sind.

Wenn man die letzte Wendung des Grundstücksverkaufs zuerst nimmt: warum baut die Stadt denn nicht einfach die Halle auf den Mühlenanger, der heute schon Veranstaltungsort ist. Warum muss eine Halle stattdessen in ein Wohngebiet gebaut werden? Warum baue ich nicht Wohnungen in ein Wohngebiet und eine Halle in ein Veranstaltungsgebiet? Wobei die Halle dann schon ausreichend mit bestehenden Parkplätzen versorgt wäre? Am Schuhwall müsste rund um die Halle ein Parkplatz mit ca. 5000 qm erstellt werden. Danke für die zusätzliche Bodenversiegelung.

Und wie überzeuge ich die Bewohner der kleinen Anwohnerstraßen wie der List-Straße, Arentsschildstraße, Nordring, Rhumestraße und Baumschulenweg, dass sie mit dem zusätzlichen Besucherverkehr glücklich sein werden, da sie nun auch einmal auswärtige Kfz-Kennzeichen zu sehen bekommen? Oder gibt es dann eine Tiefgarage mit unterirdischer Zufahrt direkt vom Friedrich-Ebert-Wall?

Kein wirklicher Plan, aber schon mal Einzelmaßnahmen produzieren, die reales Geld kosten. So kann man sich später dann weiterflunkern: Wir haben ja A gesagt, da muss man dann auch B sagen. Und C. und D. Und E. Und bei P kommt dann die Pleite. Die kennt der Stadthaushalt ja – und etliche Stadtratsmitglieder können sich sicher noch daran erinnern, wie sie die Pleite in den Jahren 2005-2010 mitverantwortet haben. Sie müssten es eigentlich besser wissen und vielleicht etwas vorsichtiger mit Geld umgehen, das Ihnen von der Öffentlichkeit treuhänderisch anvertraut ist.

Bis heute gibt es keine Gesamtübersicht, was der Spaß kostet – und wann er bezahlt wird: die Rahmenbedingungen trüben sich gerade ein, denn das Steueraufkommen wächst wohl nicht mehr und möglicherweise ziehen auch die Kapitalkosten an. Und der Taschenspielertrick mit dem Bau durch die Stadtwerke ist auch nur linke Tasche – rechte Tasche: die Verluste, die die Stadtwerke machen, führen einfach dazu, dass sie weniger Jahresgewinn an die Stadt abführen oder ggf. etwas an den Strom-, Gas- und Wasserpreisen drehen. Es gibt in diesem Leben nichts geschenkt und der kleine Einmal-Vorteil bei der Vorsteuer ist bald verpufft.

Angeblich arbeitet die Stadt ja an einer Lösung für die nächsten 50 Jahre – ich kann leider an diesem Plan keinen Weitblick erkennen. Eine schlechte Entscheidung kann jeder treffen, aber man hat auch die Chance, das zu erkennen und gegenzusteuern. Aber das Übelste ist, eine schlechte Entscheidung getroffen zu haben, das zu erkennen und trotzdem weiterzumachen, „weil es mal so entschieden wurde….“: Scheuklappen oder fehlender Mut? Mit Blick auf die nächsten 10 Jahre muss man grundsätzlich voller Zweifel sein – hier nur einige Fragen:

