Populismus am Schuhwall II

Offener Brief an Malte Schober

Sehr geehrter Herr Schober,

eines möchte ich Ihnen vorab sagen: Anders als viele Ratskollegen stellen Sie Ihren Beitrag – den zur Schuhwalldiskussion, der in der Ratssitzung im Februar 2020 gehalten wurde – öffentlich als Tonaufzeichnung der Diskussion zur Verfügung (Link: https://soundcloud.com/malte-schober/schuhwallhalle-rat ). Das ist vorbildlich für einen Meinungsaustausch, der nun nicht mehr auf Quellen aus zweiter Hand beruhen muss. Danke dafür.

Was dort aber vorgetragen wurde – bis zum Gipfel des Populismus-Vorwurfs gegen die „Gegner“ der neuen Halle – kann so nicht stehenbleiben. Akzeptieren Sie doch bitte, dass es keine Gegner einer neuen oder sanierten Halle gibt, es geht in dieser Diskussion um den Finanzrahmen, den einige für unverantwortlich halten und daher auf eine kleinere Lösung dringen – egal ob neu oder saniert. Die Darstellung, dass die Nicht-Zustimmer dieser einen Lösungsvariante den Schülern, den Jugendlichen und den Sportlern den Hallenplatz wegnehmen möchten: das ist populistisch, denn hier wird ein Feindbild aufgebaut, gegen das sich alle ‚lauteren Sportunterstützer‘ gemeinsam wehren müssen. Wo bleibt im übrigen Ihre Stellungnahme, wenn der Ihnen sicher gut bekannte Axel Janssen auf unredliche Weise versucht, die Sportförderung gegen die ‚bourgeoise Kulturförderung‘ auszuspielen – ein Musterbeispiel für Populismus in Verbindung mit Futterneid-Motiven.  

Aber schauen wir doch einfach mal auf die einzelnen Aspekte Ihres Beitrags: Die Einleitung „Die Halle ist nicht mehr zu retten…“ – kennen wir schon von der Stadthalle: Pathos und Alternativlosigkeit, statt Argument und Abwägung. Und Sie wissen ja auch von der Stadthalle, für die Sie sich auch engagiert haben, dass die Renovierung später weniger als eine halbe Mio. kostete – bei Neubau der Halle würden wir hier nicht mehr diskutieren, weil die Stadt jetzt schon finanziell platt am Boden liegen würde. Natürlich wäre auch die Schuhwallhalle zu retten, auch hier ist es nur eine Frage des Preises (in Lüneburg hat zum Vergleich die Sanierung einer Doppel!!-Dreifeldhalle ca. 9 Mio. ausgemacht). Und gerade darüber muss man diskutieren.

Wie man in der Vergangenheit das Sanierungsgutachten des potentiellen Hallen-Neubau-Architekten hat akzeptieren können, wird mir ewig unverständlich bleiben. Dieser Gutachter glaubte damals noch, seinen Neubauentwurf an die Stadt verkaufen zu können – da lag ein klarer Interessenkonflikt vor und die Gutachter haben folgerichtig einfach den Hallenneubau in die Grundmauern der alten Halle verlegt. Fazit: kost‘ genauso viel? Unfassbar! Ein Gutachten auf Basis von Papierplänen und Fotos. Niemand der Gutachter war jemals vor Ort!

Finanzierung wie ein Häuslebauer?

Aber egal: Sie setzen dann auf den gesunden Menschenverstand: was rechnet ein Häuslebauer, wenn er baut: 30 Jahre Abtrag ergeben eine Belastung, die passt oder nicht. Hier wird uns dann vorgerechnet, dass man 30 Jahre mit einem Zins von 0,5% nur 338.000 Euro/rund 400.000 Euro jährlich zahlen muss; da sind dann ca. 2-3% Tilgung p.a. enthalten. Das könne die Stadt sich doch wohl leisten! Aber der normale Bauherr denkt auch schon mal an Abschreibungen, (vorbeugende) Instandhaltung und Reparaturen, denn nach 30 Jahren wäre sonst einfach die Substanz verbraucht. Dass daran nicht gedacht wird und nicht danach gehandelt wird: genau das hat den jetzigen Zustand der Schuhwallhalle herbeigeführt, das ist das Problem und nicht die 50 fehlenden Zentimeter hinter dem Handballtor! Und zwei Dinge müssen auch ganz deutlich gesagt werden: ein Häuslebauer reißt sein Haus nicht nach 50 Jahren ab – und ein Häuslebauer baut nicht 4 Häuser parallel. Denn neben diesen 10 Millionen Kreditaufnahme hat/plant die Stadt weitere Kredite in Höhe von 35 Millionen. Es sind nicht die 10 Millionen, es ist die Gesamtlast, die zählt. Soweit die Milchmädchen. Und dass über 30 Jahre der Zinssatz bei 0,5 % bleibt? Da hilft vielleicht Beten… Wer sein Haus so plant, der wird nicht lange darin wohnen bleiben!

