Zauberlehrlinge im Corona-Wahn

Man mag – und jetzt mal ganz deutlich – die ganze Corona- und Impf-Kacke nicht mehr hören, nicht mehr sehen und man möchte am liebsten auch nicht mehr darüber sprechen. Aber schreiben….

Nach über einem Jahr gilt eigentlich nur eine einzige Handlungsanweisung über, die ich damals und heute ohne Vorbehalte unterschreibe: Bleib mir 2 Meter vom Leib und ich Dir auch! Außer Anne, natürlich…

Wir alle kennen ja das Peter-Prinzip – und wer nicht, der erfährt es jetzt -, dass nämlich jeder in einer Organisation so lange befördert wird, bis er die Stufe der absoluten Unfähigkeit erreicht hat. Dieses Schauspiel wird derzeit auf allen Bühnen gegeben. Und unter den Masken mit dem lachenden und weinenden Gesichtern steht zu lesen: „Et is ja aallet immer noch jootjejaan“. Hoffen wir’s!

Seit einem Jahr wird rumgeeiert ohne Ergebnisse, aber immer mit großen Holzhammern: Nach wie vor sind wir nicht in der Lage, zu identifizieren, wo es am wahrscheinlichsten ist, eine Virusübertragung zu begünstigen. Wären die Hauptursachen Plünden-Läden und Gaststätten, dann hätte ja unmittelbar nach dem Lockdown – also innerhalb von 5-10 Tagen ein sofortiger, deutlicher Absturz der Infiziertenzahlen erfolgen müssen (und da gab es noch keinen B117, den man heute für alles verantwortlich macht). War aber nicht. Der Einwand, man könne das nicht ermitteln, da nur ca. 20% der Fälle verfolgbar seien, kann aber eigentlich nicht ziehen: dann weiß man es eben nur für jeden 5.Fall, aber was ist das Problem dabei, wenn man gleichzeitig eine Statistik-Wissenschaft hat? Die kommt auch mit 1%-Stichproben hin und eine 5%ige Stichprobe führt zu hoch-wahrscheinlichen Ergebnissen.

Neben dem Holzhammer gehört auch die Panik-Sirene zum Repertoire: Angst erzeugen durch die ‚hochansteckende Mutante‘ – da läuft es kalt den Rücken herunter und man fühlt sich die Grusel-Stunden im TV mit ‚Mumien, Monstren, Mutationen!!!!‘ in der Wirklichkeit zurückkehren. Dabei wurde die höhere Ansteckungsfähigkeit zum Horror, das Virus wurde ‚böser‘ und mangels Erklärungsmöglichkeiten wurden wir immer hilfloser, da niemand wusste wie man sich gegen diese Genmanipulation wehren konnte. Nun lese ich gestern, dass es tatsächlich Menschen gibt, die nachforschen: die höhere Ansteckungsrate soll allein daher kommen, dass die Infizierten nicht 2-3 Tage lang die Viren verbreiten, sondern 4-6 Tage, was bei einer durchschnittlichen Erkennung nach 5-7 Tagen einfach die Menge der Kontaktpersonen verdoppelt, was eine ganz und gar undämonische Erklärung ist. Und man kann einfach durch Abstandhalten und ggf. in Zukunft durch regelmäßiges Kontroll-Testen die Infektionsweitergabe komplett oder früher stoppen.

Und was die Gesamt-Corona-Lage angeht: irgendwann in 2021 oder 2022 wird das alles in ’normalen‘ Bahnen verlaufen – wie die bekannten Grippe-Wellen. Aber derzeit ist der Aktionismus-Wettbewerb der Peter-Prinzip-Kandidaten in vollem Lauf: Man kann auch einfach sagen: da klappt nichts, wie es hervorprophezeit wird, die Politik-DarstellerInnen sind im Wettbewerb ‚toughest-guy/girl of corona-defeating‘. Ständig werden neue Maßnahmen propagiert, ohne dass irgendetwas davon erfolgreich und optimiert läuft.

Im Sommer 2020 wurde an die Menschen appelliert, die AHA-Regeln einzuhalten, als das nicht funktionierte, wurde die Maskenpflicht eingeführt, von der man vorher nichts wissen wollte. Als das nicht fruchtete, kam Lockdown light, dann das Impf-Versprechen, dann Lockdown medium, dann die Einrichtung von Impfzentren ohne dass man dafür auch nur eine Dosis Impfstoff hatte. Darauf dann zurückgerudert, dass man die Zentren nicht benötigen würde, weil erst einmal Altenheime und Krankenhäuser/Rettungsdienste beglückt werden sollten. Dann kam das Impfstoff-Dispositions-Versagen und alles brannte auf Spar-Spar-Flamme. Und weil nichts lief, trieb man dann die Terminvergabe durchs Dorf: Auch hier lief nichts, weil Millionen von Menschen nicht gleichzeitig bedient werden können von einer begrenzten Anzahl von Mitarbeitern – und dem Fehlen von Material. Also alles zurück und rauf auf die Warteliste – aber die hätten die öffentlichen Verwaltungen auch selbst machen können und nur die Verweigerer hätten sich melden müssen bzw. absagen.

Das tröpfelt nun so vor sich hin und wird bei dem angeschlagenen Tempo auch 2022 nicht beendet sein – sollte nicht was anderes passieren. Es läuft also nicht, aber um das zu kaschieren, wird nun die nächste Sau durchs Dorf getrieben: die Hausärzte sollen das machen – aber wie? Da müssten 100.000 Mitarbeiter geschult werden in den Systemen des Impfbetriebs, da müssten 50.000 Praxen in den Nachschub eingebunden werden, in das Terminmanagement und die Verwaltung der Wartelisten. Die Einhaltung der Impfpriorisierungen? Wer macht denn das? Wo sollen die Geimpften die Viertelstunde nach der Impfung sich aufhalten – unter Beobachtung? Wann soll der Arzt impfen, der jeden Tag im Schnitt 58 Patienten behandelt? In der Spätschicht?

Aber nicht genug, dass dieser Weg organisatorisch völlig ungeklärt ist: Jetzt werden als nächstes die Betriebsärzte in die Aktivitäten eingespannt – aber wer hat schon einen Betriebsarzt? Nur die wenigsten!

Und dann kommen die Tests: regelmäßig in Schule und Betrieb: wer soll die wann abnehmen? Und wie valide sind die Ergebnisse, wenn es allein zuhause gemacht wird? Wie fälschungssicher sind die Unterlagen, die erstellt werden müssten, um den Nicht-Positiv-Getesteten mehr Rechte zu geben – was genauso für die Geimpften gilt…

Und was machen die, die mal nicht jeden 2.Tag einen Zehner für den Selbsttest übrighaben? Da könnten wir ja die Tafel-Läden einspannen, aber die wissen ja noch nichts von ihrem Glück!

So geht’s eventuell weiter: nichts klappt richtig, aber irgendwie doch ein büschen…und um davon abzulenken, wird immer wieder eine neue Aktivität erfunden.

Und noch eine Anmerkung darüber, wie der Bürger eingeschätzt wird von den Lenkern: da gab es im letzten Jahr nur Holzhammer und Rasenmäher für die Maßnahmen, da wurde gejubelt, auch wenn die Lage das nicht erforderte, man war schon zufrieden, wenn überhaupt etwas untersagt wurde. Nun wurde zum ersten Mal eine halbwegs differenzierte Strategie für den Rückkehr zur Normalität formuliert, die auch auf die Schwere der Pandemie in bestimmten geografischen Umgebungen reagiert – gut so! Aber auch da melden sich die Bestimmer und Besserwissenden sofort zu Wort: das könne man den Untertanen nicht zumuten, dass sei ja alles viel zu differenziert und viel zu kompliziert! Nein, ist es nicht – und der IQ der breiten Masse versteht wohl sehr gut, dass es einen Unterschied macht, ob ich in der Landeshauptstadt shoppen gehe mit einer 100er-Inzidenz oder in der Kleinstadt Northeim mit einer 25er-Inzidenz. Aber so ist das, wenn man die verwalteten Bürger nur als Wutbürger oder dumme Schäflein sieht – die brauchen einfach einen scharfen Wachhund! Oder auch nicht…

Corona-Verklapsungen

Die Pandemie bedroht jeden von uns und ist deshalb ernst zu nehmen und die Impfung ist zu empfehlen!

Die Verdummung, die publicity-süchtige Kandidaten ausstreuen, ist ebenfalls ernst zu nehmen – damit man hinterher nicht vergisst, die Denkzettel auszuteilen!

Hier mal ein paar Aspekte, die mich in der Gallensaftproduktion doch etwas beeinflussen können:

a) Die Todesfall-Zahlen werden als Angstmacher instrumentalisiert, um die Impfwilligkeit zu erhöhen, dabei hätte man diese Zahlen bereits vor 2-3 Wochen vorhersagen können: bei konstantem Verhältnis Infizierte-Geheilte-Gestorbene ist klar, dass nach durchschnittlich 18-20 Tagen die Bewegung in der Anzahl der Neu-Infizierten bei den Todesfällen zu finden sein wird: die hohen Infektionszahlen kurz vor Weihnachten finden die (traurige) Analogie in den Sterbefällen: Das war einfach so zu erwarten, auch wenn man es anders gewünscht hätte!

b) Die Impfhersteller produzieren bereits seit vielen Wochen den Impfstoff und hatten sicher auch Lieferpläne vorbereitet, wer wann wieviel geliefert bekommt. Klappt aber derzeit nicht. Das ist dann die Stunde, sich als Lieferanten-Bändiger und Premium-Beeinflusser zu inszenieren. Wird aber nichts nützen bis auf ein paar Schaufensteraktionen: Die Situation ist in den letzten 14 Tagen hervorgerufen durch Notzulassungen in etlichen Ländern und auch die vorgezogenen Zulassung in DE – die war auf den 28.12.20 geplant – und deshalb vorhersehbar aus dem Ruder gelaufen: Wenn mehr Länder als geplant und fast alle Länder früher als geplant die Impfdosen anfordern, muss das zu einem Versorgungsengpass führen, da nicht nur die Lagerkapazitäten, sondern auch die Liefer- und Transportlogistik Engpässe erzeugen können: Wenn es z.B. nur 100 Transportfahrzeuge für den Tiefstkühl-Transport gibt, können die nur einmal am Tag liefern – und ein Fahrzeug, das nach Italien fährt, kann nicht gleichzeitig nach Wolfenbüttel fahren! Die Lage ist komplex und kann nicht einfach durch Politiker-Reden verbessert werden!

c) Die geringen Mengen der Impfmittel verhindern gerade noch das nächste vorhersehbare Chaos: wahrscheinlich gibt es in keinem Bundesland ein funktionierendes Terminsystem – und die Aussicht, dass die Termine über Telefon-Hotlines vereinbart werden, jagt mir Schauer über den Rücken: Ich habe vor wenigen Tagen einmal die 116 117 versucht – nach 10 Minuten in der Warteschleife habe ich aufgelegt. Nicht vorzustellen, was passiert, wenn 10 Millionen über 80 Jährige das gleichzeitig zu benutzen versuchen. Selbst wenn 20.000 Call-Center-Agenten, die am Terminsystem und in der Sache geschult sind, zur Verfügung stehen, sind anschlie0end 9,98 Millionen in der Warteschleife. Und wahrscheinlich wird oft mehr als ein Anruf nötig sein, wenn es nämlich keine freien, beplanbaren Termine in der nächsten Zukunft gibt.

Dass ein Terminsystem notwendig ist, ist seit vielen Monaten bekannt, aber es gibt bis heute kein valides Konzept, mit dem der Ansturm bewältigt werden kann. Da kann man schon mal fragen, wo die Nicht-Täter in den öffentlichen Verwaltungen zu suchen wären – aber da wird niemand herangehen, das wäre doch zu heikel….

d) Da kommt dann noch das Abenteuerlichste dazu: weil Pfizer angeblich alle Ampullen, die 5 Impfdosen enthalten, leicht überfüllt, könnte man doch aus der Umverpackung 6 Impfungen aufbereiten. Dass die Überfüllung wahrscheinlich Ungenauigkeiten bei der Aufbereitung ausgleichen soll, egal! Dass nicht jede Überfüllung gleich viel enthalten muss? Egal. Dass Pfizer die Überfüllungsmenge jederzeit ändern kann? Egal! Hauptsache eine Schlagzeile erzeugen und den eigenen Namen dabei lesen…..

e) Dass wir die größte Krise des Jahrtausends haben? Ja, zugegeben! Und wir schaffen es nicht, in jedem Gesundheitsamt jeden Tag einen Menschen bereitzustellen, der die eingehenden Zahlen verarbeitet und weitermeldet… – und das ist sicher auch Remote bzw. aus Home-Office möglich? Das ist ein Armutszeugnis ohnegleichen! Wenn jeden Tag in Mengen gestorben wird, kann man wohl auch eine E-Mail weiterleiten/schreiben, oder? In Krankenhäusern wird übrigens auch an 24 Stunden alle 7 Tage gearbeitet…
Denkzettel bitte nicht vergessen!!!!