  • Warum werden in der Stadt eine Oberschule und eine Haupt- und Realschule getrennt betrieben, die zusammen (noch!) etwas über 600 Schüler haben, während 1000 Gymnasiasten in einer Schule betreut werden? Könnten die Schüler der Oberschule nicht  ohne Probleme in das Schulzentrum an der Sudheimer Straße integriert werden? Für eine weitere Schulturnhalle bestünde kein Bedarf – aber im Gegenzug könnte das Gebäude an der Arentschildstraße umgenutzt werden als Stadtteilzentrum, Altenbegegnungsstätte, Gründerzentrum o.ä. Und einige Räume könnten zu Übungsräumen umgebaut werden, die für kleinere Sportlergruppen geeignet wären.  
    Warum geht die Stadt dort nicht initiativ auf den Landkreis zu, um die über kurz oder lang anstehende Umnutzung voranzutreiben? Wenn die Nutzung als Schulturnhalle entfällt, entfallen auch die Kostenerstattungen des Landkreises in 6-stelliger Höhe, die dann komplett von der Stadt übernommen werden müssen – und das für einen gepflegten Hallen-Leerstand!
  • Warum wird nicht die BBS-Turnhalle, die den Handball-Standards entspricht, um Zuschauerplätze und ggf. Gymnastikräume erweitert? Oder gleich eine zweite Halle südlich des Martinsgrabens gebaut (bei Mitnutzung durch die Schulen des Schulzentrums), die von allen Richtungen aus verkehrsgünstig zu erreichen ist, am Rande eines Wohngebiets (und nicht mittendrin!!!) liegt und die das gesamte Südstadt-Quartier enorm aufwerten würde?
  • Der Haushalt der Stadt Northeim hat ein Volumen (nach Abzug der durchlaufenden Gelder) von ca. 30 Mill. Euro und eine Verschuldung von über 22 Mill. Euro. Diese Schulden sind keine Investitionen (auch wenn sie öfter so betitelt werden), da sie nicht in der Absicht aufgenommen wurden, um damit neue Umsätze zu generieren und sich zu amortisieren. Es sind einfach Schulden mit längerfristiger Rückzahlung. Auch die Ausgaben für eine neue Turnhalle werden sich nicht amortisieren, sondern nur höhere Folgekosten produzieren (oder Mindereinnahmen). Der Schuldenstand der Stadt ist im Vergleich überdurchschnittlich. Wie kann ein Rat zusätzlichen Schulden zustimmen, ohne das genaue Ausmaß zu kennen?
  • Wann wird endlich ein Gesamtplan vorgelegt, der ALLE Kosten zumindest aus heutiger Sicht schätzt und die Finanzierbarkeit für die nächsten 10 Jahre aufzeigt – incl. Prognose von Faktoren wie Zinsen, Inflation bzw. Preiserhöhungen, Steuereinnahmen, Bevölkerungs- und Konjunkturentwicklung – und nicht zuletzt eines Risikozuschlags, da öffentliche Projekte in der Regel nicht innerhalb des Budgets abgewickelt werden?
    Ob diese Kosten aus der linken Tasche Stadthaushalt oder der rechten Tasche Stadtwerke-Haushalt bezahlt wird, ist dabei erst einmal egal.
  • Innenstadtnahe, ebenerdige ‚Bauplätze‘ sollen für ca. 40 Euro/qm den Besitzer wechseln, während am alten Krankenhausgelände in Hanglage (=erhöhte Baukosten) ein Ansatz von ca. 160 Euro/qm angemessen war? Beim Kauf des alten Realschulgeländes soll dafür die Stadt im Gegenzug an den Abrisskosten der Schule beteiligt werden, wurde das nicht schon im Kaufpreis, der an den Landkreis ging, berücksichtigt? Warum bebaut der Inhaber des Grundstücks nicht schon seit vielen Jahren diesen Bereich, wenn es Bedarf für innenstadtnahen Wohnraum gibt?
  • Warum soll ein Veranstaltungszentrum mitten in der Stadt erbaut werden, das negative Auswirkungen auf das gesamte umliegende Wohngebiet hat? Wie möchte man das den Anwohnern erklären? Und gleichzeitig bei der seit 20 Jahren überfälligen Öffnung des Martinsgrabens als Sammelstraße für das südliche Wieter-Wohngebiet versagen?
  • Was wird bei Abriss der alten Halle aus dem Blockheizkraftwerk, das im Wesentlichen das Hallenbad versorgt (die Schuhwallhalle hat lediglich 50.000 Euro/Jahr Heizkosten)? Was kosten Abriss und Neubau? Und bitte nicht argumentieren: Das zahlen ja die Stadtwerke…
  • Was kostet die Erstellung der Parkplätze? 250 neue Stellplätze = 5000 qm – und die sind auf dem Mühlenanger bereits vorhanden… – das klingt alles nach Schildbürgerstreichen.
  • Welche höheren Betriebskosten kommen auf die Stadt zu? Will man die Nutzungsgebühren für die Halle erhöhen – das Echo der Sportvereine wäre schon mal sicher…?
  • Wenn man jetzt die Baukosten auf 8 Millionen deckelt, weiß man genauso sicher, dass mit Inflation und Preiserhöhungen 10 Millionen herauskommen. Und das ohne Inneneinrichtung, möglichen Zusatzkosten (Gründung des Bauwerks etc.), Straßenbau- und Verkehrsmaßnahmen, Abrisskosten, Planungskosten, Bebauungsplanänderungskosten, Gutachten und wohl noch einiges mehr, das nicht über die Konten der Stadtwerke abgewickelt werden wird.
  • Und last but not least: da wird aus dem Vollen geschöpft, um 300 Handballfans eine schöne Halle zu bauen (ich weiß: das ist polemisch…) und zugleich hausen ‚unsere‘ Obdachlosen in Wohncontainern in der Friedhofsgärtnerei… – das ist halt so, wenn man keine Lobby hat… 

