Blüten des Feuilleton

Kulturpolitiker’s Zitatenschatz

„Über Politiker kann man lachen, aber nicht über deren Politik“ – so hörte ich es in einer Karnevalssitzung aus dem Jahre 2000. Egal, wie Kultur schöngeredet wird oder mit Neusprech auf enthobene Ebenen verschoben wird – das was in der Kultur zählt, ist letztendlich immer das Konto, auf das die ‚Staatsknete‘ geht, denn Kultur ohne öffentliche Förderung ist nicht denkbar, da sie ja einfach nicht produktiv ist, sondern das Blumensträußchen, das sich eine Gesellschaft leistet, in der die Grundbedürfnisse der Menschen in etwa bedient werden.

Und wer staatliche Zuschüsse erhalten will, muss in unserer gesellschaftlichen Auffassung von Leistung und Verdienst zumindest einen Ansatz von Begründung haben, warum er/sie/es und nicht ein anderes er/sie/es Zuwendungen erhalten soll. Und so kommt es zu Deutungen und Legitimations-Argumenten in der modernen, entwickelten Kulturbürokratie. In der ZEIT vom 13.2.20 kommen exemplarisch Ina Hartwig und Carsten Broda zu Wort. Da fiel mir ein, dass ein Klangkörper viel Hohlraum haben muss, um einen großen Klang erzeugen zu können.

Der Hohlraum könnte vorhanden sein, allein der große Klang will sich nicht – zumindest bei mir – einstellen. Vielleicht geht es jemandem anders (er/sie/es) auch so, hier also ein paar Kostproben von dem, was meinen Kopf einige Zeit in horizontale Schwingungen geraten ließ:

„Museen, Theater, Opern und freie Bühnen schaffen einen notwenigen öffentlichen Hallraum..“ (das tun auch Berge in Form von Echo…)

„In der Elbphilharmonie begegnen sich Menschen in ihrer Differenz“ (das tun sie auf der Reeperbahn auch…)

(Im Theater) „Plötzlich verstehe ich etwas, das ich vorher nicht verstanden habe. Gerade durch das Ästhetisierte kommt mir die Wirklichkeit dann so nahe, wie sie mir vorher nie gekommen ist.“ (Da hilft eigentlich ein ‚Augen auf im Straßenverkehr und anderswo.., ich hab im Theater noch nie ein lautes ‚AHA‘ vernommen..)

„Teilweise zerreißt Kultur nämlich auch etwas und sorgt für Kontroversen. Das soll sie auch, weil sie uns dadurch aufmerksam macht auf das, was zerrissen ist“ (Wie wahr, das weiß jeder, der schon versucht hat, sich mit einem zerrissenen Tempotuch die Nase zu putzen..)

„Die Kultur hat die Chance, das Allgemeine zu repräsentieren. Aber dieses Allgemeine der Kultur ist eben etwas, worüber man sich aktiv verständigen muss“ (Das sollte man mal Montag abends in Dresden erzählen…, da gibt es mindestens zwei alternative Repräsentationen, meistens aber noch viel mehr..)

„Denn das Allgemeine ist in der Moderne nie aus sich selbst heraus gegeben“ (..und nicht nur in der Moderne, das Allgemeine ist dann der universelle Weltgeist, den es nur zu erkennen gilt….o sancta simplicita)

…dass „das Rätsel, was Kunst mit Menschen macht, nie gelöst wurde glücklicherweise.“ (Denn wir wissen nicht, was wir tun…)

„Die Migration von kulturellen Energien lässt sich in Museen besonders gut erleben. Für eine migrantisch geprägte Gesellschaft ist das eine Chance, genau dies vor Ort zu studieren und abzugleichen mit der eigenen Selbsterzählung.“ (Gut, dass das mal jemand sagt, darauf wäre ich ja nie gekommen!)

„Die Geschichten, die erzählt werden, sollten schon beim Kuratieren auf das Publikum zielen, das man erreichen will.“ (Auf wen sonst? Den lieben Gott?)

„Museen sind ja selbst lokal sozialisiert und können mit klugen Ausstellungen auch mit ihren Orten sozial kommunizieren.“ (Gibt es unlokale Sozialisierung oder unsoziale Kommunikation? Kommunikatiuon geht nur von Subjekt zu Subjekt, es sei denn, man übe öffentliches Reden mit Steinen im Mund vor der Meeresbrandung..)

