Blüten des Feuilleton

Kulturpolitiker’s Zitatenschatz

„Über Politiker kann man lachen, aber nicht über deren Politik“ – so hörte ich es in einer Karnevalssitzung aus dem Jahre 2000. Egal, wie Kultur schöngeredet wird oder mit Neusprech auf enthobene Ebenen verschoben wird – das was in der Kultur zählt, ist letztendlich immer das Konto, auf das die ‚Staatsknete‘ geht, denn Kultur ohne öffentliche Förderung ist nicht denkbar, da sie ja einfach nicht produktiv ist, sondern das Blumensträußchen, das sich eine Gesellschaft leistet, in der die Grundbedürfnisse der Menschen in etwa bedient werden.

Und wer staatliche Zuschüsse erhalten will, muss in unserer gesellschaftlichen Auffassung von Leistung und Verdienst zumindest einen Ansatz von Begründung haben, warum er/sie/es und nicht ein anderes er/sie/es Zuwendungen erhalten soll. Und so kommt es zu Deutungen und Legitimations-Argumenten in der modernen, entwickelten Kulturbürokratie. In der ZEIT vom 13.2.20 kommen exemplarisch Ina Hartwig und Carsten Broda zu Wort. Da fiel mir ein, dass ein Klangkörper viel Hohlraum haben muss, um einen großen Klang erzeugen zu können.

Der Hohlraum könnte vorhanden sein, allein der große Klang will sich nicht – zumindest bei mir – einstellen. Vielleicht geht es jemandem anders (er/sie/es) auch so, hier also ein paar Kostproben von dem, was meinen Kopf einige Zeit in horizontale Schwingungen geraten ließ:

„Museen, Theater, Opern und freie Bühnen schaffen einen notwenigen öffentlichen Hallraum..“ (das tun auch Berge in Form von Echo…)

„In der Elbphilharmonie begegnen sich Menschen in ihrer Differenz“ (das tun sie auf der Reeperbahn auch…)

(Im Theater) „Plötzlich verstehe ich etwas, das ich vorher nicht verstanden habe. Gerade durch das Ästhetisierte kommt mir die Wirklichkeit dann so nahe, wie sie mir vorher nie gekommen ist.“ (Da hilft eigentlich ein ‚Augen auf im Straßenverkehr und anderswo.., ich hab im Theater noch nie ein lautes ‚AHA‘ vernommen..)

„Teilweise zerreißt Kultur nämlich auch etwas und sorgt für Kontroversen. Das soll sie auch, weil sie uns dadurch aufmerksam macht auf das, was zerrissen ist“ (Wie wahr, das weiß jeder, der schon versucht hat, sich mit einem zerrissenen Tempotuch die Nase zu putzen..)

„Die Kultur hat die Chance, das Allgemeine zu repräsentieren. Aber dieses Allgemeine der Kultur ist eben etwas, worüber man sich aktiv verständigen muss“ (Das sollte man mal Montag abends in Dresden erzählen…, da gibt es mindestens zwei alternative Repräsentationen, meistens aber noch viel mehr..)

„Denn das Allgemeine ist in der Moderne nie aus sich selbst heraus gegeben“ (..und nicht nur in der Moderne, das Allgemeine ist dann der universelle Weltgeist, den es nur zu erkennen gilt….o sancta simplicita)

…dass „das Rätsel, was Kunst mit Menschen macht, nie gelöst wurde glücklicherweise.“ (Denn wir wissen nicht, was wir tun…)

„Die Migration von kulturellen Energien lässt sich in Museen besonders gut erleben. Für eine migrantisch geprägte Gesellschaft ist das eine Chance, genau dies vor Ort zu studieren und abzugleichen mit der eigenen Selbsterzählung.“ (Gut, dass das mal jemand sagt, darauf wäre ich ja nie gekommen!)

„Die Geschichten, die erzählt werden, sollten schon beim Kuratieren auf das Publikum zielen, das man erreichen will.“ (Auf wen sonst? Den lieben Gott?)

„Museen sind ja selbst lokal sozialisiert und können mit klugen Ausstellungen auch mit ihren Orten sozial kommunizieren.“ (Gibt es unlokale Sozialisierung oder unsoziale Kommunikation? Kommunikatiuon geht nur von Subjekt zu Subjekt, es sei denn, man übe öffentliches Reden mit Steinen im Mund vor der Meeresbrandung..)

Dann wird aus dem Museum ein zivilgesellschaftlicher Ermächtigungsort, der eine bewusste Einladung ausspricht – (…) Wir wollen miteinander arbeiten.“ (Vulgo: Im Museum kann man was Neues sehen… ich verabscheue das Wort ‚Ermächtigung‘!)

„Umso mehr müssen Räume der Kultur verteidigt werden als Räume, in denen Spannungen ausgehalten werden.“ (Das gilt genauso gut bei Kneipen, in denen die Kneipenkultur ausgehalten werden muss – klappt ja meistens, außer in der Northeimer ‚Kölsche Bar’…)

„Zunehmend fällt eine Allianz auseinander, die wir lange unterstellt haben, weil wir glauben, der Kampf für die Freiheit der Kunst sei immanent auch ein Kampf für die Selbstermächtigung bisher marginalisierter Gruppen. Solange wir aber Milieus haben, die deutlich überrepräsentiert sind, findet diese Selbstermächtigung der Marginalisierten nicht statt. Die Kritik an den Machtverhältnissen wendet sich auch gegen die Repräsentanten des Kulturbetriebs.“ (Die Mehrheit ist die Mehrheit ist die Mehrheit…., warum sollte es hier anders sein? Randgruppen bekommen Leckerli…)

„Es wäre falsch, Kunst so weit zu neutralisieren, dass sie nur noch in dern Wohlfühlräumen der jeweiligen Erfahrungszusammenhänge stattfindet. Das Problem ist, dass wir Unwuchten haben im Kunstbetrieb, weil von einer gleichrangigen Teilhabe aller Gruppen noch nicht die Rede sein kann.“ (Da wäre auch mal zu überlegen, ob alle überhaupt ein Interesse daran haben oder nicht Fußball, Kniffeln oder eine Weinprobe vorziehen…)

Fazit: Es muss uns verdammt gut gehen, dass wir uns diese Kulturpolitiker und deren Blasenbildung leisten können.

Ein Loch ist im Eimer…

…dann flick es, dann flick es, mach’s zu!

Ja, das waren noch echte Ratschläge, die das Medium Terzett den Schlagerfreunden Anfang der 60er Jahre lieferte! Schaut man auf mein Lieblingsfeld, die Northeimer Lokalpolitik, dann lautet der Grundsatz heute: „Oben einfach mehr reingießen als unten rausfließt, dann wird der Eimer auch voll!“

Heute werden wir wohl, angetrieben von den vergnügungssteuerfeindlichen Handball-Lobbyisten, noch Zeuge, wie ein richtiges Fass aufgemacht wird bzw. ein Loch in den Eimer geschlagen wird: ein Handball-Palast für mehr als 15 Millionen Euro – aber das sind nur die Plankosten in der Vorbereitungsphase. Sieht man auf Projekte wie den Feuerwehranbau in Hillerse (570.000 -> 1.000.030 Euro) oder die Multifunktionshalle in Einbeck (1,4 Mio -> 2,5 Mio Euro), kann man schnell ahnen, dass die 20 Mio. ohne Problem gerissen werden, zumal man schon in Hillerse bei den Mehrkosten darüber räsonniert, dass zu den geschätzen Kosten überhaupt kein Betrieb in dieser Konjunkturphase anbietet. Beim Bau haben wir derzeit einen ganz deutlichen Verkäufermarkt, was in zweistelligen Kostensteigerungen pro Jahr dokumentiert wird – neben den ‚üblichen‘ Planungsfehlern.

Und da kommt dann ‚unsaa Doktaa‘ Roy Kühne prompt zur Sache bzw. in das Lokalblatt: Natürlich würde er sich darum kümmern, dass Bundesmillionen den Weg nach Northeim finden werden, wenn die braven Kinder im Stadtrat ein klares Signal geben würden. Und nicht so rumzicken – das muss dem geneigten Leser bei der Formulierung wohl in den Sinn kommen. Das ist wieder das Gut-Böse bzw. Schwarz-Weiss-Muster: Wer nicht für DIESE Halle ist, der ist gegen JEDE Halle. Der alte Unsinn: es geht nicht um Halle ja/nein, sondern um Halle um jeden Preis oder um jeden vernünftigen Preis: Viele würden sich sicher gern einen Porsche kaufen, aber die allermeisten verzichten darauf, weil die ‚Kohle‘ einfach nicht da ist.