Dieser Beitrag ist als Offener Brief am 27.6.2019 an den Northeimer Bürgermeister Simon Hartmann geschickt worden.

Tag der Warmduscher

Der Kreis-Schulausschuss bekennt sich zum Durchwursteln

Es ist ja Wahljahr und da fällt man keine ‚richtigen‘ Entscheidungen. Und Eltern und Lehrer sind ja lauter als Kinder, die zudem keine Wahlstimme haben. Also wird die Klientel bedient und mit ‚Keine Experimente‘-Abtauchen erstmal alles beim Alten gelassen: Nur keine Schulgebäude schließen, lieber in die alten Gemäuer nochmals investieren, auch wenn man weiß, dass in zwei Jahren endgültig die Lichter ausgehen – die Steuereinnahmen sprudeln ja mal wieder recht gut.

Also soll alles bleiben wie es ist: die Oberschulen in Gandersheim und Kalefeld weisen nach Einschätzung des Kultusministeriums bereits seit Jahren schon nicht mehr die erforderlichen Schülerzahlen auf, die für den Erhalt der Schulen notwendig sind (http://pvrat.de/ratsinfo/lknortheim/3072/MTMwXzAzLnBkZg==/12/n/33065.doc). Und anstatt nun endlich die Zusammenlegung zu beschließen, wird wieder die lange Bank aufgesucht: die Interessen der Schüler spielen keine Rolle. Denn die würden von einer Zusammenlegung tatsächlich profitieren, weil es dann möglich wäre, ein breiteres und differenzierteres Kursangebot für die Schüler zu machen.

Nicht zu vergessen die Nebeneffekte: durch die größere Zahl der Schüler wird bei der Klassenteilung mehr Spielraum geschaffen, der für eine bessere Lehrerquote genutzt werden könnte: bei 60 Schülern je Jahrgang kann man sowohl 4 Klassen á 15 Schülern als auch 3 Klassen á 20 Schüler bilden. Nimmt man die 3-Klassen-Variante, steigt unmittelbar die Lehrer-Versorgung der Schule! Dazu ist das Gebäude in Gandersheim wahrscheinlich in besserem Zustand (dort gibt es keinen Instandsetzungs-Bedarf in Millionenhöhe). Wenn man dann noch sieht, dass das Gebäude in Kalefeld ca. 300.000 Euro Kosten je Jahr verursacht (u.a. hat es nach der HRS Kreiensen die höchsten Energiekosten je Schüler), kann es eigentlich keinen anderen Beschluss als die Zusammenlegung geben.

Nun könnte man noch die Fahrkosten anführen: nach Schätzung des Kreises würden ca. 60.000 Euro on top dazukommen (entspräche 100 neuen Fahrschülern, wenn man die Durchschnittskosten des Landkreises in Höhe von 600 Euro/Jahr/Schüler ansetzt) – kein Vergleich zu 300.000 Euro, oder? Einige Kalefelder Schüler müssten dann auch zu Fahrschülern werden – aber für die Mehrheit der ca. 220 Schüler in Kalefeld (wo nur 20% der Einwohner des Alten Amts wohnen) ist ‚Fahrschüler‘ bereits der aktuelle Status und für einige wird die Fahrstrecke ca. 10 Minuten länger. Aber klagen darüber auch diejenigen, die ihre Kinder zur Realschule nach Northeim oder dem Gymnasium nach Bad Gandersheim (oder Northeim) oder der KGS in Moringen schicken?