Dann wird aus dem Museum ein zivilgesellschaftlicher Ermächtigungsort, der eine bewusste Einladung ausspricht – (…) Wir wollen miteinander arbeiten.“ (Vulgo: Im Museum kann man was Neues sehen… ich verabscheue das Wort ‚Ermächtigung‘!)

„Umso mehr müssen Räume der Kultur verteidigt werden als Räume, in denen Spannungen ausgehalten werden.“ (Das gilt genauso gut bei Kneipen, in denen die Kneipenkultur ausgehalten werden muss – klappt ja meistens, außer in der Northeimer ‚Kölsche Bar’…)

„Zunehmend fällt eine Allianz auseinander, die wir lange unterstellt haben, weil wir glauben, der Kampf für die Freiheit der Kunst sei immanent auch ein Kampf für die Selbstermächtigung bisher marginalisierter Gruppen. Solange wir aber Milieus haben, die deutlich überrepräsentiert sind, findet diese Selbstermächtigung der Marginalisierten nicht statt. Die Kritik an den Machtverhältnissen wendet sich auch gegen die Repräsentanten des Kulturbetriebs.“ (Die Mehrheit ist die Mehrheit ist die Mehrheit…., warum sollte es hier anders sein? Randgruppen bekommen Leckerli…)

„Es wäre falsch, Kunst so weit zu neutralisieren, dass sie nur noch in dern Wohlfühlräumen der jeweiligen Erfahrungszusammenhänge stattfindet. Das Problem ist, dass wir Unwuchten haben im Kunstbetrieb, weil von einer gleichrangigen Teilhabe aller Gruppen noch nicht die Rede sein kann.“ (Da wäre auch mal zu überlegen, ob alle überhaupt ein Interesse daran haben oder nicht Fußball, Kniffeln oder eine Weinprobe vorziehen…)

Fazit: Es muss uns verdammt gut gehen, dass wir uns diese Kulturpolitiker und deren Blasenbildung leisten können.

Weihnachten? Verbieten! Sofort!!!!

Weihnachten ist das Fest des verklärten Blicks – romantisch und voller Schmelz, verbunden mit den Erinnerungen an die Kindheit… Aber was hinter den Kulissen passiert – das wollen wir überhaupt nicht wissen! Und es tun sich Abgründe auf!

Da muss ein alter Mann, der aufgrund lückenhafter Beschäftigung wahrscheinlich noch nicht einmal die Grundrente erhält, im Dauereinsatz Botendienste erledigen – ohne Rücksicht auf geregelte Arbeitszeiten: Ärzte und Berufsgenossenschaften drehen da nur noch im Roten wegen der Verletzungen der Arbeitszeitverordnung. Und ob die Beschäftigung ordnungsgemäß registriert ist? Steuern, Sozialversicherung, Krankenkasse, Soli? Rentenkürzung wegen Zuverdienst? Wahrscheinlich kann auch die Fahrt zur Arbeit nach Grönland im Rahmen der Pendlerpauschalen nicht geltend gemacht werden.

Und die EU protestiert laut, da die jeweiligen Tätigkeiten in den verschiedenen Ländern nicht angemeldet seien, um als Entsendung nach lokalem Steuerrecht abgerechnet zu werden. Aber einen Vorteil gibt es in diesem Jahr letztmalig: kein Zoll für Auslieferungen in Großbritannien wg. fehlendem Brexit…

Verbittert regen sich auch erste Proteste aus der Wirtschaft: Der Weihnachtsmann habe bei der Beschaffung der Geschenke den lokalen Einzelhandel nicht umfassend berücksichtigt und von Zustellern sei ihnen zugetragen worden, dass auch sprechende Amazon-Pakete nach Grönland geliefert worden seien – daneben seien auch Zalando-Schreie in der Eiswüste zu hören gewesen. Wahrscheinlich wären für die Sendungen in den Norden auch noch von widerrechtlich schlecht bezahlte Subunternehmer der Paketdienste angeheuert worden – und die Grönland-Papers warteten schon in der Druckerschlange!