Aber statt darüber eine vernünftige Diskussion zu führen, wird dem Esel einfach mal ein Leckerli vor die Nase gehalten, damit er weitertrottet, um es zu schnappen. Natürlich würde er sich um Bundesförderung bemühen, aber das sei ja schwierig, da der Fördertopf dafür heute schon deutlich überzeichnet wäre. Was soll das? Das ist Generieren von PR-Flächen in der lokalen Presse – und das kann ‚unsaa Doktaa‘.

Und statt konstruktiv über eine finanzierbare Lösung mitzureden, wird einfach andersrum agiert: egal, was kost‘, dann muss eben mehr Geld her. Das Loch ist da, egal, dann muss eben mehr Wasser oben rein – so ist halt alles immer im Eimer… Verursacht so etwas evtl. die Berliner Luft, die ja auch dazu führt, dass man glaubt, CO2 direkt durch zusätzliche Steuern zu vermindern.

Hier nennt man sowas dann (sofern man nicht im Bann des Parteibuchs mit dem Schweigegelübde ist) ‚rum-doktaan‘ an den Symptomen. Das ist nicht die Suche nach dem Grund und das Bekämpfen der Ursache. Da bleibt die Gesundung fern, aber manche halten die Unterdrückung der Schmerzen ja auch schon für Heilung; das sind dann die, die auch glauben, dass der ‚Playboy‘ das Mitteilungsblatt des Vatikans sei…

8 Millionen? 15 Millionen?? 20 Millionen???

Der rettenswerte Baum….nunja…

Neubau des Sportpalasts in Northeim: Die Katze ist immer noch nicht aus dem Sack

Nun lugt die Katze schon mal aus dem Sack: die ersten 15 Millionen suchen eine Finanzierung. Nach dem langbeschworenen 8-Millionen-Baukosten-Mantra, das die Öffentlichkeit beruhigen und beschwichtigen sollte, legte Northeims Bürgermeister Simon Hartmann nun das erste Mal das wirkliche Ausmaß der Kosten dar: 15 Millionen seien es, aber da gäbe es noch ‚offene Punkte’…

Und damit geht die Veräppelei weiter: der Planer habe versichert, 8 Millionen würden nun für den reinen Baukörper reichen. Was ist denn ein ‚reiner Baukörper‘? Interpretatoren voran! Und: übernehmen die Architekten irgendeine Gewährleistung/Haftung für diese Schätzung? Ansonsten sind das Märchen aus 8 Millionen-und-einer-Nacht…

15=Schluss? Nein! Dann kommen zusätzlich die Kosten für das Blockheizkraftwerk(BHKW) und eine Trafostation – schade, schade: wie kann man dann von 15 Mio. sprechen, da droht gleich die nächste Million. Und dass das BHKW eigentlich nur ein Must-Have für das Hallenbad ist – kein Wort darüber. Über regenerative Solar- und Geothermie-Energien bzw. Passivhaus-Konzepte für eine neue Halle wird noch nicht einmal diskutiert – wäre ja auch teurer als fossile Verbrennungsenergie; stattdessen wird folkloristischer Umweltschutz betrieben, da zwei oder drei ältere Bäume nicht gefällt werden – das sind keine Naturdenkmäler und die Aktion ist reine Symbolik.

Ach ja: das Risiko für Preissteigerungen wird auch mitbedacht: lächerliche 5% für die gesamte Bauzeit sind kalkuliert! Da erinnere ich mich der letzten Einlassung des Bürgermeisters, dass man beim Anbau des Feuerwehrhauses in Hillerse 20 % pro Jahr(!) hat einstecken müssen!!!

Bei den Parkplätzen zähle ich in etwa 170 = 8 Reihen á 22; bei einer Breite von ca. 40 Metern (lt. Google Maps) zwischen Hallenbad und Schuhwall habe ich da Rechenprobleme für Standard-Parkbuchten mit Breiten von 2,30 – 2,50 Meter; zudem: keine Busparkplätze. Reicht das? Und wie viele Parkplätze werden mit Ladesäulen-Infrastruktur gebaut – 10.000 Euro Minimum-Kosten je Säule? Außerdem überbaut der Plan auch einfach die Plätze des Hallenbades. Alles schon eingerechnet? Das Hallenbad benötigt 1 Stellplatz je 5-10 Umkleideplätze…  

Überhaupt: wie sieht das Verkehrskonzept aus? Der ganze Verkehr durch kleine Anliegerstraßen? Der einzig vernünftige Weg würde über den Bahnübergang führen, aber der müsste dann erst einmal zweispurig wiederhergestellt werden incl. der Anbindung an die B3, die derzeit durch die Unterführung am Breiten Weg schlichtweg nicht möglich ist. Dazu natürlich Öffnung des Schuhwalls von der Rückingsallee – das geht schon, hier ist ja kein Martinsgraben. Und Verkehrsprojekte werden nicht durch die Eigenarbeit der Anwohner realisiert, sondern kosten echtes Geld, von dem niemand bisher gesprochen hat. Noch’ne Million, was solls – ist ja für eine gute Sache.

Das alles verstärkt nur das Gesamturteil, dass es unsinnig ist, eine große Veranstaltungshalle in ein Wohngebiet zu legen. Kein Stadtplaner käme auf eine derartige Idee! Aber mit ‚Machen-wir-nix-dran‘ kann man die Verkehrsinfrastrukturkosten auf Null Euro setzen – das ist m.E. grob fahrlässig – und ich befürchte/hoffe, dass sich da auch bald die Anwohner melden werden!

Realistisch nähern wir uns da dann doch den 20 Millionen, die der Handball-Palast verschlingen soll – und das, obwohl wir die BBS-Halle in der Stadt haben, deren Abmessungen den Drittliga-Ansprüchen gerecht wird und bei der die Erweiterung der Zuschauerplätze wohl eine überschaubare ‚Investition‘ wäre.

Zudem sollte man einmal über die Folgekosten nachdenken: 2% Abschreibung und 2% für Instandhaltung machen bei der Bausumme schon mal locker 600.000 bis 800.000 Euro Grundkosten pro Jahr, dazu kommen dann Personal- und Betriebskosten bzw. Reparaturen. Für die alte Schuhwallhalle waren das pro Jahr ca. 300.000 Euro bei Einnahmen von 100.000 Euro für die Schulnutzung. Woher soll dieses Geld denn kommen?

Etwa durch Erlöse von Veranstaltungen? Wo ist denn ein Konzept für die Nutzung der Halle mit 1000 Plätzen? Soll da etwa eine Konkurrenz zur Stadthalle aufgebaut werden, deren 650 Plätze bei 90% aller Veranstaltungen schon nicht ausgebucht sind? Alle 10 Jahre ein Länderspiel der Handball-Nationalmannschaft der Juniorinnen? Ich sehe derzeit nicht EINE Verwendung!

Wobei ich eine mögliche Wendung noch für den Schluss aufgehoben habe: Wie lang wird es eine Oberschule noch geben? Für 620 Haupt- und Realschüler leisten wir uns 2 Schulen in der Stadt, während 1000 Corvinianer in eine Schule gehen? Warum wird nicht endlich von den Langzeit-Aussitzern in der Kreispolitik die Fusion von Thomas-Mann-Schule und Oberschule gestartet? Damit könnten die Aktivitäten in der Sudheimer Str. gebündelt werden – und ca. 700.000 Euro Kosten für die Gebäude in der Arentsschildstr. entfielen, dazu könnte man das Gelände profitabel als Neubaugebiet für Reihenhäuser und Geschosswohnungsbau veräußern, um ggf. Anbauten in der Sudheimer Str. zu finanzieren. Oder man macht aus den Gebäuden einen Alten- oder Stadtteiltreff mit Gymnastik-, Fitness- und Gruppenräumen bzw. bereitet es als Gründerzentrum auf. Aber die Kreispolitik lernt ja nicht: bis die Agonie der Auetalschule in Kalefeld akzeptiert wurde und die Zusammenführung mit Gandersheim erfolgte, ging manches Jahr ins Land und bis zuletzt wurden sogar noch Investitionen in Millionenhöhe für die sterbende Schule diskutiert – sind ja nur Steuergelder….