Und der Rest der Nicht-Entscheidungen fügt sich dem obigen Trauerspiel an: Oberschule in Northeim ohne die Thomas-Mann-Schule, die auch ein Wackelkandidat ist. Warum nicht die durchgängige Lösung? Weil man dann wieder in Richtung IGS käme, die in einer zweifelhaften Elternumfrage nicht die notwenige Zustimmung erhalten hatte.

Auch in Einbeck keine Entscheidung, stattdessen eine Gesamt-Deckelung von IGS und Lönsschule – natürlich verbunden mit zusätzlichen Baumaßnahmen, obwohl wenige Kilometer weiter die HRS in Greene Kapazitäten hat; und der droht genauso das Aus, da auch hier die Schülerzahlen deutlich unterhalb der Mindestgrenze liegen. Und zur Situation in Katlenburg-Lindau mit dem gleichen Problem: Kein Wort. Was anderes hätten wir auch nicht erwartet beim Warmduschen.

Behandelt die Oberschulen wie Gymnasien!

Es wird weiter rumgeeiert im Landkreis – nur um den lokalen Politiker-Granden nicht allzu fest auf die Zehen zu treten, die gern bevölkerte Schulgebäude in ihrem Beritt haben möchten. Ist ja auch umsonst, da die vom Landkreis bezahlt werden. Aber es geht nicht um Gebäude, sondern um möglichst breite Unterrichtsangebote für die Schüler. Und die sind nicht in Mini-Schulen anzubieten, sondern nur in größeren Einheiten. so wie es die Gymnasien vormachen, die zwischen 600 und 1100 Schüler an vier Standorten haben. Wenn wir dann noch auf WG und KGS schauen, haben wir Organisationsgrößen zwischen 1300 und 1700 Schülern.

Und für den Rest der Sekundarstufen-Schüler lassen wir’s dann einfach so, wie es ist – nämlich bei 100-300 Schülern (außer den Realschulen Löns und Gutenberg mit 410/380)? Wie vom Kultusministerium schon angemerkt, sind fast alle Oberschulen im Kreis unterhalb der vorgegebenen Mindestgrößen: zwei Züge á 24 Schüler in Klassen 5-10 = 24*2*6 = 288. Und das ist unterste Kante. Und da die Schülerzahlen der nächsten 10 Jahre keine Steigerung erwarten lassen, muss man auch nicht ‚abwarten‘ und auf ‚Wunder hoffen‘.

Im Interesse der Schüler müssen größere, funktions- und überlebensfähige Schulen gebildet werden – egal ob als IGS (Mindestgröße > 600) oder OS ( >300). Halt so wie es bei Gymnasien heute schon der Fall ist – und da heulen die Eltern auch nicht, dass die Kinder in Northeim, Moringen, Einbeck, Uslar und Gandersheim zentralisiert werden. Was dem 11-jährigen Gymnasiasten zuzumuten ist, kann auch dem Oberschüler zugemutet werden.

Deshalb ist die Diskussion um die Zusammenlegung der Oberschulen von Kalefeld und Gandersheim als Außenstellen-Lösung nur Opium fürs Wahlvolk. Hier muss einfach eine klare Entscheidung für das Wohl der Schüler erfolgen, die problemlos in der Schule in Gandersheim untergebracht werden können, die über 31 Klassenräume verfügt. Und das Argument, dass 60.000 Euro mehr an Fahrtkosten entstehen? Dem stehen knapp 320.000 Euro Kostenersparnis gegenüber (davon 40.000 Abschreibung) und der Verzicht auf Geldverbrennen durch notwendige Instandhaltung an den Gebäuden in geschätzten Größen von über 1,5 Millionen Euro.