Der anonyme Zuwanderer

Ähnlich profunde sind die Bemerkungen zum Bevölkerungswachstum durch junge Familien aus Göttingen. Wie viele hunderte von Menschen sollen denn nach Northeim ziehen, wo inzwischen im neuen Baugebiet am Wieter allein die Grundstückspreise bei 170 Euro/qm liegen, also 100.000 Euro nur für das Grundstück fällig werden? Allein das Grundstück kostet dann die 20-Jahres-Miete einer 70-qm-Sozialwohnung … das ist soziale Selektion inclusive. Und der Arbeitnehmer/Mieter aus Göttingen? Grone oder Northeim-Süd? Die ökologisch unsinnige Seite mal außen vor: Ein zweiter Wagen für die Familie mit monatlichen Kosten von 300-400 Euro rechnet sich doch nicht, da zahle ich doch lieber 300 Euro mehr Miete, habe die bessere Infrastruktur und bin jeden Tag mindestens eine halbe Stunde weniger unterwegs. Öffentlicher Nahverkehr? Nur wenn der Tag 26 Stunden hat – versuchen Sie das doch bitte mal: von Northeim morgens zum Schichtbeginn um 6 Uhr bei Sartorius oder Mahr in Göttingen zu sein? Aber geschenkt! Und ob es in Northeim 10 oder 11 Sporthallen gibt? Für jemanden, der ein Haus bauen will oder in eine andere Stadt in eine Mietwohnung zieht, werden viele Kriterien für die Entscheidung herangezogen, aber sicher nicht die Anzahl der Sporthallen, die wohl auch einigen Ratsmitgliedern nicht bekannt ist.

Festpreis und Förderung

Wenden wir uns den weiteren Hoffnungen zu: immerhin ist für Sie klar, dass das Bauamt die Bauaufsicht nicht wahrnehmen kann, sondern alles an einen Generalunternehmer vergeben werden soll, natürlich am besten zum Festpreis. Wer sich allerdings mit Festpreisen auskennt, der wird jetzt schon mal zucken. Wenn ich als Auftragnehmer einen Festpreis anbiete, dann ist das erste, was auf die Kalkulation draufkommt, der Risikozuschlag – und der wird locker bei 20-40% liegen, vor allem in Zeiten, in denen ich nicht weiß, zu welchem Preis ich im nächsten Hochkonjunktur-Jahr welche Gewerke noch angeboten bekomme. Und wenn ich einen professionellen Generalunternehmer beauftrage, muss ich wissen, dass der in der Lage ist, seine Verträge so zu formulieren, dass jeder Zusatzwunsch, jede Änderung des Plans als Sonderleistung nach Aufwand zu bezahlen ist. Und da stehen dann die Northeimer Amateure und können wiederum … nur beten.

Was ich auch nicht verstehe, ist der ständige Hinweis auf mehr Geld vom Landkreis – der hat sich in dieser Sache bisher nicht einen Euro weiterbewegt. Und die Hoffnung, aus ohnehin überzeichneten Fördertöpfen Millionen herauszuziehen, weil ‚Freund Roy‘ sich ja bemüht…die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wenn es die Zusatzmillionen nicht gibt: was dann? Stopp oder Mehrkredit? Über welches Förderprogramm reden wir da eigentlich? Über das des BMI „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Jugend, Sport und Kultur“, das eigentlich beendet ist und für das nochmals 200 Millionen bereitgestellt werden? Das ist ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein: in der Pipeline für die Förderung stecken fast 1200 Projektanträge – und dabei wird es über 90% Verlierer geben. Die Mittel gelten für Jugend, Sport und Kultur in Konkurrenz.