Zum Schluss: wenn man das o.a. Szenario mal ernst nimmt: dann wäre die beste Lösung für die 3 Millionen des Kreises nämlich, eine Zusatz-Turnhalle des Schulzentrums in das Neubaugebiet am Martinsgraben zu setzen – damit wäre eine echte Verbreiterung des Sporthallen-Angebots erreicht, wenn die Stadt eine maßvolle Renovierung der Schuhwallhalle in einem Finanzrahmen planen würde, der die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Kommune nicht übersteigt. Und auf dem Gelände der alten Realschule wird endlich sozialer Wohnungsbau betrieben – nachdem die Stadt in den letzten Jahren nur Baugebiete im ‚Premium-Segment‘ realisiert hat.

Denn eines kann man ahnen: 2022 wird das Hallenbad 50 Jahre alt – da klopft der Geist des Neubaus schon mal an, denn bei steigenden Energiekosten wird das jährliche Defizit von 500.000 Euro schnell wachsen und eine kleinere und energieeffizientere Lösung fordern. Und auch da böte sich der Martinsgraben an, um ein Sportzentrum zu etablieren, das aus städtebaulicher Sicht zu einer Aufwertung der Südstadt führen könnte.

Es ist jetzt dringend an der Zeit, sich gegen die chaotische Planung und den Druck der Handball-Lobbyisten auszusprechen. Der Stadtrat wird ‚gezwungen‘, ungedeckte Blanko-Schecks auf die Zukunft zu unterzeichnen, indem in einer Salami-Taktik immer weitere Einzelbeschlüsse gefordert werden, ohne dass das wirkliche Ausmaß dieses Desasters erkennbar ist. Bis es dann heißt: Jetzt haben wir schon so viel ausgegeben, jetzt können wir nicht mehr zurück (und das wissen die Auftragnehmer auch und werden wohl eher großzügig kalkulieren..), da müssen wir durch, um welchen Preis auch immer. Nur dass die eigentlich Verantwortlichen den Preis nicht selbst zahlen, sondern das Gemeinwesen!

Welche Generation soll denn die geplanten 45 Millionen Schulden, die lt. Haushalt 2020 für 2023 geplant sind, abzahlen? Eine gestiegene Bevölkerungszahl, von der der Bürgermeister träumt, für die es aber keine Maßnahmen gibt, um sie zu erreichen? Die langfristige Prognose der Bevölkerungsentwicklung sieht da anders aus – incl. der Zunahme der nicht-arbeitenden, älteren Bevölkerung… 

Link: Schülerzahlen und Optimierungspotential bei Zusammenlegung Oberschule/Thomas-Mann-Schule

–> Siehe Beitrag hier im BLOG: http://www.acwindhorst.de/wordpress/?p=388

Warum gibt es keine Thomas-Mann-Oberschule in NOM?

Über mangelndes Personal in den Schulen wird auch hier im Kreis geklagt – das ist aber Sache des Kultusministeriums. Über Mangel an Schulgebäuden wird nicht geklagt, ganz im Gegenteil wird ‚liebevoll‘ jedes Schulgebäude gehegt und gepflegt – egal, ob gebraucht oder nicht: die unsägliche Diskussion über den Erhalt der Auetalschule in Kalefeld, die unter rapidem Schülermangel litt, war dafür ein unrühmliches Beispiel. Dass 10 KM weiter in Bad Gandersheim in der gleichen Schulform leere Klassenräume in ausreichender Menge vorhanden waren? Egal, auch leere Zimmer kann man heizen und instandhalten!

Erst als mangels neuer Anmeldungen der Eltern die Mindestanzahl von Schülern massiv unterschritten wurden, zog der Kreistag endlich die Reissleine, was dann auch nicht unerhebliche Instandhaltungsausgaben stoppte, die man für die sterbende Schule schon geplant hatte.

Und in Northeim das gleiche Schema: Bloß nichts ändern an Schulgebäuden! So leisten wir uns in der Stadt zwar nur ein Gymnasium für 1000 Schüler, aber wohl 2 Schulen und Schulstandorte für 620 Haupt- und Realschüler. Warum? Warum wird nicht im Schulzentrum Südstadt zusammengeführt?

700.000 Euro kostet der Unterhalt der Schule an der Arentsschildstraße, die man besser in ggf. nötige Erweiterungen in der Südstadt stecken könnte – das würde sich in wenigen Jahren amortisiert haben, zumal es auch denkbar wäre, dass Teile der Kästner-Schule einbezogen werden, die nur noch von ca. 100 Schülern besucht wird. Und der Kreiszuschuss von derzeit 3 Millionen Euro für eine neue Schulturnhalle stünde ebenfalls für Bauvorhaben im Schulzentrum zur Verfügung!

Ja, nun lasse auch ich mich von der Gebäudepolitik leiten… – was aber ein viel gewichtigerer Aspekt ist: durch das Zusammengehen von Oberschule und Thomas-Mann-Schule könnten in kürzester Zeit pädagogische Kapazitäten freigesetzt werden, die zu einer quantitativen und/oder qualitativen Verbesserung des Lernbetriebs oder der inklusiven Betreuung verwandt werden könnten. Dazu braucht man kein Abitur, Addieren und Dividieren reichen eigentlich für eine Rechnung, die scheinbar niemand ernsthaft in Betracht zieht: 4-6 Lehrer wären nach dem Zusammenschluss für die Verbesserung des Lehrbetriebs freigesetzt – plus die Stunden und Stellen, die durch die Verschlankung/Zusammenlegung der Schulbürokratie frei würden. Aber Qualität des Unterricht/der Betreuung ist ja kein Ziel der Kreis-Schulgebäude-Politik, schade eigentlich…

Sie mögen/Ihr mögt es nicht glauben? Hier mal meine kurze, überschlägige Rechnung:

Schule / Klasse5678910
Oberschule445960625475
Klassen233434
Sch./Klasse222020161819
TMS293541494044
Klassen223333
Sch./Klasse151814161414
Gesamt IST739410111194119
Klassen456767
Sch./Klasse181917161617
       
EINE Schule739410111194119
Klassen455556
Sch./Klasse181920221920
Diff Klassen001211

Mit einer geringfügigen Erhöhung der Schülerzahlen je Klasse (3-6) würden 5 Klassen nicht mehr benötigt. Bei 30 Wochenstunden je Klasse wären das 150 Stunden, die nicht erteilt werden müssten. Rechnen wir 25 Unterrichtsstunden je Lehrer, wären das 6 Lehrer, die zur Verbesserung der Schul-Qualität eingesetzt werden könnten. Plus ein Rektor und ein Konrektor -aber das könnte ja die zweite Hürde sein…

Quelle: Kreistagsinfosystem Landkreis Northeim

Drucksache Beschlussvorlage – 0949/19
https://www.landkreis-northeim.de/allris/wicket/resource/org.apache.wicket.Application/pdf:anl1018688!2

Es war 1967…und es war Sommer…

Nachrichten aus dem Jugend-Gulag

Es war ein vollkommen misslungener Sommer, dieser Sommer of 67…. Ich wurde zwangseingewiesen in das Jugendsommerlager nach Schwangau. In meiner Erinnerung ist fast alles gelöscht – so viel gab es auch nicht zu erinnern.. – aber das Internet und ich, wir vergessen niemals ganz.

Und dann gibt es auch noch das Papier, das ich unvorsichtigerweise meiner Tante hinterlassen habe und das kürzlich bei meiner Schwester wieder auftauchte. Hier also die Dokumentation meiner Passionszeit auf dem denkwürdigen Jahr 1967.

Schwangau, den 2.7.67

Liebe Tante!
Du weißt ja gar nicht, wie fürchterlich es hier ist. Ich wollte ja von Anfang an nicht hier her. Es ist ja so langweilig, und in diesem Kaff hier kann man nichts erleben. Das Essen ist schlecht und dazu viel zu wenig. Am liebsten würde ich den nächsten Bus am Mittwoch nehmen und zurück fahren. Grüße Lutz von mir und gratuliere ihm. Es ist fürchterlich wie ich gesagt hatte. Diese Karte kannst Du ruhig Mutti zeigen, denn von mir bekommt sie keine Karte.

Alles Liebe Dein Arndt

Schwangau, den 7.7.67

Liebe Tante!

Nur noch rund 10 Tage! Es ist aber immer noch langweilig. Besonders am Morgen, denn ab 2 Uhr kann man ja in die Stadt zum Minigolf-Platz. Bis man da zurück ist, dauert es rund 3 Stunden, dann kann man die Zeit schon totschlagen. Geweckt wird man schon um 8 Uhr, und so etwas nennt sich ‚Ferien‘. Schiet. Und dann noch dieser M. – dauern läuft er hinter mir her; jetzt ist er ja ausgezogen (Anm.: Wechsel vom Haus in ein Zelt) – gottseidank. Bis zum nächsten Leidensbericht von hier.

