Lemminge im Kreishaus

Ein neuer Radweg, ein Verbindungsweg: Jubel im Ausschuss, 100% Zustimmung der Kreistagsmitglieder, 4,5 Millionen für den ‚Rohbau‘ eines Radwegs durch den Solling, Folgekosten egal….Benutzerfrequenzen noch völlig egaler…Die Lemminge stürzen in das Meer der gnadenlosen Ja-Sager….

Ich hatte dazu einige Fragen, die vom Kreistagsbüro beantwortet wurden im Namen der Landrätin. Die Fragen und Antworten in Anhang 1. Das Ergebnis für mich: stark unbefriedigend und der Eindruck, dass hier ein blanker Aktionismus stattfindet ohne Rücksicht auf tatsächliche Notwendigkeiten. Aber lest selbst:

Offener Brief
An
Fr. Astrid Klinkert Kittel, Landrätin
Kreishaus
37154 Northeim

Sehr geehrte Frau Landrätin Klinkert-Kittel,

vielen Dank für Ihre Ausführungen zu meinen Fragen anlässlich der Kreistagssitzung vom 8.7.2020, die ich am 15.7. von Ihrem Kreistagsbüro erhielt. Im Verlauf der Lektüre Ihrer Antwort ist mir eines spontan eingefallen: es gibt scheinbar bei diesem Thema (und anderen) eine Wirklichkeit, die Bürger in ihrem Lebens-Umfeld erfahren, und eine Verwaltungswirklichkeit.

Lassen Sie mich das an zwei Punkten festmachen: Die Kosten des Gutachtens spielen sie auf 2Teuro herunter, obwohl das Gutachten ca. 30 Teuro gekostet hat. Uns als Steuerzahler interessiert es dagegen nicht, welche Kasse wieviel beigesteuert hat und ob etwas aus der EU-Kasse oder den Gemeindekassen kommt: Jeder Cent davon kommt aus unseren Steuerbeiträgen und wir erwarten zu Recht, dass diese Gelder nicht für sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen ausgegeben werden.

Dazu kommt eine Gutachten-Gläubigkeit, die ich nicht nachvollziehen kann: Da wird ein 10 Jahre altes Tourismus-Gutachten hervorgezogen, das wohl folgenlos in der Schublade geschlummert hat. Falls es eine Evaluation gegeben hätte (nach 10 Jahren wohl mehr als überfällig), wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir verraten würde, wo diese zu finden sei.
Dieses Gutachten, das den Anschluss von entfernteren Gemeinden an ein gut frequentiertes Fernradwegnetz in Betracht zieht, ist aber hier völlig irreführend, da es im Solling keinen stark frequentierten Fernradweg gibt. Und der geplante Weg hat das auch nicht vor, sondern will einfach nur die Hauptorte Bodenfelde, Volpriehausen, Hardegsen und Nörten verbinden. Eine Verbindung, die es übrigens schon gibt und die bereits im Jahre 2001 von Meinolf Ziebart (ADFC) in einem Brief an den Landkreis gelobt wird – bis auf die Beschilderung (zitiert im Anhang).

Und im Fall des aktuellen Gutachtens, dass für eine mittlere Großstadt mit ‚Speckgürtel‘, wo im Zentrum Einzelhandel und Verwaltung geballt zu finden sind (Braunschweig kommt diesem Bild sehr nahe), sicher passen könnte, werden Schlagworte übernommen, die auf die konkrete Situation einfach nicht passen: Für den ÖPNV braucht es in dem kleinteiligen Abschnitt von ca. 40 km zwischen Bodenfelde und Nörten keine Ladeinfrastruktur, da E-Bikes über Reichweiten von ca. 80-100 Kilometer verfügen; an welche Massen von Menschen denken Sie, die mit E-Bikes zum (Bus-) Bahnhof in Uslar oder Hardegsen strömen und dort Abstellplätze suchen?
Fahre ich nach Hardegsen mit dem E-Bike, um dann in den Zug nach Northeim oder den Bus nach Nörten oder Göttingen zu nehmen? Und in Göttingen dann mit dem Stadtbus zu Sartorius oder in den Bereiche Uni Nord zu fahren? Da fährt der geneigte E-Biker direkt doch einfacher und schneller direkt dahin, wo er arbeitet. Oder nimmt sein Rad in der Bahn schlichtweg mit. Und wenn doch: über welche Anzahl von Berufspendlern reden wir da überhaupt? Wo und in welchen Frequenzen stellen Sie sich welche Personen vor, die welche ‚Multimodalitäten‘ nutzen? Ich bitte um Beispiele, da meine Phantasie dort nicht ausreicht.  

Ihrer Antwort nach haben Sie sich über die realistisch zu erwartenden Nutzer sowohl aus dem touristischen als auch aus dem Pendlerbereich keinerlei Gedanken gemacht bzw. sich auch nicht bemüht. diese Zahlen durch empirische Verfahren abzusichern. Das ist so, als ob ich an einem bestimmten Platz ein Haus bauen würde, aber mich vorher nicht darum kümmere, ob die Parzelle nicht doch eine Moorlandschaft sei oder an einem Steilhang läge. Es geht ja nur um 4,5 und mehr Millionen Euro. Dazu passt natürlich, dass auch eine Folgekostenabschätzung fehlt. Das ist Blauäugigkeit, die im privaten Bereich niemals durchkommen wird, scheint aber tolerabel, wenn es um die anvertrauten Steuergelder geht. Da wären wir wieder beim ersten Punkt…

Überrascht hat mich darüber hinaus, dass Sie meinen, dass Radfahrer nach 20 km den äußerst beliebten Weserradweg verlassen, um sich zur Leine durchzuschlagen bzw. dass der Weserradweg 20 km vor dem Ziel verlassen wird. Ich habe diese Frage vielen Radfahrern gestellt (30-40), die bei diesen Alternativen eigentlich immer nur ein Kopfschütteln zeigten – Verwaltungswirklichkeit hat auch hier nur begrenzten Kontakt zum gelebten Leben, dazu kommt dann natürlich politischer ‚Korpsgeist‘, der es verbietet, eine andere Antwort zu geben.
In dem bereits zitierten Brief von Meinolf Ziebart ist dieser zufriedenstellende Weg eine Tour für Tagesradler aus dem Kreis und eine mögliche Fortsetzung des Diemel-Radwegs, denn die Weserradwegfahrer haben ein Ziel: den Weserradweg zu befahren und keinen anderen Weg. Der Leineradweg mit Start in Leinefelde ist eine andere Tour und wird es auch bleiben.

Zudem kann ich Ihnen auch verraten, dass passionierte (ältere) Radfahrer eine ganz andere Route von Bodenfelde nach Nörten bevorzugen, nämlich die Süd-Route über Parensen-Asche-Lödingsen, auf der man recht bequem fahren soll. Aber diese Route hat natürlich den ‚Nachteil‘, dass sie zum Teil durch den Kreis Göttingen führt – und die Auftraggeber des Gutachtens sind schließlich Uslar und Hardegsen.       

Auch das, was Sie als Qualitätsradweg sehen – den Betonstreifen mit 3 Meter Breite – würde ich eher kontraproduktiv einstufen: statt einer abwechslungsreichen, in die Landschaft eingebetteten Streckenführung mit Feldwegen zwischen Äckern und Wiesen und Waldwegen im Wäldern soll eine Einheitsversiegelung erfolgen: bei 40 km sind das 120.000 qm Betonpiste. Monokultur statt Vielfalt.
Beton für ‚rasende‘ E-Biker statt wassergebundener Schotterdecken, die wohl eher die Zustimmung aller Personen finden, die dem Ober-Ziel ‚Ökologie‘ verpflichtet sind und die wohl besser in Einklang mit dem Naturerlebnis im Solling zu bringen sein sollten?
Wenn ich mich recht entsinne, war vor kurzer Zeit eine Diskussion im Schulumfeld, ob 100 qm eines Schulhofs betoniert werden sollte, was zu einer großen Diskussion hinsichtlich des Generalthemas ‚Umwelt‘ führte; gibt es da zwei Maßstäbe?

Um etwas auch nochmals klarzustellen: Wenn es Verbesserungspotentiale gibt, dann sollte man etwas dafür unternehmen – aber immer mit Hinblick auf Kosten und Nutzen bzw. Anzahl der Nutzer. Es könnte auch jemand kommen, der es schön fände und darüber hinaus ein touristisches Potential erahnte, wenn Schloss Nienover einen Anschluss an das Bahnnetz hätte und einen eigenen Bahnhof – aber wem wird das nutzen, außer den Hoch- und Tiefbauunternehmen? Würden Sie da auch sofort aufspringen?

Sie können noch lange von Touristenströmen, Qualitätsradwegen, Infrastruktur, Ladesäulen, Multimodalitäten, Ausbau des ÖPNV und Servicequalität reden – die Frage ist aber, für wen bzw.  wie viele Nachfrager das gemacht wird und was es letztlich pro Nutzer kostet: Und diese Hausaufgaben sind nicht gemacht, sondern es wird einfach mal so ‚drauflosgefördert‘ ohne Abwägung von Aufwand und Ertrag; das ist übrigens eines der Hauptmerkmale von Luxus: Das Fehlen von Verhältnismäßigkeit…und deshalb bleibe ich bei der Bezeichnung ‚Luxus-Radweg‘.   

Anhang 1: Der Beginn des Meinungsaustauschs bzw. der Fragen an die Landkreistagsentscheidungen:

Meine Fragen – die Antworten des Kreistagsbüros zur Bürgerfragestunde der Kreistagssitzung

Sehr geehrter Herr Windhorst,

bezugnehmend auf Ihre Einwohnerfrage vom 8. Juli 2020 kann ich Ihnen folgende Antwort mitteilen:

Aus welchem Grund wird eine bestehende und allgemein als in gutem Zustand befindliche Radstrecke als Luxus-Radweg geplant?

Vor dem Hintergrund der „Mobilität“ als zentralem Zukunftsthema verfolgt der Ausbau des Radweges und u.a. die Bereitstellung von Ladeinfrastrukturen und sicheren Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen und Omnibusbahnhöfen der Hauptorte, die Ziele, den ÖPNV zu ergänzen, die Elektromobilität und somit auch die Multimodalität in der Region weiter auszubauen.

Hinsichtlich der Oberflächenbeschaffenheit und Wegebreite orientiert sich die geplante Ertüchtigung der bereits vorhandenen Wege u.a. an den Anforderungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) an Qualitätsradrouten. Die Bezeichnung „Luxus-Radweg“ ist insoweit irreführend und falsch, soweit der Eindruck entsteht, hier werden darüber hinausgehende – unverhältnismäßig höhere – Maßstäbe angelegt.

Das für den Landkreis Northeim bereits in 2010 vom Europäischen Tourismus Institut GmbH in Trier erstellte Tourismusgutachten empfiehlt im Übrigen ausdrücklich, die nicht an den Fernradwegen liegenden Gemeinden im Rahmen des weiteren Ausbaus des Radwegenetzes trotz streckenweise schwieriger topographischer Bedingungen durch Anschlusswege anzubinden und durch weitere flankierende Maßnahmen (z.B. Verbesserung des Wegezustands, Serviceangebote, Vermarktung) das bestehende Infrastruktur- und Dienstleistungsangebot für Radfahrer konsequent auszubauen und zu verbessern.

Wer trägt die Kosten für das Böregio-Papier und wie hoch sind diese?

Die Kosten für die Durchführung der vorbereitenden Untersuchungen und Darstellung der Handlungsbedarfe betrugen rd. 29.800 € und sind als LEADER-Projekt zu 80 % aus EU-Mitteln finanziert. Neben der Beteiligung der betroffenen Kommunen betrug der Kofinanzierungsanteil des Landkreises Northeim rd. 2.100 €.

Wie lauten die geschätzen Zahlen für die Nutzer-Frequenz und wie sind diese erhoben worden?

Geschätzte Zahlen für die Nutzer-Frequenz liegen nicht vor.

Wie hoch sollen die Zahlen für Weser-Radweg-Verlasser und für den ‚Berufsverkehr‘ sein?

Hierzu gibt es keine Vorgaben.

Wie viele von den 55.000 Radtouristen des Weserradwegs nutzen den letzten/ersten Abschnitt zwischen Hann.Münden und z.B. Hameln?

