Lemminge im Kreishaus

Ein neuer Radweg, ein Verbindungsweg: Jubel im Ausschuss, 100% Zustimmung der Kreistagsmitglieder, 4,5 Millionen für den ‚Rohbau‘ eines Radwegs durch den Solling, Folgekosten egal….Benutzerfrequenzen noch völlig egaler…Die Lemminge stürzen in das Meer der gnadenlosen Ja-Sager….

Ich hatte dazu einige Fragen, die vom Kreistagsbüro beantwortet wurden im Namen der Landrätin. Die Fragen und Antworten in Anhang 1. Das Ergebnis für mich: stark unbefriedigend und der Eindruck, dass hier ein blanker Aktionismus stattfindet ohne Rücksicht auf tatsächliche Notwendigkeiten. Aber lest selbst:

Offener Brief
An
Fr. Astrid Klinkert Kittel, Landrätin
Kreishaus
37154 Northeim

Sehr geehrte Frau Landrätin Klinkert-Kittel,

vielen Dank für Ihre Ausführungen zu meinen Fragen anlässlich der Kreistagssitzung vom 8.7.2020, die ich am 15.7. von Ihrem Kreistagsbüro erhielt. Im Verlauf der Lektüre Ihrer Antwort ist mir eines spontan eingefallen: es gibt scheinbar bei diesem Thema (und anderen) eine Wirklichkeit, die Bürger in ihrem Lebens-Umfeld erfahren, und eine Verwaltungswirklichkeit.

Lassen Sie mich das an zwei Punkten festmachen: Die Kosten des Gutachtens spielen sie auf 2Teuro herunter, obwohl das Gutachten ca. 30 Teuro gekostet hat. Uns als Steuerzahler interessiert es dagegen nicht, welche Kasse wieviel beigesteuert hat und ob etwas aus der EU-Kasse oder den Gemeindekassen kommt: Jeder Cent davon kommt aus unseren Steuerbeiträgen und wir erwarten zu Recht, dass diese Gelder nicht für sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen ausgegeben werden.

Dazu kommt eine Gutachten-Gläubigkeit, die ich nicht nachvollziehen kann: Da wird ein 10 Jahre altes Tourismus-Gutachten hervorgezogen, das wohl folgenlos in der Schublade geschlummert hat. Falls es eine Evaluation gegeben hätte (nach 10 Jahren wohl mehr als überfällig), wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir verraten würde, wo diese zu finden sei.
Dieses Gutachten, das den Anschluss von entfernteren Gemeinden an ein gut frequentiertes Fernradwegnetz in Betracht zieht, ist aber hier völlig irreführend, da es im Solling keinen stark frequentierten Fernradweg gibt. Und der geplante Weg hat das auch nicht vor, sondern will einfach nur die Hauptorte Bodenfelde, Volpriehausen, Hardegsen und Nörten verbinden. Eine Verbindung, die es übrigens schon gibt und die bereits im Jahre 2001 von Meinolf Ziebart (ADFC) in einem Brief an den Landkreis gelobt wird – bis auf die Beschilderung (zitiert im Anhang).

Und im Fall des aktuellen Gutachtens, dass für eine mittlere Großstadt mit ‚Speckgürtel‘, wo im Zentrum Einzelhandel und Verwaltung geballt zu finden sind (Braunschweig kommt diesem Bild sehr nahe), sicher passen könnte, werden Schlagworte übernommen, die auf die konkrete Situation einfach nicht passen: Für den ÖPNV braucht es in dem kleinteiligen Abschnitt von ca. 40 km zwischen Bodenfelde und Nörten keine Ladeinfrastruktur, da E-Bikes über Reichweiten von ca. 80-100 Kilometer verfügen; an welche Massen von Menschen denken Sie, die mit E-Bikes zum (Bus-) Bahnhof in Uslar oder Hardegsen strömen und dort Abstellplätze suchen?
Fahre ich nach Hardegsen mit dem E-Bike, um dann in den Zug nach Northeim oder den Bus nach Nörten oder Göttingen zu nehmen? Und in Göttingen dann mit dem Stadtbus zu Sartorius oder in den Bereiche Uni Nord zu fahren? Da fährt der geneigte E-Biker direkt doch einfacher und schneller direkt dahin, wo er arbeitet. Oder nimmt sein Rad in der Bahn schlichtweg mit. Und wenn doch: über welche Anzahl von Berufspendlern reden wir da überhaupt? Wo und in welchen Frequenzen stellen Sie sich welche Personen vor, die welche ‚Multimodalitäten‘ nutzen? Ich bitte um Beispiele, da meine Phantasie dort nicht ausreicht.  

Ihrer Antwort nach haben Sie sich über die realistisch zu erwartenden Nutzer sowohl aus dem touristischen als auch aus dem Pendlerbereich keinerlei Gedanken gemacht bzw. sich auch nicht bemüht. diese Zahlen durch empirische Verfahren abzusichern. Das ist so, als ob ich an einem bestimmten Platz ein Haus bauen würde, aber mich vorher nicht darum kümmere, ob die Parzelle nicht doch eine Moorlandschaft sei oder an einem Steilhang läge. Es geht ja nur um 4,5 und mehr Millionen Euro. Dazu passt natürlich, dass auch eine Folgekostenabschätzung fehlt. Das ist Blauäugigkeit, die im privaten Bereich niemals durchkommen wird, scheint aber tolerabel, wenn es um die anvertrauten Steuergelder geht. Da wären wir wieder beim ersten Punkt…

Überrascht hat mich darüber hinaus, dass Sie meinen, dass Radfahrer nach 20 km den äußerst beliebten Weserradweg verlassen, um sich zur Leine durchzuschlagen bzw. dass der Weserradweg 20 km vor dem Ziel verlassen wird. Ich habe diese Frage vielen Radfahrern gestellt (30-40), die bei diesen Alternativen eigentlich immer nur ein Kopfschütteln zeigten – Verwaltungswirklichkeit hat auch hier nur begrenzten Kontakt zum gelebten Leben, dazu kommt dann natürlich politischer ‚Korpsgeist‘, der es verbietet, eine andere Antwort zu geben.
In dem bereits zitierten Brief von Meinolf Ziebart ist dieser zufriedenstellende Weg eine Tour für Tagesradler aus dem Kreis und eine mögliche Fortsetzung des Diemel-Radwegs, denn die Weserradwegfahrer haben ein Ziel: den Weserradweg zu befahren und keinen anderen Weg. Der Leineradweg mit Start in Leinefelde ist eine andere Tour und wird es auch bleiben.

