Wo wohnt der Liebe Gott?

….möglicherweise in Northeim?

Gottes Mühlen mahlen langsam. So heißt es. Dann könnten Sie wohl in Northeim am Scharnhorstplatz stehen, neben des alten Herrn Quartier. Denn langsam und umständlich und unverständlich geht es auch in der Stadtverwaltung zu, nachdem Ende August  in der Northeimer Finkenstraße Parkplätze entstehen und verschwinden – und 11.000 Euro gleich mit durch den Schornstein wandern…

Beschäftigt damit war ein externes Bauunternehmen und es wurde von Politik/Bürgern/Presse gefragt, wie das geschehen konnte. Ohne Antwort, aber zwei Monate später eine Angelegenheit der Staatsanwaltschaft und weitere drei Monate später wird nun eine Anklage geprüft.

Was kann passiert sein? Wie ist das dokumentiert? Eine externe Firma wird nicht ohne Auftrag tätig. Ein Auftrag trägt eine Unterschrift (oder nach dem Vier-Augen-Prinzip zwei Unterschriften)  von Unterzeichnungsberechtigten. Grundlage dieses Auftrags ist eine Verwaltungshandlung, für die ein Mitarbeiter verantwortlich zeichnet ggf. nach Absegnung durch die Budgetkontrolle.

Nun liegen – nach 5 Monaten! – umfangreichen Einlassungen von Anwälten zweier Mitarbeiter vor, die von der Staatsanwaltschaft geprüft werden. Dies ist aber nur – on top – der strafrechtliche Aspekt, der geprüft wird. Wie aber wird denn nun der Verwaltungsakt von der Verwaltung selbst eingeschätzt?

Fehler und Irrtümer können jedem passieren – aber da erwarten wir wie im richtigen Leben, dass jemand sich zu der Verantwortung bekennt und ggf. die Folgen trägt. Und da sind fünf Monate Schweigen in und aus der Verwaltung kein akzeptables Verhalten – in der Öffentlichkeit entsteht so der Eindruck von falschem Corpsgeist und Vertuschen statt offener Kommunikation über Leistungen und auch Fehlleistungen der Verwaltung.

Diese Informationen bräuchten wir eher als ‚launige‘ Vorträge über Rat, Verwaltung und Paar-Therapie im Allgemeinen und im Speziellen beim Sebastians-Schmaus! Man kommt sich vor wie in einem Sextaner-Klassenraum nach einem Schülerstreich: der Lehrer fordert den Verursacher auf, sich zu melden und alle Schüler stehen schweigend da, den Kopf leicht nach oben geneigt und die Hände hinter dem Rücken verschränkt…

 

 

Wenn die Guten das Gute wollen…

…gibt es für sie die gleichen Regeln wie für die anderen.

Es ist ja ein Scherbenhaufen: da hat der böse Räuber Ilsegrimm den Guten das Spielzeughaus weggenommen, das die Kantoren-Ruine ersetzen sollte (‚marode‘ heißt das ja im Northeimer Polit-Jargon). Und nun haben sie die geplante Kinderkrippe und wissen nicht wohin; und zudem hat man dem Rats-Kasper  gerade die Pritsche/Klatsche versteckt, sodass er gegen Räuber und Krokodile völlig wehrlos ist….

Da schaut man halt vom Kirchturm und sucht den nächsten freien Fleck. Da ist doch noch eine (historische) Wallanlage, die man in Notzeiten verbrauchen kann! An der gleichen Stadtmauer-Seite hat man immerhin schon eine Feuerwache (heute TdN – und ein Gewinn für das Gesamtbild!), ein Krankenhaus (heute schöne Seniorenwohnungen mit einem Groß-Öd-Parkplatz incl. Trafo-Haus) und eine Bedürfnisanstalt (geschlossen, evtl. auch marode?) platziert, da geht noch was.

Bebauungsplan? Kein Problem, kann man immer ändern! Da ist schließlich schon ein Kinderspielplatz und der Unterschied zu einem Flachbau in Containerdorf-Ästhetik ist doch minimal! Wenn mit der gleichen Gelassenheit auch Hinterlieger-Bebauungen in Höckelheim abgehandelt würden, wäre insgesamt ein Fortschritt im Northeimer Rat zu verzeichnen.