Weihnacht/Silvester 2.0

Zwischen den Jahren: 2020

Ja, dieses Jahr alles auf 2.0!
Die Festtage haben uns schon etwas sprachlos gemacht – es gab ja auch niemanden, den man unter dem Weihnachtsbaum beplaudern musste. Und unsere geplanten, sparsamen Treffen wurden dann auch in letzter Minute abgesagt – die Einschläge kamen näher und alle waren der Meinung, dann eher auf Nummer Sicher zu gehen bzw. zuhause zu bleiben. Unschön das, aber keine Katastrophe!

Also Weihnachten (und bei vielen sicher auch Silvester/Neujahr) im Modus 2.0 – heißt „Wir sind und bleiben zu Zweit allein. Punktum. Und Null Familie/Besucher/Gäste!“

Ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest haben wir nun so verlebt, das musste nicht einmal gewünscht werden, das wurde FreiHaus geliefert! Und Hoppenstedts waren zu Gast, der Kleine Lord natürlich auch – und Sissy und die ganze Star-Wars-Bande! Also same procedure und wir konnten uns sogar ohne Störungen darin verlieren!

Und zwischendurch natürlich immer ein Ohr offen für die neuesten Zahlen aus der COVID-Welt, verbunden mit der Hoffnung, dass Maßnahmen und Statistik endlich eine kausale Verbindung eingehen möchten. Achja, eins hätten wir fast vergessen – ein Auge hatten wir auch noch auf den Weihnachtsbaum, der in der Weihnachtsstube unsere Minimalversammlung mit hochgefährlichen Wachskerzen erleuchtete. Das war fast wie normal!

Mit Vernunft und Geduld haben wir also die Tagen überstanden und wir werden auch die nächsten Wochen aushalten! Geduld und Hoffnung, das wünschen wir Euch allen für die kommende ruhige Zeit und das feuerwerkslose Silvester – eine Premiere in der Tat! Das ‚normale‘ Leben ist ja nicht vorbei, es wartet nur ein paar Ecken weiter auf uns, aber der Weg dahin wird etwas länger werden. Oder um es mit dem braven Schwejk zu sagen: wir treffen uns zum Bier im ‚Kelch‘ um 5 nach’m Corona-Krieg!

Bis dahin: Ohren steifhalten, Hände sauber, flach atmen und die unterstützen, die unsere Hilfe brauchen! Und dann geht’s weiter! Auf ein besseres 2021!

Liebe Grüße von Arndt Christian und Annegret

Lemminge im Kreishaus

Ein neuer Radweg, ein Verbindungsweg: Jubel im Ausschuss, 100% Zustimmung der Kreistagsmitglieder, 4,5 Millionen für den ‚Rohbau‘ eines Radwegs durch den Solling, Folgekosten egal….Benutzerfrequenzen noch völlig egaler…Die Lemminge stürzen in das Meer der gnadenlosen Ja-Sager….

Ich hatte dazu einige Fragen, die vom Kreistagsbüro beantwortet wurden im Namen der Landrätin. Die Fragen und Antworten in Anhang 1. Das Ergebnis für mich: stark unbefriedigend und der Eindruck, dass hier ein blanker Aktionismus stattfindet ohne Rücksicht auf tatsächliche Notwendigkeiten. Aber lest selbst:

Offener Brief
An
Fr. Landrätin Astrid Klinkert-Kittel
Kreishaus
37154 Northeim

Sehr geehrte Frau Klinkert-Kittel,

vielen Dank für Ihre Ausführungen zu meinen Fragen anlässlich der Kreistagssitzung vom 8.7.2020, die ich am 15.7. von Ihrem Kreistagsbüro erhielt. Im Verlauf der Lektüre Ihrer Antwort ist mir eines spontan eingefallen: es gibt scheinbar bei diesem Thema (und anderen) eine Wirklichkeit, die Bürger in ihrem Lebens-Umfeld erfahren, und eine Verwaltungswirklichkeit.

Lassen Sie mich das an zwei Punkten festmachen: Die Kosten des Gutachtens spielen sie auf 2Teuro herunter, obwohl das Gutachten ca. 30 Teuro gekostet hat. Uns als Steuerzahler interessiert es dagegen nicht, welche Kasse wieviel beigesteuert hat und ob etwas aus der EU-Kasse oder den Gemeindekassen kommt: Jeder Cent davon kommt aus unseren Steuerbeiträgen und wir erwarten zu Recht, dass diese Gelder nicht für sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen ausgegeben werden.

Dazu kommt als zweiter Punkt eine Gutachten-Gläubigkeit, die ich nicht nachvollziehen kann: Da wird ein 10 Jahre altes Tourismus-Gutachten hervorgezogen, das wohl bisher folgenlos in der Schublade geschlummert hat. Falls es eine Evaluation (Historischer Ist-Zustand, Planzustand, heute erreichter Zustand mit qualitativen und quantitativen Messkriterien) gegeben hätte (nach 10 Jahren wohl mehr als überfällig), wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir verraten würde, wo diese zu finden sei.
Dieses Gutachten, das den Anschluss von entfernteren Gemeinden an ein gut frequentiertes Fernradwegnetz in Betracht zieht, ist aber hier völlig irreführend, da es im Solling keinen stark frequentierten Fernradweg gibt. Und der geplante Weg hat das auch nicht vor, sondern will einfach nur die Hauptorte Bodenfelde, Volpriehausen, Hardegsen und Nörten verbinden. Eine Verbindung, die es übrigens schon gibt und die bereits im Jahre 2001 von Meinolf Ziebart (ADFC) in einem Brief an den Landkreis gelobt wird – bis auf die Beschilderung (zitiert im Anhang).

Und dann haben wir ein Gutachten, dass für eine mittlere Großstadt mit ‚Speckgürtel‘, wo im Zentrum Einzelhandel und Verwaltung geballt zu finden sind (Braunschweig kommt diesem Bild sehr nahe), sicher passen könnte, aber nicht für ein wenig bevölkertes Waldgebiet. Es werden Schlagworte wie ‚Multimodalität‘ übernommen, die auf die konkrete Situation einfach nicht passen wollen: Für den ÖPNV und den Touristikradler braucht es in dem kleinteiligen Abschnitt von ca. 40 km zwischen Bodenfelde und Nörten keine Ladeinfrastruktur, da E-Bikes über Reichweiten von ca. 80-100 Kilometer verfügen; an welche Massen von Menschen denken Sie, die mit E-Bikes zum (Bus-) Bahnhof in Uslar oder Hardegsen strömen und dort Abstellplätze suchen?
Fahre ich nach Hardegsen mit dem E-Bike, um dann in den Zug nach Northeim oder den Bus nach Nörten oder Göttingen zu nehmen? Und in Göttingen dann mit dem Stadtbus zu Sartorius oder in den Bereiche Uni Nord zu fahren? Da fährt der geneigte E-Biker doch einfacher und schneller direkt dahin, wo er arbeitet. Oder nimmt sein Rad in der Bahn schlichtweg mit. Und wenn doch: über welche Anzahl von Berufspendlern reden wir da überhaupt? Wo und in welchen Frequenzen stellen Sie sich welche Personen vor, die welche ‚Multimodalitäten‘ nutzen? Ich bitte um Beispiele, da meine Phantasie dort nicht ausreicht.  

Ihrer Antwort nach haben Sie sich über die realistisch zu erwartenden Nutzer sowohl aus dem touristischen als auch aus dem Pendlerbereich keinerlei Gedanken gemacht bzw. sich auch nicht bemüht. diese Zahlen durch empirische Verfahren zu ermitteln. Das ist so, als ob ich an einem bestimmten Platz ein Haus bauen würde, aber mich vorher nicht darum kümmere, ob die Parzelle nicht doch eine Moorlandschaft sei oder an einem Steilhang läge. Es geht ja nur um 4,5 und mehr Millionen Euro. Dazu passt natürlich, dass auch eine Folgekostenabschätzung fehlt. Das ist Blauäugigkeit, die im privaten Bereich niemals durchkommen wird, scheint aber tolerabel, wenn es um die anvertrauten Steuergelder geht. Da wären wir wieder beim ersten Punkt…

Überrascht hat mich darüber hinaus, dass Sie meinen, dass Radfahrer nach 20 km den äußerst beliebten Weserradweg verlassen, um sich zur Leine durchzuschlagen bzw. dass der Weserradweg 20 km vor dem Ziel verlassen wird. Ich habe diese Frage vielen Radfahrern gestellt (30-40), die bei diesen Alternativen eigentlich immer nur ein Kopfschütteln zeigten – Verwaltungswirklichkeit hat auch hier nur begrenzten Kontakt zum gelebten Leben, dazu kommt dann natürlich politischer ‚Korpsgeist‘, der es verbietet, eine andere Antwort zu geben.
In dem bereits zitierten Brief von Meinolf Ziebart ist dieser zufriedenstellende Weg eine Tour für Tagesradler aus dem Kreis und eine mögliche Fortsetzung des Diemel-Radwegs, denn die Weserradwegfahrer haben ein Ziel: den Weserradweg zu befahren und keinen anderen Weg. Der Leineradweg mit Start in Leinefelde ist eine andere Tour und wird es auch bleiben.

Zudem kann ich Ihnen auch verraten, dass passionierte (ältere) Radfahrer eine ganz andere Route von Bodenfelde nach Nörten bevorzugen, nämlich die Süd-Route über Parensen-Asche-Lödingsen, auf der man recht bequem fahren soll. Aber diese Route hat natürlich den ‚Nachteil‘, dass sie zum Teil durch den Kreis Göttingen führt – und die Auftraggeber des Gutachtens sind schließlich Uslar und Hardegsen.       

Auch das, was Sie als Qualitätsradweg sehen – den Betonstreifen mit 3 Meter Breite – würde ich eher kontraproduktiv einstufen: statt einer abwechslungsreichen, in die Landschaft eingebetteten Streckenführung mit Feldwegen zwischen Äckern und Wiesen und Waldwegen in Wäldern soll eine Einheitsversiegelung erfolgen: bei 40 km sind das 120.000 qm Betonpiste. Monokultur statt Vielfalt.
Beton für ‚rasende‘ E-Biker als ‚Qualitätsziel‘ scheint ihre Idealvorstellung zu sein statt wassergebundener Schotterdecken, die wohl eher die Zustimmung aller Personen finden, die dem Ober-Ziel ‚Ökologie‘ verpflichtet sind und die wohl besser in Einklang mit dem Naturerlebnis im Solling zu bringen sein sollten. Entsiegelung statt Versiegelung – haben Sie daran schon einmal gedacht?
Wenn ich mich recht entsinne, war vor kurzer Zeit eine Diskussion im Schulumfeld, ob 100 qm eines Schulhofs betoniert werden sollte, was zu einer großen Diskussion hinsichtlich des Generalthemas ‚Umwelt‘ führte; gibt es da etwa zwei Maßstäbe?

Um etwas auch nochmals klarzustellen: Wenn es Verbesserungspotentiale gibt, dann sollte man etwas dafür unternehmen – aber immer mit Hinblick auf Kosten und Nutzen bzw. Anzahl der Nutzer. Es könnte auch jemand kommen, der es schön fände und darüber hinaus ein touristisches Potential erahnte, wenn Schloss Nienover einen Anschluss an das Bahnnetz hätte und einen eigenen Bahnhof – aber wem wird das nutzen, außer den Hoch- und Tiefbauunternehmen? Würden Sie da auch sofort aufspringen?

