Eco! Eco! Eco!

oder: Ecce homo! HNA-Interview mit Prof. Herminghaus (23.1.17)

Was für ein Segen: der Eco-Bus kommt und alle freuen sich wie die Kinder am 24.Dezember, die nachts vom Sack voller Geschenke geträumt haben! Und allen voran unsere wackeren Volksvertreter:

– Öffentlicher Nahverkehr für jeden – ja!
– Öffentlicher Nahverkehr zu jeder Zeit – jaa!
– Nahverkehr von Tür zu Tür – jaaa!
– Mit einer besseren Ökobilanz als Individualverkehr – jaaaa!
– Mit geringerem Zuschuss der Gemeinden – jaaaaa!
– Mit sozial ausgewogenen Fahrpreisen für alle – jaaaaaa!

Und diese neue Heilslehre (Heilsleere?) kommt mit akademischem Ritterschlag direkt vom MPI: das kann nur gut werden – und die glauben auch wirklich selbst dran, denn sie haben ja schon Erfahrung mit Staubildung auf der Autobahn, Organisation von Regentropfen in einer Gewitterwolke und Verteilung von Menschenmassen in Städten wie München und Shanghai! Und nun Landkreis Northeim…

Und an Superlativen wird nicht gespart: der Nahverkehr wird revolutioniert, der Individualverkehr eingedämmt (hoffentlich weiß der das schon…) und alle, ja wirklich alle (Verkehrsverbund, Gemeinden, Landkreis, Busunternehmen, Taxis) ziehen an einem Strang. Das System sei intelligent (mir würde effektiv wirklich schon reichen, Großer Bruder..) und reagiere augenblicklich auf neue Anforderungen, wobei der Mensch mit seinem Bedarf im Vordergrund stehe statt eines festgezurrten Fahrplans – allerdings wohl nur, wenn er auch über das richtige Smartphone mit der richtigen Äpp verfüge…

Der einzige Wermutstropfen: so genau weiß man eigentlich nichts, denn zuerst müsse in 2018 eine Testphase mit Kleinbussen laufen, damit man aus den Erfahrungen lernen kann – und die liefen ja nur so mit und hätten natürlich keinen Einfluss auf den Linien-Nahverkehr.

Nun glaube ich ja auch an das Gute im Menschen und unterstelle den MPI’lern lautere Ziele, aber diese Versprechen tendieren für mich Richtung ‚Glaubensbekenntnis‘ und nicht Richtung ‚Lasten- oder Pflichtenheft‘. Aber bei den öffentlichen Kassen scheinen die Fördertöpfe wohl eher bei Visionen zu sprudeln – es geht ja schließlich um das Makro-Ziel ‚Eco‘. Da simmer dabei, das ist priiima! Einsatz? Schlappe 94.000 Euro in den nächsten beiden Jahren – allein vom Landkreis Northeim.

Und dann bekommt der Plan auch ein Gesicht: Prof. Herminghaus referiert über Phasenübergänge, wobei der Übergang rentabel-unrentabel so ähnlich sei wie fest-flüssig-gasförmig. Bislang seien leider alle Rufbus-Systeme unrentabel, aber es müsse einen Übergang geben: wann und wie der zu bestimmen sei? Dazu fehle aber eine Menge an Grundlagenforschung, aber dafür seien sie ja da. Die Heterogenität sei eine große Herausforderung, der man sich mit analytischer Theorie, numerischer Methodik und Testfahrten stellen wolle. Wenn man denn erste Erfahrungen hätte sammeln können, „geht die Forschung erst recht los..“. Die Daten würden „interessante wissenschaftliche Fragestellungen aufwerfen“. Die Frage nach ähnlichen Projekten fällt etwas ausweichend aus: Es sei eine Untersuchung wie emergenter Phänomene entstehen und sich verhalten, so wie Tröpfchen in einer Turbulenz, Nervenimpulse bei der Gedankenbildung und Stare beim Vogelflug. Und ähnlich müsste es auch bei Verkehrsteilnehmern und Verkehrssytemen sein, auch wenn man das nicht sicher vorausahnen kann. Er glaube, dass hier universelle Gesetzmäßigkeiten am Werke wären, „die wir noch nicht verstanden haben“. Verstehe ich das richtig? Da gibt es also noch nichts wirklich konkretes, aber viel, viel guten Forscherwillen? Oder hat der Redakteur und Interviewer alles nur halb und teilfalsch verstanden?