Zudem kann ich Ihnen auch verraten, dass passionierte (ältere) Radfahrer eine ganz andere Route von Bodenfelde nach Nörten bevorzugen, nämlich die Süd-Route über Parensen-Asche-Lödingsen, auf der man recht bequem fahren soll. Aber diese Route hat natürlich den ‚Nachteil‘, dass sie zum Teil durch den Kreis Göttingen führt – und die Auftraggeber des Gutachtens sind schließlich Uslar und Hardegsen.       

Auch das, was Sie als Qualitätsradweg sehen – den Betonstreifen mit 3 Meter Breite – würde ich eher kontraproduktiv einstufen: statt einer abwechslungsreichen, in die Landschaft eingebetteten Streckenführung mit Feldwegen zwischen Äckern und Wiesen und Waldwegen im Wäldern soll eine Einheitsversiegelung erfolgen: bei 40 km sind das 120.000 qm Betonpiste. Monokultur statt Vielfalt.
Beton für ‚rasende‘ E-Biker statt wassergebundener Schotterdecken, die wohl eher die Zustimmung aller Personen finden, die dem Ober-Ziel ‚Ökologie‘ verpflichtet sind und die wohl besser in Einklang mit dem Naturerlebnis im Solling zu bringen sein sollten?
Wenn ich mich recht entsinne, war vor kurzer Zeit eine Diskussion im Schulumfeld, ob 100 qm eines Schulhofs betoniert werden sollte, was zu einer großen Diskussion hinsichtlich des Generalthemas ‚Umwelt‘ führte; gibt es da zwei Maßstäbe?

Um etwas auch nochmals klarzustellen: Wenn es Verbesserungspotentiale gibt, dann sollte man etwas dafür unternehmen – aber immer mit Hinblick auf Kosten und Nutzen bzw. Anzahl der Nutzer. Es könnte auch jemand kommen, der es schön fände und darüber hinaus ein touristisches Potential erahnte, wenn Schloss Nienover einen Anschluss an das Bahnnetz hätte und einen eigenen Bahnhof – aber wem wird das nutzen, außer den Hoch- und Tiefbauunternehmen? Würden Sie da auch sofort aufspringen?

Sie können noch lange von Touristenströmen, Qualitätsradwegen, Infrastruktur, Ladesäulen, Multimodalitäten, Ausbau des ÖPNV und Servicequalität reden – die Frage ist aber, für wen bzw.  wie viele Nachfrager das gemacht wird und was es letztlich pro Nutzer kostet: Und diese Hausaufgaben sind nicht gemacht, sondern es wird einfach mal so ‚drauflosgefördert‘ ohne Abwägung von Aufwand und Ertrag; das ist übrigens eines der Hauptmerkmale von Luxus: Das Fehlen von Verhältnismäßigkeit…und deshalb bleibe ich bei der Bezeichnung ‚Luxus-Radweg‘.   

Anhang 1: Der Beginn des Meinungsaustauschs bzw. der Fragen an die Landkreistagsentscheidungen:

Meine Fragen – die Antworten des Kreistagsbüros zur Bürgerfragestunde der Kreistagssitzung

Sehr geehrter Herr Windhorst,

bezugnehmend auf Ihre Einwohnerfrage vom 8. Juli 2020 kann ich Ihnen folgende Antwort mitteilen:

Aus welchem Grund wird eine bestehende und allgemein als in gutem Zustand befindliche Radstrecke als Luxus-Radweg geplant?

Vor dem Hintergrund der „Mobilität“ als zentralem Zukunftsthema verfolgt der Ausbau des Radweges und u.a. die Bereitstellung von Ladeinfrastrukturen und sicheren Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen und Omnibusbahnhöfen der Hauptorte, die Ziele, den ÖPNV zu ergänzen, die Elektromobilität und somit auch die Multimodalität in der Region weiter auszubauen.

Hinsichtlich der Oberflächenbeschaffenheit und Wegebreite orientiert sich die geplante Ertüchtigung der bereits vorhandenen Wege u.a. an den Anforderungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) an Qualitätsradrouten. Die Bezeichnung „Luxus-Radweg“ ist insoweit irreführend und falsch, soweit der Eindruck entsteht, hier werden darüber hinausgehende – unverhältnismäßig höhere – Maßstäbe angelegt.

Das für den Landkreis Northeim bereits in 2010 vom Europäischen Tourismus Institut GmbH in Trier erstellte Tourismusgutachten empfiehlt im Übrigen ausdrücklich, die nicht an den Fernradwegen liegenden Gemeinden im Rahmen des weiteren Ausbaus des Radwegenetzes trotz streckenweise schwieriger topographischer Bedingungen durch Anschlusswege anzubinden und durch weitere flankierende Maßnahmen (z.B. Verbesserung des Wegezustands, Serviceangebote, Vermarktung) das bestehende Infrastruktur- und Dienstleistungsangebot für Radfahrer konsequent auszubauen und zu verbessern.

Wer trägt die Kosten für das Böregio-Papier und wie hoch sind diese?

Die Kosten für die Durchführung der vorbereitenden Untersuchungen und Darstellung der Handlungsbedarfe betrugen rd. 29.800 € und sind als LEADER-Projekt zu 80 % aus EU-Mitteln finanziert. Neben der Beteiligung der betroffenen Kommunen betrug der Kofinanzierungsanteil des Landkreises Northeim rd. 2.100 €.

Wie lauten die geschätzen Zahlen für die Nutzer-Frequenz und wie sind diese erhoben worden?

Geschätzte Zahlen für die Nutzer-Frequenz liegen nicht vor.

Wie hoch sollen die Zahlen für Weser-Radweg-Verlasser und für den ‚Berufsverkehr‘ sein?

Hierzu gibt es keine Vorgaben.

Wie viele von den 55.000 Radtouristen des Weserradwegs nutzen den letzten/ersten Abschnitt zwischen Hann.Münden und z.B. Hameln?