Sie können noch lange von Touristenströmen, Qualitätsradwegen, Infrastruktur, Ladesäulen, Multimodalitäten, Ausbau des ÖPNV und Servicequalität reden – die Frage ist aber, für wen bzw.  wie viele Nachfrager das gemacht wird und was es letztlich pro Nutzer kostet und was es für unseren Landkreis bringt: Und diese Hausaufgaben sind nicht gemacht, sondern es wird einfach mal so ‚drauflosgefördert‘ ohne Abwägung von Aufwand und Ertrag; das ist übrigens eines der Hauptmerkmale von Luxus: Das Fehlen von Verhältnismäßigkeit…und deshalb bleibe ich bei der Bezeichnung ‚Luxus-Radweg‘.   

Anhang 1: Der Beginn des Meinungsaustauschs bzw. der Fragen an die Landkreistagsentscheidungen:

Meine Fragen – die Antworten des Kreistagsbüros zur Bürgerfragestunde der Kreistagssitzung

Sehr geehrter Herr Windhorst,

bezugnehmend auf Ihre Einwohnerfrage vom 8. Juli 2020 kann ich Ihnen folgende Antwort mitteilen:

Aus welchem Grund wird eine bestehende und allgemein als in gutem Zustand befindliche Radstrecke als Luxus-Radweg geplant?

Vor dem Hintergrund der „Mobilität“ als zentralem Zukunftsthema verfolgt der Ausbau des Radweges und u.a. die Bereitstellung von Ladeinfrastrukturen und sicheren Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen und Omnibusbahnhöfen der Hauptorte, die Ziele, den ÖPNV zu ergänzen, die Elektromobilität und somit auch die Multimodalität in der Region weiter auszubauen.

Hinsichtlich der Oberflächenbeschaffenheit und Wegebreite orientiert sich die geplante Ertüchtigung der bereits vorhandenen Wege u.a. an den Anforderungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) an Qualitätsradrouten. Die Bezeichnung „Luxus-Radweg“ ist insoweit irreführend und falsch, soweit der Eindruck entsteht, hier werden darüber hinausgehende – unverhältnismäßig höhere – Maßstäbe angelegt.

Das für den Landkreis Northeim bereits in 2010 vom Europäischen Tourismus Institut GmbH in Trier erstellte Tourismusgutachten empfiehlt im Übrigen ausdrücklich, die nicht an den Fernradwegen liegenden Gemeinden im Rahmen des weiteren Ausbaus des Radwegenetzes trotz streckenweise schwieriger topographischer Bedingungen durch Anschlusswege anzubinden und durch weitere flankierende Maßnahmen (z.B. Verbesserung des Wegezustands, Serviceangebote, Vermarktung) das bestehende Infrastruktur- und Dienstleistungsangebot für Radfahrer konsequent auszubauen und zu verbessern.

Wer trägt die Kosten für das Böregio-Papier und wie hoch sind diese?

Die Kosten für die Durchführung der vorbereitenden Untersuchungen und Darstellung der Handlungsbedarfe betrugen rd. 29.800 € und sind als LEADER-Projekt zu 80 % aus EU-Mitteln finanziert. Neben der Beteiligung der betroffenen Kommunen betrug der Kofinanzierungsanteil des Landkreises Northeim rd. 2.100 €.

Wie lauten die geschätzen Zahlen für die Nutzer-Frequenz und wie sind diese erhoben worden?

Geschätzte Zahlen für die Nutzer-Frequenz liegen nicht vor.

Wie hoch sollen die Zahlen für Weser-Radweg-Verlasser und für den ‚Berufsverkehr‘ sein?

Hierzu gibt es keine Vorgaben.

Wie viele von den 55.000 Radtouristen des Weserradwegs nutzen den letzten/ersten Abschnitt zwischen Hann.Münden und z.B. Hameln?

Nach der Radverkehrsanalyse für den Weserradweg (Stand 12/2018) gab es an den in Frage kommenden Dauerzählstellen Oedelsheim (LK Kassel) und Hess. Oldendorf (LK Hameln-Pyrmont) für das Jahr 2017 folgende Zahlen:

Oedelsheim:                             61.254 (Jahr/ 01.01. bis 31.12.) und 55.964 (Saison/01.04. bis 31.10.)

Hess. Oldendorf:                      79.366 (Jahr) und 70.966 (Saison)

Glauben Sie, dass ein Weserradweg-Tourist bei Start in Hann.Münden diesen nach 20 Km verlässt, um nach Nörten zu fahren und später irgendwann bei Hameln zurückzukehren?

Die Frage kann so nicht beantwortet werden, da die Nutzergruppen entsprechend ihrer Hauptmotive differenziert zu betrachten sind (z.B. Radreisende, Tagestouristen und Fahrende im Alltagsradverkehr). Gleichwohl werden Radreisende (Reise als Hauptmotiv, mit Übernachtungen) unter der Voraussetzung einer im Vergleich zum Weserradweg nicht abfallenden Wegequalität und weiterer positiver Gegebenheiten durchaus eine solche Route wählen.

Glauben Sie, dass ein Weserradwegtourist, der von Norden kommt, den Radweg 20 Km vor dem Endpunkt in Hann.Münden-Weserstein verlässt, um nach Uslar zu fahren?

Unter Berücksichtigung der vorherigen Ausführungen JA.

Ist berücksichtigt, dass dieser Radweg bei schlechter Witterung und im gesamten Winterhalbjahr wahrscheinlich überhaupt nicht nutzbar ist?

Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass der Radverkehr insgesamt bei schlechter Witterung (Unwetter, Starkregen, Schneefall,-glätte usw.) abnimmt, aber bei entsprechend guter Witterungslage ganzjährig, also auch in den Wintermonaten, weiterhin stattfinden kann, insbesondere auf einem Radweg mit einer sehr guten Oberflächenbeschaffenheit.

Im Übrigen wäre eine solche Annahme, das „Totschlagsargument“ für alle touristischen Radwege.

Warum muss für den Radweg eine flächendeckende Bodenversiegelung in 3 Meter Breite angelegt werden? Das ist sicher kein ökologisch priorisiertes Verfahren?

Ein großer Anteil der – insgesamt bereits bestehenden – Wege ist bereits asphaltiert und von unterschiedlicher Qualität. Die Verbreiterung und darüber hinausgehend zusätzliche Asphaltierung ist für die Erlangung des begehrten Qualitätsniveaus (siehe erste Frage) erforderlich.

Welche Kosten für Wartung, Instandhaltung und Ersatzbedarf kommen pro Jahr auf den Kreis zu?

Nicht bezifferbar. Der Landkreis ist bestrebt, mit den betroffenen Kommunen Vereinbarungen bezüglich der Unterhaltungskosten zu treffen.

Welche Netto-Erlöse werden erwartet?  Welcher Zusatzumsatz der Tourist-Fahrer wird im Kreisgebiet erwartet?

Die Entwicklung von Erlösen in Folge des Ausbaus der  Weser-LeinE-Route ist neben der Wegequalität und der begleitenden Infrastruktur mit flächendeckender kundenorientierter Servicequalität, insbesondere im Tourismusbereich, abhängig von weiteren Faktoren (z.B. Verbesserung der Angebots- und Servicequalität der Unterkunfts- und Gastronomiebetriebe, Vermarktung durch touristische Organisationen).

Derzeit kann daher eine Erwartungshaltung bezüglich Erlösen/Zusatzumsätzen nicht in Zahlen dargestellt werden.

Neben der touristischen Nutzung und daraus resultierender Wertschöpfung sind im Übrigen die mit der ersten Frage bereits beschriebenen Ziele Ergänzung des ÖPNV, weiterer Ausbau der Elektromobilität und der Multimodalität in der Region mindestens als gleichwertig zu betrachten.

Mit freundlichen Grüßen

Landkreis Northeim | Die Landrätin

Im Auftrag

Das Kreistagsbüro

Ellen Eickemeyer | Sebastian Kuhlmann

R 1 – Kreistagsbüro und Öffentlichkeitsarbeit

Anhang 2: Meinolf Ziebart, 2001, Brief an den Landkreis NOM

Zum Radfernweg Weser – Uslar – Leine

Er stellt großräumig betrachtet eine interessante Ost-West-Verbindung her. Aus Richtung Westen / Ruhrgebiet führt der Diemel-Radweg viele Radler an die Weser. Weiter in Richtung Osten kann man gut zur Leine wechseln und dann im Rhumetal Richtung Nordhausen weiterfahren. Die Verbindung von Bodenfelde über Uslar – Hardegsen – Nörten-Hardenberg ist topografisch relativ einfach und bietet gut ausgebaute und landschaftlich reizvolle Wege. Von Bodenfelde folgt man dem Schwülmetal-Radweg durch die Flußaue. Ab Vernawahlshausen gibt es gut befestigte Wege über Allershausen – Uslar Bahnhof nach Bollensen. Von dort nimmt man den zwar unbefestigten, aber gut befahrbaren Wirtschaftsweg am Waldrand über Gierswalde nach Volpriehausen.  Von dort führt nach Schlarpe ebenfalls ein guter Wirtschaftsweg. Lediglich ein Teilstück von etwa 1,5km liegt auf der B241 bis zum Goseplack. Von dort führen gute Sträßchen weiter über Lichtenborn nach Hardegsen und über Hevensen- Lütgenrode nach Nörten-Hardeneberg mit Anschluß an den Leineradweg. Das beigefügte TOP50 Overlay enthält bereits die Standorte für Wegweiser, wie sie bei einer Befahrung mit der Landkreis-Mitarbeiterin im Sommer 2001 dokumentiert wurden.

Der Rummelboxer – R.I.P.

Foto: Andreas Lippold / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Norbert Blüm, der sich selbst als ‚Rummelboxer der Politik‘ bezeichnet hat, hat sich auf den letzten Weg gemacht. Trotz Corona wurde es noch bemerkt, denn sein ‚Die Rente ist sicher‘ gehört zum Standard-Inventar der deutschen Nachkriegspolitik.

Im Nachruf der Tagesschau kam dann noch eine bemerkenswerte Äusserung hinzu: „Politik ist Kampf. Wer auf Harmoniesuche ist, der muss einen anderen Beruf sich suchen.“ (Tagesschau am 25.4.20), die mich neugieriger werden ließ.

Wir verlieren mit ihm einen der letzten bedeutenden Politiker des 20. Jahrhunderts, der nicht stromlinienförmig angepasst war, sondern immer den Streit, den Kampf und die Auseinandersetzung gesucht hat, um das Hier-und-Jetzt etwas besser zu machen – oder zumindest in die richtige Richtung zu ’schubsen‘, in der Wirtschaft und Humanität eine friedliche Koexistenz finden.

Der Spagat, den der ‚Herz-Jesu-Marxist‘ an vielen Stellen machen musste, ist auch oft bei den markanten Sprüchen zu finden, die das Dilemma des modernen Lebens illustrieren. Keine einheitliche Wertordnung, keine uniforme Gemeinschaft und keine einheitlichen Ziele kennt dieses Leben. Aus einer multi-perspektivischen Wirklichkeit heraus muss ein ein ‚leidbarer‘ und mehrheitsfähiger Weg für die Gruppen der Gesellschaft organisieren werden – ohne die Grund- und Menschenrechte und die Humanität (im Sinn einer weltlich interpretierten Christlichkeit) als Minimalkonsens zu verlassen.

Und dieser Tanz mit den Perspektiven – das zeichnet meiner Meinung nach auch seine besten ‚Sprüche‘ oder Zitate aus. Hier ein paar ausgewählte – alles zitiert nach gutezitat.de, abgerufen am 26.4.20.

