Home, sweet home

Am Lohgraben kann’s auch ganz gemütlich sein….

Da stehen sie nun bereit, die zeitgemäßen High-Tec-Unterkünfte für unsere Obdachlosen – fein aufgereiht auf dem Betriebshof der Friedhofsgärtnerei. Verkehrstechnisch äußerst vorteilhaft mit fußläufiger Anbindung an Bundes- und Wasserstrasse, Bahn und Flugplatz – wenn es denn benötigt wird.

Leider ist mir nicht bekannt, ob das offensiv aufgestellte DIXI-Klo nur Kunst am Bau sein soll oder die Latrinen-Infrastruktur der Behelfsunterkunft ist. Sollte es tatsächlich für die Notdurft vorgesehen sein, würden mir für die Erfahrungsberichte der Nutzer schon prima Buch-Titel einfallen: ‚Zwei Jahre auf Du und Du mit DIXI‘, ‚Das Plumpsklo über’n Hof‘ oder ganz einfach ‚Harter Stuhlgang‘.

Nun kennen alle diese niedlichen Plastikboxen von Rockkonzerten im Freien oder Volksfesten – und die Mai-Sonne scheint auch ganz friedlich auf das kleine Container-Ensemble. Aber lassen wir es mal Februar werden, morgens um 7:00 Uhr und dann der Weg ins Freie zum vereisten Plastikhäuschen…da bekommt der dritte Titelvorschlag doch schon eine ganz andere Bedeutung…

Was ich leider noch nicht gehört habe: wann die Spitzen der Verwaltung,  evtl. begleitet von den Vertretern der Northeimer Lokal-Polletick und der christlichen Kirchen, ein Probewohnen am Lohgraben eingeplant haben, damit sie anschließend – basierend auf eigener Erfahrung – das Loblied der angemessenen Unterbringung der Obdachlosen vortragen können.

 

Das kost‘ nix, das zahlt ja der Staat!

Preisvergleiche macht jeder – wer nimmt nicht gern seinen Joghurt für 0,39 statt 0,59 Euro mit? Bei höheren Beträgen ist das scheinbar nicht immer so einfach.

Und nun fallen die Johanniter aus dem Rahmen: In Edesheim ein KiTa-Neubau mit 40 Plätzen für 740.000 Euro – sofort nach Vertragsabschluss mit der Stadt von einer Organisation präsentiert, die nicht erst in den Gelben Seiten suchen muss. Kosten pro Platz mithin ca. 18.000 Euro (inkl. Einrichtung).

Ein Schelm, wer sich da nicht an den Krippen-Neubau in den Wallanlagen erinnert – ist ja erst 2 Monate her: dort sollen 15 Plätze entstehen in einem Bau, der absolut nicht erweiterungsfähig ist und aus meiner Sicht durch eine Barackenarchitektur mit JVA-Außenansicht das Stadtbild und die historischen Wall-Anlagen verschandelt. Plankosten derzeit 600.000 Euro, also 40.000 Euro je Platz. Wer möchte mir den 100%-Unterschied unter dem Gesichtspunkt des sparsamen Umgangs mit öffentlichen Mitteln einmal erklären?

Aber es kommt noch besser: dann ziehen die gleichen Johanniter zusammen mit Wohnen in Northeim noch einen Trumpf aus dem Ärmel: Sie wollen 55 KiTa-Plätze schaffen – keine 500 Meter von der Wall-Krippe entfernt auf dem ehemaligen Krankenhausgelände – mit einem städtischen Zuschuss von ca. 350.000 Euro. Angesichts des 300.000-Euro-Zuschusses für die 15 Plätze am Wall haben wir hier den Unterschied von 20.000 Euro/Platz gegenüber 7000 Euro/Platz.

Ein vernünftiger Konsument wüsste unmittelbar, was angesichts dieses Preisvergleichs zu tun wäre. Und unsere ‚Polletick‘? Fehlanzeige. Stattdessen wird die zukunftsorientierte Planung auf die lange Bank geschoben. Mein Ratschlag: Aufwachen, den Unsinn im Wall stoppen und mit Energie und Tempo die Pläne der Johanniter/Wohnen in Northeim unterstützen – das wäre ein gutes Zeichen für den treuhänderischen Umgang mit Steuergeldern!  Das Bessere war schon immer der Feind des Guten bzw. des ‚Nur-Gut-Gemeinten‘.

(Die Langfassung meines Leserbriefes vom 16.5.17 in der HNA)

Hölle, Hölle, Hölle….

Schulz gibt Wolle…

Landtagswahl S-H+1: Martin Scholz gibt sich nicht ‚betroffen‘, nein! Er ‚ärgert sich höllisch‘! Augen wischen, nochmal lesen – ‚höllisch‘? Da kommt nun ein ganz neuer Aspekt des (allzu-)braven Euro-Bürokraten zum Vorschein: das DÄMONISCHE. Was will er dem geneigten Wahl-Volk damit sagen?