Viele Grüße Dein Arndt

Schwangau, den 10.7.67

(schick mir TT-Schläger)

Liebe Tante!

Es stimmt alles, was ich schreibe, auch mit dem Erleben ist es nicht viel her. Wenn nicht TT und Mini-Golf da wäre, wüßte man nicht, was man tun sollte. Hans ist jetzt im Zelt – gottseidank. Er hat wohl seinen Eltern vorgeplärrt, wie sehr ich ihn ärgere, da haben seine Eltern ihn wohl ins Zelt gesteckt. Wir haben uns jetzt ganz verkracht. Beim Essen gibt es zwar einen Nachschlag, aber man ist froh, wenn man die normale Portion hinunter hat. Und mit dem Tagebuch und so weiter brauche ich ja nicht, denn alles steht auf Lottes und Deinen Karten. Und auch das Wetter ist nicht immer gut. Nach meiner ersten Karte waren 2 Regentage. Es wechselt sich ab, aber es gibt wohl mehr Regen in diesem von Bergen umgrenzten Regenloch. Bekannte aus der Schule gibt es wohl, einige sogar. Ich säße lieber 6 Wochen zuhause als hier nur einen Tag verbringen. Auch einen Brief habe ich bekommen. Das waren Deine Fragen. Hier geht es mit allen Mitteln der Unhygiene zu. Das Schwimmbad ist von der Gesundheitspolizei geschlossen worden. Das Wasser aus der Leitung ist nicht trinkbar. Abtrocknen muss man auch noch für das ganze Haus. 80 Tassen, 80 Untertassen, 80 Teller, 80 Messer und das zu 2 Mann. Der Anmarschweg zum Dorf ist so lang, daß bei Sonne die Füße brennen. Ihr könnt mich am Freitag oder Donnerstag – ich weiß es nicht, die Olle hat ja den einen Brief noch – abholen, ungefähr um 8. Ich hab schon 30 Mark vom PSPB abgehoben – die anderen 20 von Dir sind ja zum Großteil auf der Zugspitzfahrt geblieben. Davon habe ich noch 4 Mark.

Herzliche Grüße Dein Arndt

Schwangau, den  12.7.67

Liebe Tante!

Ich freue mich natürlich sehr über Deine Briefe, aber der Inhalt ist nicht so richtig. Du versuchst, aus dem Schlechten noch etwas Gutes zu machen, aber man muß der Wahrheit entsprechend alles sehen. Ich bin auch nicht stur. Was ich sage kannst Du auch von anderen hören. Viele sind überhaupt nur gezwungenerweise hier. Und wenn alle sage, das sei herrlich, dann sind es nur die Eltern, die nie dabei sind. Mit Reiseerlebnissen ist nicht weit her, denn hier gibt es höchstens stundenlange Fußwanderungen, die auch selten sind. Dann mußten wir heute noch den Saal, der so groß ist, dass unser Haus zweimal hineinpassen würde, ausfegen. Das nennt sich Ferien. Und wozu diese vielen Sachen. Waschzeug, Schuhputzzeug, 3 Hosen, 3 Hemden ist alles, was ich bisher gebraucht habe. Auch für rund 250 Mark habe ich die Reise gemacht, und M. fehlt das Geld jetzt überall, und das alles nur aus eurer Sturheit, weil ihr nicht nachgeben wolltet. Und die Betreuer, die auch massenweise hier sind, bezahlen keinen Pfennig, denken nur an sich selbst und fressen sich von unserem Geld satt. Die haben immer etwas besseres als wir mit unserem Hundefraß. Dann gibt es hier morgens Marmelade von Apfelsinenschalen, die so bitter wie nichts ist.

Also bis zum Freitag Dein Arndt

Weihnachten? Verbieten! Sofort!!!!

Weihnachten ist das Fest des verklärten Blicks – romantisch und voller Schmelz, verbunden mit den Erinnerungen an die Kindheit… Aber was hinter den Kulissen passiert – das wollen wir überhaupt nicht wissen! Und es tun sich Abgründe auf!

Da muss ein alter Mann, der aufgrund lückenhafter Beschäftigung wahrscheinlich noch nicht einmal die Grundrente erhält, im Dauereinsatz Botendienste erledigen – ohne Rücksicht auf geregelte Arbeitszeiten: Ärzte und Berufsgenossenschaften drehen da nur noch im Roten wegen der Verletzungen der Arbeitszeitverordnung. Und ob die Beschäftigung ordnungsgemäß registriert ist? Steuern, Sozialversicherung, Krankenkasse, Soli? Rentenkürzung wegen Zuverdienst? Wahrscheinlich kann auch die Fahrt zur Arbeit nach Grönland im Rahmen der Pendlerpauschalen nicht geltend gemacht werden.

Und die EU protestiert laut, da die jeweiligen Tätigkeiten in den verschiedenen Ländern nicht angemeldet seien, um als Entsendung nach lokalem Steuerrecht abgerechnet zu werden. Aber einen Vorteil gibt es in diesem Jahr letztmalig: kein Zoll für Auslieferungen in Großbritannien wg. fehlendem Brexit…

Verbittert regen sich auch erste Proteste aus der Wirtschaft: Der Weihnachtsmann habe bei der Beschaffung der Geschenke den lokalen Einzelhandel nicht umfassend berücksichtigt und von Zustellern sei ihnen zugetragen worden, dass auch sprechende Amazon-Pakete nach Grönland geliefert worden seien – daneben seien auch Zalando-Schreie in der Eiswüste zu hören gewesen. Wahrscheinlich wären für die Sendungen in den Norden auch noch von widerrechtlich schlecht bezahlte Subunternehmer der Paketdienste angeheuert worden – und die Grönland-Papers warteten schon in der Druckerschlange!

Auch der Tierschutzverein läuft Sturm: was sei mit den Rentieren und dem Tierschutzgesetz? Keine artgerechte Haltung, Zwang zum Fliegen (Cockpit ist noch nicht aufgewachte, sonst hätten die Tiere statt geschmückter Geweihe schon Trillerpfeifen dabei…), keine Futter- und Auslaufpausen. Um das durchzuhalten würden die Tieren wohl mit alkoholischen Getränken gedopt – die roten Nasen sprächen Bände!

Natürlich hat auch die Polizei schwerste Bedenken bezüglich der Straßenverkehrsordnung: Schlittenparken im Halteverbot, Geschwindigkeitsübertretungen gerade in Tempo30-Zonen und Spielstraßen, nicht zu sprechen von der Verletzung der Kennzeichnungspflicht von Fahrzeugen mit Geschwindigkeiten > 6 Km/h: wohin sollen schließlich die ganzen Bußgeldbescheide zugestellt werden, die aufgrund der Bilder in den Radarkontrollen fällig werden?

Auch gegen den Fahrer muss zusätzlich strafrechtlich ermittelt werden, da er mit Ganzkörperkostüm und Vollstbart ganz eindeutig das Vermummungsverbot verletze! Bei dem Wort Fahrer regen sich nun auch Gleichstellungsbeauftragte*Innen: Die Besetzung dieser Stelle nur mit Männern sei mindestens eine Verletzung des Verfassungsgrundsatzes der Gleichstellung von Mann und Frau! Hier müsse energisch gegengesteuert werden! Und aus einer Ecke ist auf einmal ganz deutlich der Ruf der SPD zu hören: Doppelspitze!    

Wen haben wir noch? Der Bezirksschornsteinfeger fuchtelt wie wild mit dem Kehrbesen: Die Nutzung des Kamins zum Eintritt in die Wohnung sei entgegen aller Vorschriften der Feuerstättenverordnung, hier müsse Einhalt geboten werden. Da stimmt dann auch die Feuerwehr ein: und im Übrigen müsse auch die Nutzung von echten Kerzen und offenem Feuer per sofort untersagt werden – Brandschutz gehe schließlich vor!

Aber das lenkt nur von schlimmsten aller Fälle ab: Kinderarbeit! Die niedlichen kleinen Engel würden nicht nur zur Arbeit gezwungen, sondern obendrein noch zu Dauerschichten – und das Ganze im bitterkalten Winter ohne – vom Arbeitgeber zu stellender – wärmender Arbeitsschutzkleidung! Dieser Verstoß müsse der UNO gemeldet werden – und natürlich den Gleichstellungsstellen, denn anhand der jetzigen Nicht-Kleidung wäre eindeutig zu erkennen, dass ausschließlich männliche Bewerber den Zuschlag erhalten hätten!  