Weiter ist hier Northeim, wo Realschule und T.-Mann-Schule zusammengehen werden; aber warum lässt man dann die G.-Hauptmann-Schule mit 100 Schülern nicht dazugehen? Wieder zu kurz gesprungen? Oder sollen die 100 Schüler dann nach Katlenburg-Lindau wechseln, wo die HRS mit knapp 240 Schülern ebenfalls vor dem Kollaps steht? Warum dann nicht die große Lösung für alle vier Wackelkandidaten in Northeim? Das wäre eine Schule mit ca. 1000 Schülern – aber dann hätten wir ja wieder die Diskussion um eine IGS, die ja nicht von allen politischen Parteien wirklich begrüßt wird. Dass IGS oder KGS nicht unmittelbar die Mißgunst der Eltern ernten, sollte auch allen klar sein, wenn man auf die KGS in Moringen schaut – die mehr als 1700 Schüler kommen nicht alle aus Moringen – angeblich sollen auch Eltern aus Northeim ihre Sprößlinge im Zuge der Schulwahl dort untergebracht haben…

Aber das größere Dilemma hat natürlich Einbeck, wo es um Besitzstände geht und um die Frage, ob ex-kreisstädtische Kinder nach Greene verfrachtet werden dürfen, da sich Lönsschule und IGS im W.-Bendow-Komplex die Räume wegnehmen, während in Greene hohe Leerstände sind. Wenn dann Lösungen mit Container-Bau (obwohl genug Räume in EInbeck und Greene vorhanden sind) und fixierter 3-/4-Zügigkeit diskutiert werden, ist das aus meiner Sicht nur Flickwerk, um die Löns-Schule in Einbeck zu halten. Sollte die Löns-Schule nach Greene gehen, würde ich prophezeien, dass etliche (Einbecker) Schüler dann von Löns an die IGS wechseln – was auch das Größenproblem der IGS obsolet werden lassen könnte. Eines sollten die Eltern vielleicht einmal bedenken bei ihrer Wahl: schlechten Unterricht kann man in Greene und in Einbeck finden – aber genauso gut auch guten Unterricht: das ist nicht primär von Standorten abhängig.

 

Früher gab es den Schlappenschammes…

…heute muss die Landrätin selbst den Kopf hinhalten

Die Schulentwicklung – alle Landratskandidaten hatte sich das aufs Panier geschrieben – aber ohne konkret zu werden, weil das bekanntlich nur die Wählerstimmen reduziert.

Nun wird es ernst – im Februar 2017 soll nun etwas entschieden werden: wenn da nicht die lange Bank wäre, auf der allerdings kaum noch freie Plätze zu finden sind. OS Kalefeld vs. OS Gandersheim, OS Kreiensen vs. RS Löns vs. IGS Einbeck: viele Handschuhe sind im Ring, wer mag sie aufheben?

Nun sind einige (auch krude) Vorschläge in der Diskussion und alle Betroffenen reagieren, wie wir es erwarten: Ändere anderswo, aber nicht bei uns!

Bevor wir mit ins Gewühl stürzen: Wozu ist Schule eigentlich in erster Linie da? Meine Antwort: Für die Schüler. Und zwar in einer Form, die ermöglicht, dass den Schülern ein differenziertes Angebot für ihre Ausbildung gemacht wird; ein Angebot, das ihren unterschiedlichen Stärken, Schwächen und Neigungen nicht zu 100% entspricht, aber ihnen im Rahmen des Möglichen entgegenkommt und sie mitnimmt. Begabung heißt Begaben – um einen alten Kalauer der Nachkriegspädagogik zu bemühen, der – zumindest für mich – immer noch gilt.

Und dann haben wir die Schulorganisation und die Erbhöfe mit Plan- und Haushaltsstellen. Mag auch alles wichtig sein für das Lehrpersonal -ist aber nur die dritte oder vierte Priorität.

Als Folge der Baby-Boomer-Jahre mussten immer mehr Schulen gebaut werden, um der Nachfrage gerecht zu werden, als Folge der Baby-Verweigerung muss nun die umgekehrte Richtung eingeschlagen werden. Da muss man auch nicht spekulieren: die potentiellen Zugänge der Schulen nach der Grundschule sind per heute für die nächsten 10 Jahre bekannt. Da gibt es keine Überraschungen mehr, wir befinden uns ganz einfach im Sinkflug.