Stellen wir uns doch mal etwas blöd und einfältig und folgen nicht dem Spaziergang in Forscherhöhen: Das ganze Unternehmen hat doch keinen wissenschaftlichen Zweck; es geht doch darum, dass Menschen zu bestimmten Zeiten für bestimmte Erledigungen oder Vergnügungen von A nach B kommen, auch wenn sie kein Individual-Gefährt nutzen  wollen oder können. Das kann auch heute jeder – sofern er in der Lage und bereit ist, das Taxi-Entgelt zu bezahlen und ggf. auf die Verfügbarkeit zu warten.

Wenn ich dann aber eine eierlegende Wollmichsau verspreche, dann muss ich doch konkrete Situationen vor Augen haben, für die ich Abhilfe verspreche. Für wen, was und wo brauche ich das Eco-Ruf-Bus-System?
Die wichtigsten Fragen:
– Welche Zielgruppen habe ich im Sinn?
– Wieviele Personen werden in Summe den Service nutzen?
– Zu welchen Zeiten muss ich den Service anbieten?
– Wird alles Punkt-zu-Punkt bedient oder muss ich umsteigen?
– Wie hoch wird der angestrebte Kilometerpreis sein?
– Wie hoch wird der Fahrpreis subventioniert?
– Woher kommen die zusätzlichen Busfahrer – ein Beruf mit ungünstigsten Arbeitszeiten?
– Welche Vorlaufzeit muss eine Fahrtbestellung haben?
– Wie kurzfristig ist ein Storno möglich?
– Wie reagiert das System auf Engpässe/Baustellen/Unfälle?
– Wie sieht der Schadensersatz bei Unpünktlichkeit aus?
– Wie kann ich den Service ohne Smartphone-App nutzen?
(PS: heben die MPI’ler schon einmal gesehen, welche Schwierigkeiten ältere Menschen mit der Smartphone-Bedienung haben? Wenn sie es überhaupt bedienen können…)
– Wenn ich Taxis und Busse mit einbeziehe: wie läuft der Datenaustausch und wie werden dann Prioritäten gesetzt, wenn konkurrierend Aufträge eingehen von Direktkunden und Rufbus-Anforderungen?

Zu all diesen Fragen muss es mehr als ein ‚Das-lösen-wir-dann‘ geben, hier muss ein gewisses Qualitätslevel definiert werden, das notwendig ist, um überhaupt Menschen für die Nutzung zu gewinnen. Ansonsten heißt das Spiel nämlich ‚Geldverbrennen‘ – aber für einen guten Zweck!

 

Der neue Trend im Golf – CTAA!

CBA war gestern, aber was kommt morgen?
Christians Ballgefüster No. I – ein Original aus den 2015er-Jahren, als es noch CBA gab – erinnert sich daran noch jemand???

Wichtige Dinge passieren in der Welt und im Golfclubclub, aber auf der Terrasse an Tisch 20 werden sie endgültig diskutiert und bewertet….

„Schon wieder ein Turnier mit CBA – und dabei war das Wetter ohne Fehl und Tadel: nur gut, dass nächstes Jahr Schluss ist!“ Hölzchen-Ulli ärgerte sich offensichtlich deshalb am meisten, weil sein Dauer-Konkurrent Frido, der gerade am Nebentisch die dritte Runde schmiss, heute hcp-mäßig an ihm vorbeigezogen war. „Genau!“ Unser Studienrat Walter assistierte prompt. „Da regiert doch nur Kollege Z. – statistisch-stochastisch ist das der reine Zufall, egal ob man das mit Chi-Quadrat-, G- oder Kolmogorow-Smirnow-Test überprüft!“ Ebenfalls nur aus Zufall fingen hier einige Augenpaare an, sich zu drehen und sanft in den Himmel abzugleiten…