Nach der Radverkehrsanalyse für den Weserradweg (Stand 12/2018) gab es an den in Frage kommenden Dauerzählstellen Oedelsheim (LK Kassel) und Hess. Oldendorf (LK Hameln-Pyrmont) für das Jahr 2017 folgende Zahlen:

Oedelsheim:                             61.254 (Jahr/ 01.01. bis 31.12.) und 55.964 (Saison/01.04. bis 31.10.)

Hess. Oldendorf:                      79.366 (Jahr) und 70.966 (Saison)

Glauben Sie, dass ein Weserradweg-Tourist bei Start in Hann.Münden diesen nach 20 Km verlässt, um nach Nörten zu fahren und später irgendwann bei Hameln zurückzukehren?

Die Frage kann so nicht beantwortet werden, da die Nutzergruppen entsprechend ihrer Hauptmotive differenziert zu betrachten sind (z.B. Radreisende, Tagestouristen und Fahrende im Alltagsradverkehr). Gleichwohl werden Radreisende (Reise als Hauptmotiv, mit Übernachtungen) unter der Voraussetzung einer im Vergleich zum Weserradweg nicht abfallenden Wegequalität und weiterer positiver Gegebenheiten durchaus eine solche Route wählen.

Glauben Sie, dass ein Weserradwegtourist, der von Norden kommt, den Radweg 20 Km vor dem Endpunkt in Hann.Münden-Weserstein verlässt, um nach Uslar zu fahren?

Unter Berücksichtigung der vorherigen Ausführungen JA.

Ist berücksichtigt, dass dieser Radweg bei schlechter Witterung und im gesamten Winterhalbjahr wahrscheinlich überhaupt nicht nutzbar ist?

Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der Radverkehr insgesamt bei schlechter Witterung (Unwetter, Starkregen, Schneefall,-glätte usw.) abnimmt, aber bei entsprechend guter Witterungslage ganzjährig, also auch in den Wintermonaten, weiterhin stattfinden kann, insbesondere auf einem Radweg mit einer sehr guten Oberflächenbeschaffenheit.

Im Übrigen wäre eine solche Annahme, das „Totschlagsargument“ für alle touristischen Radwege.

Warum muss für den Radweg eine flächendeckende Bodenversiegelung in 3 Meter Breite angelegt werden? Das ist sicher kein ökologisch priorisiertes Verfahren?

Ein großer Anteil der – insgesamt bereits bestehenden – Wege ist bereits asphaltiert und von unterschiedlicher Qualität. Die Verbreiterung und darüber hinausgehend zusätzliche Asphaltierung ist für die Erlangung des begehrten Qualitätsniveaus (siehe erste Frage) erforderlich.

Welche Kosten für Wartung, Instandhaltung und Ersatzbedarf kommen pro Jahr auf den Kreis zu?

Nicht bezifferbar. Der Landkreis ist bestrebt, mit den betroffenen Kommunen Vereinbarungen bezüglich der Unterhaltungskosten zu treffen.

Welche Netto-Erlöse werden erwartet?  Welcher Zusatzumsatz der Tourist-Fahrer wird im Kreisgebiet erwartet?

Die Entwicklung von Erlösen in Folge des Ausbaus der  Weser-LeinE-Route ist neben der Wegequalität und der begleitenden Infrastruktur mit flächendeckender kundenorientierter Servicequalität, insbesondere im Tourismusbereich, abhängig von weiteren Faktoren (z.B. Verbesserung der Angebots- und Servicequalität der Unterkunfts- und Gastronomiebetriebe, Vermarktung durch touristische Organisationen).

Derzeit kann daher eine Erwartungshaltung bezüglich Erlösen/Zusatzumsätzen nicht in Zahlen dargestellt werden.

Neben der touristischen Nutzung und daraus resultierender Wertschöpfung sind im Übrigen die mit der ersten Frage bereits beschriebenen Ziele Ergänzung des ÖPNV, weiterer Ausbau der Elektromobilität und der Multimodalität in der Region mindestens als gleichwertig zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen

Landkreis Northeim | Die Landrätin

Im Auftrag

Das Kreistagsbüro

Ellen Eickemeyer | Sebastian Kuhlmann

R 1 – Kreistagsbüro und Öffentlichkeitsarbeit

Anhang 2: Meinolf Ziebart, 2001, Brief an den Landkreis NOM

Zum Radfernweg Weser – Uslar – Leine

Er stellt großräumig betrachtet eine interessante Ost-West-Verbindung her. Aus Richtung Westen / Ruhrgebiet führt der Diemel-Radweg viele Radler an die Weser. Weiter in Richtung Osten kann man gut zur Leine wechseln und dann im Rhumetal Richtung Nordhausen weiterfahren. Die Verbindung von Bodenfelde über Uslar – Hardegsen – Nörten-Hardenberg ist topografisch relativ einfach und bietet gut ausgebaute und landschaftlich reizvolle Wege. Von Bodenfelde folgt man dem Schwülmetal-Radweg durch die Flußaue. Ab Vernawahlshausen gibt es gut befestigte Wege über Allershausen – Uslar Bahnhof nach Bollensen. Von dort nimmt man den zwar unbefestigten, aber gut befahrbaren Wirtschaftsweg am Waldrand über Gierswalde nach Volpriehausen.  Von dort führt nach Schlarpe ebenfalls ein guter Wirtschaftsweg. Lediglich ein Teilstück von etwa 1,5km liegt auf der B241 bis zum Goseplack. Von dort führen gute Sträßchen weiter über Lichtenborn nach Hardegsen und über Hevensen- Lütgenrode nach Nörten-Hardeneberg mit Anschluß an den Leineradweg. Das beigefügte TOP50 Overlay enthält bereits die Standorte für Wegweiser, wie sie bei einer Befahrung mit der Landkreis-Mitarbeiterin im Sommer 2001 dokumentiert wurden.

Populismus am Schuhwall II

Offener Brief an Malte Schober

Sehr geehrter Herr Schober,

eines möchte ich Ihnen vorab sagen: Anders als viele Ratskollegen stellen Sie Ihren Beitrag – den zur Schuhwalldiskussion, der in der Ratssitzung im Februar 2020 gehalten wurde – öffentlich als Tonaufzeichnung der Diskussion zur Verfügung (Link: https://soundcloud.com/malte-schober/schuhwallhalle-rat ). Das ist vorbildlich für einen Meinungsaustausch, der nun nicht mehr auf Quellen aus zweiter Hand beruhen muss. Danke dafür.

Was dort aber vorgetragen wurde – bis zum Gipfel des Populismus-Vorwurfs gegen die „Gegner“ der neuen Halle – kann so nicht stehenbleiben. Akzeptieren Sie doch bitte, dass es keine Gegner einer neuen oder sanierten Halle gibt, es geht in dieser Diskussion um den Finanzrahmen, den einige für unverantwortlich halten und daher auf eine kleinere Lösung dringen – egal ob neu oder saniert. Die Darstellung, dass die Nicht-Zustimmer dieser einen Lösungsvariante den Schülern, den Jugendlichen und den Sportlern den Hallenplatz wegnehmen möchten: das ist populistisch, denn hier wird ein Feindbild aufgebaut, gegen das sich alle ‚lauteren Sportunterstützer‘ gemeinsam wehren müssen. Wo bleibt im übrigen Ihre Stellungnahme, wenn der Ihnen sicher gut bekannte Axel Janssen auf unredliche Weise versucht, die Sportförderung gegen die ‚bourgeoise Kulturförderung‘ auszuspielen – ein Musterbeispiel für Populismus in Verbindung mit Futterneid-Motiven.  

Aber schauen wir doch einfach mal auf die einzelnen Aspekte Ihres Beitrags: Die Einleitung „Die Halle ist nicht mehr zu retten…“ – kennen wir schon von der Stadthalle: Pathos und Alternativlosigkeit, statt Argument und Abwägung. Und Sie wissen ja auch von der Stadthalle, für die Sie sich auch engagiert haben, dass die Renovierung später weniger als eine halbe Mio. kostete – bei Neubau der Halle würden wir hier nicht mehr diskutieren, weil die Stadt jetzt schon finanziell platt am Boden liegen würde. Natürlich wäre auch die Schuhwallhalle zu retten, auch hier ist es nur eine Frage des Preises (in Lüneburg hat zum Vergleich die Sanierung einer Doppel!!-Dreifeldhalle ca. 9 Mio. ausgemacht). Und gerade darüber muss man diskutieren.

Wie man in der Vergangenheit das Sanierungsgutachten des potentiellen Hallen-Neubau-Architekten hat akzeptieren können, wird mir ewig unverständlich bleiben. Dieser Gutachter glaubte damals noch, seinen Neubauentwurf an die Stadt verkaufen zu können – da lag ein klarer Interessenkonflikt vor und die Gutachter haben folgerichtig einfach den Hallenneubau in die Grundmauern der alten Halle verlegt. Fazit: kost‘ genauso viel? Unfassbar! Ein Gutachten auf Basis von Papierplänen und Fotos. Niemand der Gutachter war jemals vor Ort!

Finanzierung wie ein Häuslebauer?

Aber egal: Sie setzen dann auf den gesunden Menschenverstand: was rechnet ein Häuslebauer, wenn er baut: 30 Jahre Abtrag ergeben eine Belastung, die passt oder nicht. Hier wird uns dann vorgerechnet, dass man 30 Jahre mit einem Zins von 0,5% nur 338.000 Euro/rund 400.000 Euro jährlich zahlen muss; da sind dann ca. 2-3% Tilgung p.a. enthalten. Das könne die Stadt sich doch wohl leisten! Aber der normale Bauherr denkt auch schon mal an Abschreibungen, (vorbeugende) Instandhaltung und Reparaturen, denn nach 30 Jahren wäre sonst einfach die Substanz verbraucht. Dass daran nicht gedacht wird und nicht danach gehandelt wird: genau das hat den jetzigen Zustand der Schuhwallhalle herbeigeführt, das ist das Problem und nicht die 50 fehlenden Zentimeter hinter dem Handballtor! Und zwei Dinge müssen auch ganz deutlich gesagt werden: ein Häuslebauer reißt sein Haus nicht nach 50 Jahren ab – und ein Häuslebauer baut nicht 4 Häuser parallel. Denn neben diesen 10 Millionen Kreditaufnahme hat/plant die Stadt weitere Kredite in Höhe von 35 Millionen. Es sind nicht die 10 Millionen, es ist die Gesamtlast, die zählt. Soweit die Milchmädchen. Und dass über 30 Jahre der Zinssatz bei 0,5 % bleibt? Da hilft vielleicht Beten… Wer sein Haus so plant, der wird nicht lange darin wohnen bleiben!

Der anonyme Zuwanderer

Ähnlich profunde sind die Bemerkungen zum Bevölkerungswachstum durch junge Familien aus Göttingen. Wie viele hunderte von Menschen sollen denn nach Northeim ziehen, wo inzwischen im neuen Baugebiet am Wieter allein die Grundstückspreise bei 170 Euro/qm liegen, also 100.000 Euro nur für das Grundstück fällig werden? Allein das Grundstück kostet dann die 20-Jahres-Miete einer 70-qm-Sozialwohnung … das ist soziale Selektion inclusive. Und der Arbeitnehmer/Mieter aus Göttingen? Grone oder Northeim-Süd? Die ökologisch unsinnige Seite mal außen vor: Ein zweiter Wagen für die Familie mit monatlichen Kosten von 300-400 Euro rechnet sich doch nicht, da zahle ich doch lieber 300 Euro mehr Miete, habe die bessere Infrastruktur und bin jeden Tag mindestens eine halbe Stunde weniger unterwegs. Öffentlicher Nahverkehr? Nur wenn der Tag 26 Stunden hat – versuchen Sie das doch bitte mal: von Northeim morgens zum Schichtbeginn um 6 Uhr bei Sartorius oder Mahr in Göttingen zu sein? Aber geschenkt! Und ob es in Northeim 10 oder 11 Sporthallen gibt? Für jemanden, der ein Haus bauen will oder in eine andere Stadt in eine Mietwohnung zieht, werden viele Kriterien für die Entscheidung herangezogen, aber sicher nicht die Anzahl der Sporthallen, die wohl auch einigen Ratsmitgliedern nicht bekannt ist.