Nach der Radverkehrsanalyse für den Weserradweg (Stand 12/2018) gab es an den in Frage kommenden Dauerzählstellen Oedelsheim (LK Kassel) und Hess. Oldendorf (LK Hameln-Pyrmont) für das Jahr 2017 folgende Zahlen:

Oedelsheim:                             61.254 (Jahr/ 01.01. bis 31.12.) und 55.964 (Saison/01.04. bis 31.10.)

Hess. Oldendorf:                      79.366 (Jahr) und 70.966 (Saison)

Glauben Sie, dass ein Weserradweg-Tourist bei Start in Hann.Münden diesen nach 20 Km verlässt, um nach Nörten zu fahren und später irgendwann bei Hameln zurückzukehren?

Die Frage kann so nicht beantwortet werden, da die Nutzergruppen entsprechend ihrer Hauptmotive differenziert zu betrachten sind (z.B. Radreisende, Tagestouristen und Fahrende im Alltagsradverkehr). Gleichwohl werden Radreisende (Reise als Hauptmotiv, mit Übernachtungen) unter der Voraussetzung einer im Vergleich zum Weserradweg nicht abfallenden Wegequalität und weiterer positiver Gegebenheiten durchaus eine solche Route wählen.

Glauben Sie, dass ein Weserradwegtourist, der von Norden kommt, den Radweg 20 Km vor dem Endpunkt in Hann.Münden-Weserstein verlässt, um nach Uslar zu fahren?

Unter Berücksichtigung der vorherigen Ausführungen JA.

Ist berücksichtigt, dass dieser Radweg bei schlechter Witterung und im gesamten Winterhalbjahr wahrscheinlich überhaupt nicht nutzbar ist?

Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der Radverkehr insgesamt bei schlechter Witterung (Unwetter, Starkregen, Schneefall,-glätte usw.) abnimmt, aber bei entsprechend guter Witterungslage ganzjährig, also auch in den Wintermonaten, weiterhin stattfinden kann, insbesondere auf einem Radweg mit einer sehr guten Oberflächenbeschaffenheit.

Im Übrigen wäre eine solche Annahme, das „Totschlagsargument“ für alle touristischen Radwege.

Warum muss für den Radweg eine flächendeckende Bodenversiegelung in 3 Meter Breite angelegt werden? Das ist sicher kein ökologisch priorisiertes Verfahren?

Ein großer Anteil der – insgesamt bereits bestehenden – Wege ist bereits asphaltiert und von unterschiedlicher Qualität. Die Verbreiterung und darüber hinausgehend zusätzliche Asphaltierung ist für die Erlangung des begehrten Qualitätsniveaus (siehe erste Frage) erforderlich.

Welche Kosten für Wartung, Instandhaltung und Ersatzbedarf kommen pro Jahr auf den Kreis zu?

Nicht bezifferbar. Der Landkreis ist bestrebt, mit den betroffenen Kommunen Vereinbarungen bezüglich der Unterhaltungskosten zu treffen.

Welche Netto-Erlöse werden erwartet?  Welcher Zusatzumsatz der Tourist-Fahrer wird im Kreisgebiet erwartet?

Die Entwicklung von Erlösen in Folge des Ausbaus der  Weser-LeinE-Route ist neben der Wegequalität und der begleitenden Infrastruktur mit flächendeckender kundenorientierter Servicequalität, insbesondere im Tourismusbereich, abhängig von weiteren Faktoren (z.B. Verbesserung der Angebots- und Servicequalität der Unterkunfts- und Gastronomiebetriebe, Vermarktung durch touristische Organisationen).

Derzeit kann daher eine Erwartungshaltung bezüglich Erlösen/Zusatzumsätzen nicht in Zahlen dargestellt werden.

Neben der touristischen Nutzung und daraus resultierender Wertschöpfung sind im Übrigen die mit der ersten Frage bereits beschriebenen Ziele Ergänzung des ÖPNV, weiterer Ausbau der Elektromobilität und der Multimodalität in der Region mindestens als gleichwertig zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen

Landkreis Northeim | Die Landrätin

Im Auftrag

Das Kreistagsbüro

Ellen Eickemeyer | Sebastian Kuhlmann

R 1 – Kreistagsbüro und Öffentlichkeitsarbeit

Anhang 2: Meinolf Ziebart, 2001, Brief an den Landkreis NOM

Zum Radfernweg Weser – Uslar – Leine

Er stellt großräumig betrachtet eine interessante Ost-West-Verbindung her. Aus Richtung Westen / Ruhrgebiet führt der Diemel-Radweg viele Radler an die Weser. Weiter in Richtung Osten kann man gut zur Leine wechseln und dann im Rhumetal Richtung Nordhausen weiterfahren. Die Verbindung von Bodenfelde über Uslar – Hardegsen – Nörten-Hardenberg ist topografisch relativ einfach und bietet gut ausgebaute und landschaftlich reizvolle Wege. Von Bodenfelde folgt man dem Schwülmetal-Radweg durch die Flußaue. Ab Vernawahlshausen gibt es gut befestigte Wege über Allershausen – Uslar Bahnhof nach Bollensen. Von dort nimmt man den zwar unbefestigten, aber gut befahrbaren Wirtschaftsweg am Waldrand über Gierswalde nach Volpriehausen.  Von dort führt nach Schlarpe ebenfalls ein guter Wirtschaftsweg. Lediglich ein Teilstück von etwa 1,5km liegt auf der B241 bis zum Goseplack. Von dort führen gute Sträßchen weiter über Lichtenborn nach Hardegsen und über Hevensen- Lütgenrode nach Nörten-Hardeneberg mit Anschluß an den Leineradweg. Das beigefügte TOP50 Overlay enthält bereits die Standorte für Wegweiser, wie sie bei einer Befahrung mit der Landkreis-Mitarbeiterin im Sommer 2001 dokumentiert wurden.

Blüten des Feuilleton

Kulturpolitiker’s Zitatenschatz

„Über Politiker kann man lachen, aber nicht über deren Politik“ – so hörte ich es in einer Karnevalssitzung aus dem Jahre 2000. Egal, wie Kultur schöngeredet wird oder mit Neusprech auf enthobene Ebenen verschoben wird – das was in der Kultur zählt, ist letztendlich immer das Konto, auf das die ‚Staatsknete‘ geht, denn Kultur ohne öffentliche Förderung ist nicht denkbar, da sie ja einfach nicht produktiv ist, sondern das Blumensträußchen, das sich eine Gesellschaft leistet, in der die Grundbedürfnisse der Menschen in etwa bedient werden.

