Park der Generationen

Etikettenschwindel oder nur noch nicht fertig?

Eine neue gute Tat – der Park der Generationen wurde in den Wallanlagen erbaut – initiiert und gesponsort von Dr. Roy Kühne. Und beim Start im September 2017 wurde nicht mit großen Worten gespart:

„Die Erfahrung zeige, dass es nicht reiche, nur die Geräte hinzustellen, sondern es müsse auch ein Konzept dazu geben. Deshalb habe man auch das Institut für Sportwissenschaften der Universität Göttingen mit ins Boot geholt. Ziel sei es, ein pädagogisch-didaktisches Konzept für die Nutzung zu erstellen und diese auch wissenschaftlich auszuwerten. „Wir werden im Park der Generationen Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln, die für eine gesundheitsorientierte Stadtplanung der Kommunen zukunftsweisend sind“, betont der Vorstandsvorsitzende der AOK Niedersachsen Dr. Jürgen Peter die Bedeutung, die von der Northeimer Anlage ausgehen wird.“ (Zitat aus Leinetal24.de vom 4.9.2017)

Toll gebrüllt – und bei dem Wort Park stellen wir uns immer etwas großartiges vor – nicht zuletzt aufgrund der uns allen gemeinsamen Monopoly-Vergangenheit, in der Parkstraße und Schlossallee das Beste vom Besten waren. Nun dann: 2017 wurde zwar nichts mehr geschafft, aber etwas passierte im September des Folgejahres 2018: Gut Ding will Weile haben…

Und schließlich heute mein erster bewusster Blick auf die Anlage…da blieb mir schon die Spucke im Halse stecken – etwas armseligeres habe ich unter dieser Bezeichnung ‚Park der Generationen‘ noch nicht gesehen: 5 Geräte, lieblos in Reihe mit einem Gerät im Winkel aufgestellt, und mit irgendetwas wie Rindenmulch drumrum abgestreut. Fertig. Siehe Bild oben…(das 5.Gerät steht weiter links)

Da war ich ehrlich fertig. Etwas ähnliches mit Bewegungs-Sport-Geräten kannte ich wohl aus Büsum, nett gemacht mit Erklärungen in einem dafür abgegrenzten und gestalteten Bereich. Und meine Suche per Googlemat zeigte mir andere Städte mit ähnlich ansprechenden ‚Parks‘, was die Northeimer Tristesse eigentlich nur noch tristessiger machte. Das ist dann also eine Lösung, die „für eine gesundheitsorientierte Stadtplanung der Kommunen zukunftsweisend“ sein wird? Da sollte sich am besten schnell etwas im Boden auftun, damit der Sprecher umgehend darin versinken möge.

Übrigens sind auch hier die Prinzen (ja, die aus Leipsch..) mit im Spiel: „Alles nur geklaut“ war ja einer ihrer Top-Songs. Diesen Internet-Zeitungsausschnitt aus der HNA fand ich übrigens bei der Recherche:

 

Da hatten doch tatsächlich schon im Januar/Februar 2012 ein paar Schüler der BBS in einer Projektwoche die Idee eines generationenübergreifenden Bewegungsparks verfolgt… – ausgehend von einer Sonderseite in der HNA, die derartige Projekte vorgestellt hatte.

 

Mehr Stickoxid und Feinstaub in die Stadt!

Nun ist ja eine Fußgängerzone eine Fußgängerzone – und benötigt deshalb eigentlich keine Verkehrsschilder. Eigentlich und überall, aber nicht in der kleinen Stadt am Rande Niedersachsens, wo ein Stamm von Verwaltungsdarstellern tapfer die Vollbeschilderung aufrechterhält – und ausbaut!

Eine Komplettlösung mit Einbahnstraßenregelungen, Mehrbahnstraßenregelungen und Durchlass-Sperren ziert nun das ‚viel zu große‘ (wie mancher meint) Passanten-Reservat. Dabei trifft es im wesentlichen nun den Anlieferverkehr – und für den sollte nach meiner Ansicht nur eine Regel gelten: Auf dem kürzesten Weg rein, auf dem kürzestens Weg raus!