„Wie wenig Aufklärung zeichnet eine Gesellschaft aus, die jeder stupiden Schreibtischarbeit mehr Sozialprestige zuteilt als einer genialen Konstruktionstätigkeit im Overall. Wo das Prestige anfängt, hört bekanntlich der Verstand auf.“

„Ich bin fest davon überzeugt, dass kalkulierbare Politik auf Prinzipien zurückgeführt werden muss, wenn sie nicht der Beliebigkeit zum Opfer fallen soll.“

„Selbst die Herrschaft edelster Menschen entpuppte sich meist nur als Privilegierung der eigenen Klientel.“

„Wer in die Politik geht, um beliebt zu sein, der hat den Beruf verfehlt.“

„Konsens erlangt man nicht mit dem Vorschlaghammer.“

„Die Braven bewegen nichts.“

„Der Vorteil der Opposition ist, daß sie Fragen stellen kann, die sie nicht beantworten muß.“

„Nicht alles, was sich sozial gebärdet, ist es auch.“

„Wenn der Zug auf dem falschen Gleis steht, erübrigt sich jede Diskussion über den Fahrplan.“

Populismus am Schuhwall II

Offener Brief an Malte Schober

Sehr geehrter Herr Schober,

eines möchte ich Ihnen vorab sagen: Anders als viele Ratskollegen stellen Sie Ihren Beitrag – den zur Schuhwalldiskussion, der in der Ratssitzung im Februar 2020 gehalten wurde – öffentlich als Tonaufzeichnung der Diskussion zur Verfügung (Link: https://soundcloud.com/malte-schober/schuhwallhalle-rat ). Das ist vorbildlich für einen Meinungsaustausch, der nun nicht mehr auf Quellen aus zweiter Hand beruhen muss. Danke dafür.

Was dort aber vorgetragen wurde – bis zum Gipfel des Populismus-Vorwurfs gegen die „Gegner“ der neuen Halle – kann so nicht stehenbleiben. Akzeptieren Sie doch bitte, dass es keine Gegner einer neuen oder sanierten Halle gibt, es geht in dieser Diskussion um den Finanzrahmen, den einige für unverantwortlich halten und daher auf eine kleinere Lösung dringen – egal ob neu oder saniert. Die Darstellung, dass die Nicht-Zustimmer dieser einen Lösungsvariante den Schülern, den Jugendlichen und den Sportlern den Hallenplatz wegnehmen möchten: das ist populistisch, denn hier wird ein Feindbild aufgebaut, gegen das sich alle ‚lauteren Sportunterstützer‘ gemeinsam wehren müssen. Wo bleibt im übrigen Ihre Stellungnahme, wenn der Ihnen sicher gut bekannte Axel Janssen auf unredliche Weise versucht, die Sportförderung gegen die ‚bourgeoise Kulturförderung‘ auszuspielen – ein Musterbeispiel für Populismus in Verbindung mit Futterneid-Motiven.  

Aber schauen wir doch einfach mal auf die einzelnen Aspekte Ihres Beitrags: Die Einleitung „Die Halle ist nicht mehr zu retten…“ – kennen wir schon von der Stadthalle: Pathos und Alternativlosigkeit, statt Argument und Abwägung. Und Sie wissen ja auch von der Stadthalle, für die Sie sich auch engagiert haben, dass die Renovierung später weniger als eine halbe Mio. kostete – bei Neubau der Halle würden wir hier nicht mehr diskutieren, weil die Stadt jetzt schon finanziell platt am Boden liegen würde. Natürlich wäre auch die Schuhwallhalle zu retten, auch hier ist es nur eine Frage des Preises (in Lüneburg hat zum Vergleich die Sanierung einer Doppel!!-Dreifeldhalle ca. 9 Mio. ausgemacht). Und gerade darüber muss man diskutieren.

Wie man in der Vergangenheit das Sanierungsgutachten des potentiellen Hallen-Neubau-Architekten hat akzeptieren können, wird mir ewig unverständlich bleiben. Dieser Gutachter glaubte damals noch, seinen Neubauentwurf an die Stadt verkaufen zu können – da lag ein klarer Interessenkonflikt vor und die Gutachter haben folgerichtig einfach den Hallenneubau in die Grundmauern der alten Halle verlegt. Fazit: kost‘ genauso viel? Unfassbar! Ein Gutachten auf Basis von Papierplänen und Fotos. Niemand der Gutachter war jemals vor Ort!

Finanzierung wie ein Häuslebauer?

Aber egal: Sie setzen dann auf den gesunden Menschenverstand: was rechnet ein Häuslebauer, wenn er baut: 30 Jahre Abtrag ergeben eine Belastung, die passt oder nicht. Hier wird uns dann vorgerechnet, dass man 30 Jahre mit einem Zins von 0,5% nur 338.000 Euro/rund 400.000 Euro jährlich zahlen muss; da sind dann ca. 2-3% Tilgung p.a. enthalten. Das könne die Stadt sich doch wohl leisten! Aber der normale Bauherr denkt auch schon mal an Abschreibungen, (vorbeugende) Instandhaltung und Reparaturen, denn nach 30 Jahren wäre sonst einfach die Substanz verbraucht. Dass daran nicht gedacht wird und nicht danach gehandelt wird: genau das hat den jetzigen Zustand der Schuhwallhalle herbeigeführt, das ist das Problem und nicht die 50 fehlenden Zentimeter hinter dem Handballtor! Und zwei Dinge müssen auch ganz deutlich gesagt werden: ein Häuslebauer reißt sein Haus nicht nach 50 Jahren ab – und ein Häuslebauer baut nicht 4 Häuser parallel. Denn neben diesen 10 Millionen Kreditaufnahme hat/plant die Stadt weitere Kredite in Höhe von 35 Millionen. Es sind nicht die 10 Millionen, es ist die Gesamtlast, die zählt. Soweit die Milchmädchen. Und dass über 30 Jahre der Zinssatz bei 0,5 % bleibt? Da hilft vielleicht Beten… Wer sein Haus so plant, der wird nicht lange darin wohnen bleiben!

Der anonyme Zuwanderer

Ähnlich profunde sind die Bemerkungen zum Bevölkerungswachstum durch junge Familien aus Göttingen. Wie viele hunderte von Menschen sollen denn nach Northeim ziehen, wo inzwischen im neuen Baugebiet am Wieter allein die Grundstückspreise bei 170 Euro/qm liegen, also 100.000 Euro nur für das Grundstück fällig werden? Allein das Grundstück kostet dann die 20-Jahres-Miete einer 70-qm-Sozialwohnung … das ist soziale Selektion inclusive. Und der Arbeitnehmer/Mieter aus Göttingen? Grone oder Northeim-Süd? Die ökologisch unsinnige Seite mal außen vor: Ein zweiter Wagen für die Familie mit monatlichen Kosten von 300-400 Euro rechnet sich doch nicht, da zahle ich doch lieber 300 Euro mehr Miete, habe die bessere Infrastruktur und bin jeden Tag mindestens eine halbe Stunde weniger unterwegs. Öffentlicher Nahverkehr? Nur wenn der Tag 26 Stunden hat – versuchen Sie das doch bitte mal: von Northeim morgens zum Schichtbeginn um 6 Uhr bei Sartorius oder Mahr in Göttingen zu sein? Aber geschenkt! Und ob es in Northeim 10 oder 11 Sporthallen gibt? Für jemanden, der ein Haus bauen will oder in eine andere Stadt in eine Mietwohnung zieht, werden viele Kriterien für die Entscheidung herangezogen, aber sicher nicht die Anzahl der Sporthallen, die wohl auch einigen Ratsmitgliedern nicht bekannt ist.

Festpreis und Förderung

Wenden wir uns den weiteren Hoffnungen zu: immerhin ist für Sie klar, dass das Bauamt die Bauaufsicht nicht wahrnehmen kann, sondern alles an einen Generalunternehmer vergeben werden soll, natürlich am besten zum Festpreis. Wer sich allerdings mit Festpreisen auskennt, der wird jetzt schon mal zucken. Wenn ich als Auftragnehmer einen Festpreis anbiete, dann ist das erste, was auf die Kalkulation draufkommt, der Risikozuschlag – und der wird locker bei 20-40% liegen, vor allem in Zeiten, in denen ich nicht weiß, zu welchem Preis ich im nächsten Hochkonjunktur-Jahr welche Gewerke noch angeboten bekomme. Und wenn ich einen professionellen Generalunternehmer beauftrage, muss ich wissen, dass der in der Lage ist, seine Verträge so zu formulieren, dass jeder Zusatzwunsch, jede Änderung des Plans als Sonderleistung nach Aufwand zu bezahlen ist. Und da stehen dann die Northeimer Amateure und können wiederum … nur beten.

Was ich auch nicht verstehe, ist der ständige Hinweis auf mehr Geld vom Landkreis – der hat sich in dieser Sache bisher nicht einen Euro weiterbewegt. Und die Hoffnung, aus ohnehin überzeichneten Fördertöpfen Millionen herauszuziehen, weil ‚Freund Roy‘ sich ja bemüht…die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wenn es die Zusatzmillionen nicht gibt: was dann? Stopp oder Mehrkredit? Über welches Förderprogramm reden wir da eigentlich? Über das des BMI „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Jugend, Sport und Kultur“, das eigentlich beendet ist und für das nochmals 200 Millionen bereitgestellt werden? Das ist ein kleiner Tropfen auf einen heißen Stein: in der Pipeline für die Förderung stecken fast 1200 Projektanträge – und dabei wird es über 90% Verlierer geben. Die Mittel gelten für Jugend, Sport und Kultur in Konkurrenz.

Aus der vom BMI veröffentlichten Projektübersicht (da sind merkwürdigerweise nur 102 statt 186 Projekte aufgeführt) mit der Fördersumme von 232 Millionen hier mal die Fakten, um die Erfolgsaussicht realistisch einschätzen zu können: Von den reinen Sportprojekten sind in der Initiative 17 Sporthallen (in Mischprojekten weitere ca. 10) in der ganzen BRD gefördert worden, also eine in jedem 20. Wahlkreis. Und Südniedersachsen ist mit Göttingen, Duderstadt und Goslar bereits dicke dabei. Aber wenn es da andere Infos gibt, würde ich mich freuen, darüber etwas zu erfahren!

Eine Bemerkung/ein Eindruck meinerseits soll hier aber noch kurz angerissen sein: Wie dieser Fördertopf, aus dem (weitere) Mittel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in Südniedersachsen landen werden, instrumentalisiert wird, um Ratsentscheidungen ‚schnell herbeizuführen‘ (das ist die höfliche Umschreibung). Mit Hinweis auf die Fördermillionen, die wohl niemals kommen werden, ist der Rat sowohl zu seiner vorschnellen Grundsatzentscheidung als auch jetzt zum nächsten Vergabeschritt ‚motiviert‘ worden. Bei einer Entscheidung, die die nächsten 50 Jahre tragen soll, ist das kurzfristige Schnappen nach der Wurst sicher die falsche Strategie. 

Immerhin höre ich heute aus Ihrem Mund zum ersten Mal eine öffentliche Stellungnahme des NHC-Umfelds über die BBS-Halle: die sei nicht abgenommen – weiß ich nicht, kann aber sicher jederzeit nachgeholt werden. Der Vorschlag steht übrigens (neben Ausweichen in die Sparkassen-Arena in GÖ) im Schreiben des Handballbundes, der im Ratsinfosystem zu finden ist. Und dass die BBS-Halle am Sonntag belegt ist: kann sein, aber dann tauscht man einfach die Hallenzeiten mit der Schuhwallhalle, das ist kein Mehr, sondern nur ein Anders. Die BBS-Halle hat übrigens offiziell 330 Zuschauerplätze, während die Schuhwallhalle nur 300 hat. Und auf der Ostseite ist die BBS-Halle relativ einfach erweiterbar. Das Fehlen einer Argumentation gegen die BBS-Halle seitens des NHC kann dann eigentlich nur bedeuten, dass man keine Argumente hat, oder?  

Jährliche Kosten

Dann kommt die Geschichte mit den drei Hallen der Stadt: Schuhwall, Schwimmbad und Stadthalle. Das ist einfach völlig verkürzt: die Schuhwallhalle ist eine von 10 (zehn!) Sporthallen allein in der Kernstadt, wobei zwei Hallen (BBS und Corvi) größere Haupt-Spielflächen haben. Dass die Hallenkosten der neuen Schuhwallhalle auf 800.000 Euro geschätzt werden: das ist ein Schluck aus der Pulle, wenn man den Altbau mit knapp 150.000 Euro/Jahr dagegenhält. Woher Sie diese Zahl haben, würde mich brennend interessieren, da es eine Vervierfachung der aktuellen Kosten bedeuten würde.