Festpreis und Förderung

Wenden wir uns den weiteren Hoffnungen zu: immerhin ist für Sie klar, dass das Bauamt die Bauaufsicht nicht wahrnehmen kann, sondern alles an einen Generalunternehmer vergeben werden soll, natürlich am besten zum Festpreis. Wer sich allerdings mit Festpreisen auskennt, der wird jetzt schon mal zucken. Wenn ich als Auftragnehmer einen Festpreis anbiete, dann ist das erste, was auf die Kalkulation draufkommt, der Risikozuschlag – und der wird locker bei 20-40% liegen, vor allem in Zeiten, in denen ich nicht weiß, zu welchem Preis ich im nächsten Hochkonjunktur-Jahr welche Gewerke noch angeboten bekomme. Und wenn ich einen professionellen Generalunternehmer beauftrage, muss ich wissen, dass der in der Lage ist, seine Verträge so zu formulieren, dass jeder Zusatzwunsch, jede Änderung des Plans als Sonderleistung nach Aufwand zu bezahlen ist. Und da stehen dann die Northeimer Amateure und können wiederum … nur beten.

Was ich auch nicht verstehe, ist der ständige Hinweis auf mehr Geld vom Landkreis – der hat sich in dieser Sache bisher nicht einen Euro weiterbewegt. Und die Hoffnung, aus ohnehin überzeichneten Fördertöpfen Millionen herauszuziehen, weil ‚Freund Roy‘ sich ja bemüht…die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wenn es die Zusatzmillionen nicht gibt: was dann? Stopp oder Mehrkredit? Über welches Förderprogramm reden wir da eigentlich? Über das des BMI „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Jugend, Sport und Kultur“, das eigentlich beendet ist und für das nochmals 200 Millionen bereitgestellt werden? Das ist ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein: in der Pipeline für die Förderung stecken fast 1200 Projektanträge – und dabei wird es über 90% Verlierer geben. Die Mittel gelten für Jugend, Sport und Kultur in Konkurrenz.

Aus der vom BMI veröffentlichten Projektübersicht (da sind merkwürdigerweise nur 102 statt 186 Projekte aufgeführt) mit der Fördersumme von 232 Millionen hier mal die Fakten, um die Erfolgsaussicht realistisch einschätzen zu können: Von den reinen Sportprojekten sind in der Initiative 17 Sporthallen (in Mischprojekten weitere ca. 10) in der ganzen BRD gefördert worden, also eine in jedem 20. Wahlkreis. Und Südniedersachsen ist mit Göttingen, Duderstadt und Goslar bereits dicke dabei. Aber wenn es da andere Infos gibt, würde ich mich freuen, darüber etwas zu erfahren!

Eine Bemerkung/ein Eindruck meinerseits soll hier aber noch kurz angerissen sein: Wie dieser Fördertopf, aus dem (weitere) Mittel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in Südniedersachsen landen werden, instrumentalisiert wird, um Ratsentscheidungen ‚schnell herbeizuführen‘ (das ist die höfliche Umschreibung). Mit Hinweis auf die Fördermillionen, die wohl niemals kommen werden, ist der Rat sowohl zu seiner vorschnellen Grundsatzentscheidung als auch jetzt zum nächsten Vergabeschritt ‚motiviert‘ worden. Bei einer Entscheidung, die die nächsten 50 Jahre tragen soll, ist das kurzfristige Schnappen nach der Wurst sicher die falsche Strategie. 

Immerhin höre ich heute aus Ihrem Mund zum ersten Mal eine öffentliche Stellungnahme des NHC-Umfelds über die BBS-Halle: die sei nicht abgenommen – weiß ich nicht, kann aber sicher jederzeit nachgeholt werden. Der Vorschlag steht übrigens (neben Ausweichen in die Sparkassen-Arena in GÖ) im Schreiben des Handballbundes, der im Ratsinfosystem zu finden ist. Und dass die BBS-Halle am Sonntag belegt ist: kann sein, aber dann tauscht man einfach die Hallenzeiten mit der Schuhwallhalle, das ist kein Mehr, sondern nur ein Anders. Die BBS-Halle hat übrigens offiziell 330 Zuschauerplätze, während die Schuhwallhalle nur 300 hat. Und auf der Ostseite ist die BBS-Halle relativ einfach erweiterbar. Das Fehlen einer Argumentation gegen die BBS-Halle seitens des NHC kann dann eigentlich nur bedeuten, dass man keine Argumente hat, oder?  

Jährliche Kosten

Dann kommt die Geschichte mit den drei Hallen der Stadt: Schuhwall, Schwimmbad und Stadthalle. Das ist einfach völlig verkürzt: die Schuhwallhalle ist eine von 10 (zehn!) Sporthallen allein in der Kernstadt, wobei zwei Hallen (BBS und Corvi) größere Haupt-Spielflächen haben. Dass die Hallenkosten der neuen Schuhwallhalle auf 800.000 Euro geschätzt werden: das ist ein Schluck aus der Pulle, wenn man den Altbau mit knapp 150.000 Euro/Jahr dagegenhält. Woher Sie diese Zahl haben, würde mich brennend interessieren, da es eine Vervierfachung der aktuellen Kosten bedeuten würde.

Dass das Schwimmbad auch 800.000 kostet – da weiß ich nicht, woher die Zahl stammt. Lauf GuV 2017 der Stadtwerke macht das Hallenbad etwas über 500.000 Euro Miese, wobei die Stadt keinen Cent dazu bezahlt. Und die Stadthalle macht auch keine 500.000 Euro Miese, sondern laut Haushalt 2019 der Stadtverwaltung 290.000 Euro. Ihre Zahlen sind nach meinem bzw. dem veröffentlichen Kenntnisstand alternative Fakten. Woher die kommen, würde mich interessieren. Wenn diese Zahlen allerdings stimmen, müsste man fragen, warum die Stadtverwaltung ‚unrichtige‘ Zahlen veröffentlicht. Zu diesem Bereich gehören auch die von Knut Freter propagierten 250.000 Euro ‚Betriebskosten‘, die in seiner Formulierung und der Wiedergabe in der Presse als Energie- oder Energieschleuder-Kosten herüberkamen. Wir wissen aber beide – wenn die Auskunft der Stadtverwaltung Ende 2017 richtig war -, dass die Heizkosten bei ca. 50.000 Euro/Jahr lagen. Auch wenn Sie diese Äußerung nicht getan haben – warum lassen Sie die Freter-Zahlen unkommentiert stehen und stimmen dem dadurch implizit zu?

Einsparungen oder das falsche Modell?

Wenn Sie nun über Einsparungen mit Herrn Eling sprechen und der Ihnen versichert, da wäre nicht viel zu machen, eine Mio max., wenn man etwas kleiner wird. Dann ist nicht die Einsparung bzw. die Nicht-Einsparung die Crux, sondern die Tatsache, dass man einen falschen Wettbewerb hatte und eine falsche Auswahl getroffen hat. Wie kann ich einen Wettbewerb mit dem K.-O.-Kriterium von 8 Millionen starten – der von einem Büro begleitet und überwacht wird – und am Ende kümmert sich kein Entwurf darum und ebenso nicht die Auswahljury, der Sie ja angehörten? Normalerweise hätte man das alles zurückgehen lassen müssen! Und der Bau hat keine Heizanlage – das gehört zu Halle pur dazu! Welche Kontrolle – meinen Sie – haben sie (Verwaltung/Rat) über den Prozess? Und wenn die Halle etwas kleiner wird (eine Gymnastikhalle mit der Option, später anzubauen) und schmuckloser und energieeffizienter – da mögen Sie recht haben – werden vielleicht nur 2 oder 3 Millionen weniger herauskommen, aber das weitaus größere Sparpotential liegt an der Anlage drum herum, wo viele 1000 qm zugepflastert werden, und in den Minderaufwänden für die Außenanlagen – kommen Sie bitte jetzt nicht mit Skatern und Bouldern, das sind Peanuts. (BTW: wie sichern Sie eigentlich eine Außen-Kletterwand gegen Benutzung außerhalb der Überwachungszeiten, wieviel Personal muss bei Öffnung Hilfestellung leisten?)

Erinnern Sie sich noch, wie am Anfang das Bestreben bestand, sowohl den Architekturentwurf als auch die Bauüberwachung aus dem Bauamt heraus machen zu lassen? Gut, das ist relativ schnell gestorben, aber dass dieser Vorschlag überhaupt ernsthaft in die Diskussion kam, ist schon nur schwer zu fassen.

Warum sie in einer Nebenbemerkung den Kauf des Rathauses als finanzielles Harakiri bezeichnen, ist mir schleierhaft – das war eine der wenigen guten Entscheidungen, auch aus heutiger Sicht! Harakiri ist Selbstmord – könnten Sie mir das erklären? Der Patient lebt, aber er verprasst gerade sein Tafelsilber…, das schon beim Pfandleiher liegt…

Die Freizeit-(g)GmbH

Wenn dann auch noch über die Sport- und Freizeit GmbH als großem Retter gesprochen wird – der Einwurf sagte ja zu Recht, dass das die Göttinger Gesellschaft sei (die eine GmbH & Co. KG ist, die Überschüsse erwirtschaftet)  -, eine Northeimer Gesellschaft gibt es überhaupt noch nicht, kommen mir Zweifel, ob der Sachstand gut kommuniziert wird. Nebenbei ist es so, dass eine GmbH nicht zum Nulltarif betrieben wird, on top kommen durch die Orga-Struktur Zusatzkosten für Betrieb und Abschluss incl. ‚Konzernkonsolidierung‘ hinzu. Aber Vorsteuer wird gespart…vor allem beim Personalaufwand…

Und ‚Querverbund‘ mal so nebenbei dranzuhängen: das ist ein ganz restriktiv genehmigter Steuertrick und wenn es da schon eine Genehmigung des Finanzamtes über den Betrieb des Hallenbads hinaus geben würde, würde mich das wundern. Und ob es jemals für die Kombination mit der Sporthalle einen Querverbund gibt, wage ich mal zu bezweifeln, denn offensichtlich herrscht hier etwas Verwirrung (sollte die Verwirrung bei mir liegen, so würde ich Sie um eine qualifizierte Richtigstellung bitte, die nicht mit „Das planen wir so..“ enden sollte): ein Querverbund mit dem Hallenbad ist zulässig, wenn das Hallenbad relevante Mengen aus einem Blockheizkraftwerk des Betreibers entnimmt. Dieses Kriterium dürfte für eine moderne Sporthalle, die energiesparend oder besser als Passivhaus-Konstruktion erstellt ist (was der Entwurf wohl nicht erfüllt), wohl kaum zutreffen, da der Primärenergiebedarf minimal ist. Oder wird deshalb extra energieaufwändig gebaut, damit der Verbrauch hoch wird und eine Querverbundslogik erfüllt wird? Dann sollte man alle Entscheider aber ganz schnell aus dem Tempel jagen.

Ich bin da mal ganz gespannt, was die schlauen Vorsteuer-Trickser uns da als Steuersparkonzept vorstellen wollen.  

Der Aufstieg

Zum Schluss können wir auch noch einmal zusammen träumen: Alles wird gut, der NHC spielt (irgendwo) gut und steigt auf in die zweite Liga: dort sind Hallen mit 2000-4000 Zuschauerplätzen der Standard. Legen wir dann nach und bauen die nächste Halle? Oder gehen nach Göttingen? Dann können wir da auch gleich hingehen und die Handballbegeisterten aus Göttingen mit einsammeln – auch Melsungen (1. Liga) spielt in Kassel!

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen..“

Ja, nun kommen wir zu dem Punkt, wo es heißt: Immer nur kritisieren, das kann ja jeder! Und eigene Vorschläge? Fehlanzeige!

Ich habe an dieser Stelle den Vorteil, nicht im Handball-Klüngel zu stecken: Die ganze leidige Diskussion ist doch deshalb entstanden, weil ein Sparkassendirektor einen Sporthallenentwurf erstellen ließ, der zufällig auf ein Grundstück passte, das die Firma erworben hatte, um dort Wohnungen zu bauen. Dass dieser Entwurf auch als Konkurrenz/Ersatz der Stadthalle gesehen werden konnte – das hat sich gottlob zerschlagen. Weiter passierte nichts, da dann das lukrativere Gelände am alten Krankenhausgelände Vorrang hatte. Um letztlich mit dem Versuch zu enden, das alte Realschulgelände plus Zusatzzahlung gegen den Mühlenanger zu tauschen.