Auch der Tierschutzverein läuft Sturm: was sei mit den Rentieren und dem Tierschutzgesetz? Keine artgerechte Haltung, Zwang zum Fliegen (Cockpit ist noch nicht aufgewachte, sonst hätten die Tiere statt geschmückter Geweihe schon Trillerpfeifen dabei…), keine Futter- und Auslaufpausen. Um das durchzuhalten würden die Tieren wohl mit alkoholischen Getränken gedopt – die roten Nasen sprächen Bände!

Natürlich hat auch die Polizei schwerste Bedenken bezüglich der Straßenverkehrsordnung: Schlittenparken im Halteverbot, Geschwindigkeitsübertretungen gerade in Tempo30-Zonen und Spielstraßen, nicht zu sprechen von der Verletzung der Kennzeichnungspflicht von Fahrzeugen mit Geschwindigkeiten > 6 Km/h: wohin sollen schließlich die ganzen Bußgeldbescheide zugestellt werden, die aufgrund der Bilder in den Radarkontrollen fällig werden?

Auch gegen den Fahrer muss zusätzlich strafrechtlich ermittelt werden, da er mit Ganzkörperkostüm und Vollstbart ganz eindeutig das Vermummungsverbot verletze! Bei dem Wort Fahrer regen sich nun auch Gleichstellungsbeauftragte*Innen: Die Besetzung dieser Stelle nur mit Männern sei mindestens eine Verletzung des Verfassungsgrundsatzes der Gleichstellung von Mann und Frau! Hier müsse energisch gegengesteuert werden! Und aus einer Ecke ist auf einmal ganz deutlich der Ruf der SPD zu hören: Doppelspitze!    

Wen haben wir noch? Der Bezirksschornsteinfeger fuchtelt wie wild mit dem Kehrbesen: Die Nutzung des Kamins zum Eintritt in die Wohnung sei entgegen aller Vorschriften der Feuerstättenverordnung, hier müsse Einhalt geboten werden. Da stimmt dann auch die Feuerwehr ein: und im Übrigen müsse auch die Nutzung von echten Kerzen und offenem Feuer per sofort untersagt werden – Brandschutz gehe schließlich vor!

Aber das lenkt nur von schlimmsten aller Fälle ab: Kinderarbeit! Die niedlichen kleinen Engel würden nicht nur zur Arbeit gezwungen, sondern obendrein noch zu Dauerschichten – und das Ganze im bitterkalten Winter ohne – vom Arbeitgeber zu stellender – wärmender Arbeitsschutzkleidung! Dieser Verstoß müsse der UNO gemeldet werden – und natürlich den Gleichstellungsstellen, denn anhand der jetzigen Nicht-Kleidung wäre eindeutig zu erkennen, dass ausschließlich männliche Bewerber den Zuschlag erhalten hätten!  

Ja, diese Welt ist im Chaos – zumindest solange, bis wir aus diesem Traum eines überzeugt Regelwütigen erwachen. Und uns besinnen:

Weihnachten ist anders, es ein Fest außerhalb der Zeit, ein Fest der Bilder und der Träume – sowohl der erfüllten als auch der, die hoffentlich bald vom Geist der zukünftigen Weihnachten erhört werden. Aber das schönste an diesen Träumen ist, dass sie uns erfüllt werden, ohne dass wir eine Gegenleistung erbringen müssen. Sie werden erfüllt, weil wir einfach nur da sind und weil es Menschen gibt, die uns mögen oder lieben – um unserer selbst willen. Und die wir lieben – um ihrer selbst willen!

Das Geschenk ist das Zeichen – aber worum es geht, ist Zuneigung und Liebe, Unterstützung und gemeinsame Freude, aber auch der Trost – und die Gewissheit, nicht allein zu sein. Das Angekommen-Sein und das Angenommen-Sein – und das Nicht-Vergessen-Sein…

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein tolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in die Doppel-20!

Euer Arndt Christian

Hölle, Hölle, Hölle….

Schulz gibt Wolle…

Landtagswahl S-H+1: Martin Scholz gibt sich nicht ‚betroffen‘, nein! Er ‚ärgert sich höllisch‘! Augen wischen, nochmal lesen – ‚höllisch‘? Da kommt nun ein ganz neuer Aspekt des (allzu-)braven Euro-Bürokraten zum Vorschein: das DÄMONISCHE. Was will er dem geneigten Wahl-Volk damit sagen?