Oder stellt er sich dem Beelzebub nun auch als ‚Erlöser‘ entgegen? Das ginge sicher zu weit und wäre mit den sozialdemokratischen Tugenden nicht so ohne weiteres in Einklang zu bringen – wobei diese Rolle sowieso schon seit längerem mit Willy Brandt besetzt ist.

Ich denke, wir sollten die Augen aufhalten, ob/wann wir das erste Freundschaftsbändchen unter der Hemd-Manschette entdecken – hier bahnt sich das Einschwenken auf die Success-Story eines anderen Lebens an: ‚Hölle, Hölle, Hölle‚ – damit brachte Wolfgang Remling alias Wolle Petry auch die weiß-blau-schwarzen Bierzelte zum Toben und Mitsingen.

Und der Fundus von Wolle bietet für die nächste Zeit eigentlich alles, was er sonst noch als Wahlkampfstoff benötigt, z.B. für die die Ansprache unserer Eisernen Kanzlerin: ‚Du bist ein wunder….‘ – da singen schon alle mit  und lassen auch die Fortsetzung der Liedzeile nicht aus: ‚…ein wunder Punkt in meinem Leben!‚.

Und er kann sich auch ganz in Wolles Sinn erinnern: ‚Mein Zuhaus, das liegt heut ganz am Ende der Zeit, zwischen Bergen und Meer, tausend Träume von hier…‚. Und der Blick in die Augen der Wähler wird mit einem Ultimatum verknüpft: ‚Ganz oder gar nicht, gehen oder bleiben. Ganz oder gar nicht, du musst dich entscheiden. Weil ich dich liebe, will ich‘s auch wissen...‘.

Und falls es nicht klappen sollte, sind die Texte für die Elefantenrunde auch schon vorbereitet/abgekupfert: ‚Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle (sic!!!), eiskalt lässt du meine Seele erfriern; das ist Wahnsinn, du spielst mit meinen Gefühlen und mein Stolz liegt schon längst auf dem Müll…‚.

Eventuell kann er auch die Tierwelt und die Liebe mit heranziehen: ‚Weiß der Geier oder weiß er nicht…‘. Er habe immer den geraden Weg gesucht: ‚Augen zu und durch. Schluss, aus und vorbei, im Leben geht so viel entzwei….‘.

Ja, möglicherweise kann es so kommen, wenn man den sicheren Brüsseler Olymp verlässt und mit der Realität kuscheln will. Das Fazit hat Kumpel Wolle auch schon vorgedichtet: ‚Der Himmel brennt, die Engel fliehn. Wir sind durch Rauch und Feuer getrennt. Ich sitze hier und schau dir nach und werde warten, bis ich verbrenn‘. Nunja, Scheiterhaufen haben wir inzwischen löblicherweise abgeschafft – aber immer noch können Brandspuren auf unseren empfindlichen und empfindsamen Seelen nicht ausgeschlossen werden.

Rise and Fall, wir kennen’s aus der Römischen Geschichte und von Wolle Petry – und der war sicher nicht der/die letzte, der/die das erfahren musste…

Und wenn’s anders kommt? Keine Sorge, dafür habe ich dann noch Freddy Quinn in der Hinterhand: ‚Junge, komm bald wieder….‘.

Die Johanniter mischen auf

 

Nachdem die Johanniter den Zuschlag für den Betrieb von Kindertagesstätten in Edesheim/Hohnstedt erhalten haben, knieen sie sich so richtig in die Northeimer Betreuungssituation rein. Statt nur die anvertrauten KiTas zu betreiben, bringen sie einen ganz frischen Wind in die Szene – und wahrscheinlich fragt sich schon mancher Befürworter in Rat und Verwaltung, ob man hier nicht einen Fehler gemacht haben könnte.

Schon kurz nach Vertragsschluss präsentierten sie den fertigen Entwurf eines Neubaus in Edesheim mit 40 Plätzen (15 Krippe/25 KiGa) – kein Wunder, wenn man auf diesem Gebiet Profi ist und fertige Vorlagen im Portfolio hat. Die geschätzten Kosten incl. Einrichtung werden von den Johannitern auf 700-750 TEuro taxiert, mithin ca. 17-18 TEuro je Betreuungsplatz.

Ein Schelm, wer nun an die neue Krippe im Wall denkt, mit der die Stadtverwaltung  für ca. 600 TEuro 15 Plätze bereitstellen wird – mithin kosten diese Plätze 40 TEuro je Platz und das ohne jede Aussicht auf irgendeine Erweiterungsmöglichkeit, die diese Kosten in der Gesamtsicht senken könnten.

Wie sind diese Kostenunterschiede zu erklären? Wie ist diese Planung unter Berücksichtigung des Grundsatzes der sparsamen Verwendung von öffentlichen Mitteln überhaupt akzeptierbar?