Ja, diese Welt ist im Chaos – zumindest solange, bis wir aus diesem Traum eines überzeugt Regelwütigen erwachen. Und uns besinnen:

Weihnachten ist anders, es ein Fest außerhalb der Zeit, ein Fest der Bilder und der Träume – sowohl der erfüllten als auch der, die hoffentlich bald vom Geist der zukünftigen Weihnachten erhört werden. Aber das schönste an diesen Träumen ist, dass sie uns erfüllt werden, ohne dass wir eine Gegenleistung erbringen müssen. Sie werden erfüllt, weil wir einfach nur da sind und weil es Menschen gibt, die uns mögen oder lieben – um unserer selbst willen. Und die wir lieben – um ihrer selbst willen!

Das Geschenk ist das Zeichen – aber worum es geht, ist Zuneigung und Liebe, Unterstützung und gemeinsame Freude, aber auch der Trost – und die Gewissheit, nicht allein zu sein. Das Angekommen-Sein und das Angenommen-Sein – und das Nicht-Vergessen-Sein…

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein tolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in die Doppel-20!

Euer Arndt Christian

Mühlenanger zum Zweiten….

„Wenn die das brauchen, dann kriegen sie es auch, ist doch `ne städtische Gesellschaft!“

Ja, wenn man es so sieht, dann gibt es ja überhaupt keine Zweifel: die eine Verwaltung gibt einfach, was die andere fordert. Was der Bürger davon hält – papperlapapp, da werden ein paar Pseudo-Argumente an den Haaren herbeigezogen – und ab damit! So sieht es aus beim Verhökern des Mühlenangers, des seit vielen Jahrhunderten zentralen Festplatz in unserer Stadt Northeim. Und der Rat? Na, der lässt die Verwaltung machen, was sie mag: „Wenn die das brauchen….“.

Natürlich gibt es eine Aufstellung von Argumenten, die diesen Verkauf begründen sollen; einen Verkauf, der einen in der Stadt einzigartigen Veranstaltungsplatz für ein paar daher geholte betriebswirtschaftliche (??) Argumente wesentlich beschneiden soll. Machen wir uns doch die Mühe, das einmal anzuschauen!

Was finden wir als Begründung: es fehle an Lager- und Büroflächen. Schauen wir zuerst auf die Büroflächen. Einige Büros sind im Keller untergebracht, für Azubis fehlten ebenfalls Plätze. Da würde ich zuerst einmal die Frage stellen, warum denn kein Anbau an das bestehende Gebäude vorgenommen wird? 100 qm Grundfläche mal 2 Etagen = 200 qm = mind. 15 Arbeitsplätze – und das bei insgesamt ca. 55 Mitarbeitern? Was hindert die SWN, den Vorgarten zu bebauen? Dass dabei dann auch ein barrierefreier Zugang zum ‚Kundenzentrum‘ dabei ist – das schadet nicht. Dafür benötige ich keine 6.000 qm – und über einen Zipfel Mühlenanger am Südost-Ende der Platzes brauchen wir nicht zu streiten.

Wenn dann an den Lager-Westtrakt auch noch eine Erweiterung kommt, wäre dem Zählerlager auch Genüge getan. Ich kann mir übrigens den immensen Platzbedarf des Zählerlagers nicht wirklich vorstellen: mein Stromzähler und mein Gaszähler haben die Abmessung 20×30 cm bei 5 oder 10 cm Tiefe, vom Wasserzähler brauche ich nicht zu sprechen. Die 19.000 Stromzähler müssen nach spätestens 16 Jahren getauscht werden, Gaszähler (8.000) alle 8 Jahre und Wasserzähler (7.000) alle 6 Jahre. Selbst wenn die Stromzähler nach 8 Jahren getauscht werden würden, hätten wir einen Bedarf von 200/Monat, bei den anderen Zählern 100/Monat. In meiner Vorstellung wären das 4-5 Paletten pro Monat, für die ich einen Platz benötige – das soll dann 6.000 qm erfordern?

Dann wären da noch die Bedrohungen im Kundenservice – diese Sau hat ja vor zwei Wochen die Kreisverwaltung durchs Dorf getrieben, da wird sofort mit aufgesattelt. Falls das ein Problem wäre, empfehle ich einen Besuch im Finanzamt, wo wirklich sensible Daten verhandelt werden: eine Tür und dahinter ein Glaskasten für den Bearbeiter – damit sind alle Probleme von Datenschutz und Sicherheit erfüllt. Zudem befindet sich der Kundenservice bereits am Münster im Bürgerbüro – da helfen auch keine 6.000 qm auf dem Mühlenanger, in keiner und keinster Weise.

Dann hätten wir noch die Anlieferung. Auch für eine Zuwegung am Nordost-Ende des Platzes sollte es kein Problem geben, die LKW könnten dort am nördlichen Ende des Platzes eine Zufahrt bekommen. Wenn dann allerdings Fahrzeuge und Waren auf dem Hof im Wege stehen (der wird nämlich nicht größer, weil er rundum bebaut ist), können die 6.000 qm außerhalb auch nicht helfen!

Wenn auf dem Platz ein Durcheinander ist, dann sollten die SWN erstmal die Organisation des Platzes überdenken, der mit dem Freilager für Rohre, das mitten auf dem Platz steht und alle Bewegungen beeinträchtigt, wohl das größte Problem hat. Auch das wird mit 6.000 qm außerhalb nicht beseitigt werden.

Nimmt man nun die Anforderungen, wie sie ausgesprochen wurden, dann benötigt man evtl. einen kleinen Zipfel am Südost-Ende (200 qm) und eine Zufahrt am Nordost-Ende (40x7m=280 qm), also ca. 500 qm. Auf den restlichen 5.500 qm sollen dann Dienstfahrzeuge stehen. 5.500 qm für Dienstfahrzeuge? Ein ganzer Fußballplatz? Das sind ca. 270 Stellplätze! Wer veräppelt jetzt eigentlich wen? Der gesamte Parkstreifen auf der Südseite des Mühlenangers sind ca. 120 Plätze! Und: bei 55 Mitarbeitern – über welche Menge an Dienstfahrzeugen sprechen wir denn überhaupt? Die könnten auch ganz bequem am neuen Anbau an das Hauptgebäude auf eine Parkfläche kommen, jenseits des Fußwegs am südlichen Ende des Angers.  

Soweit dieser Teil. Dann soll aber auch noch ‚mittelfristig‘ das Netzgebiet erweitert werden und es gäbe ja zusätzliche Anforderungen für die Betriebsführung in Bovenden und Nörten-Hardenberg. Wenn das so ist, dann wird dieses Netzgebiet aber nicht in der Stadt erweitert, sondern außerhalb, fernab der Kern- und Innenstadt. Gleiches gilt für Nörten und Bovenden: die Orte befinden sich nicht in der Northeimer Innenstadt und es wäre ein Unsinn sondergleichen, das gesamte Material für die externen Standorte in die Innenstadt zu karren und sie später wieder zu den eigentlichen Einsatzorten zu bringen. Und die Themen Lärm im Wohngebiet und Umweltverschmutzung durch unnötige Fahrten …. Naja, ist geschenkt.

Wenn das Netzgebiet erweitert wird, dann muss das Lager dort sein, wo das Netz ist – und das gilt genauso für Bovenden und Nörten. Wenn dort Ersatz- oder Reparaturbedarf ist, dann ist es suboptimal, erst eine Stunde nach Northeim zu fahren, um die Ersatzteile dort zu holen. Sollte man trotzdem auf ein Zentrallager setzen, dann muss das gut und schnell erreichbar an der Peripherie liegen, also vorzugsweise im neuen Gewerbegebiet an der Westumgehung, dem Gewerbegebiet Medenheim oder am Autohof. Und dort ließen sich auch ganz hervorragend Dienstfahrzeuge abstellen – nur als Tipp! Ein zweiter Tipp: das Rohrlager auf das externe Zentrallager umziehen – dann klappt auch das Rangieren und Räumen auf dem Hof an der Schützenstraße!

Um es noch einmal ganz klar zu formulieren: Wir als Stadt Northeim bzw. deren Bürger haben kein Interesse, Gewerbegebiete in der Innenstadt zu entwickeln – siehe die laufende Planung! Und für x-beliebige, betriebliche Allerweltsanforderungen, die wesentlich besser gelöst werden können, diesen einzigartigen Veranstaltungsort in der Stadt zu opfern, ist von Kurzsichtigkeit, Mangel an Voraussicht/Strategie und Aktionismus getrieben – Hände weg vom Mühlenanger!