Welch Sinneswandel! Da kann ich mich noch deutlich an den Sturm im Wasserglas erinnern, den Rat und Verwaltung anzettelten, als 2009 die Baupläne für eine Brand-Baulücke in der Hagenstraße blockiert wurden, da durch den Neubau der Gesamteindruck des Straßenensembles leiden würde: damals ging es um Zentimeter, die die historisch und architektonisch versierten Ratsherren samt Bauverwaltung schockierten. Das Ende vom Lied war dann ein Ukas aus Hannover, alles so wie vorgelegt zu genehmigen…

Da drängt sich mir doch der Eindruck von zweierlei Maß auf, vor allem mit Blick auf die Kinderzeichnung, aufgrund derer die Verhandlungen geführt werden. Das ist kein zweites Theater der Nacht, auch wenn ein verzweifelter Kirchturm-Kopie-Gimmick den Eingangsbereich ‚verschönern‘ soll. Und die angebotene Hilfe der Theaterleute bei der Gestaltung kann ich nur als ästethische Selbstschutzmaßnahme verstehen.

Ich kann mich nicht wirklich entscheiden, was mich an dieser Planung mehr entsetzt – die Willfährigkeit des Rates und der Verwaltung, die sonst immer oberste Hüter des Bewahrens sind (und der kleine Brauereischatzzzzz wird als Morgengabe noch dazugegeben) oder die geschmackliche Legasthenie, mit der ein derartiges Gebäude-Klötzchen in die intakte Wallanlage gepackt werden soll.

PS I: Warum schweift der Blick in die Wallanlage? Ich kann noch kürzer schauen auf der Suche nach einem Bauplatz – z.B. auf den Parkplatz des Gemeindehauses/der Oase, der mir nicht sonderlich schützenswert vorkommt: Hinterliegerbebauung am Sixti-Gemeindehaus in einer erschlossenen Straße mit möglichen baulichen Synergieeffekten wäre auch möglich – die Fläche gibt es her. Aber dann müssten die Mitarbeiter womöglich oben auf der Straße parken…

Und ein anderer alternativer Ort: neben dem Kantorenhaus, wo heute einfach ein paar dröge Parkplätze vorhanden sind. Parkplätze an den Wall und Neubau zwischen Kantorenhaus und Theater der Nacht – den Bebauungsplan kann man auch ändern.

PS II: in gleichem Atemzug lese ich übrigens vom Schicksal der derzeit 14 Obdachlosen, die in einem ‚maroden‘ Gebäude unter Lebensgefahr hausen,  da die Brandschutzauflagen nicht erfüllt sind. Die könnte man auch in der geplanten ‚Baracke‘ in den Wallanlagen unterbringen; tauschen wir doch mal Krippe gegen Obdachlosenwohnheim in der Diskussion – den Unterschied in der dann folgenden Beratung könnte man vorhersehen  – ohne Prophet zu sein.

PS III: Ich weiß, dass man nicht zwei (bedürftige) Gruppen gegeneinander in dieser Form ausspielt – darum geht es hier auch nicht: hier geht es nur um diejenigen, die an entscheidender Stelle die Weichen stellen sollen/wollen – zu wessen Zufriedenheit auch immer.

 

 

 

Eco! Eco! Eco!

oder: Ecce homo! HNA-Interview mit Prof. Herminghaus (23.1.17)

Was für ein Segen: der Eco-Bus kommt und alle freuen sich wie die Kinder am 24.Dezember, die nachts vom Sack voller Geschenke geträumt haben! Und allen voran unsere wackeren Volksvertreter:

– Öffentlicher Nahverkehr für jeden – ja!
– Öffentlicher Nahverkehr zu jeder Zeit – jaa!
– Nahverkehr von Tür zu Tür – jaaa!
– Mit einer besseren Ökobilanz als Individualverkehr – jaaaa!
– Mit geringerem Zuschuss der Gemeinden – jaaaaa!
– Mit sozial ausgewogenen Fahrpreisen für alle – jaaaaaa!