„Ob Zufall oder nicht: das ist vor allem eine Frage der Gerechtigkeit – und die Abschaffung ist ein Schritt dahin!“ Der lange Ulf hatte die Gelegenheit ergriffen, um auf SEIN Lieblingsthema überzuleiten. „….und selbstverständlich müssen dann auch einmal die anderen Wettbewerbsverzerrungen auf den Tisch!! Zeitgleich landete natürlich seine Faust auf der Tischplatte von Nr. 20: „Ich sage nur: E-Cart-Fahrer!“.

Frido – ein bekennender E-Cart-Fahrer – bestellte gerade die vierte Runde ob seines glänzenden Ergebnisses. Das war der Einsatz für Hölzchen-Ulli: „Wir starten eine neue Gerechtigkeits-Initiative! CTAA: Competition Technical Aids Adjustment – wer Hilfsmittel nutzt, muss dann mehr als 36 für die Verbesserung spielen: Bag-Träger = 36, Trolley-Zieher = 37, E-Trolley-Gezogener = 38, Leute mit persönlichem Caddie = 39, E-Cart-Chauffeure = 40 Punkte. Das wär mal eine ursachengerechte Ergebnisanpassung!“

Ja, so werden große Ideen geboren und so wird das Ideal der Gerechtigkeit zielstrebig verfolgt…wenn es doch nur mehr Tische mit der Nummer 20 auf der Welt gäbe, denn da werden alle Fragen zwischen Himmel und Erde angegangen und gelöst…

Der absolute Protestwähler

Er geht wenigstens noch zur Wahl – aber wozu?

Die Landratswahl am 28.2.16 war ein Extrem: ein großer Zettel mit drei Kreisen, in die ein Kreuz nach Wahl gesetzt werden sollte. Aber hatte das eine Auswirkung auf die ‚Ungültig-Wähler‘? Mitnichten. Ca. 570 Wähler (=ca. 1,25%) nutzten den Wahlzettel als Schmierzettel – ein fast durchschnittlicher Wert (zumindest in unserem Wahlkreis), wenn man es mit anderen Wahlen vergleicht, wo die Werte zwischen 1 und 1,5 % lagen.

Eigentlich könnten das ganz vernünftige, liebenswerte Wähler sein – sie haben zumindest keine AfD gewählt! Oder haben sie entwertet, weil sie keinen Kandidaten dieser Couleur fanden? Dann nehme ich natürlich alles zurück!

Neugierig wäre ich ja auf die Kommentare, die mancher Nicht-Nicht-Wähler hinterlassen hat, aber darüber gibt es in Northeim/Einbeck wohl keine Veröffentlichungen. Aber meine Erwartung wäre wohl auch enttäuscht worden: nur 3 von 100 ‚Streichern‘ hinterlassen Anmerkungen/Beleidigungen etc. – 70-80% der Protestwähler lassen den Zettel einfach leer oder streichen alles durch. Woher die Zahlen? Ich habe natürlich auch erst einmal gesucht, ob es da nicht irgendwas gibt – nein, nicht von Ratiopharm, sondern in den Statistischen Monatsheften Rheinland-Pfalz (2010, bezogen auf Wahlen 2006/2009) .

PS: in Rheinland-Pfalz lagen die ungültigen Stimmen bei 2-3% – und die meisten ‚Wortbeiträge‘ auf Stimmzetteln werden von älteren Herren über 60 abgegeben…

Wunden lecken

…muss immer nur der Verlierer

Es war knapp, aber erwartet. Die CDU zog wie immer in den letzten Jahren den Kürzeren. Da beide Kandidaten nicht persönlich überzeugen konnten, wurden die Stimmen für die Landratswahl so vergeben, wie sich die derzeitigen politischen Lager verteilen.  Nimmt man die Wahlen in den letzten Jahren als Maßstab, so ist der Kreis Northeim-Einbeck tendenziell eher im rötlich-grünen Lager, auch wenn die bürgerlich-liberalen Anhänger fast aufschließen können.  Deshalb heißen die direkt gewählten Parlamentsvertreter auch Priesmeier, Heiligenstadt und Schwarz (Namen können auch täuschen…)!