Dass das Schwimmbad auch 800.000 kostet – da weiß ich nicht, woher die Zahl stammt. Lauf GuV 2017 der Stadtwerke macht das Hallenbad etwas über 500.000 Euro Miese, wobei die Stadt keinen Cent dazu bezahlt. Und die Stadthalle macht auch keine 500.000 Euro Miese, sondern laut Haushalt 2019 der Stadtverwaltung 290.000 Euro. Ihre Zahlen sind nach meinem bzw. dem veröffentlichen Kenntnisstand alternative Fakten. Woher die kommen, würde mich interessieren. Wenn diese Zahlen allerdings stimmen, müsste man fragen, warum die Stadtverwaltung ‚unrichtige‘ Zahlen veröffentlicht. Zu diesem Bereich gehören auch die von Knut Freter propagierten 250.000 Euro ‚Betriebskosten‘, die in seiner Formulierung und der Wiedergabe in der Presse als Energie- oder Energieschleuder-Kosten herüberkamen. Wir wissen aber beide – wenn die Auskunft der Stadtverwaltung Ende 2017 richtig war -, dass die Heizkosten bei ca. 50.000 Euro/Jahr lagen. Auch wenn Sie diese Äußerung nicht getan haben – warum lassen Sie die Freter-Zahlen unkommentiert stehen und stimmen dem dadurch implizit zu?

Einsparungen oder das falsche Modell?

Wenn Sie nun über Einsparungen mit Herrn Eling sprechen und der Ihnen versichert, da wäre nicht viel zu machen, eine Mio max., wenn man etwas kleiner wird. Dann ist nicht die Einsparung bzw. die Nicht-Einsparung die Crux, sondern die Tatsache, dass man einen falschen Wettbewerb hatte und eine falsche Auswahl getroffen hat. Wie kann ich einen Wettbewerb mit dem K.-O.-Kriterium von 8 Millionen starten – der von einem Büro begleitet und überwacht wird – und am Ende kümmert sich kein Entwurf darum und ebenso nicht die Auswahljury, der Sie ja angehörten? Normalerweise hätte man das alles zurückgehen lassen müssen! Und der Bau hat keine Heizanlage – das gehört zu Halle pur dazu! Welche Kontrolle – meinen Sie – haben sie (Verwaltung/Rat) über den Prozess? Und wenn die Halle etwas kleiner wird (eine Gymnastikhalle mit der Option, später anzubauen) und schmuckloser und energieeffizienter – da mögen Sie recht haben – werden vielleicht nur 2 oder 3 Millionen weniger herauskommen, aber das weitaus größere Sparpotential liegt an der Anlage drum herum, wo viele 1000 qm zugepflastert werden, und in den Minderaufwänden für die Außenanlagen – kommen Sie bitte jetzt nicht mit Skatern und Bouldern, das sind Peanuts. (BTW: wie sichern Sie eigentlich eine Außen-Kletterwand gegen Benutzung außerhalb der Überwachungszeiten, wieviel Personal muss bei Öffnung Hilfestellung leisten?)

Erinnern Sie sich noch, wie am Anfang das Bestreben bestand, sowohl den Architekturentwurf als auch die Bauüberwachung aus dem Bauamt heraus machen zu lassen? Gut, das ist relativ schnell gestorben, aber dass dieser Vorschlag überhaupt ernsthaft in die Diskussion kam, ist schon nur schwer zu fassen.

Warum sie in einer Nebenbemerkung den Kauf des Rathauses als finanzielles Harakiri bezeichnen, ist mir schleierhaft – das war eine der wenigen guten Entscheidungen, auch aus heutiger Sicht! Harakiri ist Selbstmord – könnten Sie mir das erklären? Der Patient lebt, aber er verprasst gerade sein Tafelsilber…, das schon beim Pfandleiher liegt…

Die Freizeit-(g)GmbH

Wenn dann auch noch über die Sport- und Freizeit GmbH als großem Retter gesprochen wird – der Einwurf sagte ja zu Recht, dass das die Göttinger Gesellschaft sei (die eine GmbH & Co. KG ist, die Überschüsse erwirtschaftet)  -, eine Northeimer Gesellschaft gibt es überhaupt noch nicht, kommen mir Zweifel, ob der Sachstand gut kommuniziert wird. Nebenbei ist es so, dass eine GmbH nicht zum Nulltarif betrieben wird, on top kommen durch die Orga-Struktur Zusatzkosten für Betrieb und Abschluss incl. ‚Konzernkonsolidierung‘ hinzu. Aber Vorsteuer wird gespart…vor allem beim Personalaufwand…

Und ‚Querverbund‘ mal so nebenbei dranzuhängen: das ist ein ganz restriktiv genehmigter Steuertrick und wenn es da schon eine Genehmigung des Finanzamtes über den Betrieb des Hallenbads hinaus geben würde, würde mich das wundern. Und ob es jemals für die Kombination mit der Sporthalle einen Querverbund gibt, wage ich mal zu bezweifeln, denn offensichtlich herrscht hier etwas Verwirrung (sollte die Verwirrung bei mir liegen, so würde ich Sie um eine qualifizierte Richtigstellung bitte, die nicht mit „Das planen wir so..“ enden sollte): ein Querverbund mit dem Hallenbad ist zulässig, wenn das Hallenbad relevante Mengen aus einem Blockheizkraftwerk des Betreibers entnimmt. Dieses Kriterium dürfte für eine moderne Sporthalle, die energiesparend oder besser als Passivhaus-Konstruktion erstellt ist (was der Entwurf wohl nicht erfüllt), wohl kaum zutreffen, da der Primärenergiebedarf minimal ist. Oder wird deshalb extra energieaufwändig gebaut, damit der Verbrauch hoch wird und eine Querverbundslogik erfüllt wird? Dann sollte man alle Entscheider aber ganz schnell aus dem Tempel jagen.

Ich bin da mal ganz gespannt, was die schlauen Vorsteuer-Trickser uns da als Steuersparkonzept vorstellen wollen.  

Der Aufstieg

Zum Schluss können wir auch noch einmal zusammen träumen: Alles wird gut, der NHC spielt (irgendwo) gut und steigt auf in die zweite Liga: dort sind Hallen mit 2000-4000 Zuschauerplätzen der Standard. Legen wir dann nach und bauen die nächste Halle? Oder gehen nach Göttingen? Dann können wir da auch gleich hingehen und die Handballbegeisterten aus Göttingen mit einsammeln – auch Melsungen (1. Liga) spielt in Kassel!

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen..“

Ja, nun kommen wir zu dem Punkt, wo es heißt: Immer nur kritisieren, das kann ja jeder! Und eigene Vorschläge? Fehlanzeige!

Ich habe an dieser Stelle den Vorteil, nicht im Handball-Klüngel zu stecken: Die ganze leidige Diskussion ist doch deshalb entstanden, weil ein Sparkassendirektor einen Sporthallenentwurf erstellen ließ, der zufällig auf ein Grundstück passte, das die Firma erworben hatte, um dort Wohnungen zu bauen. Dass dieser Entwurf auch als Konkurrenz/Ersatz der Stadthalle gesehen werden konnte – das hat sich gottlob zerschlagen. Weiter passierte nichts, da dann das lukrativere Gelände am alten Krankenhausgelände Vorrang hatte. Um letztlich mit dem Versuch zu enden, das alte Realschulgelände plus Zusatzzahlung gegen den Mühlenanger zu tauschen.

Über einen alternativen Standort bzw. ein alternatives Konzept wurde niemals diskutiert – Schlange und Kaninchen stehen sich starr gegenüber. In den 60er Jahren hatte der Schuhwall einen städtebaulichen Plan: das Gelände war etwas abgelegen, die Erweiterung der Stadt für Geschossbau war in die Südstadt gelegt, die Einfamilienhäuser wuchsen an Wieter und Sultmer. Die alte Kaserne/Schule mit der Teppichfabrik wurden abgerissen, der Ersatz-Schulbau auf die andere Straßenseite verlegt und dazwischen Schwimm- und Sporthalle gebaut, die damals für zwei Schulen dimensioniert waren. Eine Schule ist abgerissen, die zweite ist ebenfalls schon 50 Jahre alt, genau wie Sporthalle und Schwimmbad. Die wirtschaftliche Lebensdauer (für diese Zweckbauten) nähert sich dem Ende – und auch für die anderen Gebäude muss sich in nächster Zeit die Frage Grundsanierung oder Neubau stellen.  

Was brauchen wir heute? Bezahlbaren Wohnraum und eine Belebung der Innenstadt, weniger Verkehr und Betreuungsmöglichkeiten für ganz junge und ganz alte Menschen. Laut Bebauungsplan ist das ganze Gelände am Schuhwall/Arentsschildstraße ‚Wohngebiet‘. Warum machen wir es nicht dazu? Wir brauchen in direkter und barrierefreier Umgebung der Innenstadt keine 5000 qm  Parkplatzflächen, die 330 Tage im Jahr leer stehen – und an den übrigen Tagen mal 3-4 Stunden belegt sind.

Fragen wir uns doch mal: Wie lange soll das Schwimmbad noch erhalten werden – auch da sind 50 Jahre genug, schön ist etwas anderes; wir benötigen keine 50-Meter-Bahn, auch Göttingen und Osterode kommen mit 25 Metern hin, der Energieverbrauch ist eigentlich nicht mehr tragbar!

Wie lange soll noch eine Oberschule dort betrieben werden: die Bauten nähern sich auch alle der 50-Jahre-Grenze! Warum werden die Schulen nicht in der Sudheimer Straße zusammengefasst? Für 1000 Corvinianer gibt es ein Gymnasium, für 600 Haupt- und Realschüler betreiben wir zwei Standorte? In Einbeck sehen wir gerade, wie IGS und Realschule am Hubeweg zusammengefasst sind – mit Millionen-Invests; warum nicht genauso in Northeim? Ende vom Lied: wir benötigen dort keine Schulsporthalle, wenn der Landkreis endlich seine Hausaufgaben machen würde! Und bitte nicht argumentieren, das sei ja Kreissache. Es geht um Northeim und nicht um die Aufteilung, wer macht was und das andere interessiert mich nicht! Das wäre schlicht verantwortungslos.

Und der Schuhgroßhandel: warum bietet man dort nicht an, den Großhandel in das neue verkehrsgünstigere Gewerbegebiet zu verlegen – mit Investhilfen der Stadt meinethalben.

Und für die Übergangszeit erhält man das Ensemble so, dass es sicher betrieben werden kann – und plant, in den nächsten 3-5 Jahren die Schule in der Sudheimer Straße zu integrieren.

Die Stadt hat letztes Jahr das Baugebiet am Martinsgraben freigegeben – aber bisher nur das Filetstück an zwei Nachfrager vergeben können, die sich damit die Rosine aus dem Kuchen gepickt haben – gut gelernt von F.C.Schramm, der 20 Jahre am Galgenberg zu tun hatte, wo auch heute noch nicht alles bebaut ist. Und dort hinten am Martinsgraben, da wäre nun genug Platz, um das neue Sport- und Freizeitzentrum aufzubauen, was gleichzeitig zu einer Aufwertung der Südstadt führen würde, in der im Übrigen noch eine große Wohnungsreserve steckt, die damit gleichzeitig aufgewertet wird. Win-Win.

Eine neue Sporthalle sollte dann dort am besten vom Kreis mit Hilfe der Stadt (oder andersrum) errichtet werden wg. des Zuzugs der Oberschule und als Zusatz/Ersatz für die BBS-Halle, von der ich hörte, dass sie auch schon 40 Jahre alt sei und man am besten nichts mehr hineinstecken sollte. Fehler wiederholen sich eben gern, genau wie die Aussagen der Stereotypen- und Bedenkenträger.

Für Parkplätze müsste man nur wenig Sorge tragen, da bei den umliegenden Schulen diese ausreichend vorhanden sind. Die verkehrliche Anbindung an die B3 ist kurz und direkt und führt nur am Rand des Wohngebiets entlang.

Wenn die Sporthalle des Kreises/der Stadt steht, zieht die Stadt mit einer neuen, kleineren Schwimmhalle (oder einem ‚Badeparadies‘) nach. 

Quartiersbildung

Und wenn der Umzugsplan steht, dann hätten wir ein Areal, auf dem wirklich so etwas wie Quartiersbildung aus einer Hand stattfinden könnte – anders als die Fehlgeburt der sogenannten ‚Innenstadt-Quartiere‘.