Oder stellt er sich dem Beelzebub nun auch als ‚Erlöser‘ entgegen? Das ginge sicher zu weit und wäre mit den sozialdemokratischen Tugenden nicht so ohne weiteres in Einklang zu bringen – wobei diese Rolle sowieso schon seit längerem mit Willy Brandt besetzt ist.

Ich denke, wir sollten die Augen aufhalten, ob/wann wir das erste Freundschaftsbändchen unter der Hemd-Manschette entdecken – hier bahnt sich das Einschwenken auf die Success-Story eines anderen Lebens an: ‚Hölle, Hölle, Hölle‚ – damit brachte Wolfgang Remling alias Wolle Petry auch die weiß-blau-schwarzen Bierzelte zum Toben und Mitsingen.

Und der Fundus von Wolle bietet für die nächste Zeit eigentlich alles, was er sonst noch als Wahlkampfstoff benötigt, z.B. für die die Ansprache unserer Eisernen Kanzlerin: ‚Du bist ein wunder….‘ – da singen schon alle mit  und lassen auch die Fortsetzung der Liedzeile nicht aus: ‚…ein wunder Punkt in meinem Leben!‚.

Und er kann sich auch ganz in Wolles Sinn erinnern: ‚Mein Zuhaus, das liegt heut ganz am Ende der Zeit, zwischen Bergen und Meer, tausend Träume von hier…‚. Und der Blick in die Augen der Wähler wird mit einem Ultimatum verknüpft: ‚Ganz oder gar nicht, gehen oder bleiben. Ganz oder gar nicht, du musst dich entscheiden. Weil ich dich liebe, will ich‘s auch wissen...‘.

Und falls es nicht klappen sollte, sind die Texte für die Elefantenrunde auch schon vorbereitet/abgekupfert: ‚Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle (sic!!!), eiskalt lässt du meine Seele erfriern; das ist Wahnsinn, du spielst mit meinen Gefühlen und mein Stolz liegt schon längst auf dem Müll…‚.

Eventuell kann er auch die Tierwelt und die Liebe mit heranziehen: ‚Weiß der Geier oder weiß er nicht…‘. Er habe immer den geraden Weg gesucht: ‚Augen zu und durch. Schluss, aus und vorbei, im Leben geht so viel entzwei….‘.

Ja, möglicherweise kann es so kommen, wenn man den sicheren Brüsseler Olymp verlässt und mit der Realität kuscheln will. Das Fazit hat Kumpel Wolle auch schon vorgedichtet: ‚Der Himmel brennt, die Engel fliehn. Wir sind durch Rauch und Feuer getrennt. Ich sitze hier und schau dir nach und werde warten, bis ich verbrenn‘. Nunja, Scheiterhaufen haben wir inzwischen löblicherweise abgeschafft – aber immer noch können Brandspuren auf unseren empfindlichen und empfindsamen Seelen nicht ausgeschlossen werden.

Rise and Fall, wir kennen’s aus der Römischen Geschichte und von Wolle Petry – und der war sicher nicht der/die letzte, der/die das erfahren musste…

Und wenn’s anders kommt? Keine Sorge, dafür habe ich dann noch Freddy Quinn in der Hinterhand: ‚Junge, komm bald wieder….‘.

Bei Agnoli…

….hinter der Glastür: der Laufsteg ist eröffnet!

Wer das Leben (oder das Lääbn?) einfach mal auf sich wirken lassen möchte – bitte Platz nehmen!

