Blüten des Feuilleton

Kulturpolitiker’s Zitatenschatz

„Über Politiker kann man lachen, aber nicht über deren Politik“ – so hörte ich es in einer Karnevalssitzung aus dem Jahre 2000. Egal, wie Kultur schöngeredet wird oder mit Neusprech auf enthobene Ebenen verschoben wird – das was in der Kultur zählt, ist letztendlich immer das Konto, auf das die ‚Staatsknete‘ geht, denn Kultur ohne öffentliche Förderung ist nicht denkbar, da sie ja einfach nicht produktiv ist, sondern das Blumensträußchen, das sich eine Gesellschaft leistet, in der die Grundbedürfnisse der Menschen in etwa bedient werden.

Und wer staatliche Zuschüsse erhalten will, muss in unserer gesellschaftlichen Auffassung von Leistung und Verdienst zumindest einen Ansatz von Begründung haben, warum er/sie/es und nicht ein anderes er/sie/es Zuwendungen erhalten soll. Und so kommt es zu Deutungen und Legitimations-Argumenten in der modernen, entwickelten Kulturbürokratie. In der ZEIT vom 13.2.20 kommen exemplarisch Ina Hartwig und Carsten Broda zu Wort. Da fiel mir ein, dass ein Klangkörper viel Hohlraum haben muss, um einen großen Klang erzeugen zu können.

Der Hohlraum könnte vorhanden sein, allein der große Klang will sich nicht – zumindest bei mir – einstellen. Vielleicht geht es jemandem anders (er/sie/es) auch so, hier also ein paar Kostproben von dem, was meinen Kopf einige Zeit in horizontale Schwingungen geraten ließ:

„Museen, Theater, Opern und freie Bühnen schaffen einen notwenigen öffentlichen Hallraum..“ (das tun auch Berge in Form von Echo…)

„In der Elbphilharmonie begegnen sich Menschen in ihrer Differenz“ (das tun sie auf der Reeperbahn auch…)

(Im Theater) „Plötzlich verstehe ich etwas, das ich vorher nicht verstanden habe. Gerade durch das Ästhetisierte kommt mir die Wirklichkeit dann so nahe, wie sie mir vorher nie gekommen ist.“ (Da hilft eigentlich ein ‚Augen auf im Straßenverkehr und anderswo.., ich hab im Theater noch nie ein lautes ‚AHA‘ vernommen..)

„Teilweise zerreißt Kultur nämlich auch etwas und sorgt für Kontroversen. Das soll sie auch, weil sie uns dadurch aufmerksam macht auf das, was zerrissen ist“ (Wie wahr, das weiß jeder, der schon versucht hat, sich mit einem zerrissenen Tempotuch die Nase zu putzen..)

„Die Kultur hat die Chance, das Allgemeine zu repräsentieren. Aber dieses Allgemeine der Kultur ist eben etwas, worüber man sich aktiv verständigen muss“ (Das sollte man mal Montag abends in Dresden erzählen…, da gibt es mindestens zwei alternative Repräsentationen, meistens aber noch viel mehr..)

„Denn das Allgemeine ist in der Moderne nie aus sich selbst heraus gegeben“ (..und nicht nur in der Moderne, das Allgemeine ist dann der universelle Weltgeist, den es nur zu erkennen gilt….o sancta simplicita)

…dass „das Rätsel, was Kunst mit Menschen macht, nie gelöst wurde glücklicherweise.“ (Denn wir wissen nicht, was wir tun…)

„Die Migration von kulturellen Energien lässt sich in Museen besonders gut erleben. Für eine migrantisch geprägte Gesellschaft ist das eine Chance, genau dies vor Ort zu studieren und abzugleichen mit der eigenen Selbsterzählung.“ (Gut, dass das mal jemand sagt, darauf wäre ich ja nie gekommen!)

„Die Geschichten, die erzählt werden, sollten schon beim Kuratieren auf das Publikum zielen, das man erreichen will.“ (Auf wen sonst? Den lieben Gott?)

„Museen sind ja selbst lokal sozialisiert und können mit klugen Ausstellungen auch mit ihren Orten sozial kommunizieren.“ (Gibt es unlokale Sozialisierung oder unsoziale Kommunikation? Kommunikatiuon geht nur von Subjekt zu Subjekt, es sei denn, man übe öffentliches Reden mit Steinen im Mund vor der Meeresbrandung..)

Dann wird aus dem Museum ein zivilgesellschaftlicher Ermächtigungsort, der eine bewusste Einladung ausspricht – (…) Wir wollen miteinander arbeiten.“ (Vulgo: Im Museum kann man was Neues sehen… ich verabscheue das Wort ‚Ermächtigung‘!)

„Umso mehr müssen Räume der Kultur verteidigt werden als Räume, in denen Spannungen ausgehalten werden.“ (Das gilt genauso gut bei Kneipen, in denen die Kneipenkultur ausgehalten werden muss – klappt ja meistens, außer in der Northeimer ‚Kölsche Bar’…)

„Zunehmend fällt eine Allianz auseinander, die wir lange unterstellt haben, weil wir glauben, der Kampf für die Freiheit der Kunst sei immanent auch ein Kampf für die Selbstermächtigung bisher marginalisierter Gruppen. Solange wir aber Milieus haben, die deutlich überrepräsentiert sind, findet diese Selbstermächtigung der Marginalisierten nicht statt. Die Kritik an den Machtverhältnissen wendet sich auch gegen die Repräsentanten des Kulturbetriebs.“ (Die Mehrheit ist die Mehrheit ist die Mehrheit…., warum sollte es hier anders sein? Randgruppen bekommen Leckerli…)

„Es wäre falsch, Kunst so weit zu neutralisieren, dass sie nur noch in dern Wohlfühlräumen der jeweiligen Erfahrungszusammenhänge stattfindet. Das Problem ist, dass wir Unwuchten haben im Kunstbetrieb, weil von einer gleichrangigen Teilhabe aller Gruppen noch nicht die Rede sein kann.“ (Da wäre auch mal zu überlegen, ob alle überhaupt ein Interesse daran haben oder nicht Fußball, Kniffeln oder eine Weinprobe vorziehen…)

Fazit: Es muss uns verdammt gut gehen, dass wir uns diese Kulturpolitiker und deren Blasenbildung leisten können.

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