Aus der vom BMI veröffentlichten Projektübersicht (da sind merkwürdigerweise nur 102 statt 186 Projekte aufgeführt) mit der Fördersumme von 232 Millionen hier mal die Fakten, um die Erfolgsaussicht realistisch einschätzen zu können: Von den reinen Sportprojekten sind in der Initiative 17 Sporthallen (in Mischprojekten weitere ca. 10) in der ganzen BRD gefördert worden, also eine in jedem 20. Wahlkreis. Und Südniedersachsen ist mit Göttingen, Duderstadt und Goslar bereits dicke dabei. Aber wenn es da andere Infos gibt, würde ich mich freuen, darüber etwas zu erfahren!

Eine Bemerkung/ein Eindruck meinerseits soll hier aber noch kurz angerissen sein: Wie dieser Fördertopf, aus dem (weitere) Mittel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in Südniedersachsen landen werden, instrumentalisiert wird, um Ratsentscheidungen ‚schnell herbeizuführen‘ (das ist die höfliche Umschreibung). Mit Hinweis auf die Fördermillionen, die wohl niemals kommen werden, ist der Rat sowohl zu seiner vorschnellen Grundsatzentscheidung als auch jetzt zum nächsten Vergabeschritt ‚motiviert‘ worden. Bei einer Entscheidung, die die nächsten 50 Jahre tragen soll, ist das kurzfristige Schnappen nach der Wurst sicher die falsche Strategie. 

Immerhin höre ich heute aus Ihrem Mund zum ersten Mal eine öffentliche Stellungnahme des NHC-Umfelds über die BBS-Halle: die sei nicht abgenommen – weiß ich nicht, kann aber sicher jederzeit nachgeholt werden. Der Vorschlag steht übrigens (neben Ausweichen in die Sparkassen-Arena in GÖ) im Schreiben des Handballbundes, der im Ratsinfosystem zu finden ist. Und dass die BBS-Halle am Sonntag belegt ist: kann sein, aber dann tauscht man einfach die Hallenzeiten mit der Schuhwallhalle, das ist kein Mehr, sondern nur ein Anders. Die BBS-Halle hat übrigens offiziell 330 Zuschauerplätze, während die Schuhwallhalle nur 300 hat. Und auf der Ostseite ist die BBS-Halle relativ einfach erweiterbar. Das Fehlen einer Argumentation gegen die BBS-Halle seitens des NHC kann dann eigentlich nur bedeuten, dass man keine Argumente hat, oder?  

Jährliche Kosten

Dann kommt die Geschichte mit den drei Hallen der Stadt: Schuhwall, Schwimmbad und Stadthalle. Das ist einfach völlig verkürzt: die Schuhwallhalle ist eine von 10 (zehn!) Sporthallen allein in der Kernstadt, wobei zwei Hallen (BBS und Corvi) größere Haupt-Spielflächen haben. Dass die Hallenkosten der neuen Schuhwallhalle auf 800.000 Euro geschätzt werden: das ist ein Schluck aus der Pulle, wenn man den Altbau mit knapp 150.000 Euro/Jahr dagegenhält. Woher Sie diese Zahl haben, würde mich brennend interessieren, da es eine Vervierfachung der aktuellen Kosten bedeuten würde.

Dass das Schwimmbad auch 800.000 kostet – da weiß ich nicht, woher die Zahl stammt. Lauf GuV 2017 der Stadtwerke macht das Hallenbad etwas über 500.000 Euro Miese, wobei die Stadt keinen Cent dazu bezahlt. Und die Stadthalle macht auch keine 500.000 Euro Miese, sondern laut Haushalt 2019 der Stadtverwaltung 290.000 Euro. Ihre Zahlen sind nach meinem bzw. dem veröffentlichen Kenntnisstand alternative Fakten. Woher die kommen, würde mich interessieren. Wenn diese Zahlen allerdings stimmen, müsste man fragen, warum die Stadtverwaltung ‚unrichtige‘ Zahlen veröffentlicht. Zu diesem Bereich gehören auch die von Knut Freter propagierten 250.000 Euro ‚Betriebskosten‘, die in seiner Formulierung und der Wiedergabe in der Presse als Energie- oder Energieschleuder-Kosten herüberkamen. Wir wissen aber beide – wenn die Auskunft der Stadtverwaltung Ende 2017 richtig war -, dass die Heizkosten bei ca. 50.000 Euro/Jahr lagen. Auch wenn Sie diese Äußerung nicht getan haben – warum lassen Sie die Freter-Zahlen unkommentiert stehen und stimmen dem dadurch implizit zu?

Einsparungen oder das falsche Modell?