Über einen alternativen Standort bzw. ein alternatives Konzept wurde niemals diskutiert – Schlange und Kaninchen stehen sich starr gegenüber. In den 60er Jahren hatte der Schuhwall einen städtebaulichen Plan: das Gelände war etwas abgelegen, die Erweiterung der Stadt für Geschossbau war in die Südstadt gelegt, die Einfamilienhäuser wuchsen an Wieter und Sultmer. Die alte Kaserne/Schule mit der Teppichfabrik wurden abgerissen, der Ersatz-Schulbau auf die andere Straßenseite verlegt und dazwischen Schwimm- und Sporthalle gebaut, die damals für zwei Schulen dimensioniert waren. Eine Schule ist abgerissen, die zweite ist ebenfalls schon 50 Jahre alt, genau wie Sporthalle und Schwimmbad. Die wirtschaftliche Lebensdauer (für diese Zweckbauten) nähert sich dem Ende – und auch für die anderen Gebäude muss sich in nächster Zeit die Frage Grundsanierung oder Neubau stellen.  

Was brauchen wir heute? Bezahlbaren Wohnraum und eine Belebung der Innenstadt, weniger Verkehr und Betreuungsmöglichkeiten für ganz junge und ganz alte Menschen. Laut Bebauungsplan ist das ganze Gelände am Schuhwall/Arentsschildstraße ‚Wohngebiet‘. Warum machen wir es nicht dazu? Wir brauchen in direkter und barrierefreier Umgebung der Innenstadt keine 5000 qm  Parkplatzflächen, die 330 Tage im Jahr leer stehen – und an den übrigen Tagen mal 3-4 Stunden belegt sind.

Fragen wir uns doch mal: Wie lange soll das Schwimmbad noch erhalten werden – auch da sind 50 Jahre genug, schön ist etwas anderes; wir benötigen keine 50-Meter-Bahn, auch Göttingen und Osterode kommen mit 25 Metern hin, der Energieverbrauch ist eigentlich nicht mehr tragbar!

Wie lange soll noch eine Oberschule dort betrieben werden: die Bauten nähern sich auch alle der 50-Jahre-Grenze! Warum werden die Schulen nicht in der Sudheimer Straße zusammengefasst? Für 1000 Corvinianer gibt es ein Gymnasium, für 600 Haupt- und Realschüler betreiben wir zwei Standorte? In Einbeck sehen wir gerade, wie IGS und Realschule am Hubeweg zusammengefasst sind – mit Millionen-Invests; warum nicht genauso in Northeim? Ende vom Lied: wir benötigen dort keine Schulsporthalle, wenn der Landkreis endlich seine Hausaufgaben machen würde! Und bitte nicht argumentieren, das sei ja Kreissache. Es geht um Northeim und nicht um die Aufteilung, wer macht was und das andere interessiert mich nicht! Das wäre schlicht verantwortungslos.

Und der Schuhgroßhandel: warum bietet man dort nicht an, den Großhandel in das neue verkehrsgünstigere Gewerbegebiet zu verlegen – mit Investhilfen der Stadt meinethalben.

Und für die Übergangszeit erhält man das Ensemble so, dass es sicher betrieben werden kann – und plant, in den nächsten 3-5 Jahren die Schule in der Sudheimer Straße zu integrieren.

Die Stadt hat letztes Jahr das Baugebiet am Martinsgraben freigegeben – aber bisher nur das Filetstück an zwei Nachfrager vergeben können, die sich damit die Rosine aus dem Kuchen gepickt haben – gut gelernt von F.C.Schramm, der 20 Jahre am Galgenberg zu tun hatte, wo auch heute noch nicht alles bebaut ist. Und dort hinten am Martinsgraben, da wäre nun genug Platz, um das neue Sport- und Freizeitzentrum aufzubauen, was gleichzeitig zu einer Aufwertung der Südstadt führen würde, in der im Übrigen noch eine große Wohnungsreserve steckt, die damit gleichzeitig aufgewertet wird. Win-Win.

Eine neue Sporthalle sollte dann dort am besten vom Kreis mit Hilfe der Stadt (oder andersrum) errichtet werden wg. des Zuzugs der Oberschule und als Zusatz/Ersatz für die BBS-Halle, von der ich hörte, dass sie auch schon 40 Jahre alt sei und man am besten nichts mehr hineinstecken sollte. Fehler wiederholen sich eben gern, genau wie die Aussagen der Stereotypen- und Bedenkenträger.

Für Parkplätze müsste man nur wenig Sorge tragen, da bei den umliegenden Schulen diese ausreichend vorhanden sind. Die verkehrliche Anbindung an die B3 ist kurz und direkt und führt nur am Rand des Wohngebiets entlang.

Wenn die Sporthalle des Kreises/der Stadt steht, zieht die Stadt mit einer neuen, kleineren Schwimmhalle (oder einem ‚Badeparadies‘) nach. 

Quartiersbildung

Und wenn der Umzugsplan steht, dann hätten wir ein Areal, auf dem wirklich so etwas wie Quartiersbildung aus einer Hand stattfinden könnte – anders als die Fehlgeburt der sogenannten ‚Innenstadt-Quartiere‘.

Die Wohnbebauung an der alten Realschule kann sofort beginnen, nach dem Umzug der Oberschule wird die Sporthalle abgerissen, später dann das Hallenbad, um den neuen Wohnblöcken und Reihenhäusern zu weichen. Das gesamte Gebiet ist schon heute per se verkehrsberuhigt. Eine Erschließung ist nicht notwendig, da bereits vorhanden. Wenn auch der Schuhhandel umziehen sollte, können die Lagerflächen für Wohnbau genutzt werden. Der Baumschulenweg wird verkleinert und Häuser auch auf der Westseite des Rhumekanals gebaut. In die renovierungsfähigen Teilen von Schule und Großhandel werden neue Nutzungen stattfinden: Kindertagesstätte, Senioren- oder Stadtteiltreff, Seniorenheim, Betreutes Wohnen, Tagespflege, Übungs- und Gruppenräume, Büros für Start-Up-Unternehmen oder Co-Working-Spaces. Ein Spielplatz, eine Gaststätte, ein Park der Generationen, der den Namen verdient. Die Nahversorgung ist an der Rückingsallee/In der Fluth fußläufig zu erreichen, die Stadt ist nur 300 Meter entfernt und kann ebenfalls zu Fuß/mit Fahrrad erreicht werden – das ist Best Practice. Und nicht das Wohngebiet am Rande der Stadt, von dem aus jeder Weg mit dem Auto in die Stadt gemacht werden muss: So etwas könnte man als De-Mobilitäts-Konzept verkaufen!

Auf den Dörfern rund um Northeim werden krampfhaft Lücken-Grundstücke für Wohnbebauung gesucht – und hier in Northeim könnten viele 1000 qm in bester, innenstadtnaher Lage bebaut werden und keiner sieht es? Es geht hier nicht um Handball, sondern um einen städtebaulichen Plan für Northeim, der für die nächsten 20 Jahre trägt. Kennen Sie eigentlich die biblische Geschichte von dem Splitter und dem Balken? Hier sollten vielleicht mal die Leute zum Arzt gehen, die KEINE Visionen haben…

8 Millionen? 15 Millionen?? 20 Millionen???

Der rettenswerte Baum….nunja…

Neubau des Sportpalasts in Northeim: Die Katze ist immer noch nicht aus dem Sack

Nun lugt die Katze schon mal aus dem Sack: die ersten 15 Millionen suchen eine Finanzierung. Nach dem langbeschworenen 8-Millionen-Baukosten-Mantra, das die Öffentlichkeit beruhigen und beschwichtigen sollte, legte Northeims Bürgermeister Simon Hartmann nun das erste Mal das wirkliche Ausmaß der Kosten dar: 15 Millionen seien es, aber da gäbe es noch ‚offene Punkte’…

Und damit geht die Veräppelei weiter: der Planer habe versichert, 8 Millionen würden nun für den reinen Baukörper reichen. Was ist denn ein ‚reiner Baukörper‘? Interpretatoren voran! Und: übernehmen die Architekten irgendeine Gewährleistung/Haftung für diese Schätzung? Ansonsten sind das Märchen aus 8 Millionen-und-einer-Nacht…

15=Schluss? Nein! Dann kommen zusätzlich die Kosten für das Blockheizkraftwerk(BHKW) und eine Trafostation – schade, schade: wie kann man dann von 15 Mio. sprechen, da droht gleich die nächste Million. Und dass das BHKW eigentlich nur ein Must-Have für das Hallenbad ist – kein Wort darüber. Über regenerative Solar- und Geothermie-Energien bzw. Passivhaus-Konzepte für eine neue Halle wird noch nicht einmal diskutiert – wäre ja auch teurer als fossile Verbrennungsenergie; stattdessen wird folkloristischer Umweltschutz betrieben, da zwei oder drei ältere Bäume nicht gefällt werden – das sind keine Naturdenkmäler und die Aktion ist reine Symbolik.

Ach ja: das Risiko für Preissteigerungen wird auch mitbedacht: lächerliche 5% für die gesamte Bauzeit sind kalkuliert! Da erinnere ich mich der letzten Einlassung des Bürgermeisters, dass man beim Anbau des Feuerwehrhauses in Hillerse 20 % pro Jahr(!) hat einstecken müssen!!!

Bei den Parkplätzen zähle ich in etwa 170 = 8 Reihen á 22; bei einer Breite von ca. 40 Metern (lt. Google Maps) zwischen Hallenbad und Schuhwall habe ich da Rechenprobleme für Standard-Parkbuchten mit Breiten von 2,30 – 2,50 Meter; zudem: keine Busparkplätze. Reicht das? Und wie viele Parkplätze werden mit Ladesäulen-Infrastruktur gebaut – 10.000 Euro Minimum-Kosten je Säule? Außerdem überbaut der Plan auch einfach die Plätze des Hallenbades. Alles schon eingerechnet? Das Hallenbad benötigt 1 Stellplatz je 5-10 Umkleideplätze…  

Überhaupt: wie sieht das Verkehrskonzept aus? Der ganze Verkehr durch kleine Anliegerstraßen? Der einzig vernünftige Weg würde über den Bahnübergang führen, aber der müsste dann erst einmal zweispurig wiederhergestellt werden incl. der Anbindung an die B3, die derzeit durch die Unterführung am Breiten Weg schlichtweg nicht möglich ist. Dazu natürlich Öffnung des Schuhwalls von der Rückingsallee – das geht schon, hier ist ja kein Martinsgraben. Und Verkehrsprojekte werden nicht durch die Eigenarbeit der Anwohner realisiert, sondern kosten echtes Geld, von dem niemand bisher gesprochen hat. Noch’ne Million, was solls – ist ja für eine gute Sache.

Das alles verstärkt nur das Gesamturteil, dass es unsinnig ist, eine große Veranstaltungshalle in ein Wohngebiet zu legen. Kein Stadtplaner käme auf eine derartige Idee! Aber mit ‚Machen-wir-nix-dran‘ kann man die Verkehrsinfrastrukturkosten auf Null Euro setzen – das ist m.E. grob fahrlässig – und ich befürchte/hoffe, dass sich da auch bald die Anwohner melden werden!

Realistisch nähern wir uns da dann doch den 20 Millionen, die der Handball-Palast verschlingen soll – und das, obwohl wir die BBS-Halle in der Stadt haben, deren Abmessungen den Drittliga-Ansprüchen gerecht wird und bei der die Erweiterung der Zuschauerplätze wohl eine überschaubare ‚Investition‘ wäre.

Zudem sollte man einmal über die Folgekosten nachdenken: 2% Abschreibung und 2% für Instandhaltung machen bei der Bausumme schon mal locker 600.000 bis 800.000 Euro Grundkosten pro Jahr, dazu kommen dann Personal- und Betriebskosten bzw. Reparaturen. Für die alte Schuhwallhalle waren das pro Jahr ca. 300.000 Euro bei Einnahmen von 100.000 Euro für die Schulnutzung. Woher soll dieses Geld denn kommen?

Etwa durch Erlöse von Veranstaltungen? Wo ist denn ein Konzept für die Nutzung der Halle mit 1000 Plätzen? Soll da etwa eine Konkurrenz zur Stadthalle aufgebaut werden, deren 650 Plätze bei 90% aller Veranstaltungen schon nicht ausgebucht sind? Alle 10 Jahre ein Länderspiel der Handball-Nationalmannschaft der Juniorinnen? Ich sehe derzeit nicht EINE Verwendung!