Aber es geht auch anders: wenn man am gleichen Tag die strahlenden Gesichter von Dreyer und Kretschmann gesehen hat, ahnt man, dass es tatsächlich auch einen Einfluss von Personen bzw. Persönlichkeiten gibt, der ein Ergebnis auch gegen den Trend drehen kann. Dieser Einfluss hat aber zwei Gesichter: zum einen kann es natürlich eine Lichtgestalt geben, die den Wähler mitzieht, zum anderen auch einen Kandidaten, der den Wähler abschreckt, sei es durch eigenes Unvermögen oder öffentlich präsentierte Hybris, durch ausgegrabene Leichen im Lebenslauf-Keller oder durch Zuweisung von Schuld und Verantwortung für Dinge, an denen sie/er manchmal auch nur peripher beteiligt war. Unsere beiden Bürgermeister Michalek und Thannhäuser (wie einige Jahre davor der FDP’ler Rabe) legen regional davon Zeugnis ab, dass unsere Wähler nicht immer den Hut auf der Stange wählen.

Diesmal allerdings keine Wunder, die bestehenden Verhältnisse wurden nicht ‚aufgemischt‘.  17.000 vs. 16.000 aus dem ersten Durchgang, das Rennen ging also um die herrenlosen 12.000 Stimmen. Im Endergebnis blieben 5.000 einfach zuhause, 4.000 gingen an die SPD, 3.000 an die CDU, das entspricht in etwa dem Verhältnis zwischen Grünen und Liberalen, die entsprechend empfohlen hatten. Die im Wahlkampf vielbeschworene ‚Verwaltungserfahrung‘ hat wohl beim Wähler keinen wirklichen Nachhall gefunden, denn dann hätten die ‚Verwaltungs-Stimmen‘, die mutmaßlich bei Richert gelandet waren, eine viel stärkere Tendenz hin zu Klinkert-Kittel zeigen müssen. Im Rückblick hat sich Richert als Sammeleimer für alle die erwiesen, die mit der Kandidaten-Auswahl der großen Parteien nicht zufrieden waren – und die KandidatInnen haben mit ihrem Blümchen-Kaffee-Stil die Unzufriedenen nicht erreicht.

Am deutlichsten war das sicher im Ergebnis des 1.Wahlgangs in der Stadt Northeim, in der es keinen Heimat-Bonus für die KandidatInnen gab: nahezu Gleichverteilung mit leichtem Vorteil für AKK aufgrund des sozialdemokratischen Milieus in der Kreisstadt. Woran sollte sich auch der Wähler orientieren? Da blieb entweder das politische Grundmilieu oder der (stille) Protest, dass es die Lokalpolitik zum wiederholten Mal nicht geschafft hat, Kandidaten mit erkennbarem Profil aufzubauen und zu wählen. Und wenn der Protest-Kandidat weg ist: regiert das Milieu, die ’normale‘ Landkreis-Mehrheit.

Immer nur nett lächelnd zuhören, Verständnis zeigen, die bisherige Arbeit loben, harmonische Zusammenarbeit versprechen und keinesfalls etwas Konkretes über Themen wie Schulentwicklung oder Optimierung der Verwaltung oder der Flüchtlingsbetreuung sagen: das ist gepflegte Langeweile, die auch durch Wiederholung nicht gefällt. Das ist alles ganz nett, aber das reicht nicht – und wenn man dann auch noch ganz lieb zueinander ist und immer fast das Identische/Ähnliche will oder sagt – Demokratie lebt durch die inhaltliche Auseinandersetzung -, bleibt der Wähler ohne Anhaltspunkt zurück.