Und diese neue Heilslehre (Heilsleere?) kommt mit akademischem Ritterschlag direkt vom MPI: das kann nur gut werden – und die glauben auch wirklich selbst dran, denn sie haben ja schon Erfahrung mit Staubildung auf der Autobahn, Organisation von Regentropfen in einer Gewitterwolke und Verteilung von Menschenmassen in Städten wie München und Shanghai! Und nun Landkreis Northeim…

Und an Superlativen wird nicht gespart: der Nahverkehr wird revolutioniert, der Individualverkehr eingedämmt (hoffentlich weiß der das schon…) und alle, ja wirklich alle (Verkehrsverbund, Gemeinden, Landkreis, Busunternehmen, Taxis) ziehen an einem Strang. Das System sei intelligent (mir würde effektiv wirklich schon reichen, Großer Bruder..) und reagiere augenblicklich auf neue Anforderungen, wobei der Mensch mit seinem Bedarf im Vordergrund stehe statt eines festgezurrten Fahrplans – allerdings wohl nur, wenn er auch über das richtige Smartphone mit der richtigen Äpp verfüge…

Der einzige Wermutstropfen: so genau weiß man eigentlich nichts, denn zuerst müsse in 2018 eine Testphase mit Kleinbussen laufen, damit man aus den Erfahrungen lernen kann – und die liefen ja nur so mit und hätten natürlich keinen Einfluss auf den Linien-Nahverkehr.

Nun glaube ich ja auch an das Gute im Menschen und unterstelle den MPI’lern lautere Ziele, aber diese Versprechen tendieren für mich Richtung ‚Glaubensbekenntnis‘ und nicht Richtung ‚Lasten- oder Pflichtenheft‘. Aber bei den öffentlichen Kassen scheinen die Fördertöpfe wohl eher bei Visionen zu sprudeln – es geht ja schließlich um das Makro-Ziel ‚Eco‘. Da simmer dabei, das ist priiima! Einsatz? Schlappe 94.000 Euro in den nächsten beiden Jahren – allein vom Landkreis Northeim.

Und dann bekommt der Plan auch ein Gesicht: Prof. Herminghaus referiert über Phasenübergänge, wobei der Übergang rentabel-unrentabel so ähnlich sei wie fest-flüssig-gasförmig. Bislang seien leider alle Rufbus-Systeme unrentabel, aber es müsse einen Übergang geben: wann und wie der zu bestimmen sei? Dazu fehle aber eine Menge an Grundlagenforschung, aber dafür seien sie ja da. Die Heterogenität sei eine große Herausforderung, der man sich mit analytischer Theorie, numerischer Methodik und Testfahrten stellen wolle. Wenn man denn erste Erfahrungen hätte sammeln können, „geht die Forschung erst recht los..“. Die Daten würden „interessante wissenschaftliche Fragestellungen aufwerfen“. Die Frage nach ähnlichen Projekten fällt etwas ausweichend aus: Es sei eine Untersuchung wie emergenter Phänomene entstehen und sich verhalten, so wie Tröpfchen in einer Turbulenz, Nervenimpulse bei der Gedankenbildung und Stare beim Vogelflug. Und ähnlich müsste es auch bei Verkehrsteilnehmern und Verkehrssytemen sein, auch wenn man das nicht sicher vorausahnen kann. Er glaube, dass hier universelle Gesetzmäßigkeiten am Werke wären, „die wir noch nicht verstanden haben“. Verstehe ich das richtig? Da gibt es also noch nichts wirklich konkretes, aber viel, viel guten Forscherwillen? Oder hat der Redakteur und Interviewer alles nur halb und teilfalsch verstanden?

Stellen wir uns doch mal etwas blöd und einfältig und folgen nicht dem Spaziergang in Forscherhöhen: Das ganze Unternehmen hat doch keinen wissenschaftlichen Zweck; es geht doch darum, dass Menschen zu bestimmten Zeiten für bestimmte Erledigungen oder Vergnügungen von A nach B kommen, auch wenn sie kein Individual-Gefährt nutzen  wollen oder können. Das kann auch heute jeder – sofern er in der Lage und bereit ist, das Taxi-Entgelt zu bezahlen und ggf. auf die Verfügbarkeit zu warten.