Umso mehr als ebendiese Johanniter nun in Zusammenarbeit mit Wohnen in Northeim eine weitere Planung auf dem ehemaligen Krankenhausgelände – nur wenige 100 Meter entfernt! – vorgestellt haben, die die Betreuungssituation zukunftsorientiert aufgreift: 30 zusätzliche Krippenplätze und 25 zusätzliche KiGa-Plätze, die bereits nächstes Jahr zur Verfügung stehen könnten. Ja, ‚könnten‘ ist der richtige Ausdruck, da diese Planung erst einmal in aller Ruhe von Verwaltung und Ausschüssen geprüft werden muss – mithin erst einmal auf der mittellangen Bank landet.

Für diese Plätze in einem Multi-Funktionshaus soll die Stadt einen Zuschuss von ca. 345 Teuro leisten (Krippe Wall: 300 Teuro). Wenn man eine ca. 50%ige Förderung unterstellt, lägen diese Plätze bei einem Kostenrahmen von 15 Teuro. Bezogen auf die Fördersummen: Wall 20.000/Platz, Sturmbäume 7.000/Platz. Noch Fragen?

Warum stoppt der Stadtrat nicht sofort den Hochpreis-Bau im Wall und unterstützt das WiN-Projekt, das ggf. auch noch um eine weitere Krippengruppe erweiterbar wäre, da am ehemaligen Krankenhausgelände Platz zu Verfügung steht? Die historischen Wallanlagen und die Stadtkasse wären die Gewinner! Und nicht zuletzt die Kinder, die dann nicht mehr aus dem Betreuungsraum heraus direkt gegen den Stadtwall gucken müssen.

Noch ist es nicht zu spät, zu zeigen, dass man auch lernen kann und Beschlüsse wieder zurücknimmt: Das Bessere ist immer der Feind des Guten! Und die Trotzkopf-Lösung – koste es, was es wolle -, die an ähnlicher Stelle erfolgen musste, nachdem Ratsherr Ilsemann dem Bauherrn die Kantorenhaus-Suppe verdorben hatte, sollte schon bald Historie sein. Dass zudem die Barackenarchitektur der geplanten Krippe weder an den Kirchplatz noch in die Wallanlagen passt, interessiert scheinbar niemanden; im Gegenteil wird vom Stadtbaurat noch eine Rechtfertigung des Bau-Fremdkörpers nachgeliefert, die auf den §34 BauGB aufbaut, der in unbeplanten Bereichen Bauten zulässt, die sich in das Ortsbild einfügen. Wie sich die Baracke in ein Bild mit Kirche, Parkplatz, Pissoir, Stadtmauer und Feuerwache/Theater der Nacht einfügt, wird zumindest mir nicht transparent! Also: Hände weg – und mit Tempo auf zu den Sturmbäumen!

 

Die rechte und die linke Hand…

…wissen manchmal nicht voneinander, was sie tun…

Die letzte Sitzung des Bau-Ausschusses brachte doch noch einen Hoffnungsschimmer in die Lokalpolitik: Während in einer geheimen – korrekt: nicht-öffentlichen – Sitzung des Verwaltungsausschusses der Containerstandort für das Obdachlosenasyl am Eschenschlag stiekum abgesegnet wurde, hat die gleiche politische Mehrheit im öffentlichen Bau-Ausschuss im Beisein etlicher Bürger die dafür nötige B-Plan-Änderung einstimmig abgelehnt. Das mag jeder werten wie er will, es ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen für die Demokratie – auch wenn der Bürgermeister sich nun überlegen muss, ob er weiterhin den Rat großmütig für seine ‚gute Zusammenarbeit‘ loben kann (was für ein Kontrollorgan, wie es der Rat eigentlich darstellt, auch nur als vergiftetes Kompliment verstanden werden kann).

Aber nun ist es an der Zeit, die starrsinnige und nicht nachvollziehbare Haltung und Hektik der Stadtverwaltung in andere Bahnen zu lenken. Die Sammelunterkunft hat zwei Probleme: intern entstehen (lt. Bericht der HNA) die meisten Konflikte der Bewohner gerade durch die Nähe/Enge in der Gemeinschaftsunterkunft und extern werden sich in jeder Ecke der Stadt die Anwohner zunächst gegen die Ansiedlung des alten/neuen Heims wehren, da es nicht zur Aufwertung ihrer Wohnlage beitragen wird.

Zielführend kann nur sein, die Obdachlosen in Einzelwohnungen oder ins 2er-/3er-Wohngemeinschaften zu verteilen, womit beide Hauptprobleme umgangen werden können. Vielleicht sollte man sich bei Dr. Heuer von der Kreisverwaltung Rat holen, der in ähnlicher Lage für die Unterbringung der Flüchtlinge kategorisch Containerlager und Sammelunterkünfte ablehnte – und damit Erfolg gehabt hat!