Vielleicht haben sie sich als ‚aufgepfropfte‘ Kandidaten auch nicht getraut, eine eigene ‚Tonspur‘ zu treffen. Bei Bernd von Garmissen kam zuweilen sogar der Eindruck auf, hier gäbe es ein ‚Betreutes Kandidieren‘: fast kein Auftritt ohne die Nannies Roy Kühne, Beatrix Rostalski-Tappe oder Heidrun Hoffmann-Taufall. Und worin half uns der letzte Auftritt mit David McAllister? Ein guter Redner, gewiss, aber der kandidierte nicht für den Landratsposten…

Auch die SPD tat sich keinen Gefallen mit Groß-Auftritten: Zwischen dem Abgeordneten Schwarz und der Sozialministerin Rundt hinterließ Klinkert-Kittel einen etwas verlorenen Eindruck – gottseidank fand das vor Parteimitgliedern und Fachpublikum statt und hatte keinen Nachhall. Aber nun ist es, wie es ist – und Astrid Klinkert-Kittel hat 5 Jahre Zeit zu zeigen, dass man an und mit den Aufgaben wachsen kann – ich wünsche dann mal Gutes Gelingen!

 

Kreuze machen, Schnauze halten…

Landpartie mit einer Volkspartei

„Wir müssen uns nicht sagen lassen, wie wir im Rat denken oder arbeiten sollen!“. Man muss Werner Vollmer (SPD), der diese Ansicht äussert, zugestehen, dass er seinen Schumpeter gelesen hat und volksnah zitieren kann: „’Die demokratische Methode ist diejenige Ordnung der Institutionen zur Erreichung politischer Entscheidungen, bei welcher Einzelne die Entscheidungsbefugnis vermittels eines Konkurrenzkampfes um die Stimmen des Volkes erwerben.'(Zitat Schumpeter) Über diese Entscheidung hinaus werden den BürgerInnen keine besonderen Kompetenzen und Qualitäten und Einflussmöglichkeiten zugetraut und zugestanden..“ (aus: www.politischebildung.com/pdfs/28_demomod.pdf). Diese Darstellung wäre dann die Mini-Langfassung seiner Kurzfassung, aber damit wird es für den Nörten-Hardenberger Normalwähler wohl auch nicht appetitlicher.

Aber warum diese Töne? Da liefern Bürger die Ergebnisse einer Unterschriftenaktion gegen den neuen Gewerbepark an der Autobahn ab (das wird wohl eher ein Autohof…), der mit Wahlkampf-Bohei incl. IKEA-Vorspielerei aus dem Nichts auftauchte und nach einem Jahr immer noch die Gewerbesteuer-Phantasien der gewählten ‚Eliten‘ befeuert. Da gäbe es einiges zu diskutieren: Ist der Flächenverbrauch sinnvoll? Auf der anderen Seite gibt es Stillegungsprämien für landwirtschaftliche Flächen….!? Will man neue Arbeitsplätze, die eher den prekären als den gutbürgerlichen Niveaus zugerechnet werden müssen? Wie sieht man den Verdrängungswettbewerb, der die Kuchen in Northeim und Göttingen schmälern wird – denn jeder Liter Benzin kann nur einmal getankt werden und jeder Burger kann nur einmal gegessen werden?

Kann man drüber reden, aber wohl nicht mit Werner Vollmer. Vielleicht findet er ja beim nächsten Monopoly-Spiel eine neue Ereigniskarte (nein, nein, auf keinen Fall eine Gemeinschaftskarte….): Gehen Sie nicht ins Gefängnis, gehen Sie nicht über Los, ziehen sie keine 4000 Spielmark ein, sagen Sie einfach ‚Tschüss‘.

(PS: das gilt natürlich alles nur, wenn das Zitat in der HNA von hjo korrekt sein sollte – ich gehe mal davon aus, denn eine Gegendarstellung gab es auch drei Tage später noch nicht.)

 

Taler, Taler, du musst wandern…

Was kosten denn heute die Eulen?