Wenn Sie nun über Einsparungen mit Herrn Eling sprechen und der Ihnen versichert, da wäre nicht viel zu machen, eine Mio max., wenn man etwas kleiner wird. Dann ist nicht die Einsparung bzw. die Nicht-Einsparung die Crux, sondern die Tatsache, dass man einen falschen Wettbewerb hatte und eine falsche Auswahl getroffen hat. Wie kann ich einen Wettbewerb mit dem K.-O.-Kriterium von 8 Millionen starten – der von einem Büro begleitet und überwacht wird – und am Ende kümmert sich kein Entwurf darum und ebenso nicht die Auswahljury, der Sie ja angehörten? Normalerweise hätte man das alles zurückgehen lassen müssen! Und der Bau hat keine Heizanlage – das gehört zu Halle pur dazu! Welche Kontrolle – meinen Sie – haben sie (Verwaltung/Rat) über den Prozess? Und wenn die Halle etwas kleiner wird (eine Gymnastikhalle mit der Option, später anzubauen) und schmuckloser und energieeffizienter – da mögen Sie recht haben – werden vielleicht nur 2 oder 3 Millionen weniger herauskommen, aber das weitaus größere Sparpotential liegt an der Anlage drum herum, wo viele 1000 qm zugepflastert werden, und in den Minderaufwänden für die Außenanlagen – kommen Sie bitte jetzt nicht mit Skatern und Bouldern, das sind Peanuts. (BTW: wie sichern Sie eigentlich eine Außen-Kletterwand gegen Benutzung außerhalb der Überwachungszeiten, wieviel Personal muss bei Öffnung Hilfestellung leisten?)

Erinnern Sie sich noch, wie am Anfang das Bestreben bestand, sowohl den Architekturentwurf als auch die Bauüberwachung aus dem Bauamt heraus machen zu lassen? Gut, das ist relativ schnell gestorben, aber dass dieser Vorschlag überhaupt ernsthaft in die Diskussion kam, ist schon nur schwer zu fassen.

Warum sie in einer Nebenbemerkung den Kauf des Rathauses als finanzielles Harakiri bezeichnen, ist mir schleierhaft – das war eine der wenigen guten Entscheidungen, auch aus heutiger Sicht! Harakiri ist Selbstmord – könnten Sie mir das erklären? Der Patient lebt, aber er verprasst gerade sein Tafelsilber…, das schon beim Pfandleiher liegt…

Die Freizeit-(g)GmbH

Wenn dann auch noch über die Sport- und Freizeit GmbH als großem Retter gesprochen wird – der Einwurf sagte ja zu Recht, dass das die Göttinger Gesellschaft sei (die eine GmbH & Co. KG ist, die Überschüsse erwirtschaftet)  -, eine Northeimer Gesellschaft gibt es überhaupt noch nicht, kommen mir Zweifel, ob der Sachstand gut kommuniziert wird. Nebenbei ist es so, dass eine GmbH nicht zum Nulltarif betrieben wird, on top kommen durch die Orga-Struktur Zusatzkosten für Betrieb und Abschluss incl. ‚Konzernkonsolidierung‘ hinzu. Aber Vorsteuer wird gespart…vor allem beim Personalaufwand…

Und ‚Querverbund‘ mal so nebenbei dranzuhängen: das ist ein ganz restriktiv genehmigter Steuertrick und wenn es da schon eine Genehmigung des Finanzamtes über den Betrieb des Hallenbads hinaus geben würde, würde mich das wundern. Und ob es jemals für die Kombination mit der Sporthalle einen Querverbund gibt, wage ich mal zu bezweifeln, denn offensichtlich herrscht hier etwas Verwirrung (sollte die Verwirrung bei mir liegen, so würde ich Sie um eine qualifizierte Richtigstellung bitte, die nicht mit „Das planen wir so..“ enden sollte): ein Querverbund mit dem Hallenbad ist zulässig, wenn das Hallenbad relevante Mengen aus einem Blockheizkraftwerk des Betreibers entnimmt. Dieses Kriterium dürfte für eine moderne Sporthalle, die energiesparend oder besser als Passivhaus-Konstruktion erstellt ist (was der Entwurf wohl nicht erfüllt), wohl kaum zutreffen, da der Primärenergiebedarf minimal ist. Oder wird deshalb extra energieaufwändig gebaut, damit der Verbrauch hoch wird und eine Querverbundslogik erfüllt wird? Dann sollte man alle Entscheider aber ganz schnell aus dem Tempel jagen.