Schluss mit der Veräppelei!

Das war schon interessant zu lesen: für die Erweiterung der Verwaltung und ein Kundenzentrum benötigen die Stadtwerke Northeim ein Grundstück, das in etwa so groß ist wie ein Bundesliga-Fußballfeld – 6000 qm! Wer derartige ‚Wahrheiten‘ kritiklos übernimmt und in der Presse wiedergibt, muss sich entweder dem Vorwurf stellen, naiv zu sein, oder sich bewusst dafür entschieden haben, die Öffentlichkeit zu desinformieren. Da könnte man auch einmal überlegen, sich künftig dem Wählerwillen nicht mehr zur Verfügung zu stellen – veräppeln können wir uns selbst!

Wenn die Stadtwerke (das sind ca. 55 Mitarbeiter!) tatsächlich das Verwaltungsgebäude ausbauen wollen, dann stehen rund um das bestehende Gebäude Flächen zur Verfügung und über 200 qm zusätzlicher Fläche vom Mühlenanger-Gelände könnte man immer positiv entscheiden: bei einem Bau mit 3 Stockwerken könnten dann locker 600 qm Verwaltungsflächen gebaut werden, ohne den Mühlenanger ‚anzuknabbern‘.

Apropos Kundenzentrum: das ist übrigens im letzten Jahr ganz neu in das Bürgerbüro – mitten in der Stadt – integriert worden; was soll das Gerede, nun das Zentrum – wesentlich schlechter erreichbar – am Mühlenanger zu platzieren. Oder ist die Frequenz in der Stadt so spärlich, dass es sich überhaupt nicht lohnt wg. Nichterscheinen der Kunden? Dann wäre das auch am Mühlenanger eigentlich überflüssig.

Dieser ‚Streifen‘ soll an das Gelände angeschlossen werden – ungünstiger geht nicht, da das bisherige Gelände zu dieser Seite hin durch die bestehenden Gebäude völlig abgeschnitten ist. Die einzig vernünftige Alternative für die Erweiterung von Lager- und Garagenräumen ist die Verlagerung des Gesamtlagers an die Peripherie der Stadt, was zusätzlich den ganzen Anliefer- und Abholverkehr zum und vom Lager aus der Kernstadt herausholt. Da lassen auch mal die Klimaziele grüßen!

Was denn nun auch immer der wahre Beweggrund für diese Aktion ist: Was soll dieses Herumwieseln um den Mühlenanger: das ist seit Jahrhunderten der zentrale Veranstaltungsort in der Stadt, der aufgrund seines (nahezu quadratischen) Zuschnitts und der ‚Unbebautheit‘ optimal als Multifunktionsfläche für viele verschiedene Events zur Verfügung steht. Diesen Platz gibt es kein zweites Mal!

Wohl aber Gewerbeflächen – rund um Northeim kann man sich damit totschmeißen und es ist ja wohl kein Ziel, Gewerbegebiete in der unmittelbaren Kernstadt anzusiedeln oder zu vergrößern. Wenn doch, so müsste es verdammt gute Argumente geben, um diesen einzigartigen Platz für andere Zwecke umzuwidmen: vorrangige Zwecke, die im Interesse der Bevölkerung liegen und die auf keinem anderen Platz in der Stadt Northeim zu realisieren wären. Und die sehe ich – und wahrscheinlich geht es 95% der Bevölkerung auch so – NICHT!

Um es kurz zu sagen: Hände weg vom Mühlenanger – niemand hat die Verwaltung beauftragt, dort tätig zu werden. Und wenn die Verwaltung gern tätig werden möchte: in der Innenstadt gäbe es da eine Reihe von Aufgaben!

Das ist übrigens der Blick auf den ‚hoffnungslos überfüllten‘ Hof/Lager der Stadtwerke – über die optimale Platzierung des Rohrlagers in der Mitte des Hofes ließe sich sicher auch einmal diskutieren… Und wenn es darum geht, eine zweite Aus-/Zufahrt zu haben: Auch gerne über den Nordost-Zipfel an der Seite des 1910er-Saalbaus, wer würde den SWN da nicht ein Wegerecht zugestehen?

Das gastliche Northeim

Ein neues Hotel soll als 4-stöckiges Gebäude mit 60 Zimmern direkt an den ‚Seeterrrasen‘ am Northeimer Freizeitsee gebaut werden – so der Plan des Betreibers der Seeterrassen. Dieser Plan wurde dem Ausschuss für Planen, Bauen, Umwelt vorgestellt und erntete dort 100% Zustimmung…

Hatte ich das jetzt wirklich gelesen? Oder war es eine Littera morgana? War da nicht noch die Erinnerung an das Gezerre bei der Bebauungsplanänderung für das Clubhaus des Drachenbootclubs?

 Oder war heute schon wieder 1. April? Bzw.: Gibt es einen alternativen Bau-Ausschuss?

Laut Flächennutzungsplan ist das Gelände der ‚Wassergebundenen Erholung‘ vorbehalten, unterliegt einem grundsätzlichen Bauverbot, da es in einem Überschwemmungsgebiet liegt und widerspricht auch bei einer Ausnahmegenehmigung allen Festlegungen, die in den Bebauungsplänen so diskutiert wurden. Man lese dazu einfach mal die Protokolle des Bau-Ausschusses vom Januar und Februar 2018 bei der Bebauungsplanänderung für das Bootshaus des Drachenbootclubs – inclusive Einforderung von Eingeschossigkeit und Dachneigung von max. 30°…. alles nur: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“?

Für mich wieder ein Fall, wo der Kritiker/Kabarettist/Humorist arbeitslos werden kann. Der O-Ton ist nur schwer zu toppen, deshalb hier das Protokoll der Ausschuss-Sitzung vom Januar 2018, TOP 5:

Auszug Protokoll des Ausschusses für Planen, Bauen, Umwelt vom Januar 2018

…5.Zustimmung zum Entwurf der 3. Änderung des Bebauungsplanes NOM Nr. 90 „Northeimer Seenplatte –Großer See und Strandsee“ und Beschluss über die öffentliche Auslegung des Entwurfs gemäß § 3 (2) BauGB sowie Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange gemäß § 4 (2) BauGB und der Nachbargemeinden nach § 2 (2) BauGB (Baugesetzbuch)Vorlage Nr. 00231,2/2016-2021

Herr Wilke berichtet von der im September 2016 entstanden Idee, ein neues Bootshaus vom Northeimer Freizeitsee entstehen zu lassen. Die Flächen vom derzeit gemieteten städtischen Bootshaus seien für die Anforderungen des Drachenboot-Vereines zu klein geworden. Anhand einer Präsentation (siehe Anlage zum Protokoll) stellt Herr Wilke den Drachenboot-Verein, die Planungsbeteiligten, die Ziele, die räumliche Situation im Bootshaus, das geplante Bootshaus, den aktuellen Planungsstand und die Meilensteine vor.

Der Verein wurde 2014 mit 17 Mitgliedern gegründet. Mittlerweile sei diese Zahl auf derzeit 84 angestiegen. Gemeinsam mit dem DLRG wurde seit 2014 das städtische Bootshaus gemietet. Im Jahr 2015 wurde der Unterpachtvertrag für den Freizeitsee unterschrieben.

Herr Wilke stellt anhand der Folie 4 der Präsentation die Planungsbeteiligten in diesem Verfahren vor. Die Ziele des Neubaus seien u. a.: mehr Platz für den Drachenbootverein, Entspannung der räumlichen Situation im städtischen Bootshaus, eine Begegnungsstätte für Wassersport schaffen und die Weiterentwicklung des Northeimer Freizeitsees.

Hinsichtlich der räumlichen Situation berichtet Herr Wilke von den Problemen in den Umkleidekabinen und Duschen jeweils bei den Damen und Herren. Weiter erklärt er, das neue Bootshaus solle über 252 Quadratmeter verfügen. Das Erdgeschossverfüge in der Planung über Umkleiden, Duschen, WCs, eine Lounge und eine Bootshalle. Das Obergeschoss wiederum über einen Multifunktionsraum und eine Terrasse. Das Gebäude solle bis an das Seeufer gebaut werden. Der Eigentümer des betroffenen Grundstückes sei die Stadt Northeim. Da ein Kauf nicht möglich sei, habe man sich für eine langfristige Erbpacht mit Erbbaurecht durch die Stadt Northeim entschieden. Die Erbpacht stehe in Abhängigkeit mit der Entscheidung zur Änderung des B-Planes, erklärt Herr Wilke. Derzeit würden der Bauvorentwurf erstellt und die Baukosten ermittelt werden. Außerdem suche der Verein nach Sponsoren und es würden weitere Fördermöglichkeiten abgefragt werden. Bis April 2018 solle ein Finanzierungsplan aufgestellt werden. Der Antrag für die Baugenehmigung, Sponsorenverträge, Förderanträge, Darlehensanträge usw. würden im Weiteren folgen. Die Beauftragung der Baufirmen sei für Februar 2019 geplant, erklärt Herr Wilke.