Bei der neuen Regelung wird nun aber jedem Fahrzeug eine kleine Rundreise durch und um Northeim herum verordnet, was zumindest in den Morgenstunden die gähnende Leere der Fußgängerzone kaschieren mag, aber auf jeden Fall den Schadstoffausstoß maximiert; vielleicht können wir dann endlich wie die großen Städte mal die Grenzwerte anknabbern!

Hilf- und Ideenlosigkeit wird Schild – so lautet wohl die Devise und hinterher kann man behaupten: Wir haben etwas getan! Wofür und wogegen, ist doch eher egal. Und wenn nachts die Raser durch die Zone brettern: Glaubt wirklich jemand, dass es den ‚Illegalen‘, nachdem sie schon einmal die Fußgängerzone befahren, noch irgendetwas ausmacht, eine von wem auch immer deklarierte Einbahnstraße in entgegengesetzter Richtung zu befahren? Das sind dann nur noch Petitessen….

Krank!

Schotter – mitten in der Stadt?

Ein Schotterplatz direkt im Herzen der Stadt – grau und grobkörnig: Wer kommt auf solche Ideen und wie findet man jemanden, der das auch noch gut findet. Die Antwort in Northeim ist einfach. Ein gewisser Herr Bredemeier, der angeblich das Bauamt der Stadt leitet und eine Frau Pavel, die angeblich irgendetwas mit dem Sanierungsbeitrat zu tun hat.

Die erste Reaktion meiner Frau war einfach, recht einfach: Krank. Krank ist die Idee, einen Innenstadt-Platz wie einen Wanderweg am Kiessee herzurichten. Einen Weg, den man nur mit Sport- oder Wanderschuhen betreten sollte, da jede Ledersohle binnen kurzem ruiniert wird – und über Stöckelschuhe bzw. High-Heels brauchen wir da überhaupt nicht zu räsonieren. Denen ist ja schon das Normal-Pflaster der Fußgängerzone angeblich nicht zuzumuten, was meiner Meinung nach völlig übertrieben ist: Erstens gibt es keine derartigen Schuh-Nutzerinnen in der Fußgängerzone, die das beweisen könnten, und zweitens hat auch das Gremium, das die Fördermillionen für die Innenstadtsanierung bewilligt hat, ganz richtig darauf hingewiesen, dass das Innenstadtpflaster keinesfalls sanierungsbedürftig sei und für Umgestaltungen kein Cent Fördergeld zugeschossen wird.

Was beweist uns denn nun die Idee des Innenstadt-Schotters? Einzig und allein, dass wie immer völlige Ideen-Freiheit im Bauamt herrscht und der Wille, eine Tendenz aus dem Tiefbauamt zu übernehmen, die alles rund um Northeim neu schottert. Aber nun nicht nur mehr rundum, sondern jetzt zentral, genauer zentral-öde. Ach ja: ein Provisorium soll es sein, aber das wird bei der herrschenden Konzept-Flaute – und die kennen wir nicht erst seit den letzten 2 Jahren, in denen das Projekt ‚Lebendige Innenstadt‘ ohne jegliche Ergebnisse verfolgt wird – von langer Lebensdauer sein.   Wenn wir das zulassen!

Nun ist leicht zu kritisieren – aber genauso leicht, einmal Ideen ins Spiel zu bringen, die zumindest die Diskussion – und damit die Zielfindung – bereichern können. Dazu muss man aber auch mal Denkblockaden benennen und die Gebetsmühlen stoppen, die das ewig gleiche herunterrattern. Die Northeimer Innenstadt ist keine verborgenen Perle, sie ist ein Patient auf der Intensivstation, bei dem schon etliche Organe ausgefallen sind – das ist die Lage angesichts der immer eklatanter auftretenden Leerstände.

Und die Wundermedizin ‚Tourismus‘, die immer wieder in der Gebetsmühle zitiert wird, ist auch nur pure Scharlatanerie, denn unsere Stadt ist zwar nett anzusehen, hat aber all ihre Reize nach einem ca. einstündigen Rundgang vollkommen ausgespielt. Und dass anschließend einer der Gäste im Bekanntenkreis erzählt: „Da MUSST du hin!“, ist doch wohl eher im Fabelkreis anzusiedeln. Der gesamte Landkreis Northeim ist nicht nur tourismusschwach, er ist sehr tourismusschwach; man sollte einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass die sowieso niedrigen Übernachtungszahlen zum großen Teil der Stadt Bad Gandersheim zu verdanken sind, wobei die Angehörigen der Kurgäste das Gros ausmachen.