Wobei ich eine mögliche Wendung noch für den Schluss aufgehoben habe: Wie lang wird es eine Oberschule noch geben? Für 620 Haupt- und Realschüler leisten wir uns 2 Schulen in der Stadt, während 1000 Corvinianer in eine Schule gehen? Warum wird nicht endlich von den Langzeit-Aussitzern in der Kreispolitik die Fusion von Thomas-Mann-Schule und Oberschule gestartet? Damit könnten die Aktivitäten in der Sudheimer Str. gebündelt werden – und ca. 700.000 Euro Kosten für die Gebäude in der Arentsschildstr. entfielen, dazu könnte man das Gelände profitabel als Neubaugebiet für Reihenhäuser und Geschosswohnungsbau veräußern, um ggf. Anbauten in der Sudheimer Str. zu finanzieren. Oder man macht aus den Gebäuden einen Alten- oder Stadtteiltreff mit Gymnastik-, Fitness- und Gruppenräumen bzw. bereitet es als Gründerzentrum auf. Aber die Kreispolitik lernt ja nicht: bis die Agonie der Auetalschule in Kalefeld akzeptiert wurde und die Zusammenführung mit Gandersheim erfolgte, ging manches Jahr ins Land und bis zuletzt wurden sogar noch Investitionen in Millionenhöhe für die sterbende Schule diskutiert – sind ja nur Steuergelder….

Zum Schluss: wenn man das o.a. Szenario mal ernst nimmt: dann wäre die beste Lösung für die 3 Millionen des Kreises nämlich, eine Zusatz-Turnhalle des Schulzentrums in das Neubaugebiet am Martinsgraben zu setzen – damit wäre eine echte Verbreiterung des Sporthallen-Angebots erreicht, wenn die Stadt eine maßvolle Renovierung der Schuhwallhalle in einem Finanzrahmen planen würde, der die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Kommune nicht übersteigt. Und auf dem Gelände der alten Realschule wird endlich sozialer Wohnungsbau betrieben – nachdem die Stadt in den letzten Jahren nur Baugebiete im ‚Premium-Segment‘ realisiert hat.

Denn eines kann man ahnen: 2022 wird das Hallenbad 50 Jahre alt – da klopft der Geist des Neubaus schon mal an, denn bei steigenden Energiekosten wird das jährliche Defizit von 500.000 Euro schnell wachsen und eine kleinere und energieeffizientere Lösung fordern. Und auch da böte sich der Martinsgraben an, um ein Sportzentrum zu etablieren, das aus städtebaulicher Sicht zu einer Aufwertung der Südstadt führen könnte.

Es ist jetzt dringend an der Zeit, sich gegen die chaotische Planung und den Druck der Handball-Lobbyisten auszusprechen. Der Stadtrat wird ‚gezwungen‘, ungedeckte Blanko-Schecks auf die Zukunft zu unterzeichnen, indem in einer Salami-Taktik immer weitere Einzelbeschlüsse gefordert werden, ohne dass das wirkliche Ausmaß dieses Desasters erkennbar ist. Bis es dann heißt: Jetzt haben wir schon so viel ausgegeben, jetzt können wir nicht mehr zurück (und das wissen die Auftragnehmer auch und werden wohl eher großzügig kalkulieren..), da müssen wir durch, um welchen Preis auch immer. Nur dass die eigentlich Verantwortlichen den Preis nicht selbst zahlen, sondern das Gemeinwesen!

Welche Generation soll denn die geplanten 45 Millionen Schulden, die lt. Haushalt 2020 für 2023 geplant sind, abzahlen? Eine gestiegene Bevölkerungszahl, von der der Bürgermeister träumt, für die es aber keine Maßnahmen gibt, um sie zu erreichen? Die langfristige Prognose der Bevölkerungsentwicklung sieht da anders aus – incl. der Zunahme der nicht-arbeitenden, älteren Bevölkerung… 

Link: Schülerzahlen und Optimierungspotential bei Zusammenlegung Oberschule/Thomas-Mann-Schule

–> Siehe Beitrag hier im BLOG: http://www.acwindhorst.de/wordpress/?p=388

Warum gibt es keine Thomas-Mann-Oberschule in NOM?

Über mangelndes Personal in den Schulen wird auch hier im Kreis geklagt – das ist aber Sache des Kultusministeriums. Über Mangel an Schulgebäuden wird nicht geklagt, ganz im Gegenteil wird ‚liebevoll‘ jedes Schulgebäude gehegt und gepflegt – egal, ob gebraucht oder nicht: die unsägliche Diskussion über den Erhalt der Auetalschule in Kalefeld, die unter rapidem Schülermangel litt, war dafür ein unrühmliches Beispiel. Dass 10 KM weiter in Bad Gandersheim in der gleichen Schulform leere Klassenräume in ausreichender Menge vorhanden waren? Egal, auch leere Zimmer kann man heizen und instandhalten!

Erst als mangels neuer Anmeldungen der Eltern die Mindestanzahl von Schülern massiv unterschritten wurden, zog der Kreistag endlich die Reissleine, was dann auch nicht unerhebliche Instandhaltungsausgaben stoppte, die man für die sterbende Schule schon geplant hatte.

Und in Northeim das gleiche Schema: Bloß nichts ändern an Schulgebäuden! So leisten wir uns in der Stadt zwar nur ein Gymnasium für 1000 Schüler, aber wohl 2 Schulen und Schulstandorte für 620 Haupt- und Realschüler. Warum? Warum wird nicht im Schulzentrum Südstadt zusammengeführt?

700.000 Euro kostet der Unterhalt der Schule an der Arentsschildstraße, die man besser in ggf. nötige Erweiterungen in der Südstadt stecken könnte – das würde sich in wenigen Jahren amortisiert haben, zumal es auch denkbar wäre, dass Teile der Kästner-Schule einbezogen werden, die nur noch von ca. 100 Schülern besucht wird. Und der Kreiszuschuss von derzeit 3 Millionen Euro für eine neue Schulturnhalle stünde ebenfalls für Bauvorhaben im Schulzentrum zur Verfügung!

Ja, nun lasse auch ich mich von der Gebäudepolitik leiten… – was aber ein viel gewichtigerer Aspekt ist: durch das Zusammengehen von Oberschule und Thomas-Mann-Schule könnten in kürzester Zeit pädagogische Kapazitäten freigesetzt werden, die zu einer quantitativen und/oder qualitativen Verbesserung des Lernbetriebs oder der inklusiven Betreuung verwandt werden könnten. Dazu braucht man kein Abitur, Addieren und Dividieren reichen eigentlich für eine Rechnung, die scheinbar niemand ernsthaft in Betracht zieht: 4-6 Lehrer wären nach dem Zusammenschluss für die Verbesserung des Lehrbetriebs freigesetzt – plus die Stunden und Stellen, die durch die Verschlankung/Zusammenlegung der Schulbürokratie frei würden. Aber Qualität des Unterricht/der Betreuung ist ja kein Ziel der Kreis-Schulgebäude-Politik, schade eigentlich…

Sie mögen/Ihr mögt es nicht glauben? Hier mal meine kurze, überschlägige Rechnung:

Schule / Klasse5678910
Oberschule445960625475
Klassen233434
Sch./Klasse222020161819
TMS293541494044
Klassen223333
Sch./Klasse151814161414
Gesamt IST739410111194119
Klassen456767
Sch./Klasse181917161617
       
EINE Schule739410111194119
Klassen455556
Sch./Klasse181920221920
Diff Klassen001211

Mit einer geringfügigen Erhöhung der Schülerzahlen je Klasse (3-6) würden 5 Klassen nicht mehr benötigt. Bei 30 Wochenstunden je Klasse wären das 150 Stunden, die nicht erteilt werden müssten. Rechnen wir 25 Unterrichtsstunden je Lehrer, wären das 6 Lehrer, die zur Verbesserung der Schul-Qualität eingesetzt werden könnten. Plus ein Rektor und ein Konrektor -aber das könnte ja die zweite Hürde sein…

Quelle: Kreistagsinfosystem Landkreis Northeim

Drucksache Beschlussvorlage – 0949/19
https://www.landkreis-northeim.de/allris/wicket/resource/org.apache.wicket.Application/pdf:anl1018688!2

Weihnachten? Verbieten! Sofort!!!!

Weihnachten ist das Fest des verklärten Blicks – romantisch und voller Schmelz, verbunden mit den Erinnerungen an die Kindheit… Aber was hinter den Kulissen passiert – das wollen wir überhaupt nicht wissen! Und es tun sich Abgründe auf!

Da muss ein alter Mann, der aufgrund lückenhafter Beschäftigung wahrscheinlich noch nicht einmal die Grundrente erhält, im Dauereinsatz Botendienste erledigen – ohne Rücksicht auf geregelte Arbeitszeiten: Ärzte und Berufsgenossenschaften drehen da nur noch im Roten wegen der Verletzungen der Arbeitszeitverordnung. Und ob die Beschäftigung ordnungsgemäß registriert ist? Steuern, Sozialversicherung, Krankenkasse, Soli? Rentenkürzung wegen Zuverdienst? Wahrscheinlich kann auch die Fahrt zur Arbeit nach Grönland im Rahmen der Pendlerpauschalen nicht geltend gemacht werden.

Und die EU protestiert laut, da die jeweiligen Tätigkeiten in den verschiedenen Ländern nicht angemeldet seien, um als Entsendung nach lokalem Steuerrecht abgerechnet zu werden. Aber einen Vorteil gibt es in diesem Jahr letztmalig: kein Zoll für Auslieferungen in Großbritannien wg. fehlendem Brexit…

Verbittert regen sich auch erste Proteste aus der Wirtschaft: Der Weihnachtsmann habe bei der Beschaffung der Geschenke den lokalen Einzelhandel nicht umfassend berücksichtigt und von Zustellern sei ihnen zugetragen worden, dass auch sprechende Amazon-Pakete nach Grönland geliefert worden seien – daneben seien auch Zalando-Schreie in der Eiswüste zu hören gewesen. Wahrscheinlich wären für die Sendungen in den Norden auch noch von widerrechtlich schlecht bezahlte Subunternehmer der Paketdienste angeheuert worden – und die Grönland-Papers warteten schon in der Druckerschlange!

Auch der Tierschutzverein läuft Sturm: was sei mit den Rentieren und dem Tierschutzgesetz? Keine artgerechte Haltung, Zwang zum Fliegen (Cockpit ist noch nicht aufgewachte, sonst hätten die Tiere statt geschmückter Geweihe schon Trillerpfeifen dabei…), keine Futter- und Auslaufpausen. Um das durchzuhalten würden die Tieren wohl mit alkoholischen Getränken gedopt – die roten Nasen sprächen Bände!

Natürlich hat auch die Polizei schwerste Bedenken bezüglich der Straßenverkehrsordnung: Schlittenparken im Halteverbot, Geschwindigkeitsübertretungen gerade in Tempo30-Zonen und Spielstraßen, nicht zu sprechen von der Verletzung der Kennzeichnungspflicht von Fahrzeugen mit Geschwindigkeiten > 6 Km/h: wohin sollen schließlich die ganzen Bußgeldbescheide zugestellt werden, die aufgrund der Bilder in den Radarkontrollen fällig werden?

Auch gegen den Fahrer muss zusätzlich strafrechtlich ermittelt werden, da er mit Ganzkörperkostüm und Vollstbart ganz eindeutig das Vermummungsverbot verletze! Bei dem Wort Fahrer regen sich nun auch Gleichstellungsbeauftragte*Innen: Die Besetzung dieser Stelle nur mit Männern sei mindestens eine Verletzung des Verfassungsgrundsatzes der Gleichstellung von Mann und Frau! Hier müsse energisch gegengesteuert werden! Und aus einer Ecke ist auf einmal ganz deutlich der Ruf der SPD zu hören: Doppelspitze!    

Wen haben wir noch? Der Bezirksschornsteinfeger fuchtelt wie wild mit dem Kehrbesen: Die Nutzung des Kamins zum Eintritt in die Wohnung sei entgegen aller Vorschriften der Feuerstättenverordnung, hier müsse Einhalt geboten werden. Da stimmt dann auch die Feuerwehr ein: und im Übrigen müsse auch die Nutzung von echten Kerzen und offenem Feuer per sofort untersagt werden – Brandschutz gehe schließlich vor!

Aber das lenkt nur von schlimmsten aller Fälle ab: Kinderarbeit! Die niedlichen kleinen Engel würden nicht nur zur Arbeit gezwungen, sondern obendrein noch zu Dauerschichten – und das Ganze im bitterkalten Winter ohne – vom Arbeitgeber zu stellender – wärmender Arbeitsschutzkleidung! Dieser Verstoß müsse der UNO gemeldet werden – und natürlich den Gleichstellungsstellen, denn anhand der jetzigen Nicht-Kleidung wäre eindeutig zu erkennen, dass ausschließlich männliche Bewerber den Zuschlag erhalten hätten!  