Ich bin da mal ganz gespannt, was die schlauen Vorsteuer-Trickser uns da als Steuersparkonzept vorstellen wollen.  

Der Aufstieg

Zum Schluss können wir auch noch einmal zusammen träumen: Alles wird gut, der NHC spielt (irgendwo) gut und steigt auf in die zweite Liga: dort sind Hallen mit 2000-4000 Zuschauerplätzen der Standard. Legen wir dann nach und bauen die nächste Halle? Oder gehen nach Göttingen? Dann können wir da auch gleich hingehen und die Handballbegeisterten aus Göttingen mit einsammeln – auch Melsungen (1. Liga) spielt in Kassel!

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen..“

Ja, nun kommen wir zu dem Punkt, wo es heißt: Immer nur kritisieren, das kann ja jeder! Und eigene Vorschläge? Fehlanzeige!

Ich habe an dieser Stelle den Vorteil, nicht im Handball-Klüngel zu stecken: Die ganze leidige Diskussion ist doch deshalb entstanden, weil ein Sparkassendirektor einen Sporthallenentwurf erstellen ließ, der zufällig auf ein Grundstück passte, das die Firma erworben hatte, um dort Wohnungen zu bauen. Dass dieser Entwurf auch als Konkurrenz/Ersatz der Stadthalle gesehen werden konnte – das hat sich gottlob zerschlagen. Weiter passierte nichts, da dann das lukrativere Gelände am alten Krankenhausgelände Vorrang hatte. Um letztlich mit dem Versuch zu enden, das alte Realschulgelände plus Zusatzzahlung gegen den Mühlenanger zu tauschen.

Über einen alternativen Standort bzw. ein alternatives Konzept wurde niemals diskutiert – Schlange und Kaninchen stehen sich starr gegenüber. In den 60er Jahren hatte der Schuhwall einen städtebaulichen Plan: das Gelände war etwas abgelegen, die Erweiterung der Stadt für Geschossbau war in die Südstadt gelegt, die Einfamilienhäuser wuchsen an Wieter und Sultmer. Die alte Kaserne/Schule mit der Teppichfabrik wurden abgerissen, der Ersatz-Schulbau auf die andere Straßenseite verlegt und dazwischen Schwimm- und Sporthalle gebaut, die damals für zwei Schulen dimensioniert waren. Eine Schule ist abgerissen, die zweite ist ebenfalls schon 50 Jahre alt, genau wie Sporthalle und Schwimmbad. Die wirtschaftliche Lebensdauer (für diese Zweckbauten) nähert sich dem Ende – und auch für die anderen Gebäude muss sich in nächster Zeit die Frage Grundsanierung oder Neubau stellen.  

Was brauchen wir heute? Bezahlbaren Wohnraum und eine Belebung der Innenstadt, weniger Verkehr und Betreuungsmöglichkeiten für ganz junge und ganz alte Menschen. Laut Bebauungsplan ist das ganze Gelände am Schuhwall/Arentsschildstraße ‚Wohngebiet‘. Warum machen wir es nicht dazu? Wir brauchen in direkter und barrierefreier Umgebung der Innenstadt keine 5000 qm  Parkplatzflächen, die 330 Tage im Jahr leer stehen – und an den übrigen Tagen mal 3-4 Stunden belegt sind.

Fragen wir uns doch mal: Wie lange soll das Schwimmbad noch erhalten werden – auch da sind 50 Jahre genug, schön ist etwas anderes; wir benötigen keine 50-Meter-Bahn, auch Göttingen und Osterode kommen mit 25 Metern hin, der Energieverbrauch ist eigentlich nicht mehr tragbar!

Wie lange soll noch eine Oberschule dort betrieben werden: die Bauten nähern sich auch alle der 50-Jahre-Grenze! Warum werden die Schulen nicht in der Sudheimer Straße zusammengefasst? Für 1000 Corvinianer gibt es ein Gymnasium, für 600 Haupt- und Realschüler betreiben wir zwei Standorte? In Einbeck sehen wir gerade, wie IGS und Realschule am Hubeweg zusammengefasst sind – mit Millionen-Invests; warum nicht genauso in Northeim? Ende vom Lied: wir benötigen dort keine Schulsporthalle, wenn der Landkreis endlich seine Hausaufgaben machen würde! Und bitte nicht argumentieren, das sei ja Kreissache. Es geht um Northeim und nicht um die Aufteilung, wer macht was und das andere interessiert mich nicht! Das wäre schlicht verantwortungslos.