Und im Bereich der Haupt- und Realschulen, die vernünftigerweise oft in eine Verwaltungseinheit ‚Oberschule‘ zusammengelegt worden sind, benötigen wir eine gewisse ‚Größe‘, um den Schülern differenzierte Angebote in jedem Jahrgang zu machen, die den Begabungen und Leistungen der ‚Inhaftierten‘ entspricht: Bei zwei Klassen je Jahrgang in einer Oberschule haben wir doch letzlich immer nur eine Real- und eine Hauptschul-Klasse in Camouflage. Bei einer anzustrebenden Dreizügigkeit bedeutet das, dass eine untere gute Schulgröße bei 450 Schülern liegen könnte.

Nun liegen Vorschläge auf dem Tisch seitens der Kreisverwaltung, ebenso die Stellungnahmen der betroffenen aufzulösenden/zusammenzulegenden Einheiten. Und eine Stellungnahme des Kultusministeriums, die sich für mich wie eine Serie von Ohrfeigen liest (http://pvrat.de/ratsinfo/lknortheim/3072/MTMwXzAzLnBkZg==/12/n/33065.doc). Nun mag der zuständige Bearbeiter evtl. nicht in allen Fällen recht haben, aber für mich erzeugen die Ausführungen keinen direkten Eindruck von umsichtigem Handeln in Kreisverwaltung und Kreistag.

Nur die Highlights hier in kurz:
a) Die Gesamtbewertung: angesichts der Verpflichtung, auf die Entwicklung der Schülerzahlen organisatorisch zu reagieren, seien die Ausführungen des Landkreises nur „teilweise zielführend“. Nett ausgedrückt.
b) Für die Beurteilung der Schülerzahlen seien nicht die Vorgaben des Klassenbildungserlassen heranzuziehen (wie es wohl die Kreisverwaltung gemacht hatte), sondern die Vorgaben der SchulordnungsVO, die klare Zahlen für Mindestzügigkeiten vorgeben – ohne Einrechung der Inklusionsfälle. Das nennt man Nachhilfe.
c) In $4 der SchulOrgVO seien Vorgaben für die Mindestgröße der Schule festgelegt: 2 Züge á 24 Schüler = 48; diese Vorgabe werde sowohl in Kalefeld als auch in Gandersheim seit Jahren nicht mehr erreicht, ohne dass Maßnahmen ergriffen wurden.
d) Die Bildung von Außenstellen (eine Variante des Landkreis-Plans) sei nicht in der Beurteilungs-Hoheit des Landkreises, sondern müsse von Schulleitung, Schulvorstand und Konferenzen entschieden werden – sofern die Rahmenbedingungen es überhaupt zuließen, was im Fall Kalefeld-Gandersheim höchstwahrscheinlich vom Kultusministerium nicht genehmigt werden würde. Fazit: Viel Lärm um Nichts, eine alternative Varianten, die von vornherein wie eine Totgeburt aussieht: sieht man das bei der Kreisverwaltung nicht oder ist das nur ein Ablenkungsmanöver?
e) Und als Zugabe gab’s dann noch was auf die Ohren:
– in der IGS Bodenfelde wäre seit Jahren Handlungsbedarf, da die Mindest-Schülerzahl nicht gehalten wird: „..untragbar seit längerer Zeit“.
– ebenfalls bestünde dringender Handlungsbedarf in Kreiensen
– dito kämen die gleichen Probleme auch in Dassel und Katlenburg
– in Northeim wäre es ebenso mit Realschule und G.-Hauptmann-Schule, wobei bei der Lösung auch die Th.-Mann-Hauptschule  (100 Schüler) mit einbezogen werden sollte.

Ende gut – alles gut? Ich seh das leider (noch??) nicht…

Achja und PS: die armen Schüler, die dann nicht mehr zu Fuß in die Schule gehen können: die gibt es bereits heute nicht mehr, die Realität ist die, dass ca. 50% aller Schüler heute schon Fahrschüler sind: auch in Kalefelde, einer Gemeinde, die nur 20% der Bewohner des Alten Amts beherbergt. Und einem Schüler aus Sebexen ist es wohl ziemlich egal, ob der Bus morgens nach Gandersheim oder nach Kalefeld fährt…

Narren erobern Kalefeld…

…mit schwersten Wortgeschützen, denn der Untergang ist nahe:

Gut – die Kalefelder (oder einige von ihnen) können ja nicht direkt etwas dafür, wenn der Redakteur schon das Totengeläut vernimmt, aber sie haben ihn sicher in diese Stimmung versetzt. Aber bei allem sollte man die Kirche – pardon: die Schule – im Dorf lassen.