Aber es gibt auch das andere Northeim, das mit Leben gefüllte Northeim, das nicht durch die Fernreisenden gefüllt wird, sondern durch die Anwohner des direkten Umlands! Die kommen aber nicht von selbst, werden nicht durch das Einkaufserlebnis des Normal-Alltags angezogen. Und eine Illusion sind ebenso die jungen Familien, die mit ihren Kindern die Innenstadt als Spiel- und Erlebnisraum in Massen heimsuchen – da gibt es wahrlich bessere Angebote!

Nein, das passiert immer dann, wenn Veranstaltungen zusätzliche Impulse in der Stadt setzen. Northeim als Event-City, wie man es neudeutsch bezeichnen könnte, das lockt das im Umland tatsächlich vorhandene Publikum in die Stadt. Wir brauchen einen bunten Strauß an regional verankerten Events, die das ganze Jahr über die Bewohner Südniedersachsens in die Stadt ziehen und hoffentlich dadurch auch wieder Kaufleute überzeugen, die die Leerstände zur Vergangenheit werden lassen. Und durch das erweiterte Angebot werden wieder mehr Leute angezogen…und so fort…

Wie man z.B. Veranstaltungen wie ‚Northeim isst gut‘ oder ein Stadtfest sterben lassen konnte – statt sie zu subventionieren – das kann ich nicht verstehen.

Womit wir wieder beim Münsterplatz wären: So etwas wie ‚Northeim isst gut‘ ist natürlich am besten zu bewerben, wenn es möglichst ohne Wetter-Beeinträchtigung im Freien durchzuführen wäre. Ist aber derzeit nur schwer möglich…

Deshalb meine Idee: der Münster wird zu ‚La Piazza Northeim‘. Ein Platz in der Innenstadt mit festem Pflaster (z.B. mit Belag wie im neuen Teil der Göttinger Fußgängerzone), der historisch gesehen einmal mit einem großen, natürlich überdachtem Bauwerk gefüllt werden sollte. Nun möchte ich nicht, dass hier ein Kirchen-Neubau geplant wird, wohl aber in gewisser Weise eine Überbauung stattfindet, die den Platz an fast allen Tagen des Jahres nutzbar macht. Rundherum eine Bebauung, die an Arkaden oder Pergolen erinnert und mit festen Übergängen zu St.Spiritus, der Stadthalle und dem St.-Blasien-Komplex bzw. der KSN/Eingang City-Center verbunden ist. In der Mitte ein freier Platz, die Piazza. Und diese Piazza sollte bei Bedarf ein mobiles Dach erhalten, wie man es heute schon aus diversen Stadien kennt, die bei Regen einfach verschlossen werden können. Eine feste Rumpfbühne am Westende minimiert den Aufwand für Freilicht-Konzerte oder andere Darbietungen. Für Veranstaltungen mit Bestuhlung sind die Sitzgelegenheiten in der Stadthalle gelagert und werden bei Bedarf problemlos – der Platz ist ja gepflastert und barrierefrei – auf der Piazza aufgestellt. Wenn keine Veranstaltungen geplant sind, können Teile der Fläche vom Stadthallenrestaurant und der Klosterschänke bewirtschaftet werden – und das mobile Dach, das am späteren Abend ebenfalls ausgefahren werden kann, reduziert dann den Geräuschpegel für die (wenigen) Bewohner des Platzes bzw. der Südseite der Breiten Straße.

Denkbar wäre auch, an der Süd- oder Westseite eine Zufahrt mit Parkmöglichkeiten für Kurzzeit-Parker anzubieten, die auch für Taxen und Eco-Busse optimal wäre. Wenn dann zum Schluss auch noch Besucher kämen, würde das Füllhorn des Glücks fast zum Überlaufen kommen….

Vielleicht ist das alles nur eine Phantasie, eine Vision: aber ohne die kommt man wahrscheinlich nicht weiter…und für Gestaltungsvorschläge gibt es sicher genügend Architektur-Büros, die aber ohne eine Zielformulierung, ohne eine Vision des Auftraggebers nicht tätig werden können bzw. sollten.