Wenn ich dann aber eine eierlegende Wollmichsau verspreche, dann muss ich doch konkrete Situationen vor Augen haben, für die ich Abhilfe verspreche. Für wen, was und wo brauche ich das Eco-Ruf-Bus-System?
Die wichtigsten Fragen:
– Welche Zielgruppen habe ich im Sinn?
– Wieviele Personen werden in Summe den Service nutzen?
– Zu welchen Zeiten muss ich den Service anbieten?
– Wird alles Punkt-zu-Punkt bedient oder muss ich umsteigen?
– Wie hoch wird der angestrebte Kilometerpreis sein?
– Wie hoch wird der Fahrpreis subventioniert?
– Woher kommen die zusätzlichen Busfahrer – ein Beruf mit ungünstigsten Arbeitszeiten?
– Welche Vorlaufzeit muss eine Fahrtbestellung haben?
– Wie kurzfristig ist ein Storno möglich?
– Wie reagiert das System auf Engpässe/Baustellen/Unfälle?
– Wie sieht der Schadensersatz bei Unpünktlichkeit aus?
– Wie kann ich den Service ohne Smartphone-App nutzen?
(PS: heben die MPI’ler schon einmal gesehen, welche Schwierigkeiten ältere Menschen mit der Smartphone-Bedienung haben? Wenn sie es überhaupt bedienen können…)
– Wenn ich Taxis und Busse mit einbeziehe: wie läuft der Datenaustausch und wie werden dann Prioritäten gesetzt, wenn konkurrierend Aufträge eingehen von Direktkunden und Rufbus-Anforderungen?

Zu all diesen Fragen muss es mehr als ein ‚Das-lösen-wir-dann‘ geben, hier muss ein gewisses Qualitätslevel definiert werden, das notwendig ist, um überhaupt Menschen für die Nutzung zu gewinnen. Ansonsten heißt das Spiel nämlich ‚Geldverbrennen‘ – aber für einen guten Zweck!

 

Der neue Trend im Golf – CTAA!

CBA war gestern, aber was kommt morgen?
Christians Ballgefüster No. I – ein Original aus den 2015er-Jahren, als es noch CBA gab – erinnert sich daran noch jemand???

Wichtige Dinge passieren in der Welt und im Golfclubclub, aber auf der Terrasse an Tisch 20 werden sie endgültig diskutiert und bewertet….

„Schon wieder ein Turnier mit CBA – und dabei war das Wetter ohne Fehl und Tadel: nur gut, dass nächstes Jahr Schluss ist!“ Hölzchen-Ulli ärgerte sich offensichtlich deshalb am meisten, weil sein Dauer-Konkurrent Frido, der gerade am Nebentisch die dritte Runde schmiss, heute hcp-mäßig an ihm vorbeigezogen war. „Genau!“ Unser Studienrat Walter assistierte prompt. „Da regiert doch nur Kollege Z. – statistisch-stochastisch ist das der reine Zufall, egal ob man das mit Chi-Quadrat-, G- oder Kolmogorow-Smirnow-Test überprüft!“ Ebenfalls nur aus Zufall fingen hier einige Augenpaare an, sich zu drehen und sanft in den Himmel abzugleiten…

„Ob Zufall oder nicht: das ist vor allem eine Frage der Gerechtigkeit – und die Abschaffung ist ein Schritt dahin!“ Der lange Ulf hatte die Gelegenheit ergriffen, um auf SEIN Lieblingsthema überzuleiten. „….und selbstverständlich müssen dann auch einmal die anderen Wettbewerbsverzerrungen auf den Tisch!! Zeitgleich landete natürlich seine Faust auf der Tischplatte von Nr. 20: „Ich sage nur: E-Cart-Fahrer!“.

Frido – ein bekennender E-Cart-Fahrer – bestellte gerade die vierte Runde ob seines glänzenden Ergebnisses. Das war der Einsatz für Hölzchen-Ulli: „Wir starten eine neue Gerechtigkeits-Initiative! CTAA: Competition Technical Aids Adjustment – wer Hilfsmittel nutzt, muss dann mehr als 36 für die Verbesserung spielen: Bag-Träger = 36, Trolley-Zieher = 37, E-Trolley-Gezogener = 38, Leute mit persönlichem Caddie = 39, E-Cart-Chauffeure = 40 Punkte. Das wär mal eine ursachengerechte Ergebnisanpassung!“

Ja, so werden große Ideen geboren und so wird das Ideal der Gerechtigkeit zielstrebig verfolgt…wenn es doch nur mehr Tische mit der Nummer 20 auf der Welt gäbe, denn da werden alle Fragen zwischen Himmel und Erde angegangen und gelöst…