Natürlich ist es nicht ganz so glanzvoll-kümmerlich wie in den ‚Streets of London‘, aber immerhin: die Auswahl an Charakteren oder Typen ist da, für eine Kurzgeschichte reicht es allenthalben…

…die Dame mit dem Rollator, nach vorn gebeugt die Griffe haltend, dass vom Zusehen die Rückenschmerzen kommen – und die Frage, wie dieses Gerät nach vorn wegschießen würde, wenn es zum Stolpern käme…
…der Wattejacken-Contest: ohne zu zählen gewinnt dieses Outfit!
…die Imitatoren: Mutter vorweg, Kleinstkind auf dem Arm, ihr älteres Kind dahinter, eine Puppe in gleicher Art vor sich hertragend…
…Mitschülerinnen aus der Grundschule: M.F. und K.F. – immer noch in der kleinen Stadt unterwegs…
…eine kleine hagere Gestalt, straßengrau mittelkurzes Haar – Frau oder Mann? Auf den zweiten Blick: mit Umhängetasche – Rätsel gelöst…
…die adrette Siebzigerin mit Unterarmtasche – Begleiter einen Schritt dahinter, den gerade gekauften Tulpenstrauß nachtragend…
…und es bleibt immer überschaubar: Mittags um 12 und nie mehr als 10 Personen gleichzeitig auf 50 Meter Fußgängerzone: Rentner und Schüler im Duett…
…natürlich gibt es auch den unbotmäßigen Radfahrer – husch und vorbei…
…die kleine, mittelalte Bank-Kundin: ganz wie es sich gehört, wird das Moped in die Flaniermeile geschoben. Aber sobald das Geld in der Tasche ist, ein kurzer Kontrollblick rundherum, Moped anlassen und lustik hinausgefahren…
…nicht zu vergessen: der geduckte Silver-Ager mit Pudelmütze…
…und der jung-gestylte Fast-Silver-Ager: kurzes Haar mit Undercut, chices Outfit, selbstgedrehte Zigaretten und Sitzplatz im Freien bei 10 Grad – die Bestellung geht per Handzeichen durch die geschlossene Glastür: Stammgast!
…die junggebliebene Mutter (mit Tochter), deren Tönung schon länger zurückliegt und den grauen Scheitel länger werden lässt – schnell noch eine Zigarette und ohne Eile weiter…
…die Typfrau: es passt alles ins Bild: Sonnenstudiogebräunt mit ersten Furchen, tiefschwarz gefärbte Haare, breite Gold-Glitzer-Schaufeln aus dem Nagelstudio, enge Leggins und eine gefakte rote Schuhsohle…
…der ältere Herr im beigen Staubmantel, rotes Halstuch, Wanderschuh-ähnliche Fußbekleidung, draußen (wo sonst) sich lässig schief auf dem Stuhl platzierend…
…und die Doppeltaschenträger….
…und die Handyrechtshandraucher….

…und dann war der Cappu getrunken…

 

 

ARD wird ab 4.März türkischer Staatssender!

….und Sebastian Jacoby beteiligt sich an der Quiz-Götterdämmerung…

Getürkt, getürkt, getürkt!

Was wir gestern mitansehen mussten – Prime-Time ARD – war eine Zumutung für den Zuschauer: Schmierentheater mit 200% Unwahrhaftigkeit – aber natürlich für den berühmten ‚Guten Zweck‘. Dem – und damit auch dem gepeinigten Fernsehglotzer – hätte man besser geholfen, wenn man die Produktionskosten der 3-Stunden-Sendung abzüglich der Verleihgebühr für einen ‚guten alten Spielfilmschinken‘ gleich für die wohltätigen Projekte gespendet hätte. Spontan angebracht fiele mir der Münchhausen-Film mit Hans Albers ein: da wurde besser und unterhaltsamer geflunkert…

Und obendrein wären für die guten Sachen wahrscheinlich die 10fachen Beträge herausgekommen.

Ich frage mich ernsthaft, wer diesen Unsinns-Zirkus erfunden und freigegeben hat: für wie dämlich hält der verantwortliche Sender eigentlich den Samstagabend-Zuschauer? Von A bis Z eine getürkte Sendung – und alle machen mit!

Türk1: Fragen, die nur aus Film, Theater, Buch und allgemeinem Schwachsinn bestanden – also genau abgestimmt bis hin zu personalisierten Fragen aus dem Leben der ‚Kandidaten‘

Türk2: Wenn dann schon mal etwas abgeschweift wurde vom ‚inneren Themenkreis‘: Alternativen für die Falschantworten mit einer derartigen Offensichtlichkeit, dass die Haare zu Berge standen.