Und wer staatliche Zuschüsse erhalten will, muss in unserer gesellschaftlichen Auffassung von Leistung und Verdienst zumindest einen Ansatz von Begründung haben, warum er/sie/es und nicht ein anderes er/sie/es Zuwendungen erhalten soll. Und so kommt es zu Deutungen und Legitimations-Argumenten in der modernen, entwickelten Kulturbürokratie. In der ZEIT vom 13.2.20 kommen exemplarisch Ina Hartwig und Carsten Broda zu Wort. Da fiel mir ein, dass ein Klangkörper viel Hohlraum haben muss, um einen großen Klang erzeugen zu können.

Der Hohlraum könnte vorhanden sein, allein der große Klang will sich nicht – zumindest bei mir – einstellen. Vielleicht geht es jemandem anders (er/sie/es) auch so, hier also ein paar Kostproben von dem, was meinen Kopf einige Zeit in horizontale Schwingungen geraten ließ:

„Museen, Theater, Opern und freie Bühnen schaffen einen notwenigen öffentlichen Hallraum..“ (das tun auch Berge in Form von Echo…)

„In der Elbphilharmonie begegnen sich Menschen in ihrer Differenz“ (das tun sie auf der Reeperbahn auch…)

(Im Theater) „Plötzlich verstehe ich etwas, das ich vorher nicht verstanden habe. Gerade durch das Ästhetisierte kommt mir die Wirklichkeit dann so nahe, wie sie mir vorher nie gekommen ist.“ (Da hilft eigentlich ein ‚Augen auf im Straßenverkehr und anderswo.., ich hab im Theater noch nie ein lautes ‚AHA‘ vernommen..)

„Teilweise zerreißt Kultur nämlich auch etwas und sorgt für Kontroversen. Das soll sie auch, weil sie uns dadurch aufmerksam macht auf das, was zerrissen ist“ (Wie wahr, das weiß jeder, der schon versucht hat, sich mit einem zerrissenen Tempotuch die Nase zu putzen..)

„Die Kultur hat die Chance, das Allgemeine zu repräsentieren. Aber dieses Allgemeine der Kultur ist eben etwas, worüber man sich aktiv verständigen muss“ (Das sollte man mal Montag abends in Dresden erzählen…, da gibt es mindestens zwei alternative Repräsentationen, meistens aber noch viel mehr..)

„Denn das Allgemeine ist in der Moderne nie aus sich selbst heraus gegeben“ (..und nicht nur in der Moderne, das Allgemeine ist dann der universelle Weltgeist, den es nur zu erkennen gilt….o sancta simplicita)

…dass „das Rätsel, was Kunst mit Menschen macht, nie gelöst wurde glücklicherweise.“ (Denn wir wissen nicht, was wir tun…)

„Die Migration von kulturellen Energien lässt sich in Museen besonders gut erleben. Für eine migrantisch geprägte Gesellschaft ist das eine Chance, genau dies vor Ort zu studieren und abzugleichen mit der eigenen Selbsterzählung.“ (Gut, dass das mal jemand sagt, darauf wäre ich ja nie gekommen!)

„Die Geschichten, die erzählt werden, sollten schon beim Kuratieren auf das Publikum zielen, das man erreichen will.“ (Auf wen sonst? Den lieben Gott?)

„Museen sind ja selbst lokal sozialisiert und können mit klugen Ausstellungen auch mit ihren Orten sozial kommunizieren.“ (Gibt es unlokale Sozialisierung oder unsoziale Kommunikation? Kommunikatiuon geht nur von Subjekt zu Subjekt, es sei denn, man übe öffentliches Reden mit Steinen im Mund vor der Meeresbrandung..)

Dann wird aus dem Museum ein zivilgesellschaftlicher Ermächtigungsort, der eine bewusste Einladung ausspricht – (…) Wir wollen miteinander arbeiten.“ (Vulgo: Im Museum kann man was Neues sehen… ich verabscheue das Wort ‚Ermächtigung‘!)

„Umso mehr müssen Räume der Kultur verteidigt werden als Räume, in denen Spannungen ausgehalten werden.“ (Das gilt genauso gut bei Kneipen, in denen die Kneipenkultur ausgehalten werden muss – klappt ja meistens, außer in der Northeimer ‚Kölsche Bar’…)

„Zunehmend fällt eine Allianz auseinander, die wir lange unterstellt haben, weil wir glauben, der Kampf für die Freiheit der Kunst sei immanent auch ein Kampf für die Selbstermächtigung bisher marginalisierter Gruppen. Solange wir aber Milieus haben, die deutlich überrepräsentiert sind, findet diese Selbstermächtigung der Marginalisierten nicht statt. Die Kritik an den Machtverhältnissen wendet sich auch gegen die Repräsentanten des Kulturbetriebs.“ (Die Mehrheit ist die Mehrheit ist die Mehrheit…., warum sollte es hier anders sein? Randgruppen bekommen Leckerli…)

„Es wäre falsch, Kunst so weit zu neutralisieren, dass sie nur noch in dern Wohlfühlräumen der jeweiligen Erfahrungszusammenhänge stattfindet. Das Problem ist, dass wir Unwuchten haben im Kunstbetrieb, weil von einer gleichrangigen Teilhabe aller Gruppen noch nicht die Rede sein kann.“ (Da wäre auch mal zu überlegen, ob alle überhaupt ein Interesse daran haben oder nicht Fußball, Kniffeln oder eine Weinprobe vorziehen…)

Fazit: Es muss uns verdammt gut gehen, dass wir uns diese Kulturpolitiker und deren Blasenbildung leisten können.

Es war 1967…und es war Sommer…

Nachrichten aus dem Jugend-Gulag

Es war ein vollkommen misslungener Sommer, dieser Sommer of 67…. Ich wurde zwangseingewiesen in das Jugendsommerlager nach Schwangau. In meiner Erinnerung ist fast alles gelöscht – so viel gab es auch nicht zu erinnern.. – aber das Internet und ich, wir vergessen niemals ganz.