Und der Schuhgroßhandel: warum bietet man dort nicht an, den Großhandel in das neue verkehrsgünstigere Gewerbegebiet zu verlegen – mit Investhilfen der Stadt meinethalben.

Und für die Übergangszeit erhält man das Ensemble so, dass es sicher betrieben werden kann – und plant, in den nächsten 3-5 Jahren die Schule in der Sudheimer Straße zu integrieren.

Die Stadt hat letztes Jahr das Baugebiet am Martinsgraben freigegeben – aber bisher nur das Filetstück an zwei Nachfrager vergeben können, die sich damit die Rosine aus dem Kuchen gepickt haben – gut gelernt von F.C.Schramm, der 20 Jahre am Galgenberg zu tun hatte, wo auch heute noch nicht alles bebaut ist. Und dort hinten am Martinsgraben, da wäre nun genug Platz, um das neue Sport- und Freizeitzentrum aufzubauen, was gleichzeitig zu einer Aufwertung der Südstadt führen würde, in der im Übrigen noch eine große Wohnungsreserve steckt, die damit gleichzeitig aufgewertet wird. Win-Win.

Eine neue Sporthalle sollte dann dort am besten vom Kreis mit Hilfe der Stadt (oder andersrum) errichtet werden wg. des Zuzugs der Oberschule und als Zusatz/Ersatz für die BBS-Halle, von der ich hörte, dass sie auch schon 40 Jahre alt sei und man am besten nichts mehr hineinstecken sollte. Fehler wiederholen sich eben gern, genau wie die Aussagen der Stereotypen- und Bedenkenträger.

Für Parkplätze müsste man nur wenig Sorge tragen, da bei den umliegenden Schulen diese ausreichend vorhanden sind. Die verkehrliche Anbindung an die B3 ist kurz und direkt und führt nur am Rand des Wohngebiets entlang.

Wenn die Sporthalle des Kreises/der Stadt steht, zieht die Stadt mit einer neuen, kleineren Schwimmhalle (oder einem ‚Badeparadies‘) nach. 

Quartiersbildung

Und wenn der Umzugsplan steht, dann hätten wir ein Areal, auf dem wirklich so etwas wie Quartiersbildung aus einer Hand stattfinden könnte – anders als die Fehlgeburt der sogenannten ‚Innenstadt-Quartiere‘.

Die Wohnbebauung an der alten Realschule kann sofort beginnen, nach dem Umzug der Oberschule wird die Sporthalle abgerissen, später dann das Hallenbad, um den neuen Wohnblöcken und Reihenhäusern zu weichen. Das gesamte Gebiet ist schon heute per se verkehrsberuhigt. Eine Erschließung ist nicht notwendig, da bereits vorhanden. Wenn auch der Schuhhandel umziehen sollte, können die Lagerflächen für Wohnbau genutzt werden. Der Baumschulenweg wird verkleinert und Häuser auch auf der Westseite des Rhumekanals gebaut. In die renovierungsfähigen Teilen von Schule und Großhandel werden neue Nutzungen stattfinden: Kindertagesstätte, Senioren- oder Stadtteiltreff, Seniorenheim, Betreutes Wohnen, Tagespflege, Übungs- und Gruppenräume, Büros für Start-Up-Unternehmen oder Co-Working-Spaces. Ein Spielplatz, eine Gaststätte, ein Park der Generationen, der den Namen verdient. Die Nahversorgung ist an der Rückingsallee/In der Fluth fußläufig zu erreichen, die Stadt ist nur 300 Meter entfernt und kann ebenfalls zu Fuß/mit Fahrrad erreicht werden – das ist Best Practice. Und nicht das Wohngebiet am Rande der Stadt, von dem aus jeder Weg mit dem Auto in die Stadt gemacht werden muss: So etwas könnte man als De-Mobilitäts-Konzept verkaufen!

Auf den Dörfern rund um Northeim werden krampfhaft Lücken-Grundstücke für Wohnbebauung gesucht – und hier in Northeim könnten viele 1000 qm in bester, innenstadtnaher Lage bebaut werden und keiner sieht es? Es geht hier nicht um Handball, sondern um einen städtebaulichen Plan für Northeim, der für die nächsten 20 Jahre trägt. Kennen Sie eigentlich die biblische Geschichte von dem Splitter und dem Balken? Hier sollten vielleicht mal die Leute zum Arzt gehen, die KEINE Visionen haben…

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