Ja, diese Welt ist im Chaos – zumindest solange, bis wir aus diesem Traum eines überzeugt Regelwütigen erwachen. Und uns besinnen:

Weihnachten ist anders, es ein Fest außerhalb der Zeit, ein Fest der Bilder und der Träume – sowohl der erfüllten als auch der, die hoffentlich bald vom Geist der zukünftigen Weihnachten erhört werden. Aber das schönste an diesen Träumen ist, dass sie uns erfüllt werden, ohne dass wir eine Gegenleistung erbringen müssen. Sie werden erfüllt, weil wir einfach nur da sind und weil es Menschen gibt, die uns mögen oder lieben – um unserer selbst willen. Und die wir lieben – um ihrer selbst willen!

Das Geschenk ist das Zeichen – aber worum es geht, ist Zuneigung und Liebe, Unterstützung und gemeinsame Freude, aber auch der Trost – und die Gewissheit, nicht allein zu sein. Das Angekommen-Sein und das Angenommen-Sein – und das Nicht-Vergessen-Sein…

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein tolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in die Doppel-20!

Euer Arndt Christian

Schluss mit der Veräppelei!

Das war schon interessant zu lesen: für die Erweiterung der Verwaltung und ein Kundenzentrum benötigen die Stadtwerke Northeim ein Grundstück, das in etwa so groß ist wie ein Bundesliga-Fußballfeld – 6000 qm! Wer derartige ‚Wahrheiten‘ kritiklos übernimmt und in der Presse wiedergibt, muss sich entweder dem Vorwurf stellen, naiv zu sein, oder sich bewusst dafür entschieden haben, die Öffentlichkeit zu desinformieren. Da könnte man auch einmal überlegen, sich künftig dem Wählerwillen nicht mehr zur Verfügung zu stellen – veräppeln können wir uns selbst!

Wenn die Stadtwerke (das sind ca. 55 Mitarbeiter!) tatsächlich das Verwaltungsgebäude ausbauen wollen, dann stehen rund um das bestehende Gebäude Flächen zur Verfügung und über 200 qm zusätzlicher Fläche vom Mühlenanger-Gelände könnte man immer positiv entscheiden: bei einem Bau mit 3 Stockwerken könnten dann locker 600 qm Verwaltungsflächen gebaut werden, ohne den Mühlenanger ‚anzuknabbern‘.

Apropos Kundenzentrum: das ist übrigens im letzten Jahr ganz neu in das Bürgerbüro – mitten in der Stadt – integriert worden; was soll das Gerede, nun das Zentrum – wesentlich schlechter erreichbar – am Mühlenanger zu platzieren. Oder ist die Frequenz in der Stadt so spärlich, dass es sich überhaupt nicht lohnt wg. Nichterscheinen der Kunden? Dann wäre das auch am Mühlenanger eigentlich überflüssig.

Dieser ‚Streifen‘ soll an das Gelände angeschlossen werden – ungünstiger geht nicht, da das bisherige Gelände zu dieser Seite hin durch die bestehenden Gebäude völlig abgeschnitten ist. Die einzig vernünftige Alternative für die Erweiterung von Lager- und Garagenräumen ist die Verlagerung des Gesamtlagers an die Peripherie der Stadt, was zusätzlich den ganzen Anliefer- und Abholverkehr zum und vom Lager aus der Kernstadt herausholt. Da lassen auch mal die Klimaziele grüßen!

Was denn nun auch immer der wahre Beweggrund für diese Aktion ist: Was soll dieses Herumwieseln um den Mühlenanger: das ist seit Jahrhunderten der zentrale Veranstaltungsort in der Stadt, der aufgrund seines (nahezu quadratischen) Zuschnitts und der ‚Unbebautheit‘ optimal als Multifunktionsfläche für viele verschiedene Events zur Verfügung steht. Diesen Platz gibt es kein zweites Mal!

Wohl aber Gewerbeflächen – rund um Northeim kann man sich damit totschmeißen und es ist ja wohl kein Ziel, Gewerbegebiete in der unmittelbaren Kernstadt anzusiedeln oder zu vergrößern. Wenn doch, so müsste es verdammt gute Argumente geben, um diesen einzigartigen Platz für andere Zwecke umzuwidmen: vorrangige Zwecke, die im Interesse der Bevölkerung liegen und die auf keinem anderen Platz in der Stadt Northeim zu realisieren wären. Und die sehe ich – und wahrscheinlich geht es 95% der Bevölkerung auch so – NICHT!

Um es kurz zu sagen: Hände weg vom Mühlenanger – niemand hat die Verwaltung beauftragt, dort tätig zu werden. Und wenn die Verwaltung gern tätig werden möchte: in der Innenstadt gäbe es da eine Reihe von Aufgaben!

Das ist übrigens der Blick auf den ‚hoffnungslos überfüllten‘ Hof/Lager der Stadtwerke – über die optimale Platzierung des Rohrlagers in der Mitte des Hofes ließe sich sicher auch einmal diskutieren… Und wenn es darum geht, eine zweite Aus-/Zufahrt zu haben: Auch gerne über den Nordost-Zipfel an der Seite des 1910er-Saalbaus, wer würde den SWN da nicht ein Wegerecht zugestehen?

Im Dunkeln ist gut munkeln

Hier nur mal zur Vollständigkeit mein ‚echter‘ Leserbrief, der etwas gekürzt am 21.10.19 in der HNA zu finden war. Besonders schmerzlich ist natürlich der Verlust der Bemerkung zu den Lagerflächen für Solarstrom….

Nun ist die Katze aus dem Sack: 40 Meter in der Breite sollen vom Mühlenanger abgetrennt und an die Stadtwerke verkauft werden: Das ist also das, was man unter einem ‚kleinen Streifen‘ versteht: die Betriebsfläche wird mehr als verdoppelt – und der Zweck ist ‚geheim‘! Aber auf jeden Fall zum Schnäppchenpreis von ca. 32 Euro/qm.
Kann mir jemand erklären, wie die Stadtwerke ihre Geschäfte ausdehnen wollen, wofür dieser Platz bestimmt wäre? Etwa Betriebs-Wohnungen? Oder soll da ein Lagerplatz für Solarstrom errichtet werden samt 30 Meter hohem Hochregallager? Alternativ kann man sich auch einen Lagerplatz für Jutesäcke vorstellen, denn davon brauchen wir eine Menge, um Licht ins Rathaus und speziell in den Verwaltungsausschuss zu bekommen, der für manche Politiker der bevorzugte Tummelplatz ist. Viel Spaß weiterhin beim Munkeln im Dunkeln!
Und eines noch: wenn die Stadtwerke diesen Zusatz-Platz benötigen – und über 10 Meter kann man nachdenken, ohne die Nutzung des Platzes nachhaltig zu gefährden -, dann sollten sie das Areal kaufen, wenn es spruchreif ist. Ich denke nicht, dass die Stadt anderen Interessenten in der Zwischenzeit diesen Platz verhökern wird.
Und wenn man wirklich einmal strategisch denken wollte: Dann geben die Stadtwerke ihren Lagerplatz auf, der so innenstadtnah liegt, dass es eine Zumutung für alle anliefernden LKW und alle betroffenen Anlieger ist. Und bauen in beliebiger Größe im neuen Gewerbegebiet an der Westumgehung, dessen Kosten feststehen und dessen Vermarktung weitgehend in den Sternen zu finden ist. Und der alte Platz arrondiert das bestehende Wohngebiet…

Hat sich bewährt!

Ja, was hat sich denn bewährt? Die Northeimer Mühlenstraße als Einbahnstraße – allerdings nicht für Busse und Fahrräder. Aber was war denn der Maßstab, was waren die Kriterien, aufgrund derer dieses Urteil gesprochen wurde?

Schauen wir doch einmal ganz genau auf die Situation: Für den Abschnitt zwischen Neustadt und Markt hat sich mit dieser Regelung überhaupt nichts verändert – was soll sich da bewähren?

Bleiben also nur die Besucher der Innenstadt übrig, die aus der Neustadt oder der Mauerstraße kommen. Bei der Betrachtung dieser ‚Massen‘ fallen aber per se die Verkehrsteilnehmer weg, die aus Westen und Süden bzw. aus dem Wieterviertels kommen: denn die biegen nach rechts (Neustadt) oder links (Mauerstr.) ab wie bisher. Für die hat sich auch nichts geändert oder neu bewährt!

Bleiben also die Ossis und die Nordis übrig, die in den guten alten Zeiten einfach nach rechts aus der Mauerstraße abbogen, um die letzten 50 Meter der Mühlenstraße hin zum Mühlentor zu folgen. Für die Zielrichtung ‚Ost‘ bietet sich jetzt nur noch an, der Mühlenstraße nach Süden zu folgen und dann die wunderschöne Ansicht von Holzhäuserstraße und Häuserstraße mitzunehmen, um nach Hause zu kommen. Wem das nicht reicht, der kann auch die touristisch wertvolle Route über Entenmarkt, Kalandshaus, Häuserstraße und Schaupenstiel wählen – die lassen nichts aus, um die Innenstadt zu beleben! Damit wird auf jeden Fall etwas mehr Verkehr in der Mühlenstraße produziert und die Anlieger der kleinen Kopfsteinpflasterstraßen freuen sich auch ungemein über den zusätzlichen Durchgangs-Besuch!

Bleiben also die Nordstädter bzw. die Gäste aus Richtung Einbeck/Seesen übrig: Die konnten einfach auf der Mühlenstraße aus dem Parkplatz heraus wenden (denn der Verkehr dort ist immer überschaubar gewesen) und auf kürzestem Weg retour fahren. Oder aus Neustadt bzw. Mauerstraße nach Norden abbiegen und raus! Und es soll auch kein Geheimnis bleiben: Zu dieser hocherfreuten Gruppe zähle ich mich dazu!

Komme ich jetzt aus der Mauerstraße (guter Parkplatz-Tipp!), dann darf ich in der Unteren Straße zusätzlich den Parkplatz des Altro Mondo kontrollieren, bevor ich in die Stubenstraße einbiege, um dann als Linksabbieger auf den Friedrich-Ebert-Wall zu gelangen und dann an der Mühlenkreuzung zu warten: sinnlose 250 Meter mehr Autoverkehr und Abgas! Und beim Linksabbiegen auf den Fr.-Ebert-Wall ist die Sicht eingeschränkt, oft noch weiter verschlechtert durch parkende PKW der Restaurant-Besucher.

Bin ich dagegen Kunde in der Neustadt, kann ich immerhin noch den Weg über die Stubenstraße nehmen – was aber immer das wenig erfreuliche Links-Abbiegen am Friedrich-Ebert-Wall beinhaltet. Aber in einer unnachahmlichen Art will man von Seiten der Stadt nun die Stubenstraße von der Fahrtrichtung umkehren, damit der ‚Abkürzungsverkehr‘ (ja, richtig gelesen: ‚abkürzen‘ ist unerwünscht!) diesen Weg nicht mehr findet. Dann würde man gezwungen, nach dem Einkauf bei Kniep mal eben zur Medenheimer Straße zu fahren, um via Ampelanlage an der Brikett-Bar dann zurück zur Mühlenkreuzung zu gelangen: ca. 300 Meter zusätzliche Fahrweg – Esso lässt danken und das Klima grüßen!

Was hat sich also bewährt? Die Nachteile der Besucher! Was hat sich verändert? Nichts! Und die Einrichtung eines gastronomischen Freisitzes oder der Zustand der Fahrradbügel hat mit der Verkehrsregelung absolut nicht zu tun – hier irgendetwas ableiten zu wollen, zeigt einmal mehr, dass nicht alle das kausale Verstehen verstehen…

Aber wenn es in den ‚Geheimakten‘ doch noch einen Kriterienkatalog gäbe, der vor und nach der Einführung empirisch gesichert bewertet worden sein sollte und aus den Ergebnissen dann eine positive Differenz ermittelt worden wäre, dann nehme ich natürlich alles zurück – versprochen, Ehrenwort!          

…..aber nicht petzen!

…einer ist es immer gewesen…aber nicht verraten, wer!