Und dann gibt es auch noch das Papier, das ich unvorsichtigerweise meiner Tante hinterlassen habe und das kürzlich bei meiner Schwester wieder auftauchte. Hier also die Dokumentation meiner Passionszeit auf dem denkwürdigen Jahr 1967.

Schwangau, den 2.7.67

Liebe Tante!
Du weißt ja gar nicht, wie fürchterlich es hier ist. Ich wollte ja von Anfang an nicht hier her. Es ist ja so langweilig, und in diesem Kaff hier kann man nichts erleben. Das Essen ist schlecht und dazu viel zu wenig. Am liebsten würde ich den nächsten Bus am Mittwoch nehmen und zurück fahren. Grüße Lutz von mir und gratuliere ihm. Es ist fürchterlich wie ich gesagt hatte. Diese Karte kannst Du ruhig Mutti zeigen, denn von mir bekommt sie keine Karte.

Alles Liebe Dein Arndt

Schwangau, den 7.7.67

Liebe Tante!

Nur noch rund 10 Tage! Es ist aber immer noch langweilig. Besonders am Morgen, denn ab 2 Uhr kann man ja in die Stadt zum Minigolf-Platz. Bis man da zurück ist, dauert es rund 3 Stunden, dann kann man die Zeit schon totschlagen. Geweckt wird man schon um 8 Uhr, und so etwas nennt sich ‚Ferien‘. Schiet. Und dann noch dieser M. – dauern läuft er hinter mir her; jetzt ist er ja ausgezogen (Anm.: Wechsel vom Haus in ein Zelt) – gottseidank. Bis zum nächsten Leidensbericht von hier.

Viele Grüße Dein Arndt

Schwangau, den 10.7.67

(schick mir TT-Schläger)

Liebe Tante!

Es stimmt alles, was ich schreibe, auch mit dem Erleben ist es nicht viel her. Wenn nicht TT und Mini-Golf da wäre, wüßte man nicht, was man tun sollte. Hans ist jetzt im Zelt – gottseidank. Er hat wohl seinen Eltern vorgeplärrt, wie sehr ich ihn ärgere, da haben seine Eltern ihn wohl ins Zelt gesteckt. Wir haben uns jetzt ganz verkracht. Beim Essen gibt es zwar einen Nachschlag, aber man ist froh, wenn man die normale Portion hinunter hat. Und mit dem Tagebuch und so weiter brauche ich ja nicht, denn alles steht auf Lottes und Deinen Karten. Und auch das Wetter ist nicht immer gut. Nach meiner ersten Karte waren 2 Regentage. Es wechselt sich ab, aber es gibt wohl mehr Regen in diesem von Bergen umgrenzten Regenloch. Bekannte aus der Schule gibt es wohl, einige sogar. Ich säße lieber 6 Wochen zuhause als hier nur einen Tag verbringen. Auch einen Brief habe ich bekommen. Das waren Deine Fragen. Hier geht es mit allen Mitteln der Unhygiene zu. Das Schwimmbad ist von der Gesundheitspolizei geschlossen worden. Das Wasser aus der Leitung ist nicht trinkbar. Abtrocknen muss man auch noch für das ganze Haus. 80 Tassen, 80 Untertassen, 80 Teller, 80 Messer und das zu 2 Mann. Der Anmarschweg zum Dorf ist so lang, daß bei Sonne die Füße brennen. Ihr könnt mich am Freitag oder Donnerstag – ich weiß es nicht, die Olle hat ja den einen Brief noch – abholen, ungefähr um 8. Ich hab schon 30 Mark vom PSPB abgehoben – die anderen 20 von Dir sind ja zum Großteil auf der Zugspitzfahrt geblieben. Davon habe ich noch 4 Mark.

Herzliche Grüße Dein Arndt

Schwangau, den  12.7.67

Liebe Tante!

Ich freue mich natürlich sehr über Deine Briefe, aber der Inhalt ist nicht so richtig. Du versuchst, aus dem Schlechten noch etwas Gutes zu machen, aber man muß der Wahrheit entsprechend alles sehen. Ich bin auch nicht stur. Was ich sage kannst Du auch von anderen hören. Viele sind überhaupt nur gezwungenerweise hier. Und wenn alle sage, das sei herrlich, dann sind es nur die Eltern, die nie dabei sind. Mit Reiseerlebnissen ist nicht weit her, denn hier gibt es höchstens stundenlange Fußwanderungen, die auch selten sind. Dann mußten wir heute noch den Saal, der so groß ist, dass unser Haus zweimal hineinpassen würde, ausfegen. Das nennt sich Ferien. Und wozu diese vielen Sachen. Waschzeug, Schuhputzzeug, 3 Hosen, 3 Hemden ist alles, was ich bisher gebraucht habe. Auch für rund 250 Mark habe ich die Reise gemacht, und M. fehlt das Geld jetzt überall, und das alles nur aus eurer Sturheit, weil ihr nicht nachgeben wolltet. Und die Betreuer, die auch massenweise hier sind, bezahlen keinen Pfennig, denken nur an sich selbst und fressen sich von unserem Geld satt. Die haben immer etwas besseres als wir mit unserem Hundefraß. Dann gibt es hier morgens Marmelade von Apfelsinenschalen, die so bitter wie nichts ist.

Also bis zum Freitag Dein Arndt

Weihnachten? Verbieten! Sofort!!!!

Weihnachten ist das Fest des verklärten Blicks – romantisch und voller Schmelz, verbunden mit den Erinnerungen an die Kindheit… Aber was hinter den Kulissen passiert – das wollen wir überhaupt nicht wissen! Und es tun sich Abgründe auf!

Da muss ein alter Mann, der aufgrund lückenhafter Beschäftigung wahrscheinlich noch nicht einmal die Grundrente erhält, im Dauereinsatz Botendienste erledigen – ohne Rücksicht auf geregelte Arbeitszeiten: Ärzte und Berufsgenossenschaften drehen da nur noch im Roten wegen der Verletzungen der Arbeitszeitverordnung. Und ob die Beschäftigung ordnungsgemäß registriert ist? Steuern, Sozialversicherung, Krankenkasse, Soli? Rentenkürzung wegen Zuverdienst? Wahrscheinlich kann auch die Fahrt zur Arbeit nach Grönland im Rahmen der Pendlerpauschalen nicht geltend gemacht werden.