Herr Giesemann gibt zu bedenken, es sei seiner Zeit beabsichtigt gewesen, durchgehend am Seeufer entlanggehen zu können. Er fragt, ob das betroffene Grundstück dann ein eigenes werden würde.

Herr Wilke antwortet, das Grundstück gehöre weiterhin der Stadt Northeim.

Herr Giesemann fragt, ob es eine Vermessung des Grundstücks geben werde.

Herr Pehle antwortet, dies sei erfolgt.

Herr Giesemannfragt, ob das Grundstück ein eigenes Flurstück werde.

Herr Pehleantwortet, dies werde über den Pachtvertrag geregelt werden.

Herr Dodenhöftergänzt, der angesprochene Pachtvertrag müsse noch ausgestaltet werden.

Herr Bredemeiererklärt, der betroffene Bebauungsplan begründe seiner Meinung nach nicht die Verpflichtung, bis ans Wasser bauen zu müssen. Dies könne je nach Bedarf erfolgen. Wichtig sei es, dass sich die Interessen der Stadt Northeim im Pachtvertrag widerspiegeln.

Herr Ilsemann widerspricht der Aussage von Herrn Bredemeier. Jeder Besucher solle nach dem Bebauungsplan aus dem Jahr 1981 einen ungehinderten Zugang zum See haben, so sei der Grundgedanke. Hinderlich dabei seien private Grundstücke und andere am See angesiedelte Nutzungen. Es sei grundsätzlich zu prüfen, ob die Politik den Willen habe, erstmalig den betroffenen Bebauungsplan aufzuheben bzw. zu ändern. Er habe erhebliche Bedenken und verweist auf die Begründung des B-Planes. Herr Ilsemann fragt, ob die überbaubare Fläche tatsächlich bis zum Wasser gehe.

Herr Wilke bejaht dies und führt aus, auf dieser Fläche könne theoretisch gebaut werden. Dies sei allerdings nicht geplant.

Herr Pehle fragt, was damit gemeint sei, dass der See fußläufig umrundet werden könne. Der bereits vorhandene Geh-und Radweg werde durch diese Planung nicht berührt. Herr Ilsemannerklärt, Sinn und Zweck des B-Planes sei es, direkt am Wasser entlanggehen zu können (Rundweg am Wasser). Er bittet Herrn Pehle zu erklären, inwieweit die derzeit geltenden Festsetzungen von den neuen abweichen.

Herr Dodenhöft merkt an, in dem betroffenen Bereich habe man keinen direkten Rundweg am Wasser.

Herr Ilsemannerwidert, der Grund dafür sei, man habe dort keine überbaubare Fläche.

Frau Nölting fragt, inwieweit die Barrierefreiheit innerhalb des geplanten Bootshauses gegeben sei.

Herr Wilke erklärt, alle wichtigen Räume (Duschen, Umkleidekabinen, etc.) würden im Erdgeschoss angesiedelt werden.

Herr Giesemann schließt sich den Ausführungen hinsichtlich des Rundweges um den See von Herrn Ilsemann an. Er fragt bezüglich der Planung nach, ob es die Möglichkeit gebe, das Gebäude, welches längs gelegen wäre, weiter vom Seeufer weg zu errichten.

Herr Wilke bejaht dies. Beim städtischen Bootshaus sei es vorgeschrieben, vom Haus bis zur Seeuferkante 3 Meter Abstand zu lassen.

Frau Strotmeier erklärt, die 3. Änderung des Bebauungsplanes NOM Nr. 90 „Northeimer Seenplatte –Großer See und Strandsee“sei notwendig, um das von Herrn Wilke vorgestellte Bauvorhaben planungsrechtlich zu ermöglichen. Anhand einer Präsentation (siehe Anlage zum Protokoll) veranschaulicht sie die Lage des Änderungsbereiches. Die 1. Änderung des B-Planes Nr. 90 ist seit 1991 rechtsverbindlich. Die derzeitigen Festsetzungen im Plangebiet sehen eine Grünfläche („Hainartige Pflanzung, Baumgruppen und Sträucher“), einen Fuß-und Radweg im Norden und eine Wiese (Grasland im Süden) vor, erklärt Frau Strotmeier.

Herr Ilsemannfragt nach der Festsetzung im angrenzenden Sondergebiet.

Frau Strotmeier antwortet, in dem angesprochenen Sondergebiet seien Bootshäuser zulässig.

Herr Ilsemann fragt, was dort für eine GFZ zugelassen sei.

Frau Strotmeier antwortet, es sei keine zugelassen. Lediglich eine GRZ von 0,4 sei vorgeschrieben. Anhand der Folie 3 der Präsentation stellt sie die Festsetzungen der 3. Änderung des B-Planes Nr. 90 vor.

Herr Ilsemannfragt, inwieweit die derzeitigen Festsetzungen im Sondergebiet von den neuen abweichen.

Frau Strotmeier antwortet, die Geschossigkeit im Sondergebiet (westlicher Teil) sei auf eins festgesetzt. Außerdem sehe die Festsetzung eine offene Bauweise und die GRZ vor. Weitere Festsetzungen seien nicht vorhanden. Weiter erklärt Frau Strotmeier, das geplante Sondergebiet liege im Überschwemmungsgebiet der Leine. Aufgrund dessen bestehe dort grundsätzlich ein Bauverbot. Daher müsse eine wasserrechtliche Genehmigung eingeholt werden. Voraussetzung dafür sei eine bereits durchgeführte hydraulische Untersuchung. Das Gutachten komme zu dem Ergebnis, dass keine Beeinträchtigungen vorliegen. Das geplante Bauvorhaben müsse allerdings dem dort möglichen Hochwasserangepasst werden.

Herr Kahler fragt, wo sich die geplante Ausgleichsfläche befinden werde.

Frau Strotmeier antwortet, dies sei noch nicht festgelegt.

Herr Ilsemann fragt nach den städtebaulichen Gründen, die die erheblichen Abweichungen (z. B. GRZ von 0,6, 8 Meter Gebäudehöhe, 2 Geschosse) der Festsetzungen des derzeit gültigen B-Planes in dem geplanten Bereich rechtfertigen.

Herr Bredemeier antwortet, die benachbarten Gebäude seien von der Grundfläche kleiner, als das geplante Bootshaus.

Herr Ilsemann fragt, warum das betroffene Grundstück höher ausgenutzt werden solle. Städtebaulich sei eine GRZ von 0,4 gewollt. Eine enge Bebauung pro Grundstück sei nach dem dort gültigen B-Plan in einem Erholungsgebiet nicht erwünscht. Die GRZ von 0,6 sei für Gewerbegebiete üblich.

Herr Bredemeier erklärt, das Ziel sei es, das geplante Vorhaben umzusetzen. Herr Ilsemannfragt, warum das Vorhaben nicht mit einer GRZ von 0,4 umgesetzt werden könne, das Gebäude zwei Geschosse haben solle und welche Gründe für die Festsetzung von Flachdächern sprechen. Die von ihm angesprochenen Punkte würden nicht zu der dort vorhandenen Bebauung passen.

Herr Bredemeier erwidert, in dem Gebiet sei eine „großzügige und sehr aufgelockerte Bebauung insgesamt“ vorhanden. Seiner Meinung nach sei es „unschädlich“, wenn die Gebäude aufgrund der großen Grundstücksgrößen voneinander abweichen.

Herr Ilsemannbetont, der angesprochene Bedarf des Drachenboot-Vereines sei nachvollziehbar. Jedoch spricht er sich dafür aus, die derzeit gültigen Festsetzungen und die städtebaulichen Ziele (insbesondere im Erholungsgebiet) beizubehalten.