Löblich, löblich: wie ernsthaft doch die Stadt Gutachter beschäftigt (wieviel Taler sind dafür auf die Reise gegangen??) und sich vortragen lässt, wie’s denn mit der Innenstadt bestellt sei (HNA vom 29.1.2016). Wenn dabei herauskam, dass a) das City-Center ein Magnet ist, b) die Kaufleute in der Stadt zusammenarbeiten müssten, c) irgendwie ‚Aufenthaltsqualität‘ (was ist das für jeden einzelnen???) verbessert werden kann und d) die Öffnungszeiten angeglichen werden sollten: da nimmt der Gutachter doch tatsächlich den Spatzen auf den Dächern die Arbeit weg… – oder könnte man die im Rahmen der Attraktivitätssteigerungen nicht durch Eulen ersetzen?

Achja: eine Dachmarke für Northeim soll es noch geben: der Rohrkrepierer ‚Sportstadt NOM‘ ist ja nun weg, in Luft aufgelöst wie die große, neue Sportarena. Um einmal konstruktiv zu sein: Northeim ist nicht immer leer, auch wenn es an echten oder falschen ‚touristischen Hot-Spots‘ mangelt: Die Innenstadt ist immer dann gefüllt, wenn – auf gut neudeutsch – ein ‚Event‘ organisiert ist: ‚Event-City Northeim‘: Die (Käufer-)Massen kommen dann, wenn sie wissen, dass die Massen kommen – real-paradox.

Und was auf dem Veranstaltungskalender steht, ist völlig schnurz: Klostermarkt, NOM-Mot, Frühlings- oder Wirtschaftsschau, Volkslauf, Krammarkt, NOM isst gut, Stadtfest, Weinfest, Kinderfest … – da wäre mal Kreativität gefragt! Z.B. einen ‚Plünnen-Markt‘ der Northeimer Textilgeschäfte – sei es mit Sonderständen auf dem Münster oder einer von allen Bekleidungsgeschäften getragenen ‚25%-auf-alles‘-Aktion in der ganzen (Innen-)Stadt.

Noch ein Wort zum Plasterstrand Northeim: auch als in Göttingen ein ‚Sch…‘-Plaster in der Fußgängerzone war, war die City immer gut besucht – heute ist es anders, aber die Einkäufermassen sind die gleichen. Und auch bei uns liegt das Problem der leeren ‚Guten Stube‘ nicht unter den Füßen, sondern hinter den Ladentüren, vor allem den verschlossenen.

Fazit unseres Gutachters laut HNA:  „Die gesamte Innenstadt müsste sich zusammen als ein Ort der qualitativen, hochwertigen Einkaufsmöglichkeiten präsentieren.“  Geht’s eigentlich noch inhaltsleerer? Naja, es sind halt die Spatzen, noch nicht einmal die Lerchen, geschweige denn eine Nachtigall…

111 Silvester später

Ein Zitat aus dem Jahre 1905

„Indem die Askese die Welt umzubauen und in der Welt sich auszuwirken unternahm, gewannen die äußeren Güter dieser Welt zunehmende und schließlich unentrinnbare Macht über den Menschen, wie niemals zuvor in der Geschichte. Heute ist ihr Geist … aus dem Gehäuse entwichen. …. Dann allerdings könnte für die ‘letzten Menschen’ dieser Kulturentwicklung das Wort zur Wahrheit werden: ‘Fachmenschen ohne Geist, Genußmenschen ohne Herz: dies Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben.’“

Tja, dazu fällt mir noch was ein. Aber was? Oder EUCH????

Ein Versuch dazu – Lob des Spießers

Flucht und Vertreibung

…ist das Thema im Museum Friedland

Vom Ansturm der Menschen auf das neue Museum Friedland war an diesem Sonntag nichts zu spüren, aber einige Interessierte fanden sich schon in der Ausstellung, die sich über ca. 6 Räume in zwei Etagen im alten Bahnhof Friedland erstreckt.