Und die EU protestiert laut, da die jeweiligen Tätigkeiten in den verschiedenen Ländern nicht angemeldet seien, um als Entsendung nach lokalem Steuerrecht abgerechnet zu werden. Aber einen Vorteil gibt es in diesem Jahr letztmalig: kein Zoll für Auslieferungen in Großbritannien wg. fehlendem Brexit…

Verbittert regen sich auch erste Proteste aus der Wirtschaft: Der Weihnachtsmann habe bei der Beschaffung der Geschenke den lokalen Einzelhandel nicht umfassend berücksichtigt und von Zustellern sei ihnen zugetragen worden, dass auch sprechende Amazon-Pakete nach Grönland geliefert worden seien – daneben seien auch Zalando-Schreie in der Eiswüste zu hören gewesen. Wahrscheinlich wären für die Sendungen in den Norden auch noch von widerrechtlich schlecht bezahlte Subunternehmer der Paketdienste angeheuert worden – und die Grönland-Papers warteten schon in der Druckerschlange!

Auch der Tierschutzverein läuft Sturm: was sei mit den Rentieren und dem Tierschutzgesetz? Keine artgerechte Haltung, Zwang zum Fliegen (Cockpit ist noch nicht aufgewachte, sonst hätten die Tiere statt geschmückter Geweihe schon Trillerpfeifen dabei…), keine Futter- und Auslaufpausen. Um das durchzuhalten würden die Tieren wohl mit alkoholischen Getränken gedopt – die roten Nasen sprächen Bände!

Natürlich hat auch die Polizei schwerste Bedenken bezüglich der Straßenverkehrsordnung: Schlittenparken im Halteverbot, Geschwindigkeitsübertretungen gerade in Tempo30-Zonen und Spielstraßen, nicht zu sprechen von der Verletzung der Kennzeichnungspflicht von Fahrzeugen mit Geschwindigkeiten > 6 Km/h: wohin sollen schließlich die ganzen Bußgeldbescheide zugestellt werden, die aufgrund der Bilder in den Radarkontrollen fällig werden?

Auch gegen den Fahrer muss zusätzlich strafrechtlich ermittelt werden, da er mit Ganzkörperkostüm und Vollstbart ganz eindeutig das Vermummungsverbot verletze! Bei dem Wort Fahrer regen sich nun auch Gleichstellungsbeauftragte*Innen: Die Besetzung dieser Stelle nur mit Männern sei mindestens eine Verletzung des Verfassungsgrundsatzes der Gleichstellung von Mann und Frau! Hier müsse energisch gegengesteuert werden! Und aus einer Ecke ist auf einmal ganz deutlich der Ruf der SPD zu hören: Doppelspitze!    

Wen haben wir noch? Der Bezirksschornsteinfeger fuchtelt wie wild mit dem Kehrbesen: Die Nutzung des Kamins zum Eintritt in die Wohnung sei entgegen aller Vorschriften der Feuerstättenverordnung, hier müsse Einhalt geboten werden. Da stimmt dann auch die Feuerwehr ein: und im Übrigen müsse auch die Nutzung von echten Kerzen und offenem Feuer per sofort untersagt werden – Brandschutz gehe schließlich vor!

Aber das lenkt nur von schlimmsten aller Fälle ab: Kinderarbeit! Die niedlichen kleinen Engel würden nicht nur zur Arbeit gezwungen, sondern obendrein noch zu Dauerschichten – und das Ganze im bitterkalten Winter ohne – vom Arbeitgeber zu stellender – wärmender Arbeitsschutzkleidung! Dieser Verstoß müsse der UNO gemeldet werden – und natürlich den Gleichstellungsstellen, denn anhand der jetzigen Nicht-Kleidung wäre eindeutig zu erkennen, dass ausschließlich männliche Bewerber den Zuschlag erhalten hätten!  

Ja, diese Welt ist im Chaos – zumindest solange, bis wir aus diesem Traum eines überzeugt Regelwütigen erwachen. Und uns besinnen:

Weihnachten ist anders, es ein Fest außerhalb der Zeit, ein Fest der Bilder und der Träume – sowohl der erfüllten als auch der, die hoffentlich bald vom Geist der zukünftigen Weihnachten erhört werden. Aber das schönste an diesen Träumen ist, dass sie uns erfüllt werden, ohne dass wir eine Gegenleistung erbringen müssen. Sie werden erfüllt, weil wir einfach nur da sind und weil es Menschen gibt, die uns mögen oder lieben – um unserer selbst willen. Und die wir lieben – um ihrer selbst willen!

Das Geschenk ist das Zeichen – aber worum es geht, ist Zuneigung und Liebe, Unterstützung und gemeinsame Freude, aber auch der Trost – und die Gewissheit, nicht allein zu sein. Das Angekommen-Sein und das Angenommen-Sein – und das Nicht-Vergessen-Sein…

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein tolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in die Doppel-20!

Euer Arndt Christian

56 neue Parkplätze…

…oder: wie ich das Sommerloch mit Falschmeldungen fülle

Eines hat der neue Rechtsamtsleiter der Stadt Northeim schon gelernt: Sobald der Fotograf der HNA erscheint, wird gelächelt, der Daumen hoch gehalten und eine frohe Botschaft verkündet.

Ob die nun wahr ist oder nicht – was soll’s! Hauptsache in der Zeitung stehen! 56 neue Parkplätze sollen es sein, die nun das Scharnhorstplatz-Rondell schmücken – das ist schon was! Aber was? Wer einmal in den letzten Jahren am Scharnhorstplatz war, ist irritiert: Keine Veränderung, denn der Platz war immer – zumindest in den Morgenstunden – rundum voll beparkt, wobei der Bereich vor dem Rathaus nur zögerlich genutzt wurde, da es durch die ausfahrenden Sparkassen-Kunden oft recht eng wurde.

Was ist nun passiert: Da, wo alle PKWs parkten, parken sie nun in sauber abgetrennten Boxen – keiner mehr, keiner weniger. Und wenn die Stadt-Parkplätze vergrößert wurden, bleibt für mich unterm Strich maximal eine Nullnummer oder sogar ein Rückgang der Stellplätze. Ein kleiner Vorteil schließlich für die Motorräder, die nun in den Kurven abgestellt werden: die blieben früher für Ausweichmanöver frei – übrigens freiwillig…. Die logische Konsequenz: Einbahnstraßenregelung – das ist in der Tat eine gute Sache.

