Im Dunkeln ist gut munkeln

Hier nur mal zur Vollständigkeit mein ‚echter‘ Leserbrief, der etwas gekürzt am 21.10.19 in der HNA zu finden war. Besonders schmerzlich ist natürlich der Verlust der Bemerkung zu den Lagerflächen für Solarstrom….

Nun ist die Katze aus dem Sack: 40 Meter in der Breite sollen vom Mühlenanger abgetrennt und an die Stadtwerke verkauft werden: Das ist also das, was man unter einem ‚kleinen Streifen‘ versteht: die Betriebsfläche wird mehr als verdoppelt – und der Zweck ist ‚geheim‘! Aber auf jeden Fall zum Schnäppchenpreis von ca. 32 Euro/qm.
Kann mir jemand erklären, wie die Stadtwerke ihre Geschäfte ausdehnen wollen, wofür dieser Platz bestimmt wäre? Etwa Betriebs-Wohnungen? Oder soll da ein Lagerplatz für Solarstrom errichtet werden samt 30 Meter hohem Hochregallager? Alternativ kann man sich auch einen Lagerplatz für Jutesäcke vorstellen, denn davon brauchen wir eine Menge, um Licht ins Rathaus und speziell in den Verwaltungsausschuss zu bekommen, der für manche Politiker der bevorzugte Tummelplatz ist. Viel Spaß weiterhin beim Munkeln im Dunkeln!
Und eines noch: wenn die Stadtwerke diesen Zusatz-Platz benötigen – und über 10 Meter kann man nachdenken, ohne die Nutzung des Platzes nachhaltig zu gefährden -, dann sollten sie das Areal kaufen, wenn es spruchreif ist. Ich denke nicht, dass die Stadt anderen Interessenten in der Zwischenzeit diesen Platz verhökern wird.
Und wenn man wirklich einmal strategisch denken wollte: Dann geben die Stadtwerke ihren Lagerplatz auf, der so innenstadtnah liegt, dass es eine Zumutung für alle anliefernden LKW und alle betroffenen Anlieger ist. Und bauen in beliebiger Größe im neuen Gewerbegebiet an der Westumgehung, dessen Kosten feststehen und dessen Vermarktung weitgehend in den Sternen zu finden ist. Und der alte Platz arrondiert das bestehende Wohngebiet…

Hat sich bewährt!

Ja, was hat sich denn bewährt? Die Northeimer Mühlenstraße als Einbahnstraße – allerdings nicht für Busse und Fahrräder. Aber was war denn der Maßstab, was waren die Kriterien, aufgrund derer dieses Urteil gesprochen wurde?

Schauen wir doch einmal ganz genau auf die Situation: Für den Abschnitt zwischen Neustadt und Markt hat sich mit dieser Regelung überhaupt nichts verändert – was soll sich da bewähren?

Bleiben also nur die Besucher der Innenstadt übrig, die aus der Neustadt oder der Mauerstraße kommen. Bei der Betrachtung dieser ‚Massen‘ fallen aber per se die Verkehrsteilnehmer weg, die aus Westen und Süden bzw. aus dem Wieterviertels kommen: denn die biegen nach rechts (Neustadt) oder links (Mauerstr.) ab wie bisher. Für die hat sich auch nichts geändert oder neu bewährt!

Bleiben also die Ossis und die Nordis übrig, die in den guten alten Zeiten einfach nach rechts aus der Mauerstraße abbogen, um die letzten 50 Meter der Mühlenstraße hin zum Mühlentor zu folgen. Für die Zielrichtung ‚Ost‘ bietet sich jetzt nur noch an, der Mühlenstraße nach Süden zu folgen und dann die wunderschöne Ansicht von Holzhäuserstraße und Häuserstraße mitzunehmen, um nach Hause zu kommen. Wem das nicht reicht, der kann auch die touristisch wertvolle Route über Entenmarkt, Kalandshaus, Häuserstraße und Schaupenstiel wählen – die lassen nichts aus, um die Innenstadt zu beleben! Damit wird auf jeden Fall etwas mehr Verkehr in der Mühlenstraße produziert und die Anlieger der kleinen Kopfsteinpflasterstraßen freuen sich auch ungemein über den zusätzlichen Durchgangs-Besuch!

Bleiben also die Nordstädter bzw. die Gäste aus Richtung Einbeck/Seesen übrig: Die konnten einfach auf der Mühlenstraße aus dem Parkplatz heraus wenden (denn der Verkehr dort ist immer überschaubar gewesen) und auf kürzestem Weg retour fahren. Oder aus Neustadt bzw. Mauerstraße nach Norden abbiegen und raus! Und es soll auch kein Geheimnis bleiben: Zu dieser hocherfreuten Gruppe zähle ich mich dazu!

Komme ich jetzt aus der Mauerstraße (guter Parkplatz-Tipp!), dann darf ich in der Unteren Straße zusätzlich den Parkplatz des Altro Mondo kontrollieren, bevor ich in die Stubenstraße einbiege, um dann als Linksabbieger auf den Friedrich-Ebert-Wall zu gelangen und dann an der Mühlenkreuzung zu warten: sinnlose 250 Meter mehr Autoverkehr und Abgas! Und beim Linksabbiegen auf den Fr.-Ebert-Wall ist die Sicht eingeschränkt, oft noch weiter verschlechtert durch parkende PKW der Restaurant-Besucher.

Bin ich dagegen Kunde in der Neustadt, kann ich immerhin noch den Weg über die Stubenstraße nehmen – was aber immer das wenig erfreuliche Links-Abbiegen am Friedrich-Ebert-Wall beinhaltet. Aber in einer unnachahmlichen Art will man von Seiten der Stadt nun die Stubenstraße von der Fahrtrichtung umkehren, damit der ‚Abkürzungsverkehr‘ (ja, richtig gelesen: ‚abkürzen‘ ist unerwünscht!) diesen Weg nicht mehr findet. Dann würde man gezwungen, nach dem Einkauf bei Kniep mal eben zur Medenheimer Straße zu fahren, um via Ampelanlage an der Brikett-Bar dann zurück zur Mühlenkreuzung zu gelangen: ca. 300 Meter zusätzliche Fahrweg – Esso lässt danken und das Klima grüßen!

Was hat sich also bewährt? Die Nachteile der Besucher! Was hat sich verändert? Nichts! Und die Einrichtung eines gastronomischen Freisitzes oder der Zustand der Fahrradbügel hat mit der Verkehrsregelung absolut nicht zu tun – hier irgendetwas ableiten zu wollen, zeigt einmal mehr, dass nicht alle das kausale Verstehen verstehen…

Aber wenn es in den ‚Geheimakten‘ doch noch einen Kriterienkatalog gäbe, der vor und nach der Einführung empirisch gesichert bewertet worden sein sollte und aus den Ergebnissen dann eine positive Differenz ermittelt worden wäre, dann nehme ich natürlich alles zurück – versprochen, Ehrenwort!