„Wenn ich es nicht aufschreibe, ist es irgendwann weg, logischerweise“ – so Guntram Vesper anlässlich der Veröffentlichung seines Erinnerungswerkes ‚Frohburg‘ – denn wenn ein Mensch sterbe, sei alles dahin, was er im Kopf gehabt habe, alle Geschichten, alle Erinnerungen. Und diesem Motto scheint auch die Ausstellung in Friedland verpflichtet zu sein – das Aufgeschriebene, das Papier dominiert den Rundgang. Und es dominiert das Nicht-Besondere, das Alltägliche, das ‚blöde‘ Ordnungsgeschäft; kleine Ausschnitte aus dem Leben von Protagonisten, deren Namen man im nächsten Raum schon wieder vergessen hat. Und es bedarf überhaupt keiner persönlichen Tragödie, denn die Tragödie waren die äußeren Umstände, in denen die Leidtragenden, die Vertriebenen und Flüchtlinge, versuchten ihr Leben und einen Rucksack voller Habseligkeiten zu retten bzw. einen erzwungenen Neustart zu machen. Und die Anlaufstelle Friedland mit Unterkunft und Laufzettel erscheint dann wieder wie ein erster kleiner Lichtblick, der Orientierung im Chaos bietet.

Wenn im weiteren Verlauf des Rundgangs dann auch Aussiedler- bzw. Übersiedlergruppen der 70er bis 90er Jahre thematisiert werden, ist das sicher informativ und ein Blick in die Ästhetik von jugendherbergsähnlichen Unterkünften in diesen Zeiten – gekrönt von menschenleeren Groß-Fotographien aus der Zeit der HEWI-Romantik -, hat aber mit dem Übergang von Chaos in die Ordnung, der die direkten Nachkriegsjahre prägt, nichts mehr zu tun: hier wird eine zivile Abfertigungslogik dokumentiert, die doch eher aussieht wie ein Reisebeginn im Flughafengebäude.

Für mich am beeindruckendsten: Der Raum der Suchanzeigen und Vermisstenbücher – kaum vorstellbar, welches Leid an jedem Photo hängt und in  jeder Seite der Bücher versammelt ist. Und auf der anderen Seite die Plakate mit aufgegriffenen Kindern, von denen in vielen Fällen noch nicht einmal der Vorname sicher bekannt war. Und das in einer Zeit, deren fortschrittlichsten Medium der Druck war, keine Telefone, keine Bildübertragungen, keine Datenbanken. Wieviele Stunden und Tage Menschen auf der Suche nach Angehörigen vor Büchern und Plakaten verbracht haben müssen, muss auch heute noch berühren. Und wenn nach einiger Zeit Mut und Hoffnung sinken, die Wahrscheinlichkeit, den geliebten Menschen wiederzusehen, in der Promillezone versinkt, dann bleibt eine letzte Hoffnung, dass zumindest irgendjemand noch weiß, wann und wo der Vermisste zum letzten Mal gesehen wurde oder gestorben ist. Und auch dieser Abschluss blieb vielen verwehrt.

Doch, es lohnt sich, die Zeitmaschine einmal anzuschmeissen, 70 Jahre zurückzugehen und sich auf die Nichtigkeiten der Zeit einzulassen, die nach dem Chaos kam. Der Audioguide ist technisch gut aufgestellt, allerdings sind die Beiträge zu lang und schwafelig. Eine 7-Minuten-Einführung (?? so ungefährt ??) über WW2 etc. mit allen ‚vorgeschriebenen‘ politisch korrekten Formulierungen ist m.E. in der Form überflüssig. Weniger wäre hier an vielen Stellen mehr.

Zum Schluss natürlich das ‚Lustige‘, man könnte es auch das ‚Listige‘ nennen – ein Eulenspiegel-Streich, den es nur in der Papier-Welt geben konnte: Ein Umsiedlungsschein aus Thüringen innerhalb Thüringens nach ‚Ilfeld‘. Da die Umzügler aber mitnichten in der sowjetisch-besetzten Zone bleiben wollten und die britische Zone mehr versprach, machte die Begünstigte auf dem Amts-Zettel aus ‚Ilfeld‘ ganz einfach ‚Alfeld‘ – schon klappte der Umzug in des Westen. Chapeau!