Wenn dann auch noch die Parkscheibenpflicht wegfällt: auch da nur Zustimmung, da die meisten der Parkenden dort nicht auf ‚Besuch‘ sind, sondern dort arbeiten oder in Schulungs-Maßnahmen untergebracht sind.
Zuletzt bleibt da die politische Gretchenfrage: Ist die Gegenfinanzierung gesichert? Oder hat die Überwachung des ruhenden Verkehrs immer einen großen Bogen um den Scharnhorstplatz gemacht….???

In Summe: Viel Lärm um nix -außer um schöne weiße Streifen auf Straße und Platz. Und ob die nun viel helfen oder einen aktuen Gefahrenherd beseitigt haben? Der Rest ist Volks-Verdummung. Wobei dann doch noch eine Frage offen bleibt: Was hat das Ganze eigentlich gekostet incl. Umschilderung etc.? War es ähnlich günstig und dringend nötig wie die Entfernung/der Wiederaufbau eines Parkstreifens in der Finkenstraße?

Bevor ich es vergesse: Wenn man morgens etwas am Scharnhorstplatz zu erledigen hat, kann es durchaus sein, dass man nach einer kleinen Lokalrunde den Ort wieder verlassen muss, da die Fahrbahn zu 100% vollgeparkt ist – wir bräuchten in der Tat ein paar Stellplätze mehr am Scharnhorstplatz… – nicht nur Farbstreifen!

ARD wird ab 4.März türkischer Staatssender!

….und Sebastian Jacoby beteiligt sich an der Quiz-Götterdämmerung…

Getürkt, getürkt, getürkt!

Was wir gestern mitansehen mussten – Prime-Time ARD – war eine Zumutung für den Zuschauer: Schmierentheater mit 200% Unwahrhaftigkeit – aber natürlich für den berühmten ‚Guten Zweck‘. Dem – und damit auch dem gepeinigten Fernsehglotzer – hätte man besser geholfen, wenn man die Produktionskosten der 3-Stunden-Sendung abzüglich der Verleihgebühr für einen ‚guten alten Spielfilmschinken‘ gleich für die wohltätigen Projekte gespendet hätte. Spontan angebracht fiele mir der Münchhausen-Film mit Hans Albers ein: da wurde besser und unterhaltsamer geflunkert…

Und obendrein wären für die guten Sachen wahrscheinlich die 10fachen Beträge herausgekommen.

Ich frage mich ernsthaft, wer diesen Unsinns-Zirkus erfunden und freigegeben hat: für wie dämlich hält der verantwortliche Sender eigentlich den Samstagabend-Zuschauer? Von A bis Z eine getürkte Sendung – und alle machen mit!

Türk1: Fragen, die nur aus Film, Theater, Buch und allgemeinem Schwachsinn bestanden – also genau abgestimmt bis hin zu personalisierten Fragen aus dem Leben der ‚Kandidaten‘

Türk2: Wenn dann schon mal etwas abgeschweift wurde vom ‚inneren Themenkreis‘: Alternativen für die Falschantworten mit einer derartigen Offensichtlichkeit, dass die Haare zu Berge standen.

Türk3: Ich habe es nicht nachgemessen (nach der erste Runde gab es nur noch den Zapp-Knopf als Notausgang…): auch das Fragentempo von A. Bommes bei der Schlussrunde für das ‚Quiz-Göttchen‘ deutlich reduziert, damit nichts schiefgeht.

Türk4: Wenn selbst die Personalisierung der Hohlen Nuss (Frau Sawatzki – ich gebe zu, dass ich sie nicht sonderlich schätze..) die Verfolgungsrunde übersteht, weiß man ungefähr, auf welchem Niveau die Fragen gestellt wurden.

Türk5: Man möchte schon gern wissen, was im Jäger-Kopf von S.Jacoby sich so abgespielt hat, als er sich (ist ja für den guten Zweck) zum Depp gemacht hat incl. abschließendem Lob für die fitten, klugen Kandidaten. Würg. Der ersten Ausrutscher bei einer ja/nein-Frage hätte man evtl. noch hinnehmen können, aber als er dann bei einer Musik-Frage nach ‚Culture…‘-??? mit ‚Candela….äh….Club‘ falsch antwortet…. – was soll man dazu sagen. Nur eins: es wurde noch getoppt mit der Frage auf den Sterbeort Albrecht Dürers: ‚Venedig‘. Mit frohlockenden Kandidaten, die natürlich dann die Nürnberg-Karte zogen…

Fazit: Mehr kann eigentlich auch im Staatsfernsehen der Türkei nicht gelogen und geflunkert werden, die ARD ist auf einem guten Weg ins Morgenland, woher ja bekanntlich die schönsten Märchen stammen.

PS: Die Sendung war natürlich eine Aufzeichnung, da konnte man bequem rausschneiden, wenn mal wieder jemand aus Scham zu rot anlief, sich des Jux-Prustens nicht enthalten konnte oder einfach angewidert den Kopf in die Schüssel stecken musste. Und natürlich das fröhliche Gläserklingen der Sektchen, die sich die ARD-Verwaltung genehmigte, als sie laut lachend darauf anstießen, wie leicht doch das Geld der Gebührenzahler zu verbrennen sei…..

Früher gab es den Schlappenschammes…

…heute muss die Landrätin selbst den Kopf hinhalten

Die Schulentwicklung – alle Landratskandidaten hatte sich das aufs Panier geschrieben – aber ohne konkret zu werden, weil das bekanntlich nur die Wählerstimmen reduziert.

Nun wird es ernst – im Februar 2017 soll nun etwas entschieden werden: wenn da nicht die lange Bank wäre, auf der allerdings kaum noch freie Plätze zu finden sind. OS Kalefeld vs. OS Gandersheim, OS Kreiensen vs. RS Löns vs. IGS Einbeck: viele Handschuhe sind im Ring, wer mag sie aufheben?

Nun sind einige (auch krude) Vorschläge in der Diskussion und alle Betroffenen reagieren, wie wir es erwarten: Ändere anderswo, aber nicht bei uns!