Wir kennen das ja alle aus der Kindheit: irgendeine Dummheit passiert, es gibt keinen oder geringen Schaden und im Nachhinein betrachtet, ist das, was passiert ist, kein Unglück, sondern in den meisten Fällen eher ein Ungeschick. Und alle Beteiligten halten natürlich die Schnauze – bis irgendwann und irgendwo dann doch irgendwer ‚petzt‘ und dem gnadenvollen Vergessen keine Chance mehr lässt! Der hatte es dann in den folgenden Wochen doch etwas schwerer, aber meistens gab es dann auch für ihn eine ‚Begnadigung‘. 

Und wenn man 20 Jahre später diese Geschichten an Kaffee- oder Biertisch erzählt, bekommen alle strahlende bis feuchte Augen ob dieser wunderbaren Kinderzeit und den vielen kleinen ‚Banden-Geheimnissen‘.

Ja, diese Erinnerungen sitzen tief – und auch heute noch mag niemand den ‚Petzer‘! So muss es wohl auch bei unseren Northeimer Kommunalpolitikern aussehen – und die haben glasklar erkannt, dass der Petzer heute ‚Internet‘, Vorname ‚Live-Stream‘, heißt. Und ihm folgerichtig die rote Karte gezeigt! Bravo, Kinder!

Nur eins scheint ihnen entgangen zu sein: es geht heute nicht mehr ums ‚Äppelklauen‘ oder heimliches Rauchen. Selbst in unserer kleinen Stadt am Rande der wirklichen Welt geht es jedes Jahr um satte 30 Millionen Euro, die nach den Weisungen des Stadtrats sinnvoll ausgegeben oder maßlos verpulvert werden. Das ist, liebe Ab- und Beigeordnete, keine Rolle Drops, sondern echtes Geld, auf das Leute in der echten Welt Jagd machen!

Wenn dann ein Argument kommt: „Wir machen das doch alles für umsonst in unserer Freizeit!“, ja, dann wird es ehrlicherweise nur noch peinlicher: Niemand wird gezwungen, das zu machen – und ob ich das Geld in der Freizeit oder in der Verbeamtung verschleudere, spielt für den Steuerzahler keine Rolle: die Geldgeber erwarten mit allem Recht eine verantwortungsvolle und ernste Treuhänderschaft – und diese muss so öffentlich sein, wie es möglich ist, damit auch alle, die nicht Donnerstags um 17 Uhr ein paar Stunden Zeit vernichten können, das Ganze mitverfolgen können, um sich ihre Meinung über die Themen und die Arbeit bzw. den Auftritt ihrer Volksvertreter zu bilden.

Und ein Treuhänder kann nur mit offenen Karten spielen – und muss offen darlegen, warum er/sie im Sinne seiner/ihrer Wahl-Schäfchen eine Entscheidung getroffen hat. Wer lieber schweigt und das Mikrofon meidet, muss sich dann doch ernsthaft fragen lassen, ob er als Repräsentant des ‚Volkes‘ wirklich am richtigen Platz ist. Aber da heute schon die Northeimer Ratsversammlung zu 80% aus Schweigern besteht, ist zumindest für diese ‚stille Mehrheit‘ doch ein Live-Streaming per se nichts, was sie berührt.

Ach ja: da kommt dann auch das Argument daher, dass manche StadträtInnen die Kamera zu ’Show‘-Darstellungen anreizen würden? Keine Angst, das tut auch schon das Mikrofon. Und was soll schlecht daran sein, dass eine Meinung effektvoll und gut inszeniert an die potentiellen Wähler herangetragen wird? Wenn ich meine, für das ‚Richtige‘ zu streiten, dann setze ich alles daran, dies auch ‚rüberzubringen‘ – dröge irgendwas über irgendwelche Verwaltungsvorschriften in das Mikro zu nuscheln – das können wir uns schenken bzw. das wäre die Aufgabe eines kompetenten Rechtsamtsleiters.

Was haben wir vergessen? Den Missbrauch natürlich! Was könnte die Welt mit den Live-Stream-Aufnahmen denn alles machen? Zurechtschneiden, Fälschen, Verfremden, böse GIF’s daraus machen. Aber liebe Leute, was glaubt ihr denn, wie wichtig das ist, was hier in der Ratsversammlung passiert? Außerdem kann alles durch den Original-Stream sofort belegt und zurechtgestellt werden. Das Potential dieses Missbrauchs ist genauso hoch wie die Gefahr bei Wahlplakaten mit Köpfen, dass Ihnen Bärte angemalt werden. Man sollte auch dazu bedenken, dass, wenn man am Straßenverkehr teilnimmt, man sowohl selbst jemanden verletzen oder töten kann als auch, dass das einem selbst widerfährt. Und wer verzichtet dann darauf? So ist es halt auch mit dem Informationsverkehr… – den nicht alle Ratsmitglieder wirklich beherrschen: Gold wert war die Anmerkung, dass es ja seit neuestem ‚diese GIFs‘ gäbe, mit denen man solche Kurzanimationen machen könne aus Schnipseln von realen Bildern. Guten Morgen auch, dieses Format gibt es seit 1987 und es war schon zu Beginn des Jahrtausends im langsamen ISDN-Internet ein ‚Burner‘ oder ‚Hype‘.

Zu guter Letzt noch ein Wort zu zwei guten Seelen, die das gute alte Zwiegespräch mit dem Wähler doch immer bevorzugen und das viel besser finden als diese ganzen neumodischen Kommunikationskanäle. Liebe Frau P. und lieber Herr H.: wie soll das gehen? Und wie soll sich das, was besprochen wurde, denn weiterverbreiten? Mit stiller Post? Die Ergebnisse kennen wir schon von Kindergeburtstagen!

Aber wir können auch rechnen: Bis Anfang September hatten ca. 300 Personen die Online-Petition zum Erhalt des Mühlenangers unterschrieben – nur die Spitze des Eisbergs: wenn Sie nur 10 Minuten pro Gespräch, in dem Sie ihre nicht-repräsentative Meinung hätten erläutern wollen, ansetzen, wären Sie damit 3000 Minuten = 50 Stunden beschäftigt… Das, was da als individuelles, dialogisches und mitmenschliches Kommunikationsangebot angepreist wird, ist doch nichts anderes als ideologisches Gesabbel.

Das schreckt ja unsere ‚stillen Stars‘, die Mehrheit der Northeimer Ratsvertreter (nicht alle!), dass auf einmal alle, die zuschauen und sich interessieren, Stellung nehmen können und etwas dazu sagen (auch wenn 10% davon besser geschwiegen hätten – aber das muss man als Demokrat wegstecken können). Und das tut Not, wie wir am Mühlenanger-Thema gesehen haben, wo die Anschauungen in Rat und Wahlvolk einfach diametral entgegengesetzt sind.

Und wir können jetzt auch gut verstehen, warum alle Ratsmitglieder so gern in den Verwaltungsausschuss des Rates kommen wollen: da gibt es nämlich keine Petzer, sondern nur die Koalition der Schweiger: die Tagesordnung ist geheim, die Abstimmung ist geheim, ein Protokoll gibt es nicht, die Ergebnisse werden ‚verkündet‘ – oder auch nicht.

Ein weiteres Beispiel? Mir fällt auf jeden Fall eines ein: Der Verwaltungsauschuss beschließt, das Obdachlosenheim am Eschenschlag zu bauen. Nur wenige Tage später bei der öffentlichen Sitzung des Bau-Auschusses ist wiederum die Öffentlichkeit zugelassen, die mit Protest über die Platzwahl nicht zurückhält. Sie erinnern sich? Das war’s dann gewesen, auch dieser Beschluss ging den Bach hinunter…     

Schuhwallhalle – kein Plan, kein Ende, keine Ideen….

Vorbemerkung: Dieses Memo hatte ich am 16.10.2018 an den Northeimer Bürgermeister geschickt. Einiges ist nicht mehr ganz aktuell, aber im Kern ist die Analyse für mich weiterhin so äußerbar.

Getrieben von den derzeitigen Erfolgen des Handballclubs (3. Liga) wird eine Diskussion um den Zustand der heutigen Schuhwallhalle geführt, der bei vielen Beteiligten der Northeimer Lokalpolitik zu einem ‚Schrei‘ nach einem angemessenen Neubau für die Handballer geführt hat. Eine Sanierung der alten Halle wird zwar immer als Alternative angeführt, aber zumeist als völlig unrealistisch im selben Atemzug verworfen. Darüber, dass ein Neubau allemal ‚sexier‘ und meritenreicher daherkommt, müssen wir hier nicht diskutieren.

Und die öffentliche Diskussion nimmt diesen Zug natürlich gerne auf, sind doch die Beteiligten immer lieber Träger und Teil einer ‚progressiven‘ Lösung als einer Reparaturmaßnahme.

Was aber ist uns denn dieser Schritt zu der ‚Sportstadt Northeim‘ wirklich wert, was darf er wert sein? Pikanterweise wurde der von der Realität gänzlich ungedeckte Slogan ‚Sportstadt‘ vom Vorsitzenden des Handballvereins eingeführt – ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt. (HNA 2.9.2015)

Da die Northeimer Politik durchaus in kleinen Maßstäben zu denken gewillt ist, wurde natürlich die erste Idee die beste Idee: Gleich neben der alten Halle eine neue bauen, damit wird dann das Grundstück, das ‚Wohnen in Northeim‘ gehört, endlich genutzt und durch die Nähe zur Oberschule Northeim kann man der Kreiskasse durch die Planung als Schulsporthalle noch schnell 3 Millionen entlocken. Wohlgemerkt: Alles, was verbaut wird, sind Steuergelder, egal ob aus Rathaus, Kreishaus, Hannover oder Berlin…

Aber gehen wir einmal Schritt für Schritt vor – Ideen, Fakten und Fragen bunt gemischt, damit am Ende sich vielleicht wirklich eine rationale Entscheidung abzeichnen könnte…

Northeim – Daten und Fakten

  • Die Stadt Northeim hat derzeit Invest-Kredite in Höhe von ca. 24 Millionen Euro
  • Erste Planungen, die von der Sparkasse bezahlt wurden, haben einen Kostenrahmen von 12 Millionen Euro ermittelt, allerdings ohne alle Risiken zu berücksichtigen, v.a. das der Beschaffenheit des Geländes hinsichtlich des Grundfundaments der Halle.
  • Die Bausumme ist ohne Mehrwertsteuer, der Bauherr Stadt Northeim müsste zusätzlich 2,4 Millionen einplanen.
  • Die Baukosten haben sich in den letzten 18 Monaten rasant entwickelt, die ursprüngliche Schätzung müsste inflationär angepasst werden -> ggf. nochmals zusätzlich 20%, wenn in Hochkonjunktur gebaut wird.
  • Die üblichen Mehrkosten kämen on top – Beispiele aus allen Ecken der Republik lassen auch hier nichts anderes erwarten.
  • In Summe könnte man mit ca. 20 Millionen rechnen, was – ohne Zuschüsse – fast zu einer Verdopplung der Schulden führen würde. Außerdem würde diese Investition(?) absehbar niemals eine Rendite abwerfen.
  • Die Übertragung der Bautätigkeit z.B. an die Stadtwerke (um die Vorsteuer zu sparen) ist steuerlich zweifelhaft, da die Zulässigkeit der Konstruktion eines steuerlichen Querverbunds (daran denkt möglicherweise mancher in der Stadtverwaltung) m.E. eher unwahrscheinlich ist. Die Sporthalle als solche ist kein Wirtschaftsfaktor, der jemals Gewinn erzielen wird.
  • Der Blick nach Göttingen lohnt sich auch hier: dort werden die Sportanlagen einschließlich des Umsatzträgers ‚Badeparadies Eiswiese‘ von der Göttinger Sport- und Freizeit GmbH und Co. KG betrieben, die im letzten Jahr 3,6 Millionen Euro Gewinn damit gemacht haben – das gibt es in Northeim nicht…
  • Die Halle wurde für 750 Zuschauer geplant; bei einem weiteren Aufstieg also sofort wieder zu klein dimensioniert.
  • Zudem: diese Planung ist eine private Schätzung initiiert durch die KSN, die Vorgaben dazu kommen – man wird es nicht glauben – natürlich vom Handballverein…
  • Und ein kleiner Blick zurück zur Sportstadt: Der Kunstrasenplatz (Bausumme 600.000 Euro) des Fußballvereins, des größten Vereins der Stadt, wurde übrigens mit 100.000 Euro gefördert. Dem einen so, dem anderen anders…

Über den Zaun geschaut

  • In Göttingen gibt es übrigens eine Sparkassen-Arena mit ca. 3200 Zuschauerplätzen, die auch von der gegenüberliegenden Schule als Sporthalle mitgenutzt wird.
  • Diese Sporthalle mit der vierfachen Kapazität der geplanten Halle in Northeim hat übrigens 7,5 Millionen Euro gekostet – vor ca. 6-7 Jahren.
  • Auch der Northeimer Handballverein hat dort schon gespielt – die Resonanz war sehr gut: in beiden Fällen mehr als 2000 Zuschauer – da bekommt man einen Eindruck vom möglichen Publikum.
  • Schuhwallhölle hin oder her – das Potential ist viel größer als das, das die ‚popeligen‘ 750 Plätze in Northeim abdecken würden. Die Möglichkeiten, die Zuschauermengen der Großstadt Göttingen mit zu nutzen – das wäre der Weg in eine Handballzukunft mit Aufstiegschancen; und angesichts der Gelder, die für den Betrieb gebraucht werden, müssen diese Zuschauer her – und damit auch die Aufmerksamkeit der möglichen Sponsoren. 