Türk3: Ich habe es nicht nachgemessen (nach der erste Runde gab es nur noch den Zapp-Knopf als Notausgang…): auch das Fragentempo von A. Bommes bei der Schlussrunde für das ‚Quiz-Göttchen‘ deutlich reduziert, damit nichts schiefgeht.

Türk4: Wenn selbst die Personalisierung der Hohlen Nuss (Frau Sawatzki – ich gebe zu, dass ich sie nicht sonderlich schätze..) die Verfolgungsrunde übersteht, weiß man ungefähr, auf welchem Niveau die Fragen gestellt wurden.

Türk5: Man möchte schon gern wissen, was im Jäger-Kopf von S.Jacoby sich so abgespielt hat, als er sich (ist ja für den guten Zweck) zum Depp gemacht hat incl. abschließendem Lob für die fitten, klugen Kandidaten. Würg. Der ersten Ausrutscher bei einer ja/nein-Frage hätte man evtl. noch hinnehmen können, aber als er dann bei einer Musik-Frage nach ‚Culture…‘-??? mit ‚Candela….äh….Club‘ falsch antwortet…. – was soll man dazu sagen. Nur eins: es wurde noch getoppt mit der Frage auf den Sterbeort Albrecht Dürers: ‚Venedig‘. Mit frohlockenden Kandidaten, die natürlich dann die Nürnberg-Karte zogen…

Fazit: Mehr kann eigentlich auch im Staatsfernsehen der Türkei nicht gelogen und geflunkert werden, die ARD ist auf einem guten Weg ins Morgenland, woher ja bekanntlich die schönsten Märchen stammen.

PS: Die Sendung war natürlich eine Aufzeichnung, da konnte man bequem rausschneiden, wenn mal wieder jemand aus Scham zu rot anlief, sich des Jux-Prustens nicht enthalten konnte oder einfach angewidert den Kopf in die Schüssel stecken musste. Und natürlich das fröhliche Gläserklingen der Sektchen, die sich die ARD-Verwaltung genehmigte, als sie laut lachend darauf anstießen, wie leicht doch das Geld der Gebührenzahler zu verbrennen sei…..

Winston Churchill – still alive…

Eigentlich suchte ich nur nach einem ‚Teaser‘ für einen anderen Blog – um exakt zu sein: eine Antwort auf die Frage, ob die Version ‚Never sport(s)‘ oder ‚No sport‘ richtig(er) sei. Das sei hier nicht verraten, aber dafür einfach mal zum Lesen ein paar Äußerungen, die britisches Understatement in seiner Bandbreite von Leidenschaft bis Lakonie, von Ernst bis ‚Lieber-auf-einen-guten-Freund-als-einen-guten-Joke-verzichten‘ reichen…

„Success consists of going from failure to failure without loss of enthusiasm.“

„However beautiful the strategy, you should occasionally look at the results.“

„The empires of the future are the empires of the mind.“

  „A pessimist sees the difficulty in every opportunity; an optimist sees the opportunity in every difficulty.“

„If you are going through hell, keep going“

„I am ready to meet my Maker. Whether my Maker is prepared for the ordeal of meeting me is another matter.“

„We make a living by what we get, but we make a life by what we give.“

„Courage is what it takes to stand up and speak; courage is also what it takes to sit down and listen.“
(…da kommt mir doch Dieter Nuhr daher: ‚…wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Schnauze halten…‘)

Nancy Astor, Britain’s first female MP, told Sir Winston Churchill that: „If I were your wife I would put poison in your coffee,“ Churchill famously replied: „Nancy, if I were your husband I would drink it.“

…und das letzte Zitat – sorry – soll nun wirklich erfunden sein…

(Quellen: http://www.telegraph.co.uk/news/politics/conservative/11155416/Sir-Winston-Churchill-the-famous-lines-that-he-never-said.html;
http://www.all-famous-quotes.com/Winston_Churchill_quotes.html)

 

Flucht und Vertreibung

…ist das Thema im Museum Friedland

Vom Ansturm der Menschen auf das neue Museum Friedland war an diesem Sonntag nichts zu spüren, aber einige Interessierte fanden sich schon in der Ausstellung, die sich über ca. 6 Räume in zwei Etagen im alten Bahnhof Friedland erstreckt.