Bevor wir mit ins Gewühl stürzen: Wozu ist Schule eigentlich in erster Linie da? Meine Antwort: Für die Schüler. Und zwar in einer Form, die ermöglicht, dass den Schülern ein differenziertes Angebot für ihre Ausbildung gemacht wird; ein Angebot, das ihren unterschiedlichen Stärken, Schwächen und Neigungen nicht zu 100% entspricht, aber ihnen im Rahmen des Möglichen entgegenkommt und sie mitnimmt. Begabung heißt Begaben – um einen alten Kalauer der Nachkriegspädagogik zu bemühen, der – zumindest für mich – immer noch gilt.

Und dann haben wir die Schulorganisation und die Erbhöfe mit Plan- und Haushaltsstellen. Mag auch alles wichtig sein für das Lehrpersonal -ist aber nur die dritte oder vierte Priorität.

Als Folge der Baby-Boomer-Jahre mussten immer mehr Schulen gebaut werden, um der Nachfrage gerecht zu werden, als Folge der Baby-Verweigerung muss nun die umgekehrte Richtung eingeschlagen werden. Da muss man auch nicht spekulieren: die potentiellen Zugänge der Schulen nach der Grundschule sind per heute für die nächsten 10 Jahre bekannt. Da gibt es keine Überraschungen mehr, wir befinden uns ganz einfach im Sinkflug.

Und im Bereich der Haupt- und Realschulen, die vernünftigerweise oft in eine Verwaltungseinheit ‚Oberschule‘ zusammengelegt worden sind, benötigen wir eine gewisse ‚Größe‘, um den Schülern differenzierte Angebote in jedem Jahrgang zu machen, die den Begabungen und Leistungen der ‚Inhaftierten‘ entspricht: Bei zwei Klassen je Jahrgang in einer Oberschule haben wir doch letzlich immer nur eine Real- und eine Hauptschul-Klasse in Camouflage. Bei einer anzustrebenden Dreizügigkeit bedeutet das, dass eine untere gute Schulgröße bei 450 Schülern liegen könnte.

Nun liegen Vorschläge auf dem Tisch seitens der Kreisverwaltung, ebenso die Stellungnahmen der betroffenen aufzulösenden/zusammenzulegenden Einheiten. Und eine Stellungnahme des Kultusministeriums, die sich für mich wie eine Serie von Ohrfeigen liest (http://pvrat.de/ratsinfo/lknortheim/3072/MTMwXzAzLnBkZg==/12/n/33065.doc). Nun mag der zuständige Bearbeiter evtl. nicht in allen Fällen recht haben, aber für mich erzeugen die Ausführungen keinen direkten Eindruck von umsichtigem Handeln in Kreisverwaltung und Kreistag.

Nur die Highlights hier in kurz:
a) Die Gesamtbewertung: angesichts der Verpflichtung, auf die Entwicklung der Schülerzahlen organisatorisch zu reagieren, seien die Ausführungen des Landkreises nur „teilweise zielführend“. Nett ausgedrückt.
b) Für die Beurteilung der Schülerzahlen seien nicht die Vorgaben des Klassenbildungserlassen heranzuziehen (wie es wohl die Kreisverwaltung gemacht hatte), sondern die Vorgaben der SchulordnungsVO, die klare Zahlen für Mindestzügigkeiten vorgeben – ohne Einrechung der Inklusionsfälle. Das nennt man Nachhilfe.
c) In $4 der SchulOrgVO seien Vorgaben für die Mindestgröße der Schule festgelegt: 2 Züge á 24 Schüler = 48; diese Vorgabe werde sowohl in Kalefeld als auch in Gandersheim seit Jahren nicht mehr erreicht, ohne dass Maßnahmen ergriffen wurden.
d) Die Bildung von Außenstellen (eine Variante des Landkreis-Plans) sei nicht in der Beurteilungs-Hoheit des Landkreises, sondern müsse von Schulleitung, Schulvorstand und Konferenzen entschieden werden – sofern die Rahmenbedingungen es überhaupt zuließen, was im Fall Kalefeld-Gandersheim höchstwahrscheinlich vom Kultusministerium nicht genehmigt werden würde. Fazit: Viel Lärm um Nichts, eine alternative Varianten, die von vornherein wie eine Totgeburt aussieht: sieht man das bei der Kreisverwaltung nicht oder ist das nur ein Ablenkungsmanöver?
e) Und als Zugabe gab’s dann noch was auf die Ohren:
– in der IGS Bodenfelde wäre seit Jahren Handlungsbedarf, da die Mindest-Schülerzahl nicht gehalten wird: „..untragbar seit längerer Zeit“.
– ebenfalls bestünde dringender Handlungsbedarf in Kreiensen
– dito kämen die gleichen Probleme auch in Dassel und Katlenburg
– in Northeim wäre es ebenso mit Realschule und G.-Hauptmann-Schule, wobei bei der Lösung auch die Th.-Mann-Hauptschule  (100 Schüler) mit einbezogen werden sollte.

Ende gut – alles gut? Ich seh das leider (noch??) nicht…

Achja und PS: die armen Schüler, die dann nicht mehr zu Fuß in die Schule gehen können: die gibt es bereits heute nicht mehr, die Realität ist die, dass ca. 50% aller Schüler heute schon Fahrschüler sind: auch in Kalefelde, einer Gemeinde, die nur 20% der Bewohner des Alten Amts beherbergt. Und einem Schüler aus Sebexen ist es wohl ziemlich egal, ob der Bus morgens nach Gandersheim oder nach Kalefeld fährt…

111 Silvester später

Ein Zitat aus dem Jahre 1905

„Indem die Askese die Welt umzubauen und in der Welt sich auszuwirken unternahm, gewannen die äußeren Güter dieser Welt zunehmende und schließlich unentrinnbare Macht über den Menschen, wie niemals zuvor in der Geschichte. Heute ist ihr Geist … aus dem Gehäuse entwichen. …. Dann allerdings könnte für die ‘letzten Menschen’ dieser Kulturentwicklung das Wort zur Wahrheit werden: ‘Fachmenschen ohne Geist, Genußmenschen ohne Herz: dies Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben.’“

Tja, dazu fällt mir noch was ein. Aber was? Oder EUCH????

Ein Versuch dazu – Lob des Spießers