Die Wohnbebauung an der alten Realschule kann sofort beginnen, nach dem Umzug der Oberschule wird die Sporthalle abgerissen, später dann das Hallenbad, um den neuen Wohnblöcken und Reihenhäusern zu weichen. Das gesamte Gebiet ist schon heute per se verkehrsberuhigt. Eine Erschließung ist nicht notwendig, da bereits vorhanden. Wenn auch der Schuhhandel umziehen sollte, können die Lagerflächen für Wohnbau genutzt werden. Der Baumschulenweg wird verkleinert und Häuser auch auf der Westseite des Rhumekanals gebaut. In die renovierungsfähigen Teilen von Schule und Großhandel werden neue Nutzungen stattfinden: Kindertagesstätte, Senioren- oder Stadtteiltreff, Seniorenheim, Betreutes Wohnen, Tagespflege, Übungs- und Gruppenräume, Büros für Start-Up-Unternehmen oder Co-Working-Spaces. Ein Spielplatz, eine Gaststätte, ein Park der Generationen, der den Namen verdient. Die Nahversorgung ist an der Rückingsallee/In der Fluth fußläufig zu erreichen, die Stadt ist nur 300 Meter entfernt und kann ebenfalls zu Fuß/mit Fahrrad erreicht werden – das ist Best Practice. Und nicht das Wohngebiet am Rande der Stadt, von dem aus jeder Weg mit dem Auto in die Stadt gemacht werden muss: So etwas könnte man als De-Mobilitäts-Konzept verkaufen!

Auf den Dörfern rund um Northeim werden krampfhaft Lücken-Grundstücke für Wohnbebauung gesucht – und hier in Northeim könnten viele 1000 qm in bester, innenstadtnaher Lage bebaut werden und keiner sieht es? Es geht hier nicht um Handball, sondern um einen städtebaulichen Plan für Northeim, der für die nächsten 20 Jahre trägt. Kennen Sie eigentlich die biblische Geschichte von dem Splitter und dem Balken? Hier sollten vielleicht mal die Leute zum Arzt gehen, die KEINE Visionen haben…

Populismus und wie ich ihn erkenne

Phrasen und deren Einsatz in der Lokalpolitik

„Das ist purer Populismus!“ – dieser Vorwurf ist ja eine beliebte Einleitung für Killer-Argumente. Da wird aus der Hüfte geschossen, da kennt man keine Differenzierung und Kollateralschaden ist vorprogrammiert – außer man hat einen Rohrkrepierer produziert…

Jemand hat einmal treffend gesagt, dass Populismus wie Mundgeruch sei – den haben nämlich auch immer nur die anderen! Der Populist braucht immer den Gegner – notwendigerweise muss jemand da sein, der anderer Meinung ist, über die nicht diskutiert werden kann, sondern die grundsätzlich abgelehnt wird: das ist die Polarisierung und sie ergibt dann mit zunehmender Schärfe den ‚Feind‘. So etwas gibt es im beschaulichen Northeim nicht – möchten Sie meinen? Schauen wir doch einmal genauer hin – nämlich auf den Endkampf um eine Sporthalle in der kleinen Stadt am Rande der Welt – etwas größer zwar als Bullerbü, aber kleiner als die Stadt Bielefeld, deren Existenz durchaus nicht unstrittig ist.

Populismus lebt vom Gefühl, dass die geäusserte Meinung die Meinung der Mehrheit des Volkes sei – und die Gegner natürlich ‚die da oben‘, die nur ihre eigenen Vorteile suchen. Und da das Volk angesprochen wird, muss die propagierte Lösung/Meinung so einfach sein, dass sie jeder versteht. Dass dabei komplexe Zusammenhänge keine Rolle spielen (dürfen), ist dem Volk geschuldet: „Get Brexit done“ ist eine Paradebeispiel: Egal, wie schwierig und ggf. verlustreich die Trennung von UK und EU auch sein wird: Augen zu und durch, das wird schon! Dämmert manchem schon die Parallele in unserer kleinen Stadt: „Get Schuhwallhalle done“ – keiner kann konkret abschätzen, welche Belastungen kommen werden, aber Augen zu….

Ja, die Populisten verlesen dann den ‚Volkswillen‘ und liefern die (einfache) Lösung, die z.B. gegen die Herrschaft der Banken, die Raffgier oder die Nachgiebigkeit des Staates oder die Benachteiligung des Volkes durch die Kultur-Bourgeoisie vorgeht, um die Emanzipation des Volkes voranzutreiben. Aber statt Vermittlung und Kompromiss in der Sache zu suchen, richtet sich der Populismus auf die Empörung aus, die Mobilisierung jedes Milieus, das den Antreibern irgendwelche Mehrheiten beschaffen kann. Die AfD ist derzeit das Musterbeispiel, sie sammelt die Empörung und Unzufriedenheit quer durch das Spektrum der Bürger – anders kann man die Wanderungsbewegungen überhaupt nicht erklären, da zugleich Wahlgewinne aus Links, Rechts und Mitte generiert werden, die mit weltanschaulichen Entwicklungslinien nie zu beschreiben sein werden. Und so sammelt eine rechtsorientierte Führungselite die Empörten und Abgehängten ein – mal mehr, mal weniger je nach lokaler Erschütterung der gesellschaftlichen Schichten.

Weil auch bei vielen Bürgern Weltanschauung und Standpunkt mutiert sind zu Stimmung und Vorteilssuche; abhängig von lokalen Personen/Persönlichkeiten und deren Ruf bzw. der medialen Orchestrierung derer Auftritte ist derzeit jedes Ergebnis in Bund, Ländern und Kommunen möglich. Der politische Boden ist in permanenter Erdbebenstimmung – und ob der Sieger hinterher Tschentscher, Höcke, Ramelow, Kretschmann oder Günther heißt – alles ist möglich, aber es destabilisiert die früher so eherne ‚Mitte‘ und führt damit zu einer fortschreitenden Erschütterung.

Sehr einfach lassen sich populistische Tendenzen in den (sogenannten) Argumentationen erkennen: Die zu unterstützende These wird nicht begründet oder argumentativ untermauert, da sie ja sowieso die Mehrheits- und Volksmeinung sei, sondern es werden einfach weitere Thesen herangezogen, die mehrheitsfähig sind oder als Gemeinplatz anerkannt sind: „Den Obdachlosen werden die Hilfsgelder nur so zugesteckt, während unsere Straßen immer mehr zu Schlaglochpisten verkommen!“. Der Gegner ist in diesem Fall meinetwegen die Stadtverwaltung und das Thema eigentlich die Höhe von Sozialleistungen für bestimmte Gruppen. Das wird aber nicht begründet, sondern die Unfähigkeit wird mit einem zweiten Vorwurf, den auch weite Teile der Bevölkerung teilen könnten, untermauert, obwohl das eine mit dem anderen nicht in einer begründenden Beziehung steht. „Die Förderung des Sports wird vernachlässigt, während der bürgerliche Kulturbetrieb hoch subventioniert wird!“ Und so fort… – aber zurück zur ‚Heimat‘!

Get Schuhwallhalle done! Und wer nicht für den (Drittliga-)Handball ist, der will dem Breitensport die Halle wegnehmen! Dass die Diskussion nicht gegen Sport oder Halle ist, sondern es nur darum geht, in welchem finanziellen Rahmen eine vernünftige, d.h. finanzierbare Lösung gefunden werden kann, wird nicht akzeptiert, sondern immer sofort die „Alles-oder-Nichts-Frage“ gestellt. Wer nicht für uns ist, ist wider uns. Wer dem Drittliga-Handball nicht willfährig ist, der ist gegen Schulsport, Jugendsport und Breitensport, weil die ja in der gleichen Halle aktiv sind. So einfach wird man zum Buhmann. Nehmt es, wie es ist, diskutiert nicht, es mag 13 oder 15 oder 17 oder 20 Millionen kosten, get it done!

Perfide bis pervers wird es aber dann, wenn denen, die darüber argumentieren wollen, was angemessen ist oder nicht, vorgeworfen wird, sie betrieben billigen Populismus, weil sie immer wieder auf die Zusatzkosten eines Baus jenseits des Schul- und Breitensports hinwiesen; das wäre im übrigen nur eine Million und damit nicht diskussionswürdig. Implizit also: das ist doch der Handball wert, so denkt das Volk und das wollen wir nicht besprechen, sondern getan bekommen! Die bürgerlichen, unsportlichen Gesellen wollen uns den Sport madig machen und das lässt sich das Volk nicht gefallen! Es sei ja eine ‚Investition‘ in die nächsten 50 Jahre! Zukunft ist nicht diskutierbar! Aber die Bezahlung in den nächsten 20 Jahren? Kleingeister!

Und so kommen wir zum vorerst letzten Kapitel des Trauerspiels: ‚Populist‘ ist kein Wort, mit dem gelobt wird – und wenn ein Herr Schober in der Stadtratssitzung die Gegenpartei ohne jede Begründung als populistisch anprangert, dann erfüllt er genau die Strategie der Populisten, dem politisch Andersdenkenden herabzusetzen, statt mit ihm in eine Sachdiskussion zu kommen. Und eines hat Herr Schober auch aus der internationalen Politik gelernt – die USA lassen grüssen, wo zuerst der wunderbare Begriff der ‚Alternativen Fakten‘ aufkam: Wer als erster eine Zahl in die Diskussion wirft, der hat den Vorteil, das Momentum. Denn der Reflex ist, über die Schätzung zu streiten. Und durch dieses ‚Ernstnehmen‘ wird die Zahl erst zum Faktum. Nach kurzer Zeit hat sich diese Zahl etabliert und bestimmt die Diskussion – egal ob diese Zahl auf Fakten oder auf blanker Unverschämtheit beruht.

Die Northeimer Diskussion anhand dieser alternativen Fakten zu verfolgen, hat einen ganz eigenen Charme, angefangen bei der Verweigerung, irgendeine Zahl zu liefern: Eine Bauverwaltung wird über Jahre aufgefordert, ein Konzept für die Sanierung der Schuhwallhalle zu erstellen und die damit zusammenhängenden Kosten zu ermitteln. Die Bauverwaltung tut: nix! Die Zahl ist also irgendwo zwischen Null und Unendlich, sodass jeder mal spekuliert und eigene Fakten in die Luft setzen kann. Fazit Phase 1: Ungewissheit und Ungeduld – und damit der Boden für populistische Thesen: das klappt nicht, wir brauchen einen Neuanfang! Neuanfang ist immer gut, Altlasten weg, freier Horizont, keine Kompromisse, mit klarer Kante zum Ziel! Das ist positiv besetzt und (fast) immer mehrheitsfähig – und super als Polarisierung gegenüber den Flickwerkern und Knauserköpfen.

Da man aber planlos ist, kann das nicht richtig verwertet werden – und dann kommt der Sparkassen-Direktor, der Retter auf weißem Pferd, und bringt den Neubau samt VIP-Bereich ins Spiel, ein Architektenentwurf, den seine Firma finanziert hat und der zufällig auf einem Stück Land realisiert werden soll, das der Firma gehört.

Eine gute Tat, der die Mehrheit sich anschließen könnte! Aber leider war das Wort VIP-Bereich dabei. Das fällt durch, zumal die geschätzen Kosten bei über 11 Millionen Euro liegen sollen, was ziemlich umgehend einen öffentlichen Aufschrei erzeugt – und beides zusammen bringt den neuen Schwung zum Erliegen. Auch die Zusage des Landkreises, 3 Millionen davon zu sponsoren, macht den Bissen nicht wirklich genießbar. Fazit Phase 2: Da hat jemand den Populismus nicht richtig verstanden!

In dieser fatalen Lage nimmt nun der Leiter der Stadtverwaltung das populistische Zepter in die Hand: 11 Millionen seien zu viel, aber für 8 Millionen muss die Halle auch zu erstellen sein, das muss die neue Marschzahl werden! Wie er auf 8 Millionen kommt? Weiß keiner, wahrscheinlich er selbst nicht, es könnte aber auch einfach das arithmetische Mittel zwischen 11 Millionen (max. der Debatte) und 5 Millionen (min. der Debatte) sein – alle Zahlen schweben natürlich über der Erde und haben keinerlei Kalkulation der Neben- und Zusatzkosten im Säckel.