An den Stadtrand geschaut

  • Und wenn man in Northeim etwas größer denken möchte, dann sollte man einmal dieses Planspiel beurteilen:
  • Die Oberschule Northeim ist im gleichen Alter wie die Sporthalle, also marode, aber instandgesetzt. Die Schülerzahlen der Oberschule werden nicht mehr steigen, der Zug zu höheren Abschlüssen wird weiter anhalten, ebenso wie der Rückgang der Geburtszahlen.
  • Warum wird die Oberschule nicht in das Schulzentrum am Südende der Stadt integriert?
  • Jenseits des Martinsgrabens ist gerade die Bebauung freigegeben – zumindest realistisch für die 30 Sahnebonbon-Bauplätze, mit denen sich verdienen lässt. Die Flächen für den Geschosswohnungsbau sind einfach da, aber ohne Interessenten. Und gleichzeitig werden auf der gegenüberliegenden Seite der Straße etliche der vorhandenen und leerstehenden 500 Wohnungen renoviert…Warum wird eine zentrale Sporthalle dann nicht dort geplant, die natürlich wiederum auch als Sporthalle für das Schulzentrum genutzt werden kann?
  • Die Erreichbarkeit dieser Sporthalle – auch aus Richtung Göttingen – wäre optimal, kein Verkehr würde in die Wohngebiete gezogen! Parkplätze rundherum? Überhaupt kein Problem!
  • Und zurückgeschaut auf das Areal an der Arentsschildstraße/Schuhwall: hier wären dann innenstadtnahe Baugrundstücke auszuweisen, die sich in die vorhandene Siedlungsstruktur einpassen – Verdichtung der Bebauung statt ständig neuem Landschaftsverbrauch.
  • Wenn dann eine neue Halle am Stadtrand entsteht und die Schuhwallhalle moderat renoviert wird, wäre tatsächlich eine Erweiterung des Sporthallenangebots für alle Breitensportvereine erreicht – das hat vor kurzem auch Malte Schober versucht, in die Diskussion zu bringen; soweit ich es gelesen/gehört habe, allerdings ohne Resonanz.

Verschwiegene Fakten

  • Sollte es zu einem Abriss der Schuhwallhalle kommen, fällt wohl auch der westliche Anbau der Sporthalle: dort befindet sich das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke, das vornehmlich das Hallenbad speist, aber auch Wärme/Strom an die Sporthalle abgibt.
  • Die Baukosten für ein neues Blockheizkraftwerk werden vorsichtshalber mal eben nicht erwähnt – zahlen ja auch die Stadtwerke – und damit wir als Stadtwerke-Kunden…
  • Die Lage einer neuen Sporthalle in einem Siedlungsgebiet führt auch zu der Verkehrswege-Frage: An- und Abfahrt zu der neuen Halle (mit hoffentlich vielen Veranstaltungen) führen durch kleine Anliegerstraßen: Liststraße, Arentsschildstraße und Baumschulenweg. Die sind dafür nicht ausgelegt und die Belastung der Anwohner ist dabei noch nicht einmal diskutiert.
  • Zwangsläufig muss ein Verkehrskonzept her, dass diese Frage zufriedenstellend löst: das kann eigentlich nur durch den direkten Zugang vom Friedrich-Ebert-Wall geschehen, der den Verkehr auf kurzen Wegen zu den Bundesstraßen führt; dazu müsste allerdings der Bahnübergang neben dem Hallenbad für den beidseitigen Verkehr vollkommen neu gebaut werden. Auch diese Kosten tauchen nirgendwo auf….

Hausaufgaben

  • Schon seit mindestens anderthalb Jahren ist die Stadtverwaltung aufgefordert einen Kostenvergleich Sanierung vs. Neubau vorzulegen. Soweit ich sehe: Fehlanzeige – oder radikaler ausgedrückt: Arbeitsverweigerung. Der Bürgermeister Simon Hartmann hat zwar in letzter Zeit diese Variante wieder in die Diskussion gebracht, aber von konkreten Ergebnissen habe ich noch nichts gehört.
  • Die energetische Sanierung der Schuhwallhalle ist ja ein beliebtes Mittel, um die ‚Marodität‘ herbeizureden; war im letzten Jahr aufgrund einer Anfrage der SPD-Fraktion noch ein durchschnittlicher Heizungsverbrauch von 50.000 Euro genannt, legte Herr Dodenhöft vor wenigen Wochen auf einmal 75.000 Euro vor – ich weiß nicht woher?
  • Wenn man den Verbrauch auf 25.000 Euro verringern könnte durch energetische Sanierung, dann wäre ein Invest von 1 Million ja schon nach 40 Jahren amortisiert…hier wäre besser etwas weniger als etwas mehr zu tun.
  • Vom Handballbund wird ja die Abmessung der Halle kritisiert: 40 cm zu wenig Auslaufraum hinter den Toren. Hieß es zuerst: keine Gnade vom DHB, so ist diese nun bis 2020 gewährt…; was ich mich frage: gibt es wirklich keine Möglichkeit, die Wand etwas zu versetzen, damit diese lächerlichen 40 oder 80 cm gewonnen werden? Und wegen 40 cm eine neue Halle bauen…lächerlicher geht’s nimmer… — und es gibt ja die Sparkassen-Arena in Göttingen…siehe oben!
  • Wenn alles nichts hilft, dann gibt es ja noch die Brandschutzschau – oder so ähnlich, damit hat man schon ganz andere Gebäude flachgelegt. Man hüte sich nur davor, den obersten Brandschützer durch die Häuser der Innenstadt zu schicken…auf der anderen Seite könnte das helfen, die 500 Wohnungen in der Südstadt zu füllen…

Das demokratische Procedere

  • Bislang war ich immer davon ausgegangen, dass ein Neubau-Projekt der Kommune von dieser vorbereitet wird in Form eines Anforderungs- bzw. Leistungskatalogs.
  • Bei großen Projekten gibt es dann einen Entwurfs- bzw. Architektenwettbewerb, wobei der beste oder kostengünstigste Entwurf von den politischen Gremien ausgewählt wird.
  • Die Diskussion darüber findet im öffentlichen Raum statt und kann von allen verfolgt, diskutiert und kritisiert werden. Soweit die Theorie
  • Im Fall des vorliegenden 12-Millionen-Entwurfs kann ich diese Vorgehensweise nicht erkennen: Da spricht am Rande einer Veranstaltung die Landrätin (die Zuschussgeberin immerhin) mit dem Sparkassen-Direktor über die Sporthalle. Der erklärt sich bereit, einmal ein Architektenbüro auf Kosten der Sparkasse darüber zu befragen. Den Anforderungskatalog (wohl inklusive des belächelten VIP-Bereichs) lässt der Sparkassendirektor mal eben vom Vereinschef des Handballclubs anreichen. Und präsentiert dann den Entwurf einer Lokalpolitik, die das völlig (positiv?) überrascht entgegennimmt und fortan als Stand und Grundlage der Diskussion verwendet.
  • Transparente Prozesse sehen für mich anders aus…
  • Ja, und zum guten Schluss, bevor es irgendetwas Belastbares gibt, kommt auch noch ein temporärer Fördertopf in Sicht – 100 Millionen für die Republik, und sofort glaubt jemand, dass man für die ungelegten Eier in Northeim daraus schnell die maximale Fördersumme von 2 Millionen abziehen kann, also Eilentscheid etc., ohne irgendetwas in der Hand zu haben – da freut man sich doch, wenn es wenigstens einen privaten Entwurf gibt. So setzt man sich selbst unter Druck und Zugzwang… für 2 Millionen von einer nicht genau zu bezifferten Bausumme ohne Folge- und Zusatzkosten…  

Angesichts des – meines Wissens – größten öffentlichen Bauprojekts der zumindest letzten 20 Jahre sollte hier statt der operativen Hektik der Jagd auf dubiose Fördergelder und des populistischen Ritts auf der kleinen Erfolgswelle der Handballer eine strategische und geordnete Planung Einzug halten. Wenn man also über den Tag hinaus denkt, dann wäre das o.a. Planspiel sicher diskussionswürdig:
– Die Stadt renoviert die Schuhwallhalle
– Die Handballer weichen ab 2020 in die Göttinger Sparkassenarena aus (oder früher)
– Die Oberschule Northeim wandert an den Wieter ins Schulzentrum des Kreises, die weniger gut erhaltenen Teile werden abgerissen, in den renovierten Teilen könnte man so etwas wie ein Gründerzentrum zu subventionierten Mietpreisen etablieren oder es anderen sozialen Zwecken zuführen (Begegnungszentrum, Alten-Tagespflege o.ä.).
– Die Stadt weist rund ums Hallenbad innenstadtnahe Grundstücke für sozialen Wohnungsbau und Reihenhausbesiedlung aus, ggf. mit zentraler Wärme- und Energieversorgung durch die Stadtwerke
– Der Landkreis baut südlich des Martinsgrabens eine zusätzliche Sporthalle, die zusammen mit der Sparkasse, dem Handballverein und interessierten Veranstaltern wie z.B. Tomas Sniadowski zu einer Event-Arena ausgebaut wird.

Win-Win-Win?

…Und ein Update:

Da wird doch jetzt (Mitte Oktober 2018) nochmal ein Gang draufgelegt, um die Sache mit dem Neubau ‚durchzupeitschen‘, ohne dass wirklich Überlegens- und Beratungszeit für das Kontroll- und Entscheidungsorgan Stadtrat gegeben ist.

Nachdem die Bauverwaltung seit fast zwei Jahren den Auftrag verweigert, eine Renovierungskonzeption für die alte Schuhwallhalle vorzulegen und zu bepreisen, kommt eine Schätzung in die Diskussion (nur kurz vor der Ausschusssitzung verteilt und wahrscheinlich von den meisten noch nicht einmal gelesen), die man nur als Farce eines Konzepts zur ‚Ertüchtigung‘ des Altbaus‘ bezeichnen kann. Statt eine Alternative vorzulegen, wird einfach eine Schätzung abgegeben, die genau die Features des Neubaus an den Altbau anlegt, also nichts anderes ist als eine Variante des Neubaus im Altbau unter Einbeziehung einiger Grundmauern. Dass das zu ähnlichen Preisen führt, wird niemanden verwundern.

Abgesehen davon, dass es ein Unding ist, eine derartige Schätzung überhaupt in Auftrag zu geben, die statt eigener Anforderungen der Stadt wieder nur den Wunschzettel des NHC/DHB als Grundlage  hat, kommt dann noch hinzu, dass damit just das Architekturbüro beauftragt wird, dass auch die Privatschätzung des Neubaus vorgenommen hat. Mancher hätte sicher gern eine Zweitmeinung gesehen…

Aber wie sollte das Büro auch ein Sanierungskonzept erstellen: Das Gutachten ist auf der Basis der Baupläne und einiger Fotos entstanden, niemand hat vor Ort das Gebäude besichtigt – ohne Kommentar…

10-15 Millionen im Schweinsgalopp ausgeben, weil damit 16 Stunden Handball-Spiele pro Jahr möglich bleiben? Dafür gibt es einen ganz einfachen Ausweg, der jede Zeit für die Entscheidung und Planung lässt – wie bereits 2x geschehen (mit mehr als 2000 Zuschauern): die Heimspiele werden in der Sparkassen-Arena in Göttingen ausgetragen – übrigens finden dort 3200 Zuschauer Platz, in einer Halle die vor wenigen Jahren für 7,5 Millionen Euro erbaut wurde.