Sicher wäre es für alle Schüler am ’schönsten‘, wenn sie innerhalb 5 Minuten zu Fuß(!) ihre Auetal-Schule erreichen könnten (auch wenn dann die Horden von ‚Transport-Eltern‘ überhaupt nicht mehr wüssten, was sie so tun sollten…). Dieses Bild ist aber so tot wie das romantische Bild von der Dorfschule, in der ein Lehrer 8 Jahrgänge in einem Raum unterrichtet: im ‚echten Leben‘ sind von 18200 Schülern im Kreis Northeim (davon 4200 Berufsschülern) mindestens 8400 Schüler im Schülertransport registriert (Kosten fast 6 Millionen Euro), der vom Landkreis bezahlt wird. Dazu kommen dann sicher noch etliche, die ohne Rückerstattung durch den Landkreis von Eltern o.ä. zur Schule gebracht werden (Zahlen aus dem Haushalt 2016 des Landkreises).

Wir können auch konkreter auf das Alte Amt schauen: nur 20% der Einwohner Altämter Bevölkerung lebt in Kalefeld – auch heute müsste die Auetal-Schule schon einen Fahrschüleranteil von ca. 70-80% ausweisen, wenn die Schüler ungefähr gleichverteilt aus den 11 Ortsteilen kommen.

Aber schauen wir auf die Argumente der Befürworter – sie könnten ja stichhaltig sein:
a) Zwei ansässige Firmen nutzen den Kontakt zur Auetalschule zur Rekrutierung der Azubis: warum sollten sie den guten Kontakt nicht auch nach Gandersheim pflegen – verbunden mit dem Vorteil, nicht nur 200 sondern 500 Schüler ansprechen zu können? Und die – für mich eher metaphysisch klingende – Nähe zu den Betrieben wird doch nicht gekappt: die Schüler gehen auswärts zur Schule, aber sie wohnen doch weiter da, wo ihre Eltern wohnen – und das ist auch heute schon zu 80% NICHT in Kalefeld…
b) Junge Familien würden sich nicht mehr in Kalefeld niederlassen, wenn es die Oberschule dort nicht mehr gäbe: Sollte das stimmen, dann wäre Kalefeld ja heute ein Mekka für junge Familien – davon habe ich aber noch nichts gehört… Für die Grundschule mag das nachvollziehbar sein, aber danach ist die Wirklichkeit eine andere: spätestens wenn das Kind auf ein Gymnasium geschickt werden soll, gibt es nur eine Wahl: Northeim oder Gandersheim.
c) Die Schulsportanlage wird von den Kalefeldern genutzt – und nach Schließung wäre der Unterhalt durch die Sportvereine nicht ohne weiteres finanzierbar: Eine Schule mit Sachkosten von ca. 320.000 Euro/Jahr zu erhalten, damit die Kalefelder sich ertüchtigen können?  Hier ließe sich sicher eine Lösung finden…
d) Die Schüler fühlten sich wohl – jeder kenne jeden. Da sein mal kritisch gefragt: gibt es Schulen, wo keiner keinen kennt? Und ob der kleine 10-Jährige vom pubertierenden 15-Jährigen wahrgenommen wird, würde ich an jeder Schule dieses Kreises mit ‚Nein‘ beantworten.
e) Zuletzt: auch Nachmittags könne man bei Problemen seinen Lehrer ansprechen. Das ist gut zu hören, allerdings wage ich nicht zu schätzen, wie häufig das passiert. Darüberhinaus ist das keine Besonderheit der Schule in Kalefeld, sondern schlicht der Tatsache geschuldet, dass hier eine Ganztagsschule stattfindet. Warum sollte man in Bad Gandersheim seinen Lehrer nicht am Nachmittag ansprechen können, solange es das Ganztags-Angebot gibt?

Fazit für mich: nichts stichhaltiges – Gevatter Tod wird aus diesen Gründen sicher nicht in Kalefeld vorbeischauen…