Außerdem – so der Leiter der Stadtverwaltung – seien die 3 Millionen vom Landkreis zu wenig, da müsse nachgebessert werden. Dieses Argument wurde in der Folge oft wiederholt, allein der Landkreis rührt sich bis heute nicht…

Und ein neues Strohfeuer wird noch entzündet: ein kleines Förderprogramm sei aufgelegt worden (200 Millionen, wenn ich mich recht erinnere), und davon wolle die Stadt profitieren, denn pro Maßnahme seien bis zu 2 Millionen Euro Zuschuss möglich. Merkwürdigerweise haben auch andere Kommunen davon gehört – und das Ende vom Lied: statt 2 Millionen gab es eine klare Absage. Mit einem Vorteil für die Befürworter: der Stadtrat wurde unter Druck gesetzt, dass sofort eine Grundsatzentscheidung für den Neubau der Halle fallen müsse, sonst könne man überhaupt keinen Förderantrag stellen. Und es funktioniert!

Bei dem Wort ‚Förderantrag‘ brennen ja im Stadtrat die Sicherungen durch – alle Lemminge bis auf eine Ausnahme heben die Hand. ‚Fördertöpfe plündern‘ – das ist ebenfalls ein populistisches Motiv, die Mobilisierung der Massen und denen ‚da gaaaanz oben‘ das Geld aus der Tasche zu ziehen, da gibt es keinen Widerspruch. Das das auch nur Geld aus einem Steuertopf ist, in den der Bürger einzahlt, egal! Erst mal her damit, damit es kein anderer bekommt!

Da haben wir nun die Fakten: ein Grundsatzbeschluss aus Fördermittelgier, den anzuzweifeln sich auch heute keiner mehr traut – auf der Basis ‚alternativer Fakten‘. Fazit: keine 11 Mio, sondern nur 8 Mio Ausgabe, bei der Kreisförderung werden statt 3 eher 4-5 Mio angefordert und Zuschüsse aus Hannover in Höhe von 2 Mio. stehen im Raum: da bekommt die Stadt für 1-2 Millionen eine neue Halle! Applaus den Machern! Heute wissen wir: Pustekuchen!

Eins hätte ich fast vergessen: es gab dann doch eine Schätzung über die Kosten einer Sanierung der alten Halle. Da das Bauamt der Stadt dazu nicht in der Lage war und auch Unterstützungsangebote aus dem Rat nicht angenommen wurden, wurde ein Architekturbüro mit der Schätzung beauftragt. Die Schätzung wurde auf der Basis der Papierunterlagen erstellt, kein Sachverständiger war vor Ort. Zufälligerweise war das das gleiche Büro, das auch den Plan für den Neubau erstellt hatte. Kalkuliert wurde nun nicht eine adäquate Sanierung, sondern der gleiche Neubau wie im Neuentwurf unter Beibehaltung von 1 oder 2 Grundmauern der alten Halle: Ergebnis – was Wunder: das kostet auch über 11 Millionen! Ein Schelm, der denkt, dass das Architekturbüro schließlich seinen eigenen Neubau-Entwurf verkaufen wollte…

Fazit Phase 3: Es gibt nun eine Reihe von alternativen Daten und Fakten, die alle höchst windig sind, aber gerade deswegen nicht beweisbar – und deshalb auch nicht zu widerlegen. Aber sie bestärken die Vorurteile und die Hoffnungen vieler Menschen – oder auch nur die vieler Stadtratsmitglieder.

Nebenbei siegt dann doch in der Verwaltung/im Rat die Idee, dass man nicht einfach den Entwurf des Herren Direktor nehmen könne, bei derartigen Projekten sei doch ein Entwurfswettbewerb üblich. Gesagt, getan. Entwurf mit Wettbewerbsvorgabe max. 8 Millionen – die Zahl überlebt, auch wenn die anderen Hoffnungen inzwischen gestorben waren. Und die Anbieternachfrage ist sehr groß, so groß, dass man eine Auswahl treffen muss und schließlich über 20 Entwürfe eingereicht werden. Was aber kein einziger Entwurf berücksichtigt: die Kostengrenze von 8 Millionen! Interessiert aber keinen, auch nicht die Betreuer des Wettbewerbs, und die ‚fachkundige'(??) Jury präsentiert dann den ’schönsten Entwurf‘.

Fazit Phase 4: Gute Stimmung, aber nichts verwertbares – und die Zusicherung, man werde den Siegerentwurf – eine Perle der Sporthallenarchitektur – in Zusammenarbeit mit dem Architekten ‚verkleinern‘.

Natürlich geht der Architekt auf diese Forderung ein, er hätte den Entwurf auch auf 7,5 oder 7 Mio. reduziert oder was immer gewünscht wird. Aber nun kommen 8 Millionen raus: die Traumsumme der Auftraggeber! Allerdings immer noch ohne Finanzierung…

Was der spielverderbende Architekt allerdings auch macht: er rechnet einmal die Kosten der Gesamtmaßnahme zusammen und kommt – pardon – bei 15-16 Millionen an… Wer nun denkt, dass ein Aufschrei durch die Läger geht, denn nun ist man weitere 4-5 Millionen über der skandalösen Erstschätzung von 11 Millionen: weit gefehlt! Mit den Millionen wird durch die monatelange ‚Beratung‘ wie mit 10-Euro-Scheinen jongliert, die Abstumpfung verfehlt nicht ihre Wirkung, außerdem gehört das Geld ja niemandem, ist ja Steuerknete.

Zum Abschluss orchstriert der Vorsitzende des Handballvereins noch einmal das Dramolett: die Decke der alten Sporthalle käme schon herunter (am Vorabend wurde die Halle aber noch uneingeschränkt genutzt…) und würde mit einem Netz abgesichert sein. Was Wunder, dass man kein Geld mehr in eine Halle steckt, die evtl. in 20 Monaten abgerissen wird… Dann fallen auch nocht Worte wie ‚energetische Dreckschleuder‘ und
‚250.000 Euro Kosten‘, womit wieder – in bester Manier alternativer Fakten Volkes Stimme und Ziel gelenkt werden sollen. Dass die letzen bekannten Komplettkosten der Halle 130.000 Euro waren, wobei die Heizkosten 50.000 Euro betrugen – wen juckt das? Folgerichtig gibt es auch immer Dumme, die den Parolen folgen, in diesem Fall der Fraktionsvorsitzende der SPD-Genossen, der den Abriss der ‚Dreckschleuder‘ fordert. Dass das Heizkraftwerk, das die Halle bedient, vor allem der Heizung des Hallenbads und der benachbarten Schule dient, weiß er wohl einfach nicht: Denn deren Abriss – da beide Gebäude aus der gleichen energetischen Epoche stammen – hätte er dann gleich mitfordern müssen. ‚Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand‘ – man sieht, dass Sprichworte nicht immer von der Realität gedeckt werden…

Und die Mehrheit mag der Diskussion nun müde sein, es wird der Zinssatz von 0,5% vorgerechnet und das alles eigentlich nichts kostet, weils später bezahlt wird. Und außerdem hätte man nun schon ein paar 100.000 Euro in die Planung gesteckt, da müsse man jetzt durch: Get Brexit done – Phase 5 erreicht!

Wie bei jeder guten Party folgt dann Phase 6: der Kater! Aber auch dagegen gibt es ein Mittel – einfach alles vergessen und die nächste Sau durchs Dorf jagen… – oder wie mir in diesem Zusammenhang ein Journalist auf der Basis seiner Erfahrung mit kommunalen Projekten sagte: „Wenn das Ding einmal läuft, wird weitergewurstelt und was es zum Schluss gekostet hat, interessiert bei der Einweihung kein Schwein mehr…“ – „Sir, Schuhwallhalle has been done!“.

Nachbarschaft aus der Retorte

‚Quartiersgenerierung‘ am Harztor

Wie entsteht Nachbarschaft? Klar, man muss irgendwie in räumlicher Nähe leben. Aber ist räumliche Nähe gleichzusetzen mit Nachbarschaft? Wohl nicht, denn es gibt idealtypisch zumindest 3 Arten von Nachbarschaft: Gute, schlechte und neutrale. Und sie hängt ganz einfach von den Menschen ab: man mag sich aufgrund irgendwelcher Konstellationen in der Vergangenheit oder aufgrund neuer gemeinsamer Aktivitäten – das sind die älteren Herren, die schon im Sandkasten miteinander gespielt haben oder die jungen Familien, die sich aus Stillgruppe, Kindergarten oder Schule kennen. Gute Nachbarschaft entsteht nicht aus sachlichen Zweckgründen, sondern weil es gefunkt hat, weil man sich mag. Und die gleichen Mechanismen wirken, wenn der erste Streit über den Flur oder den Gartenzaun ausgetragen wird – die schlechte Nachbarschaft wird genauso, aber mit negativer Energie betrieben.

Und dann gibt es die, die einfach nebeneinander wohnen, aber keine Berührungspunkte haben. Die alte, gehbehinderte Witwe, die den ganzen Tag zuhause sitzt und der junge Akademiker, der tagsüber bei der Arbeit und am Wochenende auf Party ist: die haben keinen Kontakt, außer der Postbote hat einmal die Briefe in den falschen Kasten geworfen. Und die beiden haben nichts mit der jungen Familie zu tun, die den Spagat zwischen Doppelbeschäftigung und Kinderkrippe übt.

Und wenn ich auf mein näheres Umfeld schaue: wo fängt Nachbarschaft an, wo hört sie auf? Sicher, es beginnt am Gartenzaun, aber es endet genauso sicher schon 200 Meter weiter: Ich weiß nicht, wer am Neustädter Ring wohnt, wie er/sie/es heißt und was sein/ihr Lebenszweck und -ziel sein mag. Nur eins eint uns: Wir wohnen hier und ärgern uns alle über die im Sommer zugeparkte Straße am Bergbad – nicht wegen der Normalparker, sondern wegen der Parker, die im Halteverbot abstellen. Aber das ist es – und es ist kein Thema, das uns ‚zusammenschweißt‘.

Aber nun reicht ‚Nachbarschaft‘ nicht mehr – und die Eigenschaft ‚Bürger einer Stadt‘ ist zu weit weg von der erlebten Lebenswirklichkeit eines Mitglieds des Habits….also wird der Begriff ‚Quartier‘ in die Diskussion geschoben – im Rollstuhl natürlich, denn er kränkelt etwas, beseelt von des Gedankens Blässe. Das Quartier als eine Gemeinschaft Leidens- und Lebensgleicher, die in einer räumlichen Nahbeziehung leben. Oder einfach ein Quadrant auf dem Stadtplan? Niemand hat diesen Begriff bisher vermisst, aber nun wird einfach mal aufgesetzt, da einige (sonst wohl arbeitssuchende) Geografen das nun auf der Agenda haben – und in ‚Gutachten‘ vermarkten können. Sind schlechte Gutachten eigentlich Schlechtachten?

So ein Schlechtachten wurde nun für die Innenstadt Northeims erstellt. Das wäre auch noch hinzunehmen, wenn man es als einmalige ABM-Maßnahme verstehen würde. Aber nun kommen die Folgekosten: die nächsten ABM-Maßnahmen, die ernst nehmen, was die Einfalt der Schlechtachten postulierte.

Ich will nicht verkennen, dass es etwas ähnliches wie Quartier geben könnte – in der Schlichtsprache ist so etwas als ‚Kiez‘ bekannt, wobei der normale Hörer sofort an St.Pauli, Halbwelt und Puffbetriebe denkt. Das ist zumindest eine Welt, in der die Bewohner dadurch verbunden sind, dass sie die auswärtigen Vergnügungssuchenden nach besten Kräften ausnehmen wollen. Auch die kölschen ‚Veedel‘ sind ähnlich definiert, sie leben davon, dass man entweder ‚drin‘ oder ‚draußen‘ ist – systemtheoretisch ist das die Tendenz, eine stabile Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt zu errichten und aufrecht zu erhalten, die das Veedel=denKiez=das System als solches erhält.