„Wenn ich es nicht aufschreibe, ist es irgendwann weg, logischerweise“ – so Guntram Vesper anlässlich der Veröffentlichung seines Erinnerungswerkes ‚Frohburg‘ – denn wenn ein Mensch sterbe, sei alles dahin, was er im Kopf gehabt habe, alle Geschichten, alle Erinnerungen. Und diesem Motto scheint auch die Ausstellung in Friedland verpflichtet zu sein – das Aufgeschriebene, das Papier dominiert den Rundgang. Und es dominiert das Nicht-Besondere, das Alltägliche, das ‚blöde‘ Ordnungsgeschäft; kleine Ausschnitte aus dem Leben von Protagonisten, deren Namen man im nächsten Raum schon wieder vergessen hat. Und es bedarf überhaupt keiner persönlichen Tragödie, denn die Tragödie waren die äußeren Umstände, in denen die Leidtragenden, die Vertriebenen und Flüchtlinge, versuchten ihr Leben und einen Rucksack voller Habseligkeiten zu retten bzw. einen erzwungenen Neustart zu machen. Und die Anlaufstelle Friedland mit Unterkunft und Laufzettel erscheint dann wieder wie ein erster kleiner Lichtblick, der Orientierung im Chaos bietet.

Wenn im weiteren Verlauf des Rundgangs dann auch Aussiedler- bzw. Übersiedlergruppen der 70er bis 90er Jahre thematisiert werden, ist das sicher informativ und ein Blick in die Ästhetik von jugendherbergsähnlichen Unterkünften in diesen Zeiten – gekrönt von menschenleeren Groß-Fotographien aus der Zeit der HEWI-Romantik -, hat aber mit dem Übergang von Chaos in die Ordnung, der die direkten Nachkriegsjahre prägt, nichts mehr zu tun: hier wird eine zivile Abfertigungslogik dokumentiert, die doch eher aussieht wie ein Reisebeginn im Flughafengebäude.

Für mich am beeindruckendsten: Der Raum der Suchanzeigen und Vermisstenbücher – kaum vorstellbar, welches Leid an jedem Photo hängt und in  jeder Seite der Bücher versammelt ist. Und auf der anderen Seite die Plakate mit aufgegriffenen Kindern, von denen in vielen Fällen noch nicht einmal der Vorname sicher bekannt war. Und das in einer Zeit, deren fortschrittlichsten Medium der Druck war, keine Telefone, keine Bildübertragungen, keine Datenbanken. Wieviele Stunden und Tage Menschen auf der Suche nach Angehörigen vor Büchern und Plakaten verbracht haben müssen, muss auch heute noch berühren. Und wenn nach einiger Zeit Mut und Hoffnung sinken, die Wahrscheinlichkeit, den geliebten Menschen wiederzusehen, in der Promillezone versinkt, dann bleibt eine letzte Hoffnung, dass zumindest irgendjemand noch weiß, wann und wo der Vermisste zum letzten Mal gesehen wurde oder gestorben ist. Und auch dieser Abschluss blieb vielen verwehrt.

Doch, es lohnt sich, die Zeitmaschine einmal anzuschmeissen, 70 Jahre zurückzugehen und sich auf die Nichtigkeiten der Zeit einzulassen, die nach dem Chaos kam. Der Audioguide ist technisch gut aufgestellt, allerdings sind die Beiträge zu lang und schwafelig. Eine 7-Minuten-Einführung (?? so ungefährt ??) über WW2 etc. mit allen ‚vorgeschriebenen‘ politisch korrekten Formulierungen ist m.E. in der Form überflüssig. Weniger wäre hier an vielen Stellen mehr.

Zum Schluss natürlich das ‚Lustige‘, man könnte es auch das ‚Listige‘ nennen – ein Eulenspiegel-Streich, den es nur in der Papier-Welt geben konnte: Ein Umsiedlungsschein aus Thüringen innerhalb Thüringens nach ‚Ilfeld‘. Da die Umzügler aber mitnichten in der sowjetisch-besetzten Zone bleiben wollten und die britische Zone mehr versprach, machte die Begünstigte auf dem Amts-Zettel aus ‚Ilfeld‘ ganz einfach ‚Alfeld‘ – schon klappte der Umzug in des Westen. Chapeau!