Herr Pehle erklärt, die GRZ von 0,6 solle festgesetzt, jedoch die Überschreitungsmöglichkeit ausgeschlossen werden. Der alte B-Plan sei aller Wahrscheinlichkeit nach der Baunutzungsverordnung(BauNVO)von vor 1991 erstellt worden. Dies bedeute, in der alten BauNVO galt noch keine Regelung bzgl. der Überschreitungsmöglichkeiten. Die GRZ von 0,4 habe sich daher auf die Hauptnutzungen in dem Gebiet bezogen. Jegliche Überschreitungen mit Nebenanlagen, Zufahrten, Stellplätzen, usw. seien damals bei der GRZ nicht mit zu beurteilen gewesen. Nach der alten BauNVO wäre in diesem Gebiet mit einer GRZ von 0,4 auch eine Überschreitung bis zu 0,8 mit Nebenanlagen möglich gewesen. Die alte BauNVO sei für das alte Sondergebiet auch weiterhin gültig. In Absprache mit dem Vorhabenträger sei die GRZ auf 0,6 festgesetzt worden, da man Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Grundstück offen halten wolle, erläutert Herr Pehle. Nach der derzeitigen Planungssituationsei seiner Einschätzung nach jedoch eine GRZ von 0,4 ausreichend. Sollte diese GRZ festgesetzt werden, bliebe jedoch die Frage nach der Einführung der Überschreitungsmöglichkeit zu klären. Aus städtebaulicher Sicht spreche nichts dagegen, die GRZ auf 0,4 festzusetzen. Weiter erläutert Herr Pehle, das geplante zweite Obergeschoss solle als Staffelgeschoss errichtet werden. Dies bedeute, das zweite Obergeschoss sei aller Wahrscheinlichkeit kein Vollgeschoss. Bei einer Festsetzung mit lediglich einem Geschoss, sei diese Variante jedoch ebenso umsetzbar. Außerdem spricht Herr Pehle die örtlichen Bauvorschriften an. Es sei fraglich, ob das geplante Flachdach in dem Gebiet eine Störung darstelle. Der Rat müsse dies aus städtebaulicher und gestalterischer Sicht entscheiden.

Herr Ilsemann betont, man dürfe die städtebaulichen Ziele nicht außer Acht lassen. Seinerzeit habe man sich dafür ausgesprochen, in dem betroffenen Gebiet eine einheitliche Dachlandschaft (geneigte Dächer)und Gebäude mit lediglich einem Geschoss zu haben. Eine andere Festsetzung müsse seiner Meinung nach ausreichend begründet werden. Anmerkung der Verwaltung: Es gibt weder im Ursprungsplan des Bebauungsplanes NOM Nr. 90 noch in der 1. Änderung zum Bebauungsplan NOM Nr. 90 eine festsetzende örtliche Bauvorschrift zur Dachgestaltung. Aus der 1. Änderung des Bebauungsplanes NOM Nr. 90 ist unter der textlichen Festsetzung Nr. 2 geregelt, dass entlang der Uferlinie z. B. Einzäunungen nicht zulässig sind. Zur Eigentums-und Verkehrssicherung haben sowohl der Segelverein, wie auch der Restaurantbetreiber teilweise Zäune bis zur Uferlinie hergestellt. Diese Festsetzung ist im Entwurf der 3. Änderung nicht mehr enthalten. Es gibt nur im Bereich des Restaurants eine Nutzung der Uferlinie durch die Öffentlichkeit (Besucher, Kunden).

Herr Kahler gibt zu bedenken, man müsse sich über die Folgen der heutigen Entscheidung im Klaren sein. Dazu gehören insbesondere die Auswirkungen auf die Umgebung am Northeimer Freizeitsee.

Herr Ilsemann bittet zu prüfen, ob das geplante Vorhaben auch mit den Festsetzungen des alten B-Planes umgesetzt werden könne.

Herr Harer fragt, ob eine GRZ von 0,4 festgesetzt werden könne oder dafür zusätzlich die Überschreitungsmöglichkeit gegeben sein müsse.

Herr Ilsemann ist derAnsicht, das geplante Vorhaben sei mit einer GRZ von 0,4 umzusetzen. Das Grundstück sei dafür groß genug. Herr Pehleerklärt, die GRZ von 0,6 sollte festgesetzt werden, da man das Sondergebiet bzgl. der zulässigen Nutzungen selbst regeln könne (Zulässigkeit). Alle Nutzungen (Haupt-und Nebennutzungen) würden damit definiert werden. Im Rahmen der Baugenehmigung sei es allerdings schwierig zu differenzieren, was Haupt-und Nebennutzungenseien. Bei einer GRZ von 0,6 würden alle Nutzungen „gleichbehandelt“ werden. Bei einer Festsetzung von 0,4 müssten die Nebenanlagen genau definiert werden.

Hinsichtlich dieser Festsetzung spricht sich Herr Pehle für eine Überschreitungsmöglichkeit für Nebenanlagen aus.

Herr Bredemeier fragt, ob es überhaupt möglich sei, in diesem Bereich einen Fuß-und Radweg direkt am Ufer entlanglaufen zu lassen.

Herr Ilsemann erklärt, in der Begründung des alten B-Planes stehe ausdrücklich, der Tourismus sei in diesem Bereich des Northeimer Kiessees „städtebaulich nicht gewünscht“. Dies bedeute, unmittelbar an eine Bade-Zone solle kein Rundweg angrenzen. Man sollte sich hinsichtlich neuer Bebauung seiner Meinung nach den örtlichen Begebenheiten (alter B-Plan) anpassen. Weiter erklärt er, die Flächen für einen möglichen Fuß-und Radweg seien in dem betroffenen Bereich vorhanden bzw. im B-Plan ausgewiesen.

Herr Pehle erklärt, der Gewässerrandstreifen sei inzwischen in der Realität an einer anderen Stelle vorhanden als im B-Plan seinerzeit festgesetzt. Die von Herrn Ilsemann beschriebene „schützenswerte Zone“ sei in der Wirklichkeit wahrscheinlich nicht mehr so vorhanden, wie der alte B-Plan dies vorgesehen habe. Er empfiehlt, sich die Situation vor Ort anzuschauen.

Herr Kahler verkündet, die Ortsbesichtigung werde am 13.02.2018 um 16:00 Uhr am Northeimer Kiessee stattfinden. Im Anschluss finde die Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt im Rathaus, Sitzungssaal 307 um 17:00 Uhr statt…..“

(Ende des Protokoll-Auszugs)

Bliebe nur eine Anmerkung: Hätte man nicht erwarten können, dass die Ausschuss-Mitglieder diesen Ort in Augenschein nehmen, bevor sie über den blauen Dunst schwadronieren…

Im Dunkeln ist gut munkeln

Hier nur mal zur Vollständigkeit mein ‚echter‘ Leserbrief, der etwas gekürzt am 21.10.19 in der HNA zu finden war. Besonders schmerzlich ist natürlich der Verlust der Bemerkung zu den Lagerflächen für Solarstrom….

Nun ist die Katze aus dem Sack: 40 Meter in der Breite sollen vom Mühlenanger abgetrennt und an die Stadtwerke verkauft werden: Das ist also das, was man unter einem ‚kleinen Streifen‘ versteht: die Betriebsfläche wird mehr als verdoppelt – und der Zweck ist ‚geheim‘! Aber auf jeden Fall zum Schnäppchenpreis von ca. 32 Euro/qm.
Kann mir jemand erklären, wie die Stadtwerke ihre Geschäfte ausdehnen wollen, wofür dieser Platz bestimmt wäre? Etwa Betriebs-Wohnungen? Oder soll da ein Lagerplatz für Solarstrom errichtet werden samt 30 Meter hohem Hochregallager? Alternativ kann man sich auch einen Lagerplatz für Jutesäcke vorstellen, denn davon brauchen wir eine Menge, um Licht ins Rathaus und speziell in den Verwaltungsausschuss zu bekommen, der für manche Politiker der bevorzugte Tummelplatz ist. Viel Spaß weiterhin beim Munkeln im Dunkeln!
Und eines noch: wenn die Stadtwerke diesen Zusatz-Platz benötigen – und über 10 Meter kann man nachdenken, ohne die Nutzung des Platzes nachhaltig zu gefährden -, dann sollten sie das Areal kaufen, wenn es spruchreif ist. Ich denke nicht, dass die Stadt anderen Interessenten in der Zwischenzeit diesen Platz verhökern wird.
Und wenn man wirklich einmal strategisch denken wollte: Dann geben die Stadtwerke ihren Lagerplatz auf, der so innenstadtnah liegt, dass es eine Zumutung für alle anliefernden LKW und alle betroffenen Anlieger ist. Und bauen in beliebiger Größe im neuen Gewerbegebiet an der Westumgehung, dessen Kosten feststehen und dessen Vermarktung weitgehend in den Sternen zu finden ist. Und der alte Platz arrondiert das bestehende Wohngebiet…