Was macht also den Kiez zum Kiez? Da gibt es verschiedene Faktoren: am einfachsten das Hineingeborenwerden, die Sandkasten- und Schulfreundschaften, die Lebensumstände (..wir schaffen alle bei der Conti..), die gemeinsam frequentierten Orte wie Kirche, Kindergarten, Stillgruppe, Kaffeebüdchen, Supermarkt oder einziger Hausarzt im Kiez – also da, wo man sich öfter trifft und evtl. auch einmal ein Wort wechselt. Denn am Anfang war das Wort. Das Wort von Mensch zu Mensch. Das Wort, das Sympathie oder Empathie signalisiert, das Wort, das andere dazu bringt, auch etwas in das Gespräch einzubringen, das Wort, das ein ‚Netzwerk‘ entstehen lässt, weil aus zufälligen Kontakten Kontakte werden zu Menschen, die man schätzt und mag. Und genauso entstehen daraus Abgrenzungen, weil es Menschen und Worte gibt, die man definitv nicht mag. Es gibt nicht die eine große Gemeinsamkeit – es werden sich immer Gruppen bilden, die einen wie auch immer gefundenen gemeinsamen Nenner haben. Und dann auch die, die nicht dazu gehören.

Diese Dynamik ist nicht in der Retorte herstellbar. Zu glauben, dass man sich (wer ist sich???) alle zwei Wochen für 90 Minuten trifft und irgendwelche ‚Geschichten von Daheim‘ erzählt – und dass sich daraus ein ‚Kiez‘ ein ‚Quartier‘ entwickelt – das ist Lebensblindheit pur. Oder ABM.

Wenn Frau Dr. NN-NN dann erzählt: „Da ist soviel Potential..“, dann ist das eine Bankrotterklärung. Potential – ja, das gibt es immer, zum Guten und zum Schlechten… Und wenn in 500 Wohnungen 1000 Menschen leben, dann wohnen 1000 Menschen in 500 Wohnungen. Und wenn sie nichts gemeinsames haben, dann passiert auch nichts. Da mögen sich ABM-Kräfte und Aktivisten lang hinstellen und ein Nachbarschafts-Parship oder Kiez-Tinder planen, solange es keine echten Gemeinsamkeiten gibt, wird das alles nur akademisierte Beschäftigungs-Therapie unter Verbrennung öffentlicher Mittel sein.

Eigentlich ist es wie im Hamburger ‚Kiez‘: Geilheit lässt sich mechanisch erzeugen und kaufmännisch abkassieren, aber echte Zuneigung und Bindung muss sich aus den Individuen heraus entwickeln, ist unberechenbar und trägt den Lohn in sich selbst. ‚Sich mögen‘ ist chaotisch und Sozialtechnologie wird daran scheitern – es sei denn, der Sozialtechnologe mutiert vom Beobachter zum Teil des Systems und generiert selbst das ‚Mögen‘, die Adhäsion. Aber dazu muss man nicht Sozialtechnologe sein…

Blüten des Feuilleton

Kulturpolitiker’s Zitatenschatz

„Über Politiker kann man lachen, aber nicht über deren Politik“ – so hörte ich es in einer Karnevalssitzung aus dem Jahre 2000. Egal, wie Kultur schöngeredet wird oder mit Neusprech auf enthobene Ebenen verschoben wird – das was in der Kultur zählt, ist letztendlich immer das Konto, auf das die ‚Staatsknete‘ geht, denn Kultur ohne öffentliche Förderung ist nicht denkbar, da sie ja einfach nicht produktiv ist, sondern das Blumensträußchen, das sich eine Gesellschaft leistet, in der die Grundbedürfnisse der Menschen in etwa bedient werden.

Und wer staatliche Zuschüsse erhalten will, muss in unserer gesellschaftlichen Auffassung von Leistung und Verdienst zumindest einen Ansatz von Begründung haben, warum er/sie/es und nicht ein anderes er/sie/es Zuwendungen erhalten soll. Und so kommt es zu Deutungen und Legitimations-Argumenten in der modernen, entwickelten Kulturbürokratie. In der ZEIT vom 13.2.20 kommen exemplarisch Ina Hartwig und Carsten Broda zu Wort. Da fiel mir ein, dass ein Klangkörper viel Hohlraum haben muss, um einen großen Klang erzeugen zu können.

Der Hohlraum könnte vorhanden sein, allein der große Klang will sich nicht – zumindest bei mir – einstellen. Vielleicht geht es jemandem anders (er/sie/es) auch so, hier also ein paar Kostproben von dem, was meinen Kopf einige Zeit in horizontale Schwingungen geraten ließ:

„Museen, Theater, Opern und freie Bühnen schaffen einen notwenigen öffentlichen Hallraum..“ (das tun auch Berge in Form von Echo…)

„In der Elbphilharmonie begegnen sich Menschen in ihrer Differenz“ (das tun sie auf der Reeperbahn auch…)

(Im Theater) „Plötzlich verstehe ich etwas, das ich vorher nicht verstanden habe. Gerade durch das Ästhetisierte kommt mir die Wirklichkeit dann so nahe, wie sie mir vorher nie gekommen ist.“ (Da hilft eigentlich ein ‚Augen auf im Straßenverkehr und anderswo.., ich hab im Theater noch nie ein lautes ‚AHA‘ vernommen..)

„Teilweise zerreißt Kultur nämlich auch etwas und sorgt für Kontroversen. Das soll sie auch, weil sie uns dadurch aufmerksam macht auf das, was zerrissen ist“ (Wie wahr, das weiß jeder, der schon versucht hat, sich mit einem zerrissenen Tempotuch die Nase zu putzen..)

„Die Kultur hat die Chance, das Allgemeine zu repräsentieren. Aber dieses Allgemeine der Kultur ist eben etwas, worüber man sich aktiv verständigen muss“ (Das sollte man mal Montag abends in Dresden erzählen…, da gibt es mindestens zwei alternative Repräsentationen, meistens aber noch viel mehr..)

„Denn das Allgemeine ist in der Moderne nie aus sich selbst heraus gegeben“ (..und nicht nur in der Moderne, das Allgemeine ist dann der universelle Weltgeist, den es nur zu erkennen gilt….o sancta simplicita)

…dass „das Rätsel, was Kunst mit Menschen macht, nie gelöst wurde glücklicherweise.“ (Denn wir wissen nicht, was wir tun…)

„Die Migration von kulturellen Energien lässt sich in Museen besonders gut erleben. Für eine migrantisch geprägte Gesellschaft ist das eine Chance, genau dies vor Ort zu studieren und abzugleichen mit der eigenen Selbsterzählung.“ (Gut, dass das mal jemand sagt, darauf wäre ich ja nie gekommen!)

„Die Geschichten, die erzählt werden, sollten schon beim Kuratieren auf das Publikum zielen, das man erreichen will.“ (Auf wen sonst? Den lieben Gott?)

„Museen sind ja selbst lokal sozialisiert und können mit klugen Ausstellungen auch mit ihren Orten sozial kommunizieren.“ (Gibt es unlokale Sozialisierung oder unsoziale Kommunikation? Kommunikatiuon geht nur von Subjekt zu Subjekt, es sei denn, man übe öffentliches Reden mit Steinen im Mund vor der Meeresbrandung..)

Dann wird aus dem Museum ein zivilgesellschaftlicher Ermächtigungsort, der eine bewusste Einladung ausspricht – (…) Wir wollen miteinander arbeiten.“ (Vulgo: Im Museum kann man was Neues sehen… ich verabscheue das Wort ‚Ermächtigung‘!)

„Umso mehr müssen Räume der Kultur verteidigt werden als Räume, in denen Spannungen ausgehalten werden.“ (Das gilt genauso gut bei Kneipen, in denen die Kneipenkultur ausgehalten werden muss – klappt ja meistens, außer in der Northeimer ‚Kölsche Bar’…)

„Zunehmend fällt eine Allianz auseinander, die wir lange unterstellt haben, weil wir glauben, der Kampf für die Freiheit der Kunst sei immanent auch ein Kampf für die Selbstermächtigung bisher marginalisierter Gruppen. Solange wir aber Milieus haben, die deutlich überrepräsentiert sind, findet diese Selbstermächtigung der Marginalisierten nicht statt. Die Kritik an den Machtverhältnissen wendet sich auch gegen die Repräsentanten des Kulturbetriebs.“ (Die Mehrheit ist die Mehrheit ist die Mehrheit…., warum sollte es hier anders sein? Randgruppen bekommen Leckerli…)

„Es wäre falsch, Kunst so weit zu neutralisieren, dass sie nur noch in dern Wohlfühlräumen der jeweiligen Erfahrungszusammenhänge stattfindet. Das Problem ist, dass wir Unwuchten haben im Kunstbetrieb, weil von einer gleichrangigen Teilhabe aller Gruppen noch nicht die Rede sein kann.“ (Da wäre auch mal zu überlegen, ob alle überhaupt ein Interesse daran haben oder nicht Fußball, Kniffeln oder eine Weinprobe vorziehen…)

Fazit: Es muss uns verdammt gut gehen, dass wir uns diese Kulturpolitiker und deren Blasenbildung leisten können.

Ein Loch ist im Eimer…

…dann flick es, dann flick es, mach’s zu!

Ja, das waren noch echte Ratschläge, die das Medium Terzett den Schlagerfreunden Anfang der 60er Jahre lieferte! Schaut man auf mein Lieblingsfeld, die Northeimer Lokalpolitik, dann lautet der Grundsatz heute: „Oben einfach mehr reingießen als unten rausfließt, dann wird der Eimer auch voll!“

Heute werden wir wohl, angetrieben von den vergnügungssteuerfeindlichen Handball-Lobbyisten, noch Zeuge, wie ein richtiges Fass aufgemacht wird bzw. ein Loch in den Eimer geschlagen wird: ein Handball-Palast für mehr als 15 Millionen Euro – aber das sind nur die Plankosten in der Vorbereitungsphase. Sieht man auf Projekte wie den Feuerwehranbau in Hillerse (570.000 -> 1.000.030 Euro) oder die Multifunktionshalle in Einbeck (1,4 Mio -> 2,5 Mio Euro), kann man schnell ahnen, dass die 20 Mio. ohne Problem gerissen werden, zumal man schon in Hillerse bei den Mehrkosten darüber räsonniert, dass zu den geschätzen Kosten überhaupt kein Betrieb in dieser Konjunkturphase anbietet. Beim Bau haben wir derzeit einen ganz deutlichen Verkäufermarkt, was in zweistelligen Kostensteigerungen pro Jahr dokumentiert wird – neben den ‚üblichen‘ Planungsfehlern.

Und da kommt dann ‚unsaa Doktaa‘ Roy Kühne prompt zur Sache bzw. in das Lokalblatt: Natürlich würde er sich darum kümmern, dass Bundesmillionen den Weg nach Northeim finden werden, wenn die braven Kinder im Stadtrat ein klares Signal geben würden. Und nicht so rumzicken – das muss dem geneigten Leser bei der Formulierung wohl in den Sinn kommen. Das ist wieder das Gut-Böse bzw. Schwarz-Weiss-Muster: Wer nicht für DIESE Halle ist, der ist gegen JEDE Halle. Der alte Unsinn: es geht nicht um Halle ja/nein, sondern um Halle um jeden Preis oder um jeden vernünftigen Preis: Viele würden sich sicher gern einen Porsche kaufen, aber die allermeisten verzichten darauf, weil die ‚Kohle‘ einfach nicht da ist.

Aber statt darüber eine vernünftige Diskussion zu führen, wird dem Esel einfach mal ein Leckerli vor die Nase gehalten, damit er weitertrottet, um es zu schnappen. Natürlich würde er sich um Bundesförderung bemühen, aber das sei ja schwierig, da der Fördertopf dafür heute schon deutlich überzeichnet wäre. Was soll das? Das ist Generieren von PR-Flächen in der lokalen Presse – und das kann ‚unsaa Doktaa‘.

Und statt konstruktiv über eine finanzierbare Lösung mitzureden, wird einfach andersrum agiert: egal, was kost‘, dann muss eben mehr Geld her. Das Loch ist da, egal, dann muss eben mehr Wasser oben rein – so ist halt alles immer im Eimer… Verursacht so etwas evtl. die Berliner Luft, die ja auch dazu führt, dass man glaubt, CO2 direkt durch zusätzliche Steuern zu vermindern.

Hier nennt man sowas dann (sofern man nicht im Bann des Parteibuchs mit dem Schweigegelübde ist) ‚rum-doktaan‘ an den Symptomen. Das ist nicht die Suche nach dem Grund und das Bekämpfen der Ursache. Da bleibt die Gesundung fern, aber manche halten die Unterdrückung der Schmerzen ja auch schon für Heilung; das sind dann die, die auch glauben, dass der ‚Playboy‘ das Mitteilungsblatt des Vatikans sei…